die Auslassungen Rouher's über die Verantwort⸗ lichkeit wieder auf und stellte folgende Alternative: „Entweder Ihr hattet Waffen, und warum als- dann damals diese übereilten und drückenden Käufe? oder Ihr hattet damals keine Wassen, dann waret Ibr Verräther, indem Ihr das Land ausliefertet.“ Man weiß, auf wem die Verantwortlichkeit lastet. Es ist der Gipfel der Demüthigung für das Land, Ihre Apologie anzuhören. Gambetta schloß:
Die unerbittliche Gerechtigkeit der Geschichte wird
das Regime brand marken, welchem Frankreich den 2. September, Mexico und Sedan verdankte. Dreifache Beifallssalve.) Belcastel griff das .— und die Regierung des 4. September an. Die Berathung wurde geschlossen. Die Ver- sammiung nahm mit Einmüthigkeit von 602 Stim- men eine Tagesordnung Mornap's an, welche besagt: Die Versammlung, im Vertrauen in die Commisston der Kauf- und Lieferungsverträge, welche alle Verantwortlichkeiten vor und nach dem 4. September zu bezeichnen und zu treffen wissen wird, gebt zur Tagesordnung über. Großbritannien. London. Dem„Fr. J.“ meldet man: Der jammervolle Zufland, in dem abermals 12 von der Versailler Regierung zur Verbannung Verurtheilte bier ankamen, erregt den entschiedensten Unwillen. Allen Zusicherungen entgegen, setzt Frankreich seine hinausgestoßenen Mitzlieder des Communal-Aufstandes in England ans Land, gibt ihnen nicht einmal so viel Geld auf den Weg, daß sie sich ein Stück Brod zur Stillung ihres Hungers kaufen können, und über⸗ läßt es der englischen Mildthätigkeit, sie vom Ver- schmachten zu retten. Zehn Francs besaßen diese 12 Unglücklichen, als sie in Dover gelandet waren. Der dortige ftanzösische Consul, an den sie sich um Unterstützung wandten, wies sie an das Armen haus des Städtchens, das ihnen ein Nachtlager
und etwas Wegzehrung gab. Am anderen Morgen
machten sie sich zu Fuße auf den Weg nach dem etwa 20 deutsche Meilen entfernten London, mitten im clendesten Wetter, nothdürftig bekleidet, mit mangelhaftem Schuhwerk, der Landessprache un— kund eg, hungernd, frierend und beitelnd. Zu Canterbury fanden sie über Nacht wieder Auf— nahme im Armenhause und in einzeln stehenden Häusern längs des mühsamen Weges wurde ihnen manche freundliche Gabe gespendet, aber um einen
ihrer Gesährten, der in Canterbury erkrankte,
nicht zucückzulassen, bezahlten sie 4 Francs für seine Weiterbeförderung nach London auf der Eisenbahn und dadurch war ein starker Riß in ihre ohnedies kärgliche Baarschaft gemacht. In welchem erbärmlichen Zustande sie schließlich hier ankamen, läßt sich denken. Vom Hülfsvereine, der sich igens zur Unterstutzung dieser neuen Gattung von Armen hier gebildet bat(er ist mit seinen Fondo leider zu Ende), erhielten sie einstweilen Obdach zum Schlafen und das Nothwendigste, um nicht zu verhungern. Für ihr weiteres Fot kommen aber werden sie selber im Verein mit guten Menschen sorgen müssen. Von ihren Lands⸗ leuten und ihrer Gesandtschast haben sie nicht das Getingste zu erwarten. Die„große“ Nation hat sie von sich gestoßen, die Pariser Zeitungen aber würden phrasenreiche Artikel gegen englische Hart- herzigkeit schreiben, wenn einer dieser Verbannten auf dem Londoner Pflaster hülflos verhungern sollte. Ob und wie weit sie ihr Schichsal verdient haben mögen, thut schlichterdings nichts zur Sache. Das höchste Maß ihrer Schuld würde die fran⸗ zösische Regierung nimmermehr von dem Vorwurfte freisprechen können, daß ste erbarmungslos gegen Kinder ihres Landes und rücksichtslos gegen einen befreundeten Nachbarstaat handelt. Grausamkeit und Gemeinheit paart sich dabei in einer Weise, die wir in nnserer Zeit, Gottlob, nur selten zu sehen gewohnt sind.
Spanien. Bayonne. General Letona besetzte am 18. d. M. Onate in der Provinz Guipuzcoa. Die Insurgenten räumten die Um- gegend. Serrano ist in San Sebastian ange- kommen. Gegen 5000 Insurgenten haben sich in Folge der Niederlage Aguirrt's unterworfen. Die Insurrection Biscayas scheint in Folge der Sprengung der Juutz desorganisirt.
Donaufürstenthümer. 0 wie ein Jassyer Journal meldet, wieder eine Schandthat gegen die Juden verübt worden, und zwar auf Befehl des Bürgermeisters und des
In Roman ist,
Stadtrathes. Diese ließen den Judenkirchhof, welcher schon Jahrhunderte im Besitze der Juden⸗ gemeinde von Roman ist, zerstören. Auf ihren Befehl ward die Umzäunung niedergerissen, die Bäume, welche den Kirchhof zierten, wurden um gehauen, die Grabsteine zertrümmert, die Gräber aufgeworfen und die Gebeine der Begrabenen den. Hunden überlassen. Die Judengemeinde von Roman hat sich an den Staatsanwalt gewendet, um Gercchtigkeit zu erlangen.
Friedberg. Minelst Plakaten bringt die Direction der Main- Weserdahn zur Keuntniß des Publikums, daß wiederum Rundreise-Billets für 13 näher bez ichneie Touren zu ermäßigten Fahrpreisen, güllig für alle fahr⸗ planmäßigen Züge, welche die belreffenden Wagenklassen fübren, an den für jede Tour besonders angegebenen Slationen zu erhalten sind. Tie Billets berechtigen zur Fahrt in der Richtung, welche die Tour angibt, und in umgekeörter Richtung. 50 Pfund Freigepäck sind grwährt, nur bei der größeren Tour in die Schweiz ꝛc. werden 10 Pfund Handgepäck frei bejördert. Die betreffende Be⸗ kauntmachung der Direction ist zu umfangreich, um solche hier vollsjändig zum Abdruck bringen zu können, Interessea— ten können indeß Extra- Abdrücke derselben zu 1 kr. bei den Expeduionen der Main-Weserbahn erhalten.
» Friedberg. Der dahier bestehende Blechmusik⸗ Verein, welcher in jüngner Zeit bei verschiedenen Ge— legenheiten erfreuliche Beweise seines Fleißes und seiner Forischritte gegeben, dat am Pfingsisonniag Morgen der Einwohnerschaft Friedbergs eine angenehme Ueberraschung dadurch bereitet, daß er nach dem üblichen Fesigeläuie zwei Choräle von dem Thurme der Burgkerche herab in sehr gelungener und präciser Weise vortrug. Die Einwohner⸗ schaft Friedbergs wird es den betreffenden Herren gewiß Dank wissen, wenn dieselben sich geneigt zuigen wollien, solche sehr dankenswerthe Productionen bei ähnlichen Ge⸗ legenheiten zu wiederholen.
Frankfurt. Wie der„Frankj. Anz.“ vernimmt, sind die biesi jen Bahnen benachrichtigt worden, sich zum Transport größerer Truppenmassen bereit zu halten. Gee nannies Blatt glaubt daraus auf einen Wechsel der in Frankteich befind ichen Truppen schließen zu dürsen.
Frankfurt. Zu einem 13jähcigen Mädchen, das an der Huptwache Maiblumen seilbot, kam ein junger Mensch, gut gekleidet, kauft ein Sträußchen und zahlt mit einem angeblichen Thalerstück. Auf die Erklärung des Mädchens, daß sie das Geld nicht kenne, versichert er die Güle der Stückes, läßt sich die ganze Vaarschaft des Mä chens, sie hatte nur 1 fl. 27 k.. bei sich, herausgeben, den Rest ihr schenkend. Das angebliche Thalerstück war eine werthlose Münze von Zink aus der Zeil der In duuru-Aussiellung in Londen!
Mainz. Bei der Kreuzung des nach 1 Uhr von Mannheim über Ludwigshafen hierher abgelassenen Zuges mii dem 1 Uhr 20 Min von bier über Neustadt⸗Weißen⸗ vurg gehenden Schnellzug, welche auf der Slation Boden. heim zwischen Worms und Ludwigshafen statifinder, ist am 21. d. ein geäßlicher Unfall vorgekommen. Bei dem von Ludwigshafen angekommenen Zug war man nämlich gerade mit Ein⸗ und Aussteigen beschäftigt, als auf dem 2. Gelcise in einiger Entfernung der Schnellzug von Worms bemerkt wurde und das Bahnpersonal sich eifrig bemühte, die Passagiere don dem Geleise zu eni⸗ einen. Dabei wurde auch gerufen:„Aus dem Galeise heraus, der Zug kommt!“ Es mag nun möglich sein, caß dieser Ruf vielleicht von Passagieren des ruyig stehen den Zuges mißdeuter oder falsch aufgefaßt wurde, denn prötztich, ohne weilere Veranlassung, öffneten sich einige Passagtere selbst die Thüre und sprangen aus diesem Zug geraus, worunter ein Mainzer Bürger mit seinen beiden Töchieen der von Mannheim von der Hochzeit seinee Sohnes kam, und cine Frau von Grünstadt sich befaneen, und wollten das Geleise übeischreiten, als zum größten Schrecken der Uebrigen in demselben Augenblick der Schnell⸗ zug die Station pafsirte. Die Folgen waren schrecklich. Die Maschine erfaßte den Mann und schleuderte ihn auf die Seite, wo er glücklicherweise ohne Verletzung davon kim, coch unglücklicher war die Tochter desjelben und die Frau, welche beide von der Maschine unter den Tender geschleudert und von dem Zug vollständig zerfahren wurden; dieses alles war das Werk eines Augenblicks.
Neustadt a. d. H. Zur Feier des 40 jährigen Gedenktages des Hambacher Festes auf der Maxdurg ist folgendes Programm ausgegeben: Montag, 27. Mai, Nachmittags 1 Uhr großer Festzug von Neustadt nach dem Schlosse, wobei die Fahne von 1832 in der Mitie zwischen deuischer und bayerischer Fahne getragen wird. Um 3 Uhr Festrede auf dem Schlosse. Abends Reunion auf dem„Schießhause“ in Neustadt.
München. Die„Münchener Neuesten Nachrichten“ schreiben, daß in Tuntenhausen die Bäcker und Krämer dem exkommunizirten Pfarrer Hosemann des für den Hausbedarf Nöthige zu verabreichen sich weigern; Milch, Eiet, Malz kann er nicht mehr erhalien; auch an den Wirth soll schon das Ausinuen gestellt worden sein, kein Bier und Fleisch mehr abzugeben.
Aus Dresden wild eine interessante Hofgeschichte dem„Sonn- und Feiertags Courier“ geschtieben. Dieselbe handelt von der Gattin eines sächsischen Prinzen, welch!
eine„stolze Dame? ist, aus jüdlichem Blut. Vor Kurzem nun galt es den jünasten Spröß ing ihrer Liebe zu impfen. Man beredete eine junge hübsche Bürgersfrau, ihr Kind nach dem Schloß zu bringen, um von demselben den Impfstoff abzunehmen. Die Frau erschien genau. ssimmten Stunde in den Prunkgemächern und bald at Alles bereit. Die Prinzessiu betrachtete das Kind derselben mit sichtlichem Wohlgefallen, dann wendete sie sich zu ihrem Gatten.„Was doch dieses bürgerliche Pack für hübsche Kinder hat!“ sagte sie auf französisch. Die Bürgers⸗ frau erbleichte. Sie wär der französischen Sprache voll⸗ kommen mächtig und verstand daher auch die böse Be⸗ merkung. Schnell warf sie dem schon entblößen Kinde die Kleider wieder über den Nacken, nahm es auf den Arm und schickte sich an, das Zimmer zu verlassen.„Aber mein Golt— was thun Sie, meine Liebe?“—„Was dem„Pack“ geziemt, es— packt sich.“ Alle Vorstellungen waren umsonst. N 25
London. Wozu die Zeitungen nicht Alles gut sind! Aus dem heiligen Lande kommt eine ergötzliche Ge⸗ schichte von der Beraubung eines pilgernden englischen Ehepaares. Die Reisenden haben sich bekanntlich bei den Beduinen des Jordan den Schutz gegen Beraubung zu erkaufen; nur unser Ehrpäcchen glaubte die Reise nach Jerusalem ohne Beduinenbedeckung machen zu können. Dafür wurde es denn auch angefallen, beraubt und im unangenehmsten Sinne des Wortes bis auf die Haut ausgezogen. Nur mit Mühe vermochte der Engländer die Räuber zu bewegen, ihm eine„Times“ zu geben, damit er sich und seine bessere Hälfte darein kleide! So kam denn das Pärchen in Jerusalem an; der Gatte in die„Times“, die Gaitin in die Beilage gekleidet. Und wer's nicht glauben will der lese das„Jewish Chronicle“ von dieser Woche. 1
Berichtigung.
Wir sind darauf aufmerkjam gemacht worden, daß die Zulage an die älleren hiesigen Volksschullehrer nicht— wie in dem von uns citirten Blatte zu lesen ist— 25 fl., sondern ebenfalls 50 fl. vetragen habe. Ursprünglich war freilich diese Zula e auf 25 fl. festgesetzt; sie wurde aber nachträglich auf besondere Veranlassung auf 50 fl. erhöht, An der Sache selbst ändert das nichis, da weder dadurch der Etat für die hiesige Volksschule noch die Einzelbesoldungen der betr. Lebrer sich böder stellen, als wie von uns angegeben wurde.
D Frankfurt a. M., den 23. Mai 1872. Die Börse verkehrt diese Woche forigesetzt bei gutem Animo und ist die Stimmung vorzugsweise für die internationalen Specula⸗ tions⸗Effecten eine recht seste; denn wenn auch, wie heute, kleinere Schwankungen ab und zu vorkommen, so sind dieselben doch nicht im Stande die Gesammihallung zu irritiren. Credilacnen z B. eröffneten beute mit 248, gingen auf 247½ zurück und schlossen dann mit 248ʃ½. Am fesiesten, d. P. ohne jegliche Schwankung, bielten sich Lombarden, die bei 2108/ sehr lebhaft umgesetzt wurden. Staatsbahn zeichnete sich weniger durch Umfang des Ber⸗ tehrs aus, schloß aver doch mit 375/. Nationalbank war wenig in Umsatz und ist in Bezug auf sie eher eine weichende Tendenz zu constatiren. Banken im Allgemeinen ziemlich vernachlässigt. Im Speciellen wurden Deulsche Vereinsbank in größeren Posten zum gestrigen Couise aus dem Markt genommen. Auch für Oestert.⸗Deutsche wiren aute Käufer vorhanden. Oesterr. Bahnen beliebt, wenn auch nicht besonders lebhaft. Die Preise derselben halten sich und dürste für die nächste Zeit eher eine Steigerung zu erwarten sein, da die Export- Aussichten sich bessern, Deutsche Bahnen slill. In Prioritäten wenig Geschäft, ebenso in Loosen. Oesterr. Rensen gewinnen wieder an Beliebtheit und halten sich gut im Preise. In Amerikanern wenig Umsatz, Peioriläten gecadezu ignoritt.
Landwirthschaftliches.
t. Die Landwirthschaft befindet sich in der Gegenwart in keiner beneidenswerthen Lage. Die Löhne sind hoch und der Arbeitermangel groß; dabei ist das Kapital sehr rat geworden. Jedermann will acht, zehn, ja noch mehr Procent machen. Wer will da dem Landwirth bei der Ungewißheit einer pünktlichen Z nsenzablung noch zu 5% Geld leihen? In diesen geschraubten Verhältnissen bleibt demselben nichts übrig, als durch Intelligenz die materiellen Hinderniss zu besiegen. Die Getraidepreise sind den Ver⸗ hältn ssen nicht enisprechend gestiegen; lohnend erweist sich nur bei rationeller Fütterung die Viehzucht. Was heißt abet rauonell? Ritionell heißt den Gesetzen der Natur enisprechend dem Thiere in geeigneter Zusammensetzung und in einem entsprechenden Quantum dei dem billigsten Pteise die Stoffe im Futter darzureichen, die es befähigen, die höchsien Leislungen zu vollbringen. Wollen wir also rationell füttern, so müssen wir die verschiedenen Nähr⸗ stoffe nach ihrer Menge in dem Futter bestimmen und nach den verschiedenen Nutzungszwecken eine Mischung des Fulters vornehmen. Wie viel Futier wird aus Unkenul⸗ niß verschwendet, weil es von dem Thier nicht ausgenutzt werden k mn, oder wie gar oft it die Fünterung eine sehr theuete, weil man die Quantität der wichtigsten Näyrstoffe in dem Fut er nicht zu beu theilen vermag! In jolchen Verlegenheiten ist dem Landwirih ein vortresfl cher Rath⸗ geber geboten in der bildlichen Darstellung der chemischen Zusammensetzung der gebräuchlichsten Nah ungsmittel und Futterstoff von Dr. A. Müller, welche durch die Buch⸗ handlung von Binder nagel& Schimpff zu dem Preise von 1 fl. 12 ke. bezogen werden kann. Sie leistet
dei Beurtheilung des Werts der verschiedenen Futtermittel vor tleffliche Dienste und kann daher jedem Landwirth auf des angel genste empfohlen werden.


