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Luxgemburg. Eine Ursache zur Aufregung sst
unserer Stadt durch die Schwindelei eines Gauners ge—
worden, der sich hier als armenischer Bischof bei den Redemptoristen einführte und ein Hochamt in der Re— demptoristenkirche vor allem Volke abhielt, der Menge das heilige Sakrament ertheilte, große Summen zum Erbau, wir wissen nicht welches persischen Heiligthums bei den Leuten einsammelte und dann verduftete. Paris. Durch den Tod Persigny's werden spanische Blätter an einen Ausspruch erinnert, den einst der Kaiser Napoleon gethan haben soll:„Die Schwierigkeiten für meine Dynastie liegen in der durchgreifenden Parteiung. In meiner Familie ist die Kaiserin legitimistisch; der kaiserliche Prinz, erzogen in der Université, wird Orlranist werden; der Prinz Napoleon ist Republikaner, und ich — ich bin Socialist. Es gibt nur einen Bonapartisten, nämlich Persigny, und der ist verrückt.“ lorenz. Man telegraphirt der„N. Fr. Pr.“: Am 22. d. Nachmittags, 5 Uhr, brach in dem vor der Porta Croce gelegenen ärmsten, meist aus Holzhäusern bestehen— den Stadtviertel ein furchtbares, bimmelhoch aufloderndes Feuer aus. Nachdem die Flammen zwei Stadtviertel in ein Feuermeer verwandelt hatten, mußte man sich
Diese Männer, von ber Ueberzeugung geleitet, daß auf der gemeinsamen Basis der Grundwahrheilen des Evan⸗ geliums eine Verschiedenheit der Meinungen über minder wesentliche Dinge wohl zulässig sei, waren auf's eifrigste bestrebt, eine Vereinigung der über die Abendmahlslehre und andere theologische Streitfragen entzweiten sächsischen und schweizerischen Reformatoren zu Stande zu bringen, und die zwischen der Schweiz und Sachsen hin verlau⸗ senden Fäden zur Ausgleichung der trennenden Streit punkte nahmen ihren Weg meist über Straßburg, wo man ganz besonders die Reformation auch als nationale That zur Befreiung Deutschlands von der Herrschaft des Romanismus betrachtete. Leider blieben die desfallsigen Bemühungen ohne den gewünschten Erfolg, wie auch die Kirchenverfassungsfrage eine den Anschauungen der wackeren Straßburger enigegengesetzte Entwickelung nahm.
Zu ähnlicher Berühmtheit, wie Jakob Sturm als Miiberather bei dem Reformationswerk, gelangte sein Bruder Johannes Sturm auf pädagogischem Gebiet. Er stand an der Spitze des Gymnasiums in Straßburg, das zu einer Art Akademie etweitert unter seiner Leitung zu außerordentlicher Blütte gelangte. Trotz der Einsertig⸗ keit, womit Job. Sturm auf die ausschließliche Pflege des
darauf beschränken, die übrigen Quartiere zu sichern. klassischen Alletthums hielt, wird sein Name unter den Glücklicherweise gelang es gegen halb 9 Uhr, die Brand- ersten deulschen Pädagogen immer mit Ehren genannt stätte zu isoliren. Das Elend ist gräßlich. 200 bis 300 werden.
Häuser sind verbrannt, 600 bis 800 Familien sind ob— dachlos. Soweit bisher verlautet, ist kein Menschenleben
zu beklagen.
1 Oeffentliche Vorträge.
Herr Prof. Dr. Köbler sprach am verflossenen Dienstag in gewohnter anziehender Weise über„protestantische Erinnerungen aus Elsaß⸗Lol bringen.“
Wir Alle, begann der Redner, kennen das schöne Volkslied:„O Straßburg, o Straßburg, Du wunderschöne Stadt“. Es babe dasselbe, wenn es früher in frobem Kreise angestimmt worden, eigenthümlich webmüthige Ge— fühle erweckt. Exinnerte es doch an ein in Zeiten liefer Schmach für Deuischland verloren gegangenes hertlichte Reichsland, das wiederzugewinnen man die Hoffnung ziemlich aufgegeben bade. Das Elsaß sei nun zurückerobert; jetzt gelte es aber, es auf's neue zu einem lebendigen Glied am deutschen Volkskörper zu machen, die Herzen der Bewohner für Deutschland zurückzuerobern. Es dürfe nicht verwundern, daß diese im Laufe der Zeit dem deutschen Mutterland entfremdet worden; eine 200jäbrige Fremd- herrschaft babe Alles gethan, um jede Verbindung mit demselben zu lösen.
Um so mehr sei es deutsche Pflicht, die zerrissenenen Verbindungsfäden aufzusuchen und neu zu knüpfen. Er, der Redner, wolle versuchen, in einer Reihe von Lebene— bildern elsäsischer Männer, die auf das geistige Leben Deutschlands eigen beocutungevollen Einfluß geübt, auf solche Verbindungssäden hinzuweisen und zugleich zu zeigen, was Deutschland an dem kernigen Stamm der Elsässer einst gehabt und künftig wohl wieder haben werde.
Nach kurzer Erwähnung einiger berühmten Elsässer zus dem Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, det Kanzelredner Tauler und Gayler und des Saiprikers Sebastian Brandt, wendet sich der Redner der Resor— mationszeit zu.
Auf dem von König Ferbinand 1526 nach Speier Serufenen Reichstag erschien u. A. auch der Stadischreiber Jakod Sturm von Straßburg als Vertreter seiner Vater Kadt, und knüpft eine für die Entwickelung der Refor— mation in Deuischland folgenreiche Verbindung mit dem gleichfalls anwesenden Landgrafen Philipp von Hessen an. Jakob Sturm, ein scharsblickender, der resormatortischen Bewegung von Herzen ergebener Staatsmann, übt auf Philipp von Hessen einen vielsach bestimmenden Einfluß, und die nad maligen Homberger und Ziegenhainer Be— schlüsse tragen deutliche Spuren der Ansichten Sturms über das freie Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden in lirchlichen Angelegenheiten.—
Der Driite im Bunde war gleichfalls ein Elsässer, der Theologe Bucer, der nach mancherlei Irrfahrten in Straßburg Aufnahme und Schutz gefunden.
Gewissermaßen als letztes Vermächtniß vor dem Scheiden schenkt das Elsaß kurz vor den traurigen Ereignissen, die es von Deulschland losreißen, uns abermals einen edlen Mann, der die Erneuerung des in gänzlicher Erstarrung darniedetliegenden religtösen Lebens in Deutschland sich zur Lebensaufgabe machte. Es ist dies der fromme Spener, ein geborner Elsässer, der Begründer des deuischen Pietismus, dies Wort in seinem ursprünglichen edlen Sinn genommen. Anfangs(seit 1663) als Prediger in Straßburg angestellt, witkte et später in hohen kirch— lichen Stellungen in Frankfurt a. M., in Dresden und zuletzt in Berlin, wohin n der Sdon des großen Kur⸗ fürsten, der nachmalige Kunig Friedrich J. derufen.
Indessen vollzieht sich, ale ttaurige Illustratson der Ohnmacht des deuischen Reiches, das Geschick des Elsasses. Die berüchtigten Reunionskammern reißen ein Stück nach dem andern davon los, vis endlich 1681 auch Straßburg eine Beute französischer Ländergier wird,— und nun beginnt der stanzösisitende Eufluß det Fremdherrschafl. Hat die— selbe ire Absicht erreicht? Die braven Elsässer bielten zäh und sest an ihrer deutschen Sprache, Sitte und Denkungsart, und wieviel davon nach aber bundert Jahren noch übrig geblieben, das zeigt uns Gölhe in„Wahr⸗ heit und Dichtung.“
Der Redner enttollt bier, wie et vorher an dem Faden der Lebensgeschichte eines Jakob Sturm, Bucer Joh. Sturm und Spener in trefflichen Zügen ein Stück deutscher Geschichte des 16. und 17. Jahrhunderte ge⸗ zeichnet, ein liebliches Bild des Lebens und Treibens unsers Dichterfürsten in Straßburg in den Toer Jahren des vorigen Jahrhunderts und seiner wiederholten Wan⸗ derungen nach dem Pfarrhaus von Sessenheim mit seinem dis auf die kleinsten Züge deuischen Gepräge und der in allen Fasern ihres Denkens und Empfindens deutschen Pfarrersfamilie. Wie gerade die evangelischen Pfarrhäuser des Elsasses sich als treuen Hort der Anbänglichkeit an das Mutterland erwiesen, zeigt auch die Ledensgeschichte des Pfarters Oberlin in Steinthal, die der Redner zum Schluß noch berührte.
Wie sieht's jetzt im Elsaß aus? Sind noch Spuren deutscher Gesinnung vorhanden, an die eine neue Stammes verbrüderung anzuknüpfen wäre? Von einem schlichten elsäßssischen Bauersmanne börte der Redner auf dem Schlachtselde von Wörth die Atußerung:„Es ist gut, daß es so gekommen ist. Die Deutschen werden uns bringen, was uns seblte, Ordnung, gute Schulen und Religiesität.“
Der Redner schließt mit dem Wunsch, daß diese Er⸗ wartung nicht getäuscht werden möthte.
Dr. M.[Lebensdauer.] Erst jetzt ist uns die 1871 erschienene„Summwarische Uebersicht“ über die Er · gebnisse der Volkszählung, welche am 31. Dec. 1869 in
den im österreichischen Reichsrxathe verlretenen Königreichen und Ländern stattgefunden hat, zugekommen, und wir beben aus berselben für jetzt das auf die Lebensdauer über 80 Jahre Bezügliche heraus, weil wir annehmen, daß es auch in den Kreisen der Leser des„Oberhessischen Anzelgers“ nicht ohne Interesse sein wird. In den ge⸗ nannten Ländern, also in Oesterreich ohne Ungarn, sand sich an dem bezeichneten Tage eine Gesammtbevölkerung von 20,394,980 und zwar 9,991,487 männl. und 10,403,493 weibl. Personen. Davon waren männliche: 10,744—803 5„557—81; 4 440—823 3,586—83; 3,032—84; 2,577 85 1/986—86 1.32187; 1.15388; 796-893 1,137 903 332—91; 315—923 270—93; 191—94; 162-95 116-90; 89-97; 70-98; 55—99; 86—1003 37— 101; 60 mehr Jabre alt, wogegen weibliche: 12,345— 80; 5,640—81; 4337-82; 383983; 3,083—843 2,918—85; 2,194—86; 1,443—87; 1,224—88; 921— 89 1,328—90; 646—91; 400— 92; 298—93; 204 945 219—95; 151-96; 106—97; 89—98; 55-99; 100-100; 41-101 und 88 mehr Jabte alt waren.
Frankfurt a. M., 24. Jan. Börsen bericht. Unter dem Eindruck der gestern von Wien aus gemel⸗ deten niederen Notirungen verkehrte die Bötse heute zu herabgesetzten Coursen, doch ließ sich nicht verkennen, daß man nur witerwillig dem Impuls felgte, der von Wien aus zum Rückgang gegeben. Die Wiener Börse war gestern in eine vollständige Deroute versetzt durch die ver⸗ schiedenen Gerüchte, die dort im Umlauf waren. Man sprach von dem plötzlichen Ableben des Kaisers von Ruß⸗ land, von großen Zerwürfnissen der Anglobank und der Cteditanstalt. Es wurde alles Mögliche bervorgesucht, um die in Wien einzettetene Panik zu motiviren. Dadurch, daß die Telegraphenseitungen gestört und man heute bei Eröffnung des Geschäfis ohne alle auswärtigen Noli⸗ rungen, nur auf sich seldst angewiesen, bier vetketzrie, so zeigte ich recht, daß an einen großen Rückgang momen⸗ tan nich! geglaubt wird, doch ließen sich viele Speculanten durch die in die Couceentwickelung einmal eingetretene Störung destimmen einen Theil ihres Engagements der Vorsicht balber auszulödsen und war hierdurch der heutige Verkehr sehr belebt. Siaatsbahn eröffneten 418 ½, gingen zurück auf 17 und schließen 418. Creditactien 335½ dis
54—55¾. Lombarden 219—17—19½ Wiener Bank⸗ 1 8 4 2 aclien 873- 85- 80. Darmflädter Bank 488. Silder⸗
rente 63½. 1860er Loose 93½. Von Prioritäten wurden Livocneser 39. Staatsbahn 60. Lombarden 50. Franz Joscph 89 ¼. Ungar. Ostbahn 75% umgesetz.
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Auszug aus dem Civilstandsregister der israel. Religions- gemeinde zu Friedberg.
18 71.
Geborene:
20. Okt. Moritz Reichenderg, Sohn des Napbael Reichenberg. 20. Okt. Bertda Goldbeck, Tochter des Jacob Goldbeck. 13. Nov. Simon Stabl, Sohn des Moritz Stahl. Gestorbene 9. Okt. Fannp Grödel, Tochter der Zadig Grödel
Witwe, gestorden zu Heppendeim und am 12. Oktober daher beerdigt, 42 Jahre alt.
10. Nov. Ferdinand Perz, Sohn des Lö Herz, 28 Jahre alt.


