Ausgabe 
27.1.1872
 
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aussichts⸗Gesetz an das Abgeordnetenhaus gerichtet und vom Präsidenten der Untercichts-Commisston

überwiesen woͤrden. Es ist dies, wie dieCorr. St. hinzufügt, der erste Fall, in welchem die Bischöfe bei dem Abgeordnetenhause pelitioniren.

Nach derPost hat die württembergische Regierung an die Bundesregierung die Erklärung abgegeben, daß sie keineswegs beabsichtige, eine besondere diplomatische Vertretung in Paris ein- zurichten. Bekanntlich hatte die neuliche Abbe⸗ rufung des bisher der deutschen Gesandtschaft in Paris beigegeben gewesenen ehemaligen württem- bergischen Ministers von Linden Vermuthungen hervorgerufen, die jetzt durch obige Nachricht sich als unbegründet herausstellen.

München. Bei der am 24. d. M. in der Abgrordnetenkammer fortgesetzten Debatte über die! Beschwerde des Bischofs von Augsburg sprach Ruland für den Majoritätsantrag gegen die Hal- tung des Cultusministeriums, Kraussold für den Minoritätsantrag, Hörmann gegen die Herein- ziehung der theologischen Frage in die Verhand- lungen der Kammer als einer politischen Corpo ration und für den Minoritätsantrag. Grabner vertheidigte das Unfehlbarkeitsdogma und stinmte für den Majoritätsantrag.

Die Abgeordnetenkammer setzte auch am 25. d. die Berathung über die Beschwerde des Bischofs von Augsburg fort. Nachdem Kastner, Hafenmaier, Staufenberg und Karl Barth ge sprochen, stellte Rudolf Weiß den Schlußantrag. Vor der Abstimmung theilte der Cultusgminister mit, daß der Minister des Auswärtigen, Graf Hegnenberg, das Wort ergreifen wolle, aber gegen- wärtig durch Unpäßlichkeit daran gehindert sei. Hierauf wurde der Schluß der Debatte einstimmig angenommen. Nächste Sitzung Samstag.

Straßburg. Man ist, wie dieStraßb. Ztg. schreibt, eben damit beschäftigt, die seitherigen Straßzenschilder in französischer Sprache zu ent⸗ fernen und durch neue mit deutscher Benennung zu ersetzen. Auf den Hauptplätzen und Straßen sollen die alten Schilder noch eine Zeitlang bei behalten werden. Die neuen Schilder sind etwas kleiner als die alten und tritt die weiße Schrift auf blauem Felde recht gut hervor.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Die amtlicheWiener Zeitung veröffentlicht folgende diplomatische Er⸗ nennungen: Zum Gesandten in Kopenhagen Graf Paar, in Stockholm Baron Walterskirchen, im Haag Ritter Haymerle, in Rio de Janeiro Baron Sponnleitner, in Athen Baron Pottenburg. Der

Gesandte Pflusterschmidt in Karlsruhe ist in gleicher Eigenschaft auch in Würtemberg und Hessen mit dem Sitze in Stuttgart acereditirt, Baron Franken stein zum Gesandten in Dresden und bei den großherzoglich und herzoglich sächsischen Häusern ernannt.

Der hier angekommene Graf Beust wurde von dem Kaiser empfangen. Graf Beust wird in Kurzem auf seinen Botschafterposten zurückgehen; von dessen beabsichtigten Uebertritt ins Privatleben verlautet nichts mehr.

Frankreich. Paris. Marschall Mac⸗ Mahon hat die ihm angebotene Vicepräfidentschaft ausgeschlagen.

DieUnion meldet: Der Kriegsminister hat dem Vernehmen nach von dem Untersuchungs⸗ rath, welchem der Marschall Baraguay d'Hilliers präsidirt, das Protokoll über die Uebergabe von Straßburg erhalten. Das motivirte Gutachten des Conseils lautet in allen seinen Theilen für den General Uhrich ungünstig. Eine große Zahl von Fehlern wird dem General zur Last gelegt. So tadelt man es u. A., daß er sich nach der Capitulation nach Tours begab, um der dortigen Regierung selbst seine Anträge auf Avaneements und Ordensverleihungen zu Gunsten der Verthei⸗ diger der Festung ans Herz zu legen; nach der Ansicht des Untersuchungsraths hätte er diese An träge eben so gut aus Deutschland einschicken können, wohin er sich hätte begeben sollen, um das Loos seiner Offiziere und Soldaten zu theilen.

Man wirft dem General Uhrich ferner vor, an

30,000 Palissaden, die er zu seiner Verfügung hatte, nicht für die Vertheidigung verwerthet zu haben; auch hätte er sich nicht genügend gegen die feindliche Front, Lunette 53, gedeckt u. s. w. Der große Ruf des Vertheidigers von Straßburg wird unter diesem Urtheil schwer zu leiden haben. Die Deutschen erkennen an, seit dem Beginn des Angriffs 193,722 Kanonenschüsse, darunter 84,000 Haubitzen und 58,600 Bomben, auf die Stadt und die Festungswerke entladen zu haben.

DieOpinion Nationale bringt die Nachricht, daß mitten in der durch die Steuer- frage hervorgerufenen Krisis die bonapartistische Partei versucht hat, ein Regiment der Garnison von Paris zur Meuterei zu verleiten. Das ge nannte Blatt fügt bei, daß es der Regierung wohl bekannt sei, um welches Regiment es sich gehandelt habe.

Am Montag hat in Epernay ein Mord versuch auf einen Preußen stattgefunden, welcher verwundet wurde. Der Thäter ist verhaftet. Es ist unrichtig, daß die gegen Rochefort er kannte Strafe in Verbannung verwandelt worden sei

Der deutsche Soldat, gegen welchen Cremel seinen Mordversuch machte, ist nicht todt; er wurde nur verwundet und ist bereits von seiner Wunde geheilt. Derselbe hat eine Bittschrift an den Kaiser von Deutschland gerichtet, worin er um die Begnadigung des Thäters einkommt.

Versailles. In der Nationalversammlung brachte Naquet einen Vorschlag ein, behufs Inan klageversetzung Napoleon's III. die Confiscation seiner Güter zu verfügen. Die Versammlung ver weigert die Drinplichkeitserklärung dieses Antrags und überweist ihn der Initiativ-Commisston.

Großbritannien London. In der Nacht vom 22. 24. d. bat ein beftiger Sturm stattgefunden. Zahlreiche Schiffe wurden beschä digt und viele Telegrapheuleitungen außer Betrieb gesetzt.

Aus Paris wird derTimes telegraphict, daß dem Vernehmen nach Preußen und Rußland energische Remonstrationen an den schweizerischen Bundesrath zu richten beabsichtigen, in Folge des Uebermaßes der der Internationale in der Schweiz gewäbrten Toleranz.(7)

Spanien Madrid. Ein königliches Dekret

löst die Deputirtenkammer auf. Die neuen Cortes

werden am 24. April zusammentreten und finden die Neuwahlen zu denselben am 2., April statt. Die Hauptstadt ist vollkommen ruhig.

Italien. Rom. Der Papst empfing in feierlicher Weise den Großfürsten Michael und die Großfürstinnen Olga und Marie. Dieselben be suchten sodann Antonelli. 5

T Friedberg, 26. Jan. 1872. Gestern um die Mittagsstunde zogen in lautestem Gespräch unzählige Schneegänse in drei großen Schwärmen an unserer Stadt vorüber gen Norden. Hoffentlich sind es Frühlings- boten gewesen.

* Friedberg. Ein seit mehreren Jahren in hiesiger Stadt wohnender Handarbeiter machte in der Nacht vom 25. zum 26 seinem Leben dadurch ein Ende, daß er sich in der Nähe der Stadt von einem Bahnzuge überfahren ließ. Der Mann, welcher Frau und Kinder hinterläßt, wird allseitig als ein fleißiger und zuverlässiger Arbeiter geschildert.

Frankfurt. Eine hiesige Familie wurde kürzlich früh Morgens zu ihrem Schrecken, der sich bald in Freude verwandelte, durch einen Schutzmann aus dem Schlafe gestört. Derselbe präsentirte das seitherige Dienstmädchen, von dessen Verschwinden die Familie keine Ahnung ge habt, und zwar zur Dame metamorphosirt mit der Garde robe der Hausfrau. Außerdem fanden sich noch bei ihr Koffer und Kisten, gefüllt mit der Familie gehörigen Kleidern, vor, sowie baare fl. 200, die sie einem zufällig anwesenden Besuch ihrer Herrschaft gestohlen hatte. Die Diebin, nur 16 Jahre alt, hatte am Abend alles, was sie unterbringen konnte, zusammengepackt, hatte sich früh, während im Hause Alles schlief, eine Droschke geholt, den Raub eingepackt und war damit nach der Bahn ge⸗ fahren. Dort wurde sie jedoch vom Schutzmann ange halten, da ihm die frühe Ankunft mit dem vielen Gepäck verdächtig war, er ertappte sie auf Lügen, ermittelte ihren Aufenthalt, und entdeckte den Diebstahl, ehe die Be stohlenen selbst etwas davon gewußt.

Darmstadt. Ein Fall wunderbarer Rettung hat sich am 20. d. auf der Main-Neckar-Bahn ereignet, der jedoch auch wiederholt zur Vorsicht mahnt. Aus einem nicht hinlänglich verwahrten Coupee des nach Heidelberg abge gangenen Schnellzuges stürzte in der Nähe des Holzhofes bas dreijährige Söhnchen eines preußischen Offiziers und fiel auf den Bahnkörper. Der Schrecken der milfahrenden

Eltern war gräßlich. Der Zug wurde zum Skehen ge⸗ bracht und von weitem sah man einen Bahnwärter her⸗ beieilen, der das Kind auf seinen Armen trug. Außer einer anscheinend nicht schweren Verletzung am Kopf soll das Kind unversehrt geblieben sein.

Darmstadt. Am 22. d. verschied hier die hochge⸗ achtete Frau und geschätzte Dichterin Frau Louise von Plönnies, geb. Leisler, 68 Jahre alt, die Wittwe des Gr. Hofmedieus und Medieinalraths Dr. v. Plönnies und Mutter des frühverstorbenen ausg zeichneten Mili⸗ tärschriftstellers des Gr. Majors Wilhelm v. Plönnies. Fr. Louise v. Plönnies ist als Dichterin in ganz Deutsch land bekannt.

Zu Niederklingen im Odenwald verkündete dieser Tage die Ortsschelle den erstaunten Bewohnern wörtlich: auf dem Herrn Pfarrer seinem Buckel darf kein Leimen mehr gegraben werden. Wahrscheinlich sollte damit gesagt sein, auf dem Grundstück des Herrn Pfarrers, welches den FlurnamenBuckel führt, darf u. s. w.

Ulm. Dieser Tage passirte ein bayerischer Soldat hier durch, welchem, wie er behauptet, zu Beaulieu an der spanischen Grenze in der Gefangenschaft die Zunge abgeschnitten worden, weil er sich weigerte, in die fran⸗ zösische Armee einzutreten. Er kommt e direct über Marseille und ist auf seiner Durchreise in Stutigart auch dem König vorgestellt und von diesem mit einem vollständigen An zuge, Uhr mit Kette ꝛc. beschenkt worden. DieUlmer Schnellpost theilt mit, dieser Soldat, der durch Ver stümmelung seiner Zunge die Sprache völlig verloren hat, habe auf Befragen hier folgende Angaben auf eine Tafel geschrieben: Wildes Gesindel, Turkos, ehemalige Galkerensträflinge, hätten ihn an einem Strick gewürgt, bis er die Zunge herausgestreckt häte. Da sei ihm die- selbe abgeschnitten worden. Er habe in Folge dieser Mißhandlung bis jetzt im Spital gelegen. Seine Peiniger habe die strafende Justiz bald ereilt. Es seien, zehn, darunter auch ein Offisier, weil er ihnen nicht Ein halt gebot, sondern den Frevel geschehen ließ, standrechtlich er schossen worden.

In Bayern beschäftigt man sich gegenwärtig viel mit dem nicht unwahrscheinlichen Falle, daß König Lud⸗ wig II. ehe- also auch kinderlos bliebe und Prinz Otto stürbe. Dazu bemerkt derNürnd. Anz.:Nach det bayrrischen Verfassung, welche in dieser Frage noch gilt, träle Prinz Luitpold ein. Indessen dürfte bis dorthin noch eine lange Zeit sein, und inzwischen mag noch allerlei passiren, wovon wir zur Zeit nur eine schwache Ahnung baben. Gleichwohl ist die Frage von Interesse, nament⸗ lich im Zusammenhalte mit nachstehenden kurzen No lizen. Das Großherzogthum Hessen-Darmstadt regiert zur Zeit Ludwig III., geboren am 9. Juni 1806 dieser deuische Fürst ist kinderlos. Sachsens König Johann ist 1801 ge voren, der Kronprinz Albert ist 44 Jahre alt und kinderlos. Der Coburger Herzog Eenst I., 1818 geboren, ist kinder- los. Der Großherzog von Baden hat eine preußische Prinzessin zur Frau, und es ist schon mehrmals die Rede gewesen, daß derselbe der Krone zu entsagen geneigt wae. Trätle nun wirklich der Fall ein, daß Bayerns König, Ludwig II., ohne Kinder bliebe, so läßt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit die Zeit bestimmen, in welcher die gegen⸗ wärtig noch regierenden Fürsten des deutschen Reiches in directer Linie ausgesterben sein werden ein Fall, wie er seit dem tausendjährigen Bestehen des deutschen Reiches nicht vorgekommen. Noch ist zu bemerken, daß auch Rarl XIV. von Schweden kinderlos ist.

München. Von der k. Hauptmünze hier wurden am 23. d. die erstenFriedensthaler ausgegeben. Die⸗ selben enthalten auf der Aversseite mit der entsprechen den Umschrift das von Adam Rieß gravirte wohlgetrof⸗ fene Bildniß des Königs, dann auf der Reversseite eine den Frieden darstellende allegorische Figur mit der Um⸗ schrift:Friedensschluß zu Frankfurt 10. Mal 1871. Aussührung und Prägung dieser Friedensthaler erscheinen als sehr gelungen.

Berlin. In der Prinzenstraße ist seit einigen Tagen, wie dieGer.⸗Ztig. mittheilt, wieder einmal die Trichinen⸗ krankheit in sehr gefährlicher Weise auf etreten. Eine große Anzahl von Personen, meist ganze Familien, liegen schwer krank unter denselben Krankheits⸗Erscheinungen, und ist bei verschiedenen dieser Kranken bereits durch Operationen am Kopf und namentlich in der Umgebung der Augen das Vorhandensein von Trichinen unzweifel⸗ haft fesigestelln worden. Ueber einen vermißten Studenten schreibt dasFr.⸗Bl.:Der Studiosus der Mathematik Sießfried Behrendt aus Hamburg ist seit dem 15. Jan. von hier spurlos verschwunden. B. ist an jenem Tage von seiner Wohnung in das Colleg gegangen und seitdem nirgend wo sichtbar geworden. Der junge Mann hat hier nur mit einigen jüdischen Familien verkehrt und überhaupt so zurückgezogen gelebt, daß seine Mitstudiren⸗ den nicht einmal seinen Namen wußten.

In Straßburg ereignete sich während des am 18, d. zur Jahresfeier der Gründung des deutschen Kaiser reichs stattgehabten Balles gegen zwei Uhr Morgens der Unfall, daß ein großer Spiegel von der Wand auf den in diesem Augenblick darunter sitzenden commandirenden General des 15. Armeecorps, von Fransecki herabstürzte und demselben einige nicht unerhebliche Verletzungen am Kopfe beibrachte

Brüssel. Eine Anzahl hiesiger Damen hat eine Subseription eröffnet, aus deren Ertrag für den Papst ein stattlicher Palast in Brüssel erworben werden soll.

Aus Lausanne meldet man den dort erfolgten Tod des Herrn Gustav Crémieuxy, Sohnes des bekannten Advocaten und Gemahls der Sängerin Monbelli, welche sich durch ihre Kunstreisen in Gesellschaft Ulman's neuer dings auch in Deutschland bekannt gemacht hat.

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