Ausgabe 
25.6.1872
 
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Betreffend: Anmeldung und Prüfung der einjätzrig Freiwilligen.

Diejenigen Militärpflichtigen, welche als einjährig Freiwillige dienen wollen und im Großherzogthum Hessen nach§. 20 der Militär Ersatz⸗Instruction vom 26. März 1868(Reg. Blatt Nr. 21) ge⸗ stellungspflichtig sind, haben ihre Anmeldung schriftlich, unter Be rücksichtigung der§8. 148, 149, 151, 152, 153, 154 und 155 der erwähnten Militär ⸗Ersatz-Instruction bis

zum 1. August d. J. bei der unterzeichneten Commission einzureichen, falls sie sich der im September d. J. stattsindenden Prüfung zu unterziehen beabsichtigen. Der Meldung sind beizulegen à) ein Geburtszeugniß;z b) eine beglaubigte Einwilligung des Vaters oder des Vormundes; c) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren

Schulen(Gymnassen, Realschulen, Progymnasien und hoheren

Bürgerschulen) von dem Director bzw. Rector der betr. Lehr⸗

anstalt, für alle übrigen jungen Leute aber von der Polizei⸗

Obrigkeit auszustellen ist.

Bei Nichtbeobachtung der bestehenden Vorschriften, oder Ein⸗ reichung des Gesuchs nach dem angegebenen Termine, kann die Zulassung zu der nächsten Prüfung nicht stattfinden. Der Prüfungs- termin, sowie das Lokal, worin dieselbe vorgenommen wird, kann erst später bekannt gemacht werden; eine specielle Einladung erfolgt nicht.!

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Die unterzeichnete Commission macht außerdem auf folgende Be stimmungen ausdrücklich aufmerksam. a 0

Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst darf nicht vor dem vollendeten 17. Lebensjahre und muß bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. Februar des Kalenderjahres nachge sucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.

Mit der Anmeldung um Zulassung zum einjährigen Militärdienst ist die Aufgabe des Rechts, an der Loosung Theil zu nehmen, verbunden.

Ausnahmsweise kann der durch die versänmte rechtzeitige An⸗ meldung verloren gegangene Anspruch durch Entschließung der Ersatz behörden dritter Instanz wieder verliehen werden, wenn der betheiligte Militärpflichtige noch nicht an einer Loosung Theil zu nehmen ver, pflichtet war, oder vermöge seiner Loosnummer dis ponibel geblieben ist.

In letzterem Falle darf diese Vergünstigung indeß nur dann ein; treten, wenn der deßfallsige Autrag vor der zweiten Aushebung, bei welcher der betheiligte Militärpflichtige zu concurriten hat, formirt wird.

Gesuche um Wiederverleihung der durch versäaumte rechtzeitige Meldung verloren gegangenen Berechtigung sind an die zuständige Kreis-⸗Ersatz⸗Commission zu richten.

Darmstadt den 14. Juni 1872.

Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Pa bst. Sieker.

Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg. peter Tönges zu Friedberg wurde als Mahnbote für den Rentamtsbezirk Friedberg bestellt. Kirchenrechner Krausgrill zu Nieder⸗Weisel wurde zum Vacanzrechner der erledigten evangelischen Pfarrstelle daselbst ernannt. ö

Deutsches Reich. Berlin. Prinz Humbert, derdankbare Husar(wie er sich bescheiden in dem Schreiben an den Kaiser Wilhelm selbst nannte), bat tele⸗ graphisch nach Berlin seinen Dank ausgesprochen für die Aufnahme, die er gefunden. Er sagt darin, erwerde diese Tage unter die schönsten und glücklichsten seines Lebens zählen. Der Kaiser erwiderte diesen Dank so berichtet dieA. Allg. Ztg. in ebenso herzlicher und inniger Weise mit einem Telegramm, das der italienische Thron erbe bei seiner Ankunft in Mailand erhielt. In Frankfurt hat der Prinz zwei prachtvolle Vasen gekauft als Geschenk, das er seinem königlichen Vater zum Andenken an diese Reise überbringen wird.

Die Frist, welche dem Bischof Krementz durch das bekannte Excitatorium vom 11. d. gestellt wurde, lief am 19. d. M. ab. Wie die Spen. Ztg. schreibt und dieNordd. Allgem. Zeitung bestätigt, ist die Antwort des Bischofs innerhalb der gestellten Frist eingetroffen. Nach einem Telegramm derWes.⸗Ztg. ist die Ant- wort des Bischofsausweichend. Er erkläre, es sei nicht seine Absicht gewesen, sich den Staats- gesetzen gegenüber auf päpstliche Bullen, welche vom Staat nicht anerkannt seien, zu berufen.

DieSpen. Zig. meldet über die Ant- wort des Bischofs von Ermeland, dieselbe sei

vorsichtig abgefaßt, halte aber, trotz scheinbarer Nachgiebigkeit, den in dem früheren Antwort schreiben vom 30. März eingenommenen Stand- punkt ein. Das Staatsministerium werde ver⸗ muthlich sich nunmehr schlüssig zu machen haben.

DieVoss.⸗Ztg. theilt mit, daß Schulze⸗ Delitzsch sein Mandat als Mitglied des Abge⸗ ordnetenhauses wegen zu angestrengter Thätigkeit, welche in den letzteren Jahren neben der parla

mentarischen Pflichterfüllung sein Amt als Anwalt

der deutschen Genossenschaften für ihn herbeiführte, niedergelegt hat; das Mandat als Reichstags⸗ Abgeordneter wird er beibehalten. Es wird sonach im 3. Berliner Landtagswahlbezirke demnächst eine Neywahl zu vollziehen sein.

Essen. Der erwartete große Strike der Berg⸗ leute von 40 Zechen des Reviers um Essen, Steele und Mülheim, Oberhausen xk. ist nunmehr aus gebrochen. Auf sämmtlichen betheiligten Zechen sind am 17. d. die Bergleute, mit Ausnahme von einigen wenigen Tagesarbeitern, nicht zur Arbeit erschienen, nachdem am 16. d. in mehreren Ver- sammlungen die Einstellung der Arbeit beschlossen worden. Hier in Essen fanden Morgens, resp.

Mittags am 17. d. M. die Versammlungen im städtischen Garten statt und hatten sich nach einer

oberflächlichen Schätzung dazu im Ganzen etwa

16 17,000 Personen eingefunden. In den beiden Versammlungen wurde auch an die anwesenden Bergleute die Frage gestellt, ob die gegenwärtige Bewegung durch die Jesuiten angefacht sei. Es wurde dieses einstimmig verneint und geantwortet, daß es nur die Noth der Arbeiter sei, welche diese Bewegung veranlaßt habe. Man erwähnt übrigens, daß die Belegschaften einer weiteren Anzahl; Zechen der genannten Reviere sich nunmehr der Bewegung auch angeschlossen haben und die An⸗ zahl der Strikenden sich auf 22,000 beläuft. Straßburg. DieStraßb. Ztg. schreibt: Mit dem Optiren geht es hier, man kann sagen, recht langsam, und wenn man bedenkt, daß von den Optirenden selbst wohl nur ein kleiner Bruch- theil wirklich von dem ihnen zustehenden Rechte

M. Gebrauch machen und bis 1. October die Stadt

verlassen witd, so wird der Abgang voraussichtlich nur gering sein. Dasselbe Blatt theilt nach der offiziellen französischen Uebersicht der Handels bewegung in den ersten vier Monaten des laufen- den Jahres über die Gestaltung der Handelsbe⸗ ziehungen zwischen Elsaß-Lothringen und Frankreich eine Reihe von Daten mit, welche ergeben, daß die Ausfuhr elsässtischer Erzeugnisse nach Frank- reich auch im Monat April wiederum erheblich zugenommen hat. Das für die Wintersaison bevorstehende deutsche Theater ist von der Regie⸗ rung mit 100,000 Fr. Zuschuß bedacht worden.

Ausland.

Oesterteicdh. Wien. Wie verlautet, schreibt diePresse, wird das Gefolge des Kaisers auf der Reise nach Berlin einen vorwiegend mili tärischen Character haben. Es sollen nämlich außer dem Reichs Kriegsminister Baron Kuhn auch noch die Erzherzoge Albrecht und Wilhelm den Monarchen begleiten. Was den Minister des Auswärtigen, Grafen Andrassy, betrifft, so wird derselbe sich ebenfalls an der Seite des Monarchen befinden; ob derselbe aber auch während der ganzen Dauer des Aufenthaltes des Kaisers in Berlin verbleiben wird, ist noch unbestimmt.

Der Kaiser enthob den bisherigen Ober⸗ commandanten der Landwehr, Erzherzeg Wilhelm, auf eigene Bitte dieser Stelle und ernannte den Erzherzog Rainer zu dessen Nachfolger.

Frankreich. Paris. DasJournal de Debats meldet über die zwischen dem Präsidenten der Republik und den Delegirten der Rechten stattgehabte Unterredung. Thitrs bekräftigte seine tonservativen Grundsätze. Aber eine tiefe Meinungs- verschiedenheit erhielt sich bis zuletzt zwischen ihm

und den Delegirten über das zur wirksamen Ver- theidigung dieser Grundsätze zu beobachtende Ver⸗

fahren. Die Delegirten zogen sich zurück, inden sie ihre Meinungen aufrecht erbielten und die volle Freiheit, sie zu vertheidigen, sich wahrten.

Mehrere Journale verbreiten beunruhigende Gerüchte, welche einzelnen Fractionen der National⸗ versammlung die Absicht des Vorgehens gegen die

innere Politik von Thiers unterlegen. Die Nach-

richten erscheinen vollkommen erfunden, da jede Regierungskrise den Abbruch der jetzt mit Deutsch⸗ land schwebenden Verhandlungen zur unmittelbaren Folge haben würde.

Großbritannien. London.Reuter's Bureau meldet aus Washington vom 21. Juni: Dem Vernehmen nach hat das Genfer Schieds⸗ gericht die Meinung ausgedrückt, daß die indi⸗ recten Ansprüche kein Gegenstand seien, welcher zur Gewährung von Geldentschädigungen berechtige. Der Vertreter der Union in Genf wurde demnach angewiesen, auf diesen Ansprüchen nicht durchaus zu bestehen.

Italien. Rom. In einem Artikel über das letzte Schreiben des Papstes constatirt die Opinione, daß der Staat die religiösen Körper schaften nicht unterdrücken, sondern dieselben nut als Civilperson aufheben wolle, indem der Staat sie nicht mehr als der staatlichen Autorität unter- worfene moralische Körperschaften anerkenne. Italien thue, was andere freie Staaten, Belgien inbe⸗ griffen, thäten. Bezüglich der Güter der Körper- schaften habe die Regierung bereits erklärt, den siscalischen Standpunkt nicht einzunehmen. Con⸗ flicte kämen in Folge des Syllabus in allen Staaten vor upd die dem Papste gewährten Garantien würden lopal respectirt werden.

Amerika. Boston. Das große Musikfest, von welchem Amerikanische Blätter schon seit geraumer Zeit berichten, ist am 17. d. durch Herrn Bankz feierlich eröffnet worden. Der Chor war auß 16,000 Personen, das Orchester aus 1500 In- strumenten zusammengesetzt. Die Zahl der Zuhörer belief sich auf 30,000. Gilmore und Strauß dirigirten.

Am 19. Juni dem Tage des Musiffestes, welcher ausschließlich der deutschen Musik gewidmet war, wurden auch von dem Musikcorps des preu⸗ ßischen Kaiser-⸗Franz-Garde⸗Grenadier-Regiments mehrere Stücke vorgetragen. f

Newyork. In Texas haben siebentausend Indianer Feindseligkeiten gegen die Weißen be⸗ gonnen. f

Am 21. d. hat eine von hervorragenden Republikanern, Gegnern Grant's und Greeleh's, einberufene Conferenz stattgefunden. außerdem viele mit der Convention von Cincinnatk unzufriedene Delegirte zugegen. Die Majorität

Es waren