Kammer einstimmig zum Beschluß erhob. Sie schritt sodann zur Wahl des Finanzausschusses, in welchen gewählt wurden: Welcker mit 35, Möllinger mit 28, Metz mit 25, Kuhl mit 22, Martin mit 21 Stimmen.
— Die I. Kammer hielt am 21. ebenfalls eine Sitzung. Auf Anregen des Präsidenten wurde der Erlaß einer Dankadresse als Erwiederung auf die Thronrede beschlossen.
— Wie das„Fr. J.“ von wohlunterrichter Seite mittheilt, ist die Regierung nunmehr mit der Aufhebung der Weinsteuer einverstanden und wird dieselbe einem, jedenfalls im Laufe des gegen; wärtigen Landtags zu erwartenden, daraufgerich · teten Antrage keinen Widerstand entgegensetzen, sondern ihn vielmehr den Ständen zur Annahme empfehlen. Die Regierung beabsichtigt, den durch den Wegfall der Tranksteuer und Zapfgebühr von Wein entstebenden Einnahme⸗Ausfall im Betrage von 820,000 fl. durch entsprechende Erhöhung der Einkommensteuer zu decken.
— Das genannte Blatt schreibt: Nachdem Hofgerichts⸗Advocat Volhard die im Wahlkreis Groß-Umstadt auf ihn gefallene Wahl zum Ab⸗ geordneten zur zweiten Ständekammer abgelebnt hat, ist dieselbe wiederholt dem Hofgerichts⸗Ad⸗ vocaten Ohly angetragen worden. Derselbe hat jedoch wiederholt abgelehnt. Voraussichtlich wer- den sich die liberalen Wahlmänner über die Wahl des Landrichters Königer einigen.
Berlin. Mit einer gewissen Zuversichtlichkeit tritt das Gerücht auf, daß eine Erhöhung des Pauschquantums, aus welchem in den beiden letzten Jahren das Reichsheer erhalten wurde, in der nächsten Session des Reichstags beantragt werden wird Man spricht von einem Plus, das etwa fünf Millionen Thaler betragen würde. Die Reichs- Militärverwaltung dürfte das Plus dadurch moti- viren, daß sie einwendet, eine so rapide Steigerung der Preise, wie sie in den letzten anderthalb Jahren sich zugetragen, sei schlechterdings nicht vorherzu- sehen gewesen, und gerade diese außergewöhnliche Erscheinung, die dauernd sein werde, mache außer; ordentliche Ansprüche unerläßlich.
— Graf Roon ist nach dem Vernehmen der „Kreuzztg.“ vorläufig zum Vorsitzenden des Staats; ministeriums ernannt.(Die„Wes.⸗Ztg.“ hört telegraphisch, daß der Kriegsminister, einem Wunsche des Kaisers entsprechend, sein Entlassungs⸗Gesuch zurückgezogen habe.) Der Minister der land- wirthschaftlichen Angelegenheiten v. Selchow ist auf sein Demissions⸗Gesuch noch nicht vom Kaiser beschieden worden.
— Die auf den Kriegsschulen zu Kassel, Anclam, Erfurt, Neisse am 6. August d. J. er- öffneten Offizier ⸗Curse finden am 20. Dezember ihren Abschluß. Es haben im Ganzen 10 Offi. zier ⸗Curse stattgehabt und sind ungefähr 1200 Offiziere durch dieselben gegangen. Damit nimmt die nur provisorische Maßregel ihr Ende und sind im künftigen Jahre auf allen Kriegsschulen wieder lediglich Portepee⸗Fähnriche als Schüler.
München. Nach einer bei Adele Spitze der vorgefundenen, seit dem vorigen Juni geführten Aufzeichnung beträgt die Zahl ihrer Gläubiger 19,583. Da es nun nicht möglich ist, mit einer solchen Menschenmenge ein geordnetes Liquidations- verfahren einzuleiten, so erläßt auf Antrag des Gerichtskommissärs in dieser Gant das Ministerium au die Polizeibehörden die Aufforderung, dahin zu wirken, daß die Gläubiger je eines Bezirkes sich vereinigen und ihre gemeinschaftliche Vertretung einem Anwalt übergeben.
— Vor einigen Tagen wurde der Dachauer bank⸗Inhaber Friedrich Graf von Holnstein sowie dessen beide Eintreiber wegen betrügerischen Banke · rottes und gemeinen Betruges arretirt und in ge⸗ richtliche Haft genommen.
Karlsruhe. Die Großerzogin von Baden ist an den Masern gefährlich erkrankt. Den neuesten Nachrichten zufolge ist eine wesentliche Besserung in dem Befinden der Kranken eingetreten.
Straßburg. Seit 14 Tagen nimmt die Zahl der Arbeiter an den Forts bedeutend ab. Von 600 Mann, welche am hiesigen Fort be—
Abend nur noch 200 bei der Casse ein, um ihren Wochenlohn zu beziehen. In wenigen Tagen sollen die Grundarbeiten bis zum nächsten Früh- jahr ganz eingestellt werden. Dieselben erfordern noch eine bedeutende Herbeischaffung von Grund- materialien, denn das Fort Reichstatt wird auf flachem Felde errichtet. Die nämliche Arbeit wird bei dem Bau der Forts Wanzenau und Illkirch stattfinden, so daß noch großer Gewinn für die Terrassiers in Aussicht steht.
Ausland.
Schweiz. Der Nationalrath und der Stände
rath haben die Wiederaufnahme der Bundes-Re⸗ vision beschlossen. Frankreich. Nach einer Kundmachung des Finanzministers wird die Steuer von den Titres der ausländischen beweglichen Werthe, welche an der Börse codirt werden und in Frankreich aus gegeben sind, auf dieselbe Grundlage gestellt, wie die Stempel und Uebertragungssteuer. Folglich wird die Zahl derjenigen Titres, von welchen diese beiden letzten Steuern erhoben werden sollen, für die Einkommensteuer dienen.— Nachrichten aus den besetzten Departements melden, daß die Baracken der Besatzungstruppen durch den fort— dauernden Regen sehr gelitten haben und theil— weise unbewohnbar geworden sind. Es würde deßhalb ein Theil der deutschen Truppen wieder bei den Einwohnern einquartiert werden.
— Die Nationalversammlung hat einstimmig das ganze Budget angenommen. Das linke Cen- trum vertagte die Wahl seines Bureaus bis zum 8. Januar. Man glaubt, daß eine Spaltung dieser Partei vermieden werden wird.— Die
Municipalverwaltung von Nantes gab in Folge
der Absetzung des dortigen Maires ihre Entlassung.
— Die Nationalversammlung hat den Gesetz- entwurf, betreffend die Zurückgabe der Güter der Prinzen von Orleans an Letztere, in dritter Be- rathung genehmigt. Die Versammlung vertagte sich hierauf bis zum 8. Januar.
Großbritannien. Die Themse ist über ihre Ufer getreten. Der Park bei Windsor ist ein großer See. Tausende von Morgen Landes stehen unter Wasser.
Spanien. Die neuen Minister wurden ver⸗ eidigt. Zorrilla wollte den Cortes ein neues Pro · gramm vorlegen. In Deputirtenkreisen wird der Schluß der Session für wahrscheinlich gehalten. Die Zeitungen sehen die beabsichtigte Reform für Portorico als die Ursache der Minister⸗Krisis an.
Madrid, 20. Dec. Der Minister des Aeußern, Martos, hat im Senat eine Rede zu Gunsten der Abschaffung der Sclaverei gehalten. Der Senat erklärte mit 60 gegen 5 Stimmen, daß er den Ansichten des Ministers beistimme.
* Friedberg. Georg Graf von Ulfa wurde vor einigen Abenden wegen legitimationslosem Umherziehens dahier durch den hiesigen Gendarmen Lepper verhaftet. Nachdem der Arrestant bei der Verhaftung in ange⸗ trunkenem Zustande verdächtige Aeußerungen gethan, daß er vor nicht langer Zeit eine Ziegelei bei Ulfa in Brand gesteckt habe, wurde derselbe am folgenden Morgen vor hiesigem Kreisamte in scharfes Verhör genommen, worauf er die That eingestand und als Beweggrund angab, er habe kurz vorher bei dem Besitzer der Ziegelei um ein Almosen gebeten, sei aber ebgewiesen worden mit dem Bescheide, er sei ein junger Mann und könne arbeiten. Der Verbrecher befindet sich gegenwärtig im Bezirksge⸗ fängniß des Landgerichts Hungen in sicherem Gewahrsam.
Gießen. In der Nacht vom Miitwoch auf Donnerstag sprang ein Hülfsbremser der Oberhessischen Bahn von der Wieseckbrücke am Seltersthor in die Wieseck hinein, er wurde von Cameraden herausgeholt und nach einem Wäcterbäuschen zum Trocknen gebracht.— In der fol⸗ denden Nacht hat ein Student, als er eben vom Felsen⸗ keller heirkam, in der Universitätsstraße Straßenlaternen eingeworfen und wurde über der Than von einem Schutz⸗ mann eiwischt. Es giebt Einzelne, welche die Zerstörung der so nothwendigen Beleuchtungsanstalten selbst dann nicht unterlassen würden, wenn sie mit Zuchthaus bedroht wäre.
Erbach. Kürzlich starb dahier im Krankenhause ein Jjätzriges Mädchen aus dem nahen Erbersberg in Folge einer verschluckten Vorstecknadel, die dem Kinde von einem nahen Verwandten zum Geschenke gemacht worden war. Die möglichst bald vollzogene ärztliche Operation, um die Nadel vielleicht noch in der Luftröhre zu erhaschen, war umsonst, da sie wohl bereits schon in die Lunge einge⸗
schäftigt waren, fanden sich am letzten Samstag
drungen gewesen. Das achtlägige Leiden des unglücklichen
Kindes war ein schreckliches und der Jammer der Eltern
wahrhaft berzzerreißend.
Mainz. Vor einem besuchten Brauerhause auf der großen Bleiche nahm vor einigen Abenden eine Säbel⸗ affaire einen traurigen Ausgang. Zwei betrunkene Ar⸗ tilleristen zogen blank und trafen unglücklicherweise drei Brauburschen, die gerade aus dem Keller heimkehrten. Der Eine wurde lebensgefährlich am Kopfe, der Zweite an der Brust und der Dritte leicht an der Hand verletzt. Zwei der Verwundeten wurden in's Spital verbracht. Die Schuldigen sollen verhaftet sein. Dem Vernehmen nach soll einer der Artilleristen seinen Wunden erlegen sein.— Ein Zimmergeselle, der am Abend des 1. Dez. vor dem Neuthore durch einen Säbelhieb verwundet wurde, ist seiner Verwundung erlegen.
Wiesbaden. In einem der Spielsäle des Kur⸗ hauses ersuchte kürzlich ein nobel gekleideter Herr einen andern, ihm auf seine goldene Uhr im Werthe von min- destens 40 Thlr. auf kurze Zeit 20 Thlr. vorzustrecken. Der Andere ging darauf ein mit dem Bemerken, er werde Abends abreisen und betrachte die Uhr, wenn sie bis dahin nicht eingelöst sei, als sein Eigenthum. Der nobel gekleidete Herr erhielt seine 20 Thaler und entfernte sich auf Nimmerwiedersehen. Die goldene Ubr aber stellle sich bei genauer Untersuchung als eine„schlecht vergoldete“ heraus, welche höchstens 6 Thlr. werth ist.
Berlin. Hiesige Blätter melden:„Vor Kurzem ist eine strafrechtliche Anzeige gegen einen Prinzen von Taxis wegen Meineids bei dem Staatsanwalt des hiesigen Stadt⸗ gerichts eingegangen. Der Prinz ist nämlich wegen 6000 Thlr. Wechselschulden in vier Wechseln 3 1500 Thlr. deim hiesigen Stadtgericht verklagt worden, die Execution indeß gegen ihn fruchtlos ausgefallen, da bei ihm Geld und überflüssige Kleidungsstücke sich nicht vorfanden. Er hat demnach auf Antrag des Gläubigers im Mai d. J. den Manifestationseid geleistet. Er soll indeß eine Rente von 6000 Tolr. jährlich von seinem Vater beziehen und dies bei der Eidesleistung verschwiegen baben. Mit dieser Notiz scheint folgendes Inserat in Verbindung zu stehen, welches wir in einer Münchener Zeitung vom 12. Dez. finden:„Im Auftrage der Vormundschaft über Se. Durchl. den Prinzen Franz von Thurn und Taxis aus Regensburg wird Jedermann gewarnt, mit dem genannten Prinzen Rechisgeschäfte, welcher Art immer, abzuschließen. Derselbe ist zur Zeit noch minderjährig, und es sind be⸗ reits Vorkehrungen getroffen, daß er auch nach dem⸗ nächstigem Eintritt in das Alter der Großjährigkeit unter Curatel verbleibe. Advocat Dr. Henle.“
Berlin. Vor einigen Wochen erschien auf einem Berliner Polizeibureau ein anständig gekleideter Herr, der sich Professor B. nannte und um Ertheilung der polizei⸗
lichen Erlaubniß nachsuchte, in einem Lokale durch lebende
Individuen acht verschiedene Menschenracen ausstellen zu dürfen. Man verlangte nun vorab die zur Ausstellung
zu gelangenden Persönlichkeiten zu sehen, um auf Grund
eigener Anschauung weiter berichten zu können und den erforderlichen Consens von der vorgesetzten Behörde zu extrahiren. Als andern Tages der Beamte erschien, erblickte er daselbst acht sonderbhare Erscheinungen, unter denen
ihm namentlich ein kupferfarbiger Indianerhäupiling in 7
paradiesischem Zustande auffiel. Außer einer Art San⸗ dalen halte er nur in der Mitte des Körpers einen Schurz von Federn gearbeitet und um die Hüsten eine Schnur, an denen Skalps befestigt waren. Nähere Unter⸗ suchung stellte aber heraus, daß die Skalps von der kunstgeübten Hand eines Friseur angefertigt waren; außer⸗ dem gab die deutsche Zunge des vermeintlichen Sohnes der Wildniß sattsam zu erkennen, daß es sich hier um eine Fälschung handle. Die Erlaubniß wurde nicht er⸗ theilt; doch sollte damit der Thätigkeit der Beamten noch nicht ein Ziel gesetzt sein; denn bald nachher mußten sie sich wieder an Ort und Stelle begeben, um einen daselbst ausgebrochenen Streit zu schlichten. Es ergab sich, daß der Unternehmer der Ausstellung seine Leule mit An⸗ wendung von Jod und Anilinfarben in der Wolle gefärbt und der Anstrich trotz aller angewendeten Mittel nicht be⸗ seitigt werden konnte. In diesem Zustande war es aber auch nicht möglich, vor den Augen des Publikums auf der Straße zu erscheinen. Auch die Mutter des Indianer⸗ häuptlings forderte stürmisch die Rehabilitirung ihres Sohnes. Da dies nun aber erst im Laufe der Zeit voll⸗ vracht werden konnte, so gelang es den Bemühungen des Beamten, den Vrofessor zu vermögen, durch Zahlung einer Abfindungssumme die erhitzten Gemüther zu be⸗ friedigen und dem Scandal ein Ende zu machen. Vor⸗ läufig muß der Berliner Wilde noch das Zimmer hüten;
Marktberichte.
Grünberg, 21. Dezember. Die Preise auf unserem heutigen Fruchtmarkte betragen: Waizen(100 Kilo) 14 fl. 35 kl.; Korn(90 K.) 8 fl. 47 kr.; Gerste(80 K.) 7 fl. 40 kr.; Hafer(60 K.) 4 fl. 29 kr.; Molter(90 K.) 8 fl. 30 ke.; Erbsen(110 K.) 10 fl. 30 kr.; Linsen (400 K.)— fl.— kr.; Saamen(90 K.)— fl.— kr. Kartoffeln(100 K.)— fl.— kr.
Mainz, 20. Dez. Zu notiren ist: Waizen effectiv 145/½— 145/ fl., per März 14¾6— 14¼ fl., Korn effectiv 95— 10 fl., per März 10½—.½ fl., Gerste, Pfälze l, 10½— 102/ fl., Franken 11— 11 ¼ fl., Hafer effectiv 4½ fl., per März 4 fl. 50 kl., per Mal 5 fl. Rüböl matter, effectiv 22½ fl. ohne Faß, per Mai 23/ bis ½ 8fl., per Oel. 23% fl. mit Faß. Leinöl 23½—; fl. Mohnbl 36 fl., Kohlsamen 19½— 20 fl., Kleesamen. sehr ruhig, aber behauptet, weiße Bohnen 12/13 fl, Erbsen
10—12 fl., Linsen 10—14 fl. Repekuchen 82—90 fl.
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sub fert Bei Bei
üler 6450
Flerber! in Fau Gebr.
naht Alsbal Fr


