Ausland.
Oesterreich. Prag. Der Landtag wurde am 24. d. eröffnet. Die tschechischen Abgeord⸗ neten sind nicht erschienen. Oberstlandmarschall Fürst Auersperg hebt in der deutsch und böhmisch gesprochenen Eröffnungsrede die bedeutungsvolle Aufgabe des Landtags hervor, das Banner der Gesetzlichkeit aufzupflanzen, den Frieden mit dem Reiche berzustellen und die bisherige Unfrucht⸗ barkeit der Landtags Verhandlungen zu bannen.
Frankreich. Paris. Das„Journal ofsi⸗
ziel“ veröffentlicht Decrete, durch welche Hr. Gou⸗ lard zum Finanzminister, Teisserine de Bord zum Handelsminister und Herr Barodet zum Maire von Lyon ernannt wird. — In Vincennes bei Paris sind vor einigen Tagen sechs Kanonen aus dem Artilleriepark des alten Schlosses auf mysteriöse Weise verschwunden. Das Ereigniß ist seitdem der Gegenstand lebhafter Besprechung Seitens der Presse. Das„Avenir Militaire“ gibt nun darüber folgende, wie es sagt authentische Mittheilungen:„Die Wahrheit ist, daß die Untersuchung dadurch sehr erschwert worden ist, daß man über das genaue Datum der Entwendung im Unklaren ist,. Bis jetzt weiß man nur, daß 6 Berghaubitzen, von denen jede ungefähr 1000 Kilo wog, in 2 Malen entwendet worden sind. Als Werkzeug diente dabei ein Flaschenzug, der es ermöglichte, sie in die Gräben hinabzuschaffen und alsdann auf die gegenüber; liegende Böschung hinaufzuhissen. Die That ging 15 Schritt weit von einem Posten dor sich, dessen Mitschuld augenscheinlich ist, den man aber erst dann ermitteln wird, wenn man den Tag des Diebstabls genau festgesetzt haben wird. Man hat in Erfahrung gebracht, daß jedes Stück den Artilleristen, die bei der Entwendung Hülfe leisteten, mit 50 Francs bezahlt worden ist; aber im Gegen satz zu dem, was bisher verlautet, konnten die Geschütze noch nicht aufgefunden werden. Sechs Artilleristen sind verhaftet worden, man hofft mit Hülfe dieser ersten Beschuldigten die Wahrheit üder diese geheimnißvolle Angelegenheit zu ent- decken.“
Versailles. Thiers ist vollkommen wieder hergestellt, er hat bereits Empfang abgehalten und seine Arbeiten und Audienzen wieder aufge- nommen.
— Die Nationalverfammlung hat den Gesetz- entwurf, die Armeerecrutirung betreffend, in erster Lesung genehmigt Die Berathung über den Ent⸗ wurf wurde für die zweite Lesung verschoben. Die zur Prüfung des deutsch- französischen Post⸗ vertrags bestellte Commission tritt am 24. d. zu⸗ sammen, um den für die Annahme günstigen Be- richt Forton's entgegenzunehmen.
Belgien. Brüssei. Belgien zieht alle Gesetze zurück, welche die Eingangszölle auf Eß⸗ waaren ermäßigen. Der freie Eingang von Lebens- mitteln in Belgien wird schon mit dem bevor- stehenden 1. Mai aufhören.
Großbritannien. London. Nachdem die amerikanischen Blätter noch vor wenigen Tagen die Zurückziehung der indirecten Ansprüche sicher in Auesicht gestellt, theilweise sogar als Factum angekündigt batten, behaupten dic letzten Kabel⸗ Telegramme das Gegentheil, und dem Washing⸗ toner Correspondenten des„Newyork Herald“ sind die Berichterstatter der übrigen Newyorker Blätter mit der Behauptung gefolgt, daß das amexika— nische Cabinet die indirecten Ansprüche ganz gewiß nicht aufgeben werde.
Spanien Madrid. Die carlistische, von Priestern angeführte Bande in Navarra wurde geschlagen. Generale, welche der radikalen Partei angehören, boten der Regierung ihre Dienste gegen die Carlisten an.
— Am 24. April fand die feierliche Eröff⸗ nung der Cortes statt. Der König verlas die Thronrede. In derselben werden die guten Be- ziehungen zu den übrigen Mächten hervorgehoben, die Hoffnung auf eine baldige Verständigung mit dem Papste ausgedrückt und die Vorlegung eines Armee-Reorgantsationsplanes angekündigt. Ueber den Carlisten⸗Aufstand heißt es:„Die Regierung hat Maßregeln getroffen, um die neuerdings aus-
gesprochene Insurrection zu ersticken. Die Er⸗ fahrung lehrt, daß es erfolglos ist, die Gnade walten zu lassen; der König wird daher un ⸗ erbittlich sein. Er wird den Berathungen der Cortes folgen, um seine Gefühle mit denen der Nation zu indentificiren.“ Der König schließt: „Ich werde mich nicht aufdrängen, aber auch meinen Posten nicht verlassen und die Pflichten nicht vergessen, welche die Verfassung mir aufer⸗ legt und welche ich mit Aufrichtigleit und Be⸗ ständigkeit erfüllen werde.“
Donaufürstenthümer. Bukarest. Fürst Karl hat in Erwiderung der von seinen Ministern anläßlich seines Geburtstages ihm dargebrachten Glückwünsche den unabänderlichen Entschluß aus- gesprochen, die bezüglich Rumäniens übernommene Mission ohne Wanken zu vollenden. Damit sind alle Gerüchte auswärtiger Journale, wonach der Fürst abzudanken beabsichtige, eclatant widerlegt.
Türkei. Konstantinopel. Prinz Friedrich Karl ist mit dem österreichischen Lloyddampfer über Varna nach Wien abgereist. Der Prinz, welchem der Sultan den Medschidie⸗Orden erster Classe verlieh, hat ein ihm von der hiesigen deutschen Colonie zur Erinnerung an seinen Aufent- halt in Konstantinopel dargebrachtes antikes Schwert angenommen.
Amerika. Wasbington. Im Comite für ausländische Angelegenheiten theilte der Vor- sitzende, Banks, das Resultat seiner Besprechung mit dem Cabinete bezüglich der Zurückziehung der indirecten Alabama-Ansprüche mit. Das Cabinet sei über die Frage einig, keinen Vorschlag behufs der Zurückziehung derselben zu machen. Die Re⸗ gierung glaube nicht das Recht einer Aenderung der Klageschrift zu haben. Das Schrekben Fish's an das Comite erklärt, es sei unzweckmäßig, wenn der Congreß während der fortdauernden Corre- spondenz eine Ansicht in dieser Angelegenheit aus- spreche. Der Ausschuß verzichtet auf eine Debatte. —„Evening Post“ und„Expreß“ fordern die Regierung dringend auf, die indirecten Schaden- ansprüche zurückzuziehen. Die Majorität der Nation wolle die Zurückziehung derselben. Es würde falscher Hochmuth sein, wenn die Regierung da- rauf bestünde.
Aus der Habana erfährt die„Breslauer Zeitung“ durch einen Privatbrief vom Bord der „Niobe“ folgendes Nähere über eine Action zum Schutz der Deutschen auf Hayti:„Um die Inte- ressen dec dortigen Deutschen auf etwas nachdrück. liche Weise wahrzunehmen, hatte die„Gazelle“ Ordre bekommen, nach Port au Prince zu gehey. Es waren nämlich dort bei dem Aufstande die Häuser sämmtlicher Deutschen von den Regierungs- truppen niedergebrannt worden, worüber sich denn natürlich die Ersteren bei Bismarck beschwert hatten. Der Schaden wurde auf 35,000 Dollars geschätzt und die Regierung von Port au Prinee wurde von der unserigen zur Zahlung dieser Summe verurtheilt. Da die erstere sich indeß nicht dazu verstand, so sollte das Geld durch Repressalien er- hoben werden und zu dieser Execution wurde also die„Gazelle“ dorthin geschickt. Nachdem die be—
das Geld bis zum andern Morgen Punkt 12 Uhr zu zahlen, weprigenfalls die Stadt 5 Minuten nach 12 Uhr bombardirt werden würde, machte man auf der„Gazelle“ Alles zur Beschießung zurecht; die Geschütze wurden mit Brandgranaten geladen. Die Reg'erung leistete dieser Aufforde⸗ rung bis 12 Uhr keine Folge; da endlich, 2 Mi⸗ nrten nach 12 Uhr, stieg vom Fort die deulsche resp preußische Flagge auf, zum Zeichen, daß der Forderung der deutschen Regierung thalsächlich ge⸗ nügt sei.“
Offenbach. Vor einigen Tagen wurde durch ein sechzehnjäheiges Mädchen in einem diesigen Metzgerladen ein salsches österrcichisches Guldenstück verausgabt, das jalsche Geldstück aber sofort als solches erkannt und die Besitzerin mit demselben cer Polizei überliefert.— Das Gelestück mägi die Jahreszahl 1859, ist aus Composilion und zwar recht gat hergestelll, glätter wie die ächten Guldenstücke und an seinem ungewöhnlichen Glanze leicht zu erkennen.
Mainz. Der schon längere Zeit erwartete Schuh ⸗
mach erstrike rückt langsam heran. Einstweilen haben
treffende Regierung die Aufforderung erhalten hatte,
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in einer Fabrik die für das ssehende Heer beschäftigten, allerdings am schlechtesten bezahlten Arbeiter, höheren Lohn begebrend, ihre Thätigkeit eingestellt. Wie es scheint, soll das Begehren durch allgemeine Strike unterstützt werden.
Vom Rhein schreibt man: Wenn nicht alle An⸗ zeichen trügen, dürfen wir einer guten Obstern te ent⸗ gegen sehen, indem fast alle Obstarten um einige Wochen früher wie gewohnlich in voller und lange anhaltender Blüthenpracht prangen.— Auch die Feldfrüchte lassen nichts zu wünschen übrig. Der Weinstock ist ebenfalls in rascher Eniwickelung begriffen..
Aus Nüsselsheim wird der Mittelrh. Zig. ge⸗ meldet, daß sich der Fährmann Daniel auf eine wahrhaft schauerliche Weise in dem Main ertränkt hat. Der Un⸗ glückliche nahm sein Fahrzeug und fuhr damit an eine ziemlich tiefe Wasserstelle, band sich mit der Kette des Nachens die Füße zusammen, hängte sich mit einem Strick 2 schwere Steine an den Hals und sprang ins Wasser. Die Steine und der Körper waren so schwer, daß das Fahrzeug miiten im Strom lag wie vor Anker. An der Unglücksstäue gerade gegenüber wobnt die aus 10 lebenden Kindern und der Frau besiehende Familie des Fährmanns und als die erwachsenen Söhne ihren Nachen so in der Fluth liegen sahen, glaubten sie an einen Schabernack und begaben sich dorthin, um denselben zu länden. Wer aber beschreibt den Schrecken der armen Jungen von 13 und 15 Jahren, als sie ihren entseellen Vater heraus⸗ zogen. Ueber das Moliv dieses Selbstmords ist nichis bekannt.
b. Frankfurt a. M., 25. April 1872. Im Gegen⸗ satz zu gestern verkehrte die beulige Börse zwar nicht in gerade flauer, so aber doch in lauer Summung, und die Abschlüsse erreichten keinen besonderen Umfang. Schlechtere Pariser und Berliner Nofirungen mögen wohl hieran Schuld sein, speciell aber bei Staatsbahn war es wieder eine Mindereinnahme von ca. 82000 fl., welche den Cours auf 388½ drückte. Auch für Credit⸗Aclien fehlte heute die rechie Stinemung und sie mußlen vom gestrigen Course 11 fl. abgeben. Lomba eden relativ am festesten bei 210. National⸗ Bank fortgesetzt flau und angeboten. Die übrigen Banken ohne Verkehr und Course größten theils nur nommell. Darmstädlee wurden bei 470 mehrfach gekauft. Deutsche Vereinsbank der 129½ nicht anzubringen. Auch der Eisenbahnmalkt war wenig belebt. Junge Staatsbahn, Nordwest⸗, Franz⸗Joseph und Galizier in kleineren Posten in Umsatz. Von deutschen Linien Bexbacher begehrt. Für Priorilälen nur beschränkte Nachfrage. In hess. Ludwigs⸗ Bahn und Alföld Einiges abgeschlossen. Dagegen verkehrte Silberrenie wesentlich jefter und ½% höher. Von anderen Staaispap eren 5% Baden und 4½% Wücttemberger in kleinen Beirägen am Markl. Spanier heute nur 10% böher. Die Thronrede des Königs Amadeus machie keinen besonderen Eindruck, da man aus ihr noch lange keine Garantie für bessere Zustände namentlich in finan⸗ zieller Hinsicht herleuen kinn. Von Loosen waren heute bayrische 100 Thlr. Stücke gefragt und österr. 61r. Die übrigen still und ohne Verkehr.
Vorbereitung zum nächsten Ein⸗
jährigen⸗Examen betreffend.
In vielen Städten dieler sich zur Vorbereitung auf das Einjährigen⸗Examen eine ganz dafür bestimmte, ge⸗ eignete Gelegenheit. Ein Lehrer, der weiß, in welchen Fächern in diesem Examen geprüft und ganz genau damit bekannt ist, welches Maaß von Wissen und Können ver langt wird, geht mit den ihm zur Vorbereitung Anver⸗ lrauten direkt! aufs Ziel los, und so ist der Weg dazu geebenet, der der geradeste und kürzeste und gleichzeilg der billigste ist. Hier in Friedberg ist im Augen! blick ein solcher Weg zum bezerchneten Ziel auch da, auf den wir aufmerksam machen wollen. Eine Anzeige im vorvorigen Oberhessischen Anzeiger sagt, daß Herr Seminarlehrer Wahl sich der Leitung einer Vorbereitung einiger jungen Leute fürs nächste Einjährigen Examen unterziehen will. Einige Schüler sind da, füt eiwaige weilere Theilnehmer, müßten die Anmeldungen ungesäumt erfolgen, da die Arbeit in den nächsten Tagen regonnen werden soll, und nicht mehr länger verzögert werden darf, denn in fünf bis sechs Monaten schon muß das Examen gemacht werden. Die Anzumeldenden müssen
im Alter zwischen 14 und 20 Jahren siehen und können
nicht nur aus Friedberg, sondern auch von auswärts jein, denn selbst für die ferner Wohnenden könnte eine Unterkunft hier leicht und billig veschafft werden.
VBerloosun g.
Canton Freiburger 15 Frs.⸗Loose. Ziehung am 15. April. Es wurden folgende Serien gezogen! Serie⸗Nr. 164 353 375 378 429 632 798 9ʃ7 949 1120 198 256 429 481 498 683 729 740 752 2030 135 388
510 555 882 947 3209 546 554 561 614 800 803 910 941 4048 124 126 141 145 365 497 042 694 745 74⁰
835 880 5064 175 211 278 394 550 812 821 87 6001 343 474 597 860 863 914 933 7063 102 247 248 375 382 868 396. Die Gewinnziehung findet am 15. Mai statt. 0
Bad Nauheim
Möbel-, Spiegel- und CTapeteu-Lager, 587 größte Auswahl in Rouleaux und Vorbangleiften, Sommerjaloufien in allen Größen empfiehlt
H. Blensdorf, Hol Tapezirer.


