Ausgabe 
29.2.1872
 
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kratische Wesen zu beseitigen. Ferner wünsche er, vorgeschritten und liegt eine bedeutende Summe

daß den Beamten einer großen volkreichen Stadt, wie Darmstadt, Mainz, ein größerer Gehalt zu- falle, wie solchen, welche an einem kleineren Orte domiziliren. Was endlich die Pensionäre und Wittwen betrifft, so halte er dafür, daß der Staat diejenigen Diener, welche ihm mit Treue und Eifer gedient, nicht wie Bettler an der Straße steben lassen dürfe und daß auch in dieser Beziehung Kechnung getragen werden müsse. Backe findet, daß ibm der Vorredner seine Aufgabe, der Kammer seinen Antrag nochmals ausführlich zu empfehlen, erleichtert hätte und er sich deßhalb erlaube nur eine Vergleichung aufzustellen mit anderen Staaten, in welchen ebenfalls die Be- amtengehalte aufgebessert würden. Er halte die Anforderung der Regierung für viel zu gering und eine Erböhung von 75 pCt. in jeder Be⸗ ziehung gerechtfertigt. Er beantrage, daß nach Annahme der Regierungsvorlage oder den An- trägen des Ausschusses die Gehalte bis zu 500 fl. noch um ¼ erhöht würden. Bezüglich der nach Taggeldern bezahlten Beamten beantragte er, daß auch diese entsprechend erhöht werden müßten und weiter stelle er den Antrag, daß die Naturalver- gütung beibehalten würde. Abg. Goldmann bält es für überflüssig, noch mehr über die gedrückte Lage der Beamten zu sagen. Wenn man erwäge wie alle Privatanstalten und Bankhäuser ihre Be amten bezahlen, so sei die Erhöhung der Besol dungen der Staatsdiener vollständig gerechtfertigt. Et hoffe, daß die Kammer ihre Abstimmung nicht von dem Antrag des Abg. Dumont abhängig mache, sondern die Aufbesserung der Gehalte als eine bleibende beschließe. In ähnlichem Sinne sprechen Schäfer, Wirth, Curtman und v. Löw, welch Letzterer will, daß auch die Frage über die Aufbesserung der Schullehrergehalte mit der heu tigen Frage gelöst werde. Die Sitzung wird hierauf vertagt.

Vom Vogelsberg schreibt man derFft. Pr.: Die Verhandlungen zwischen Berlin und Darmstadt wegen Errichtung eines deutschen Re monte-Depsts bei Ulrichstein scheinen zu Gunsten unseres Gebirgs zu verlaufen, indem in diesen Tagen die hessischen Forstbehörden die Weisung erhielten, die für 1872 vorgesehenen Waldcultur arbeiten in dem Theile des Oberwaldes, wo die Weideplätze der Pferde sich finden, nicht in An⸗ griff zu nehmen.

Berlin. Der Präsident des Herrenhauses, Graf zu Stolberg, hat die Mitglieder desselben durch Circular in Kenntniß gesetzt, daß er die nächste Plenar Sitzung des Hauses auf den 4. März anberaumen werde, und bittet ferner mit Rücksicht auf die demnächst zur Verhandlung ge⸗ langenden sehr wichtigen Gegenstände zu diesen Sitzungen möglichst zahlreich zu erscheinen. In der Sitzung am 4. März wird voraussichtlich das Gesetz über die Oberrechnungskammer zur Be rathung gelangen, sowie die übrigen Gegenstände, welche sich bis dahin angesammelt haben werden. Am 5. März würde dann keine Sitzung sein, um den Fractionen Zeit zur Berathung über die am 6. März beginnende wichtige Debatte des Schul- aufsichtsgesetzes zu lassen.

In Meldungen an auswärtige Blätter wird das Gerücht von dem Rücktritt des Handels- ministers Grafen Itzenplitz bestätigt mit dem Bei fügen, daß zu dessen Nachfolger Bergrath Achen bach(freiconservativ) ausersehen sei.

Die Nachricht, welche kürzlich durch die Blätter die Runde machte: daß die Bewaffnung der deutschen Infanterie mit dem neuen Gewehr sehr nahe bevorstehe, wird von derAllg. Mil. Ztg. jetzt dahin präcisirt, daß es sich hierbei lediglich um die bekanntlich schon im Sommer 1870 begonnene und vor dem Kriege sistirte Ausgabe des aptirten Zündnadelgewehres handelt und daß keineswegs jetzt schon von einer Austheilung des neuen Gewehrmod elles die Rede sein kann, dessen Massenanfertigung in jedem Falle längere Zeit in Anspruch nehmen muß, als jene Zeitungsschreiber anzunehmen scheinen.

München. Die Prägung der Reichsgold-

münzen ist in der k. Münze dahier bereits weit

derselben zur Ausgabe bereit, doch wird in dieser Beziehung erst noch eine nähere Weisung des Reichskanzleramtes erwartet.

Der erste Innthaler Katholikenverein dankte in einem an Fürst Bismarck abgegangenen Tele- gramm demselben als Gründer der deutschen Einig⸗

keit, als Führer auf der Bahn nationaler Be

strebungen undVorkämpfer für Freiheit und Recht. Fürst Bismarck dankte auf telegraphischem Wege für die ausgesprochenen Glückwünsche und die Bekundung landsmannschaftlicher Uebereinstim mung in Gesinnungen und Bestrebungen. Stuttgart. In der Kammer der Abgeordneten wurde der Commissionsantrag auf Vereinigung des Ministeriums des Aeußern mit einem andern Mini- sterium mit 62 gegen 14 Stimmen angenommen.

Ausland.

Frankreich. Paris. Bei den in den Bürkaux der Nationalversammlung stattgehabten Berathungen wurde, wie derTemps sagt, Seitens der Minister zugegeben, daß der von

Gesetzentwurf Abänderungen erfahren könne. Die Minister betonten ferner, daß der Entwurf nicht den monarchischen Manifesten gelte, sondern einzig gegen die Angriffe und Verläumdungen der Um sturzparteien gerichtet sei. Eine Verständigung über die Vorlage wird nunmehr als wahrscheinlich be trachtet.

aus Antwerpen, welche besagt, daß der Graf von Chambord, von dem Wunsche geleitet, daß seine Anwesenheit nicht einen Anlaß zu Unruhen und einen Vorwand zu Feindseligkeiten darbiete, seine Freunde aus Frankreich aufgefordert habe, ihre Besuche einzustellen.

In Cherbourg glaubt man Vorbereitungen gegen Landungsversuche des Ex-Kaisers treffen zu müssen; die Behörden haben deshalb denAriel ausgesandt, um die Küsten zu überwachen, und derColigny und derKersaint haben Befehl erhalten, sich zum Auslaufen bereit zu halten.

Die Discussion über die Petitionen, welche verlangen, daß Frankreich nur einen Gesandten in Rom unterhalte(nämlich den beim Papste), ist auf nächsten Samstag vertagt worden. Die Clericalen haben große Anstrengungen gemacht und eine Masse Petitionen nachgeliefert. Zuerst betrugen die Unterschriften derselben 60,000, jetzt betragen sie 250,000.

Aus Paris meldet dieEtoile belge: Thiers sei entschlossen, das neue Preßmaßrege⸗ lungs gesetz nicht zu modifieiren.

Man versichert, daß der Gesandte in Stock holm, Fournier, zum Gesandten Frankreichs in Rom ernannt sei und in kürzester Frist auf seinen Posten abgehen werde.

Versailles. Ein Brief Barthelemy St. Hi⸗ laire's erneuert im Namen Thiers die Versiche⸗ rung, daß derselbe an der Republik festhalten werde. Alle seine Bemühungen hätten diesen Zweck im Auge. Der der Nationalversammlung vorgelegte Gesetzentwurf Lefrance's werde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die einige dahin zielende Maßregel sein.

Belgien. Brüssel. Die Lage in Ant- werpen ist sehr ernst und die Aufregung im Steigen. Am 24. d. Abends erwartete man be reits ein Handgemenge des Volkes mit der Polizei.

Aus Antwerpen wird gemeldet: Die Demon stranten sind sämmtlich mit Knütteln bewaffnet. Es haben ernste Unordnungen stattgefunden.

In Antwerpen wurde der Graf Chambord am 26. d. beim Ausgang zur Kirche mit dem Rufe:Es lebe der König von Frankreich! empfangen. Der Oberst der Bürgergarde be schwert sich, daß die Polizei bewaffneten Banden mit weißer Fahne Aufzügen in den Straßen ge⸗ stattete. Die Bürger haben den Staatsprocurator beuachrichtigt, sie würden Angesichts dieser Vor⸗ gänge nur bewaffnet ausgehen. Die Aufregung ist sehr groß.

27. Febr. In der Deputirtenkammer be stätigte aus Anlaß der Interpellation Couvreur

DieUnion veröffentlicht eine Depesche

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der Minister des Auswärtigen die heute Morgen erfolgte Abreise des Grafen Chambord.

Antwerpen. Der Graf von Chambord empfing am 25. d. 250 Abgeordnete der Stadt Lille. Auch aus anderen Städten werden Depu⸗ tationen erwartet. Die vor dem HotelSt. An. toine versammelte Menge verhielt sich stillschweigend.

DieEtoile belge meldet aus Lille. Die an den Grafen Chamhord von hier abgesandte Legitimisten-Deputation wurde bei ihrer Rückkehr von Antwerpen mißhandelt und ihre Wagen zer⸗ trümmert.

Großbritannien. London DieDaily News enthalten ein Telegramm aus Newyork, welches meldet, daß die Antwort der Unions regierung, obwohl diese auf ihren Forderungen bestehen bleibe, doch in einem maßvollen Tone gehalten sein werde. Die Regierung glaube, eine gehörige Auseinandersetzung der Klageschrift werde die bestehenden Schwierigkeiten beseitigen.

Nach einem Telegramm aus Calcutta vom 20. Februar hat General Bourchier eine Anzahl feindlicher Stämme unterworfen, welche bedingungs-

2 i f ine Lefranc, dem Minister des Innern, eingebrachte los Waffen und Geißeln auslieferten und eine

Geldbuße bezahlten.

Italien. Rem. Der Papst hat 28 neue Bischöfe ernannt und zwar 20 für Itakien, 8 fär das Ausland. Unter den letzteren befinden sich 2 für Rußland, je einer für Steiermark und Polen.

Der König hat dem Prinzen Friedrich Karl von Preußen das Großkreuz des Militär- Ordens von Savohen verliehen.

DerLibertà zufolge wurde der Depu⸗ tirte und Journalist Borghi von der englischen und der amerikanischen Regierung ersucht, die Alabamafrage zu studiren und ein Gutachten da- rüber abzugeben.

Friedberg. Die alljährliche Fastnachtsabend⸗ unterhaltung desFrohsinn wurde diesmal erst am letzten Sonntag abgehalten, da, einige Mitglieder früher mitzuwirken verhindert waren. Nech dem Spruche:Was lange wäbrt, wird gut, war auch sie nur um so genuß⸗ reicher. Gestarten Sie über diese köstliche Blüthefroh⸗ sinniger Wirksamkeit nur die Bemerkung, daß die ver⸗ schiedenen theatralischen Aufführungen und sonsligen Schwänke durchweg gelungen, vielfach mit einer Vollendung zur Darstellung kamen, die auch strengeren Kunstforde⸗ rungen vollauf gerecht wurde, so daß die Wirkung eine durchschlagende, zu ungeheuerfter Heiterkeit fortreißende war und das einstimmige Urtheil aller Anwesenden in den einfachen Worten sich äußerte, die man im Gefühl vollständigen Befriedigtseins bei einem Kunstgenuß immer gebraucht:Es war schön! Und zwar bezog sich dies letztere gleicherweise auf den der Situation so angemessen gewesenen, mit Frische und Feinheit gesungenen Chor: Was kraucht dort in dem Busch herum? wie nicht minder auf die freundliche Miwirkung der Dilettanten kapelle, deren Streben und bereits errungener Tüchtigkeit warmes Lob gebührt. Solchen Abend ließen sich Alle, welche die paar köstlichen Stunden verlebt haben, sicher gleich noch einmal gefallen, wenn's eben zweimal Fastnacht wäre. Kommt aber wieder ein Winter in's Land, so wird hoffentlich bei demFrohsinn abermals das Wort Geltung haben:Saure Wochen, frohe Feste.

Mainz. Wie Berichte aus Mainz mittheilen, ist der von einer losreißenden Kette des am Freitag verun⸗ glückten Güterzuges niedergeworfene Arbeiter nicht gestor⸗ ben; glücklicherweise erholte sich derselbe schnell wieder von dem Unfall und hat wie ein anderer Arbeiter, der gleich falls von einer losreißenden Kette verletzt wurde, bereus wieder seinen Dienst angetreten. Auch beträgt der Schaden an zertrümmerten Wagen nicht, wie man anfangs geglaubt, 100,000 fl., er wird schwerlich 15,000 fl. übersteigen.

Klein ⸗Krotzenburg. Unter den hess. Orten am Main hat sich jetzt die Gemeinde Klein⸗Krotzenburg durch Aufbesserung der Gehalte ihrer Lehrer rühmlichst ausge⸗ zeichnel. Nachdem sie schon vor drei Jahren die beiden Schulstellen daselbst je um 35 fl. erhöht hatte, wurde durch einhelligen Beschluß des Gemeinderaths jedem Lehrer eine weitere Zulage von 75 fl. vom 1. Januar 1872 an bewilligt.

Leipzig. Gegenüber einer Mittheilung derF. Z. erfährt derB. B. C., daß nicht 1 Million, sondern nur ca. 20,000 Tylr. Pfandbriefe der Sächsischen Hypo⸗ thekenbank nicht rechtzeitig angemeldet und daher präckudirt worden seien. Auch wird das Ergebniß der Liquidation nur auf ca. 45, nicht 50 pCt. angegeben.

Frankfurt a. M., 26. Februar. Die Börse ver⸗ kehrie heute zu festen Coursen. Besonders gesucht waren Lombarden. Von jungen österreich. Eisenbahnen waren ungar. galiz. Actien in Folge vielfacher Realisationen matter. Lebbaftes Geschäft war in österr. Prioritäten und wurde viel Material aus dem Markt genommen. Franz⸗Joseph und Nordwestbahn 90. Elbthal-Priori⸗ läten 86 ¼. Rudolph. 83. Ungar. Oftbahn 748¼. 5% Lombarden 86. Livorneser 39½,.