Ausgabe 
24.2.1872
 
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Die Blätter enthalten die von amtlicher Seite ibnen zugegangene Mittheilung, daß ein ehemaliger Apotheker aus Posen verhaftet worden ist, welcher im dringendsten Verdacht steht, ein Attentat gegen den Reichskanzler beabsichtigt zu haben. Der Verhaftete ist Pole und fanatischer Katholik, diente längere Zeit bei den päystlichen Zuaven, verweilte in den letzten Monaten dei einem Posener Demherrn und traf hier Sonn- abend ein, nachdem er in Posen die Drohung geäußert, daß in Berlin bald alles anders werden würde. Derselbe wurde in seiner hiesigen Woh nung bei dem Küster der Hedwigskirche(seinem Adoptiv⸗Vater) verhaftet, wobei ihm ein Terzerol abgenommen wurde.

Stuttgart. In der Abgeordnetenkammer antwortete auf die Interpellation Barnbüler's, die Würtemberger in der franzöfischen Fremdenlegion betreffend, der Minister des Auswärtigen, Frbr. v. Wächter, mit der Zusage der Gewährung von Reisegeldern.

Ausland.

Frankreich. Parise. Gerüchtsweise ver⸗ lautet, daß die Berathung über die katholischen Petitionen, welche man nächsten Samstag erwarte, auf einen oder zwei Monate vertagt werden wird. Mehrere Notabilitäten der Rechten rathen dazu, das Programm der Letzteren nicht zu veröffent- lichen, um zu vermeiden, daß die Linke ihrerseits mit Vorschlägen über die definitive Regierungs form hervortrete, was geschehen würde, wenn die Veröffentlichung der Documente erfolgte.

DieAgence Havas meldet: Briefe aus Rom wellen wissen, daß der Papst letzten Sonn- tag ein Circular unterzeichnet habe, durch welches ein ökumenisches Concil nach Malta oder Tyrol ausgeschrieben werde, der Papst selbst würde von Rom abreisen.

Die Regierung beabsichtigte, die Mitglieder des Metzer Municipalraths und den Bischof von

Metzauf Antrag des Marschalls Bazaine mit!

der Ehrenlegion zu dekoriren. Um des Beisatzes: auf Antrag ꝛc. Bazaines wegen, haben Muni⸗ cipalréthe und Bischof die gedachte Ehre abgelehnt.

Am 20. Febr. waren, wie es heißt, alle Truppen in den Kasernen von Paris consignirt und die Polizei-Posten verdoppelt. Ueber die Motive dieser Maßregel waren im Publikum die Stimmen getheilt. Nach den Einen befürchtete die Regierung ultra⸗republikanische Demonstrationen. Andere wieder sprachen von der Entdeckung eines Complots der Generale Fleury, Palikao und Ba zaine, welche angeblich auf nichts Geringeres als die Aufhebung der Nationalversammlung von Ver sailles abzielten.

Das Einverständniß der Rechten mit dem techten Centrum ist im Fortschreiten begriffen. Die Chefs der orleanistischen Partei sind alle beigetreten. General Fleurp soll verhaftet worden sein.

Versailles.

Besteuerung der Rohstoffe, soweit die Gespinnst⸗ stoffe in Betracht kommen, zurückgezogen hat. Die Gerüchte über Verbaflungen von Bonapar⸗ tisten werden dementirt. Es ist nichts Beun⸗ ruhigendes gemeldet.

Nationalversammlung. Der Minister des

Innern bringt einen Gesetzentwurf ein, welcher

bezweckt, die Angriffe gegen die Nationalversamm- lung und die aus derselben hervorgegangene Re- gierung zurückzuweisen, resp. ihnen Einhalt zu thun, von welcher Seite dieselben auch kommen mögen. Der Gesetzentwurf richtet sich vorzugs- weise gegen die Journale, welche die National- versammlung und die Regierung angreifen.(Lange Unruhe.) Der Minister des Innern weist in

Beantwortung Baragnon's energisch den Vorwurf

zurück, daß die Regierung daran denke, die con⸗ stituirende Gewalt der Nationalversammlung an⸗ zutasten, und sagt: Sie wissen Alle, gegen wen und gegen was wir uns vertheidigen wollen. Die Deinglichkeit der Regierungsvorlage wird hierauf beinahe mit Einstimmigkeit genehmigt. Diese völlig unerwartete Maßregel versetzte die Versammlung in große Bewegung.

Luxemburg. In der Kammer erklärte der Staatsminister, daß eine deutsche Depesche einge⸗ troffen sei, mit welcher die Verhandlungen über die Ausbeutung der Luxemburgischen Wilhelms- bahn begännen. Der Minister verweigerte Mit⸗ theilungen über die Depesche und erklärte: Die selbe Frage trete nunmehr an die belgische Regierung betreffs der Fortsetzung der Linien auf belgischem Gebiete heran. Die belgische Regierung habe der deutschen mitgetheilt, daß sie den Betrieb selbst in die Hand nebmen und keine fremde Gesellschaft zulassen würde. Der Minister bat schließlich, von der Disecussion der Angelegenheit abzustehen.

Belgien. Brüssel. Um den bonapar tistischen Umtrieben erfolgreich zu begegnen, schreibt man derIndépendance aus Versailles, wire das Paßvisa an der Grenze wieder für obliga torisch erklärt.

Die AntwerpenerOpinion meldet: In Antwerpen eirculirt eine Petion an die Kammer, welche die Ausweisung des Grafen Chambord und in zweiter Linie die Abschaffung des Fremdenge⸗ setzts fordert.

Italien. Rom. Das JournalFanfulla virsichert, der deutsche Gesandte am päpstlichen Stuhle, Graf Tauffkirchen, werde demnächst einen unbestimmten Urlaub antreten. DieFanfulla meldet ferner: Mehrere Bischöft bestehen auf einer Fortsetzung des Concils in der Stadt Trient. Der Papst soll in Rom verbleiben und sich auf dem Concil durch einen Legaten à latere vertreten lassen. Die Cardinäle Monaco, Capalti und Caterint sind mit den bezüglichen Unterhandlungen betraut; bis jetzt scheint aber Oesterreich nicht geneigt, seine Einwilligung hierzu zu geben.

Spanien. Madrid. Das neue Ministe⸗ rium ist folgendermaßen zusammengesetzt: Sagasta Präsidium und Inneres, Malcampo Marine, Deblas auswärtige Angelegenbeiten, Gamachs Finanzen, Rey Krieg, Romero Robledo öffentliche

Es bestätigt sich, daß der Finanzminister Pouper⸗Quertier die projectirte

Arbeiten, Martin Herrera Colonien, Colmenares Justiz.

Amerika. Washinton. Im Senate fand am 20. d. die Debatte über die Resolution Sumner's statt, betreffend die Einleitung einer Untersuchung wegen des Waffenverkaufs durch die Regierung an Frankreich während des deutschen Krieges. Schurz trat in kräftiger Rede füt die Resolution ein und beschuldigte die Regierung der Verletzung der Gesetze, falls die behaupteten That sachen wahr seien. Er forderte eine eingehende strenge Untersuchung. Morton und Conkling ver theidigen den von der Regierung gegen die Reso⸗ lution eingenommenen Standpunkt. Die mexi canischen Insurgenten belagern San Luis Potost, 12,000 Insurgenten unter Anführung Trevine's bedrohen die Stadt Mexico.

In Mexico scheint den letzten Nachrichten über Newyork zufolge die Ararchie großer zu sein, als je. In allen Richtungen macht sich die revo⸗ lutionäre Bewegung geltend; auf beiden Seiten herrscht die nämliche barbarische Wildheit, und 30 Meilen von Matamoras sollen die Juaristen alle Offiziere einer gefangen genommenen feind⸗ lichen Abtheilung ohne Weiteres aufgeknüpft haben. Das Gerücht, dem zufolge Juarez sich in seiner Verzweiflung an den Präsidenten der Vereinigten Staaten um Hülfe gewandt hätte, fand in Mexico allgemeinen Glauben.

* Friedberg. Die Frühlingsboten mehren sich in erfreulicher Weise. Man meldet von Frankfurt, daß unter den in den letzten Tagen angekommenen Fremden von Distinction der erste Storch bemerkt worden sei, auch concertiren in den dortigen Anlagen bereits die Amseln. Aus Langendie bach bei Hanau wird be⸗ richtet, daß Anfangs dieser Woche ein Malkäfer seinen ersten Ausfluch gehalten hat. Nun fehlt nur noch der wirkliche Frühling.

* Friedberg. Wie man uns mittheilt, hat die zu Gunsten der Wütwe des Lehrers Kost zu Frechenhausen veranstaltete Sammlung bis jetzt ben ansehnlichen Belrag von nahe 7000 fl. ergeben.

Leipzig. Die Liquidation der Sächsischen Hypo⸗ thekenbank ergibt, wie berichtet wird, 50 pCt., wovon 30 pCt. im März zur Ausschüttung kommen, während der Rest von 20 pCt. noch in der Masse liegt. 1 Mill. Thlr. Pfandbriefe sollen nicht angemeldet worden sein, gehen also damit ihrer Rechte verlustig.

Productenbörse, Verkehr, Handel ze. zu Friedberg.

Wie wir hören, soll das am 24. Jan. in dem landwirthschaftlichen Casino angeregte Pro ject weiter verfolgt werden; das Project nämlich, bier in Friedberg eine Produttenbörse zu er richten, woran sich demnächst ein Comptoir für eine Handelsgenossenschaft, für landwirthschaft⸗ liche Consumvereine c anschließen könnte.

Es ist gewiß zweckmäßig, der Wetterau, einem der gesegnetsten Landstriche Deutschlands, für Ver⸗ kehr und Handel diejenigen Erleichterungen und Einrichtungen zu verschaffen, welche ihrer großen und mannigfaltigen Productionsfähigkei: ent⸗ sprechen. Die seitherige Vereinzelung möge sich in eine Centralisation, in eine Handelsvereinigung umgestalten. Kein Ort der Wetterau aber dürfte dazu geeigaeter erscheinen, als Friedberg, welches von Alters her die Repräsentantin der Wetterau war. Nicht nur natürlich genossenschaftlich, son- dern auch wirthschaftlich nützlich wäre diese Ein richtung, nützlich, sehr nützlich für Produtenten und Consumenten, für Verkehr und Handel, für Friedberg und die Umgegend, für große und kleine Landwirthe, ja für Alle. Deßhalb werden gewiß alle einigermaßen Wohlstehenden die Be thätigung ihrer Theilnahme bier nicht versagen, wenn es sich später um Aufbringung eines Bau- kapitals für Localitäten handeln sollte. Und wenn einmal, im Verfolg obigen Projettes, von dem Bauen ernstlich die Rede, dann würde die Erweiterung und Verbindung dieses Gedankens mit einer Art Industriehalle oder wenigstens Ein- richtung einiger Läden gar nicht ferne liegen. Aber man darf bei Unternehmungen der fraglichen Art, die Neuerungen sind und deßhalb Herge⸗ brachtes und Gewohnheiten überwinden müssen, nicht zaghaft träge beginnen; denn gerade bei solchen Unternehmungen sind Beharrlichkeit, Rührig⸗ keit und ein gewisser Muth nothwendig. Leider fehlt es oft an diesen guten, die Arbeit fördern⸗ den und die Erfolge Wie sehr gerade die Wetterauer es allzu gerne beim Alden lassen, das lehrt in recht charalteristi⸗ scher Weise eine in einem Nachbardorfe vor noch nicht langer Zeit abgehaltene landwirthschaft⸗ liche Familiensitzung. Es bandelte sich dabei um die Anschaffung eines Pfuhlfasses. Die er- wachsenen Söhne hatten die bei den Vettern und Nachbarn wahrgenommenen Vortheile alle lebhaft hervorgehoben, und das gefiel dem auf der Ofen- bank sitzenden Hausherrn sehr wohl; aber als der Geld- und Kostenpunkt zur Besprechung kam, da fand das Wohlgefallen des Alten ein jähes Ende; er nahm die Pfeife aus dem Munde, that selbigen auf und sprach:Loßt's wäi's es. DiesesLaßt's wie's ist müssen wir wie eine Gotteslästerung verabscheuen; denn alles, was zur Besserung der menschlichen Verhältnisse bei⸗ tragen kann, darf nicht bleiben wie es ist, sondern muß ebenfalls besser werden. Darum aber auch soll Friedberg seine Bedeutung, die es hat, nicht lässig unter den Scheffel, sondern rührig in den Vordergrund stellen, damit diese Bedeutung mehr Beachtung und Würdigung finde, zur Empfehlung aller möglichen Industrie- und Verkehrsanstalten, namentlich aber der verschiedenen bereits projee- tirten Eisenbahnen, die hinsichtlich ihrer Frequenz eine ähnliche Entwickelung dersprechen, wie aus einzelnen Vincinalwegen, in Folge der allgemeinen Verkehrswandlung, Hauptstraßen geworden sind. Die Eisenbahn durch das Herz Oberhessens nach Alsfeld, besonders aber die Kürzungslinie nach Hanau, sowie die durch spätere Fortsetzung nach Mainz und dem Rhein gewiß sehr bedeutungsvoll werdende Bahn nach Homburg, diese drei, nach jetziger Beurtheilung, Zweigbahnen, werden, allem Anscheine nach, dem großen Verkehr dienend, za Haurtbahnen sich erheben und Friedberg zur ver⸗ jüngten Repräsentantin der Wetterau machen. Nun fragt es sich: soll diese Blüthezeit, wie das Kommen gebratener Tauben, abgewartet oder soll dafür vorbereitet werden? Dieses kann geschehen durch Vereinfachung und Erleichterung sowie Centralisirung des Verkehrs und Handels, welcher seither nach der gewöhnlich nur einseitig bekannten

sichernden Eigenschaften.