Ausgabe 
28.9.1872
 
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stattfindenden Ortenberger Kaltenmarktes den 18. und 16. Oktob

B e fa nn te m h n.

Friedberg am 26. September 1872.

Der in dem diesjährigen Landkalender auf den 29. und 30. Oktober angegebene Büdinger Herbstmarkt soll wegen des an diesen Tagen f

er d. J. abgehalten werden, was zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Ter a v v.

Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.

Heinrich Hemmersbach von Steinfurth wurde auf den Feldschutz für diese Gemarkung verpflichtet.

Dieutsches Reich.

Darmstadt. DieDarmst. Ztg. bringt an der Spitze ihrer Nummer vom 25. d. folgen- den Artikel:Die Neubildung des Ministeriums, welche jetzt, abgesehen von der noch rückständigen Besetzung zweier Rathsstellen, ihren Abschluß ge⸗ funden hat, ist von der öffentlichen Meinung als ein Wendepunkt in der Entwickelung unseres Staats- lebens aufgefaßt worden. Daß die große und herrliche Zeit, die für Deutschland mit dem Sieg über Frankreich und mit der Gründung des Reichs angebrochen ist, auch das hessische Land mit ihrem belebenden und verjüngenden Geiste durchdringe; daß wir des reichen Segens wahrhaft froh werden, welcher gerade aus der Verbindung mit dem mäch⸗ tigen Gesammtreich den einzelnen Gliedern des⸗ selben erwachsen soll; daß der durch lange politische Kämpfe tief gestörte innere Friede dem Land zurück⸗ gegeben werde, das sind die Hoffnungen und Wünsche, welche sich an den Ministerwechsel ge · knüpft haben. Die ersten Schritte auf der Bahn zu thun, die nach so hohen Zielen hinführt, ist Sache der Regierung. Aber erreichen werden wir das Ziel nie, wenn nicht der gute Wille der Be⸗ völkerung dem redlichen Bemühen der Regierung entgegenkommt. Nur wenn das Streben der Männer, welche durch das Vertrauen Sr. K. Hoheit dee Großherzogs an die Spitze der Geschäfte gestellt sind, einen freudigen Wiederhall in den Herzen des Volks findet; nur wenn der Entschluß, die Regierung zu unterstützen und mit ihr zum Heile des Landes zusammenzuwirken, auch in solchen Kreisen gefaßt und ausgeführt wird, die nicht zu den berufenen Dienern des Staates gehören, werden die Erwartungen sich erfüllen können, welche das Land von der Zukunft hegt.

Dasselbe Blatt enthält in seiner neuesten Nummer folgenden Leitartikel:Die Gegensätze auf politischem und kirchlichem Gebiete, welche unsere Zeit bewegen, sind vielleicht in keinem andern deutschen Staate so tief gewurzelt und so scharf ausgeprägt wie in Hessen. Mit einer Bitterkeit sonder Gleichen haben sich hier die Parteien nun schon Jahre lang bekämpft und die

schädlichen Wirkungen, die ein solcher Kampf auf

den öffentlichen Geist hervorbringen muß, sind nicht ausgeblieben. Statt der Freude am Staat, stalt der Lust zu positivem Wirken und Schaffen für das öffentliche Wohl, statt eines ernsten und eifrigen Eintretens für die Interessen des Landes, der Gemeinde, der Kirche, begegnen wir nament lich auch in den gebildeten Klassen nur zu bäufig einem Unmuth, welcher sich von den öffentlichen Angelegenheiten verdrossen abwendet, oder dem Geiste einer durchaus verneinenden, unfruchtbaren Kritik. Man glaubt der Pflicht gegen das Vater land vollkommen genügt zu haben, wenn man sich in herbem Tadel über wirkliche oder vermeintliche Mißstände ergeht. Die Wenigsten geben sich die Mühe, ernsthaft darüber nachzudenken, wie es besser zu machen wäre. Auf diesem Wege aber bildet sich keine öffentliche Meinung, welche der Regierung zur Stütze dienen könnte. Will man, daß die Erwartungen, die von dem neugebildeten Ministerium gehegt werden, sich in vollem Maße erfüllen, so darf man die Arbeit der Reform nicht der Regierung allein überlassen.

dem Verhalten des Publikums zu den öffentlichen gestellt und zugleich Angelegenheiten wird eine Reform eintreten müssen. tanten bei

regiment, sowie den

Wir müssen uns gewöhnen, in der Sicherheit des Urtheils, welche aus genauer Sachkenntniß und einer gewissenhaften Prüfung politischer Fragen entspringt, eine größere Befriedigung zu finden, als in der Gefühlserregung, welche der leiden schaftliche Kampf der Parteien erzeugt. Wir müssen lernen, den Dienst, den wir dem Gemein. wohl durch einen einzigen, wohlüberlegten, practisch ausführbaren Vorschlag leisten, höher zu schätzen, als die Genugthuung, die wir empfinden, wenn wir durch einen Schwall von Worten unserm gepreßten Herzen Luft machen.

Nach denHess. Volksbl. ist bezüglich der Anfrage des Gesetzgebungs Ausschusses der 2. Kammer wegen des Wahlgesetzes eine Rück äußerung des Ministeriums nun erfolgt. Wie man vernimmt, soll der vorgelegte Gesetzentwurf nicht zurückgezogen, wohl aber in wesentlichen Punkten in freiheitlichem Sinne modificirt werden. Berichterstatter ist Oberappellationsrath Zentgraf. Der Zusammentritt der zweiten Kammer, der auf Ende dieses Monats festgesetzt war, ist wegen der Veränderungen im Ministerium um einige Wochen hinausgeschoben worden. Voraussichtlich wird sich die Kammer bei ihrem Wiederzusammentritt nur noch mit dem neuen Wahlgesetz befassen.

Die Meldung, daß Geh. Rath Hofmann in Folge seiner Ernennung zum hessischen Minister⸗ präsidenten in Zukunft sich an den Arbeiten des Bundesraths nicht mehr betheiligen werde, wird in dieser Form von Berlin aus als nicht richtig bezeichnet. Wie verlautet, hat Herr Hofmann keineswegs die Absicht, seine Stellung im Bundes⸗ rath als hessischer Bevollmächtigter aufzugeben; er wird auch fernerhin an den wichtigen Berathungen und Beschlüssen Theil nehmen, dagegen nicht mehr in der Lage sein, bei den vorbereitenden Arbeiten namentlich der Ausschässe mitzuwirken. Ob für die Folge wieder ein ständiger diplomatischer Ver

treter Hessens bei der Reichsregierung ernannt

werde, wird als fraglich bezeichnet.

Verschiedene Blätter berichten, daß das neue Ministerium sofort beim Wiederzusammentrikt der Stände Interpellatienen und Anträge ent- gegenzunehmen haben wird, welche von verschiedenen

Abgeordneten bereits vorbereitet sind und sich auf sofortige Wiederherstellung der katholischen Facultät zu Gießen beziehen, welche in Folge der mit dem Bischof von Mainz im Jahre 1854 abgeschlossenen und 1866 aufgehobenen Convention von dort nach Mainz verlegt und trotz der Aufhebung der Con-

vention noch nicht wieder dahin verlegt wurde.

Es wird bestätigt, daß das nunmehr voll ständige Ministerium die Frage der Revision der fixen Etats in Angriff genommen hat und mit seinen deßfallsigen Anträgen bei Vorlage des neuen Budgets für 1873 75 vor die Stände treten wird.

Ju Kürze soll eine weitere Quote des auf Hessen fallenden Antheils der französischen Kriegs- entschädigung in die Staatskasse abgeführt werden.

Allem Anschein nach wird die freisinnige Partei in der in Aussicht stehenden Landessynode

eine bedeutende Majorität erhalten.

den Rittmeister Freiherrn von Schweitzer vom Gr. Gardedragonerregiment auf Nachsuchen mit

in diesem Regiment zum Lieutenant befördert. Wie dieFr. Pr. wissen will, wird es bei diesen Pensionirungen nicht sein Bewenden haben, son⸗ dern es sind für demnächst noch umfangreiche(I Personalveränderungen bei dem Offiziercorps der Gr. Hess. Division zu erwarten.

Aus Starkenburg. Oberpfarrer Wagner in Michelstadt, ein entschiedener Gegner der frei⸗ sinnig ausgefallenen Kirchenvorstands Wahlen, seither Decan des Decanats Erbach, bat, wahr⸗ scheinlich wegen seiner energischen Bekämpfung der erwähnten Wahlen das letztgenannte Amt ver loren; an seiner Statt wurde das Decanat dem Pfarrer in Reinheim übertragen.

Mainz. Die eingeleitete Untersuchung wegen ultramontanen Wühlereien gegen das Jesuiten⸗ gesetz ist gegen den Metzgermeister J. Falk III., den Domtapitular Haffner, den Frhrn. v. Wambolt, Kaufmann Windecker, Redacteur Wasserburg und M. Schwenk, also nicht allein auf die Vorgänge in der Versammlung im katholischen Casino, sondern auch gegen dasMainzer Journal, welches die Resolutionen dieser Versammlung abdruckte, gerichtet.

Nach von derMainz. Ztg. gewordenen Mittheilungen stehen bedeutende Veränderungen dei den Mittelbehörden von Seiten des neuen Mi⸗ nisteriums bevor. f

Berlin. DieSpen. Ztg. schreibt: In Felge eines Unfalls in der Familie des interi⸗ mistischen Vertreters Deutschlands in Paris, Grafen Wesdehlen, ist Graf Arnim auf seinen Botschafter⸗ posten nach Paris zurückgereist. Dieselbe Zeitung bezeichnetaus erster Quelle die Nachricht von Arnim's Demissionsgesuch als grundlos.

ueber die Neubesetzung der diplomatischen Posten steht nunmehr fest: Herr v. Keudell wird Gesandter in Konstantinopel, Geheimer Legations⸗ rath von Bülow II. übernimmt von Keudell's Decernat im auswärtigen Amte, Hr. v. Radowitz, zur Zeit General ⸗Consul in Bokarest, wird vor⸗ tragender Rath im auswärtigen Amte, Hr. v. Pfuel

leben, bisher in Brüssel, tritt an v. Pfuel's Posten in Petersburg, Graf Arnim- Boitzenburg, an dessen Stelle in Wasbington Graf Andreas Bernstorff tritt, und Frhr. v. Brincken, bisher in

Valley, bisher Attaché in Wasphington, ersetzt den Grafen Andreas Bernstorff in Wien. g

Der Reichskanzler hat angeordnet, da vom 1. October an das Land ⸗Brief⸗ Bestellgeld für Werthsendungen allgemein 1 Silbergroschen oder 3 Kreuzer zu betragen habe. Diese Be⸗ stimmung gilt auch für das badische und das oldenburgische Postgebiet.

von Ermland schreibt dieProv.-Corresp.: Nach⸗ dem der Bischof sich der rückhaltlosen Anerkenntniß der Staatssouveränität und der unbedingten Gel⸗ tung der Landesgesetze fortgesetzt entzogen bat, wird

Der Kaiser hat den Rittmeister Freiherrn] die Regierung, abgesehen von weiteren Beschlüssen,

Bezirkscommandos genehmigt;

von Wedekind, aggregirt dem Gr. Gardedragoner- bezüglich der Stellung des Bischofs selbst, vor- Hauptmann Glock, aggregirt Auch in dem Gr. 3. Infanterieregiement, zur Disposition ihre Verwendung als Adju⸗ ferner alle Zweifel,

nehmlich dafür Sorge tragen, die Souveränität des Staates auf allen Gebieten des bürgerlichen Lebens auf dem Wege der Gesetzgebung gegen

Pension verabschiedet und Portepeefähnrich Schwerin

wird General ⸗Consul in Bukarest, Graf Alvens⸗

München, sind nach Berlin versetzt; Graf Arco

Bezüglich der Angelegenheit des Bischofs

Vorbehalte und Uebergriffe kirch⸗ 0