Ausgabe 
29.10.1872
 
Einzelbild herunterladen

ultimo bis zu einem gewissen Grade zu entledigen. Zudem feblte es an jeder Anregung von außen, da

Berlin und Wien sortgesetzt flaue Stimmung bekundeten und die Londoner Discontoerhöhung wie ein Damokles, schwert über der Börse hing. Der günstige Eindruck, den die Nichterhöhung hervorbrachte, ward durch die Report⸗ berhältnisse des Berliner Platzes wieder paralysirt. 5 Staatsbabnactien hielten sich am beliebiesten und ge⸗

dtpannen nach verschiedenen Schwankungen wieder den Furs vom vorigen Samstag, während Cxeditaclien und Lombarden 2 fl. zurückblieben. Oesterreich. Nattonal⸗ Hankactien verloren 24 fl., nachdem die Ausgleichover⸗ Handlungen mit Ungarn nicht den von der Böl se erwar⸗ leten raschen Fortgang neymen. In den übrigen Banken war das Geschäst, mit Ausnahme von Frankfurter Bank⸗ bgberein, der auf das Gerücht von der Ausgabe neuer Actien stark poussirt wurde, sehr bescheiden und die Kucse weisen keine wesentlichen Veränderungen auf. In Bahn⸗ actien herrscht das Angebot vor und Elisabeth verloren 5, SGializier, Nordwest 3 fl. Auch Buschterader schließen niederer, und nur Donau⸗Drau sowie Franz Joseph zogen An. Bayiische Ofibahn besserten sich um% hessische dudwigsdahn 1, pfälzische Nord um 2, wähcend Oberhessen ½ und Rhein⸗Nahe über 30 ö einbüßlrn. Die Zeichnungen auf Berlin⸗ Dresdener E. B. siud so massenbaft einge⸗ laufen, daß eine beiräch tliche Reduction staufinden muß. Prioritäten blieben bei schwachem Geschäft ziemlich un⸗ serändert; nur Lemberg⸗Lzerinowitzer verloren%. Bon österreich. Renten schließt Silderrente ½¼ niederer. Badische und Bayrisch 48 und% Fonds gleichfalls bil. liger. Russen eine Nummer vesser. Von amer kanischen Staatenvonds nur 1881 r. beliebt; die andern weichend. Amerikanische Prioritäten bei sehr beschränkien Umsätzen obne nennenswerthe Veränderung. Das Gleiche gilt von Doosen, von denen nur österreich. 1839er 7 fl. stiegen und 1854er, auf welche wir vor 8 Tagen ausmelksam gemacht, fich 1 5% besserten. Von Pfandbriefen gingen bayerische und Finnländer ½% höher; jene der Ryeinischen Hyp. Bank halten sich dauernd beliebt. Wechsel und Sorten fat unverändert. Napoleons begehrt!.

Ein

*

offenes Wort an unsere Land⸗ wirthe in Stadt und Land! Nach den Mittheilungen dieser Blätter wird die Ackerbauschule zu Friedberg ihren zweiten Cursus am 2. k. M. beginnen. Sie will, wie ihr Programm uns mittheilt, sich nicht allein bei ihrem Unterrichte eng an die Volksschule anschließen und ihre Schüler befähigen, die Fachwissenschaften

2.

2 N 2 8 e

*

nach eignem Urtheil und nach vernünftigen Grund sätzen wirthschaften können. Wenn in der so oft gerühmten und gepriesenen guten alten Zeit der Betrieb einer Wirthschaft rein mechanischer Natur war and in zweifelhaften Fällen die Bauernregeln des Kalenders den Ausschlag geben mußten, so ist dies heutzutage ganz anders. Was der Landwirth in der Gegenwart praktisch ausführen soll, muß er geistig erfaßt haben; er muß sich der Gründe bewußt sein, warum er so und nicht anders wirth schaften kang, die Produktionsbedingungen beur theilen, den Verkehrsverhältnissen Rechnung tragen und die Hülfsmittel des Betriebs, wie sie ihm durch die Fortschritte in Wissenschaft und Technik geboten werden, richtig verwerthen können. Dazu bedarf er aber einer Summe von Kenntnissen, wie sie ihm die Volksschule mit ihren größtentheils überfüllten Klassen und bei dem Mangel an Lehr. mitteln nicht bieten kann. Der Besuch von Fach schulen ist daher für ihn unerläßlich. Leider wird aber diese Nothwendigkeit von Vielen nicht erkannt. Die Landwirthe haben sich zu ihrem eigenen Nach- theil den Bildungsbestrebungen der Neuzeit viel zu fern gehalten. Während Handel und Gewerbe die Fortschritte in Kunst, Wissenschaft und Technik ausbeuteten und in blühenden Zustand gelangten, verhielt sich die Landwirthschaft theilnahmlos. Stillstand ist aber Rückgang!

Der Staatsregierung konnte dies nicht gleich giltig sein. Der Stand der Landwirthe is der zablreichste und produklipste; von seinem Wohl- befinden hängt der allgemeine Wohlstand und die Steuerkraft des Landes wesentlich ab. Auf ihre Anregung und unter ihrer Protektion entstand der landwirthschaftliche Verein, welcher in öffentlichen Versammlungen und Ausstellungen durch Wort und Beispiel einen besseren Betrieb anzubahnen suchte. Aber nur zu bald erkannte man, daß dies keineswegs genügte. Sollte die Landwirthschaft die ihr gebührende Stelle im Staate einnehmen und Handel und Gewerbe sich ebenbürtig zur Seite stellen können, so mußte neben der allge

1 1

101 gründlich zu verstehen, sondern auch sie soweit mit Letzteren vertraut machen, daß sie selbstständig

meinen eine bessere berufliche Bildung der Land

wirthe angestrebt werden. Man gründete zu diesem Zwecke Ackerbauschulen; in unsertm Lande die zu Friedberg, Darmstadt und Worms. Die Ackerbauschule zu Friedberg, welche früher ein Privatinstitut war, wurde im vorigen Jahre von dem landwirthschaftlichen Verein für Oberhessen neu ins Leben gerufen und wird von ihm unter Beihülfe der Kreiskasse, des Mathildenstifts und der Stadt Friedberg mit namhaften Opfern unter⸗ halten. Zwei Fachlehrer sind besonders für die selbe angestellt, die Lehrmittel sind vermehrt und da sie für einen zweijährigen Cursus eingerichtet ist, so kann sie allen billigen Anforderungen ge nügen. An den Landwirthen ist es nun, die sich ihnen in nächster Nähe darbietende Gelegenheit zur beruflichen Aus bildung ihrer Söhne in reichstem Maße zu benutzen und so den Dank gegen den Verein wie gegen die Männer, die sich mit der größten Uneigennützigkeit der Leitung der Anstalt unterziehen, zu beweisen. Möge der. November recht viele junge Landwirthe in der Anstalt zu gemeinsamem ernstem Streben vereinigen und dit selbe eine Quelle reichsten Segens für unsere Provinz, eine Zierde des landwirthschaftlichen Vereins für Oberhessen und ein Denkmal geistigen Strebens unserer Landwirthschaft treibenden Be völkerung werden! Das walte Gott!

Marhlberichte.

Grünberg, 26. October. Die Preise auf unserem beutigen Fruchimarkte betragen: Waizen(100 Kilo) 14 fl. 57 kr.; Korn(90 K.) 8 fl. 50 kr.; Gerste(80 K.) 7 fl. 49 kr.; Hafer(60 K.) 4 fl. 26 kr.; Molter(90 K.) 8 fl. ke.; Erbsen(110 K.) 9 fl. 53 ke.; Linsen (100 K) 11 fl. 20 kr.; Saamen(90 K.) 15 fl. kr.; Kartoffeln(100 K.) 2 fl. 2 kr.

Mainz, 25. October. Am heutigen Markte war es stille. Zu notiren ist: Waizen effectiv 1515½ fl., per Nov. 15 ½ fl., per März 14 fl., per Mai 14⅝1½¼½g fl., Korn effectiv 10 fl., per Nov. 10 ¼½ fl., per März 10½ fl., per Mai 10 ½ fl., Gerste, Pfälzer, 11 11 ½ fl., Franken 11¾ö2 113ù4 fl., Haser 423 45 6 fl. In Rüböl wenig Geschäft, effectiv 22½ fl. obne Faß, per Mai 22¾ fl. mii Faß. Leinöl 24½24¾ fl., Mohnöl 36 fl., Koblsamen 19½ 20 fl., Hülsenfrüchte blieben ziemlich unverändert. Repskuchen 82 90 fl.

9 reren 2969 Dienstag den 29. d. M., Mittags 1 Uhr, soll die Müdle dee Louis Roß dach von Polzbausen mit 2 Mahigängen, gehöriger Wasserkraft und 15 Gefälle, sowle circa 9 Morgen Wlesen und Ackerland, einigen Mobitien und circa 50 Centner Heu auf hiesigem Rath baus öffentlich meiflbietend verßeigert werden.

Die Müble liegt in der Nähe des Orts und ist pon den Eisenbahnstationen Pomburg, Nieder⸗Wöllstadt und Koppenbeim 1 Stunden entfernt.

Holzbausen am 19. Oktober 1872.

4 Großherzogliches Ortsgericht Holzhausen. 5 f Kitz, Vorsteher.

Bekanntmachung.

3011 Das seither von Theodor Gürth und Ludwig ei Seibert zu Friedberg unter der FirmaGüreb und Selber delriebene chem sche Faorikgeschäft ift von venselden freiwillig aufgelö.! woreen. Ludwig Selbert pat sämmtliche Acuva und Passiva übernommen und Furt nunmebr das Geschäft lc seine alleinige Rechnung unter der FirmaLudwig Seibert wieder fort. Die nöthigen Ein räge find heute im Firmen Register unter Nr. 160 und 164 eisolgt. Friedberg am 22. Okiober 1872. atem, e Friedberg. e.

N 2

3012 Freitag den 1. November d. J., Vormittags 10 Uhr, soll in Zo'ge eingelegten Nachgebels die zum Nachlasse des Koppel Marx dahier gehörende Hof⸗ Lalthe: i 3 Gemarkung Friedberg. Flur. Nr. Klstr. 2. 524. 10. Hofralthe in der Judengasse zum letztenmale öffentlich metäblelend versteigert werden unter dem Bemerken, daß Nachgebote nicht, mehr an genommen und dem Letztbietenden die Genehmigung sosfort ertbellt werden soll. ö rtedberg den 26. Oktober 1872. Goßherzogliches Ortsgericht Friedberg. F o uc ar.

Oefen und Herde,

Hofraithe⸗Versteigerung.

1 wie gußeiserne Kochgeschirre e 2995 billigst bei 7 10 Carl Bauer in Assenbeim.

Urtheil. 3013 In Sachen der Ehefrau des Heinrich Wester⸗ weller von Beienheim Katharine, ged. Habn, Klägerin gegen ihcen Ehemann undekannt wo? abwesend, wird in Erwägung:

daß Klägerin und Beklagter evangellscher Con fesston si d und nach eingelangter Bescheinigung am 5. März 1868 durch den Suffragan Pastor Mo nod in der reformirten Kirche zu Rouen nach refor⸗ mittem Ruus getraut worden find, in weiterer Erwägung, daß die von der Klägerin geltend gemachten Ebescheidungs gründe, der bös⸗ lichen Verlassung und des Ebebruchs, auf Seiten des Beklagten hinreichend bescheinigt find und über⸗ dies in Gemäßheit des dem Beklagten in der öffent⸗ lichen Ladung vom 23. April 4. J. angedrobten Rechts nachtbeils für zugestanden angeseben werden müssen, indem der Beklagte innerbald der ihm daseldst vorbestemmten Frist keine Elklärung auf die gegen ihn erhobene Ehescheidungsklage ab gegeben bat, in endlicher E. wägung, daß nach den Befffmmungen des evangellchen Kirchenrechts jede det erwähnten Ebescheirungsgründe genügt, um auf Ansteben des beleidigten Theils eine Trennung der Ehe vom Bande durch Richterspruch eintreten zu lassen, auf Grund der vorausgegangenen richterlichen Infor⸗ mation und der vorgesetzten Entscheidungsgründe nach dem wiederholten Antrag der Klägerin hiermit zu Rech: erkannt: 1) das Eheband zwischen der Klägerin und dem Be⸗ klagten werd für getrennt erk ärt, 2) der Beklagte wird in fämmtliche Prozeß kosten ver⸗

urthellt. V. R. W. So entschieden Friedberg den 21. Oktober 1872. Orobpberzogliches Landgericht Friedberg. Reiß, Langermann, Landrichter. Landgerichts Assessor.

Ginstern ⸗Versteigerung. 3014 Donnerslag den 31 d. M. sollen im blesigen Ge meindewald, Distrikt Matzenplacken, 3060 Gebund Ginstern versteigert werden.

Der Anfang ist präcis 9 Uhr Vormittags. Zahlungs termin 1. März 1873.

Ober Mörlen am 26. Oktober 1872.

Großherzogliche Bürgermeislerei Ober⸗Moͤrlen. e.

Feinstes Vorschußmehl

2578 billigst bei Friedberg. M. D. Loeb.

Wurmpatronen

das Stück zu 3 kr.,

Brustpastillen, 1585 ärztlich empfohlen als bestes Mittel gegen Husten, Heiserkeit, Hals u. Brustleiden, in Schachteln à 17 kr zu daben bei Hofapoiheket Sturmfels.

2 8 9 5 5 0 8 8 5 32 * 2 2 2 2 888 8 8 8 5 E 685 5. 880 Die soeden erschienene Nr. 4 entbält: 8 3

Der Buchfübrer von Lemgo. Roman von Georg Hestkiel.(Jorisetzung.) Zum Gedächtuiß des Malers der Reformation. Zu dem Bilde von. von Osr: Lukas Kranach tröstet den gefangenen Kurfürssen Johann Frierrich den Großmüthigen. Das neue Japan. Der Lieblingssitz eines königlichen Romantikers. Wit Abblldung von Hohenschwangau. Am Famtlientische: Der Welttelegrapb. Des Büttels Flasche. Mit Ad⸗ bildung. Ftische Trauden im Winter. Mit Adbudung. Schildkrötensuppe für die Millsonen. Modedilder und geistliche Amistrachten des vorigen Jahrhunderts. Mit 2 Bildern nach Chodewiecki.

Zu Beflellungen empfeblen sich

Bindernagel& Schimpff in Friedberg.

2984 Unter Bezugnabme auf meine vorfährige Annonce wiede bole ich biermit, daß ich für keinerlei Schulden aufkomme, die etwa in meinem Namen conttahirt sein oder werden möchten.

Frankfurt a. M. im October 1872.

(6080) Josef Greil.