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Straßburg. Für die Festungsbauten von Straßburg und Metz ist⸗ das Expropriationsgesetz publicirt worden. a

Ausland.

Oesterreich. Wien. Die aus allen Welt⸗ gegenden nach Wien zusteömenden Jesuiten wurden von dem sonst sehr gastfreundlichen Wiener Ge⸗ meinderathe mit einer ziemlich kalten Douche empfangen. Der Gemeinderath beschloß nämlich, eine Eingabe an das Ministerium zu richten, mit der Bitte, daß den aus dem Auslande wegen Staatsgefährlichkcit ausgewiesenen und nach Oester⸗ reich nicht zuständigen Jesuiten der bleibende Aufent- halt in Oesterreich nicht gestattet werde.

Schweiz. Angesichts der England und Belgien gemachten Concessionen verlangt der Bun- desrath von Frankreich auch für die Schweiz Aufhebung der lästigen Paßformalitäten.

Frankreich. Paris. Das Setzen der Grenzsteine an der neuen französisch⸗deutschen Grenze bat nun begonnen und zwar zunächst in der Gegend von Chateau-Salins. Ein Prozeß, welchen der Erzbischof von Bordeaux gegen den altkatholische Gesinnungen begenden Abbé Junqua wegen ungesetzmäßigen Tragens des geistlichen Gewandes angestrengt hatte, kam am 15. d. vor dem Zuchtpolizeigericht in Bordeaux zur Ent scheidung. Abbé Junqua wurde zu der gesetzlich niedrigsten Strafe, 6 Monaten Gefängniß und in die Kosten verurtheilt. Es steht nun fest, daß Rochefort, trotz der vielseitigen Bemühungen zu feinen Gunsten, demnächst zur Verbüßung seiner Strafe nach Neu- Caledonien deportirt werden wird. Officielle Berichte des Gouverneurs von Paris, General de Ladmirault, sowie des Polizei⸗ präfekten, eonstatiren eine sehr merkliche Besserung in der politischen und industriellen Situation der Hauptstadt. Nach dem Rapport des Gouverneurs ist die Ordnung vollkommen gesichert, selbst in den excentrischsten Quartieren, in denen die durch den Communistenaufstand erzeugte Aufregung bisher noch immer fortbestand. Der Polizeipräfekt einerseits versichert, daß sich ganz auffallend der Handel seit einiger Zeit erholt habe und daß die Fabriken endlich wieder eine rührige Thätigkeit entwickeln.

Officiös wird nochmals von Versailles ver sichert, ein Aufschub der Ratisication dee Postver⸗ trags mit Deutschtand sei nicht beabsichtigt.

Das officiöse Organ des Herrn Thiers, derBien public bringt eine sehr energische Ab⸗ leugnung aller Gerüchte über Differenzen zwischen Paris und Berlin. Deutschland habe seither loyal gebandelt und Fran'reich nicht minder. Binnen sechs Wochen seien zwei Milliarden ausgezahlt, sowie der Jahreszins für die drei übrigen Mil' liarden. Die Optionsangelegenheit, worüber man vissentirt habe, werde geordnet werden. In der Armeerrtform Gespenster sehen, sei ein Unding; denn Deutschland wisse doch ganz gut, daß seit geraumer Zeit bierfür in Frankreich Anstrengungen gemacht würden, daß Frankreich aber keinen feind seligen Plan hege. Wie könne man also dem Fürsten Bismarck solche Ideen andichten, einem Manne, der so verschwiegen sei und dessengrößte Stärke gerade in seiner Zurückhaltung liege?

Großbritannien. London, Unterhaus. Auf eine Anfrage bezüglich der Meldungen des Daily Telegraph von angeblichen Zerwürfnissen Deutschlande und der französischen Regierung wegen der französischen Rüstungen erklärt Glad⸗ stone, daß die Regierung keinerlei Nachrichten habe, welche irgendwie der Zeitungs nachricht ent⸗ sprächen. a

Amerika. Washington. Der Congreß⸗ Ausschuß für die auswärtigen Angelegenheiten discutirte einen Antrag, wonach die indirecten Schaden ⸗Ansprüche zurückgezogen werden sollen. Der Ausschuß ermächtigte den Vorsitzenden Banks, mit dem Staatssecretär Fish darüber in Berathung zu treten und Bericht zu erstatten. Die Mit⸗ glieder scheinen der Ansicht, die Aufrechthaltung der indirecten Schaden Ansprüche werde eine freundliche Regelung verhindern. Die Zeitungen bestätigen, daß die Regierung von ihrer jetzigen Stellung zurücklrete.

Friedberg. Der Maintbal⸗Sängerbund, wozu die Gesaugvereine von Offenbach, Aschaffenburg, Darmstadt und Friedberg gehören, feiert in diesem Jahre das unter den genannten Städten allernirende Sänger⸗ fest in Friedberg. Nachdem ein aus Mitgliedern der beiden hiesigen Gesangvereine Liederkranz und Frohsinn gebildetes provisorisches Comilc seit längerer Zeit Vor⸗ berathungen über die Art der Begehung dieses Festes ge⸗ balten, hat sich nun dieses provisorische Comité mit den von ihm eingeladenen Männern desinitid als Fesicomité für das am 21. Juli dieses Sommers statifindende Sängerfest konstituirt. Das letzte Sängerfest des Mainthal⸗Sänger⸗ bundes fand 1869 zu Aschaffenburg fatt, es liegen also zwischen ihm und dem abzuhaltenden die großen, weltge⸗ schichllichen Ereignisse, die unserem Vaterlande und Volke eine ganz andere, in diesem Maaße nie geahnte höhere Stellung unter den Staaten und Völkern gegeben haben; Krieg, befliger, großer Krieg war seildem entbrannt und gewünschter ehrenvoller Frieden ist wiedergekehrt. Eine durchlebte große Zeil aber bleibt nicht ohne mächtige Ein⸗ wirkung auf die Gedanken, Ideen, Gesinnungen, Hoff. nungen und Bestrebungen der Menschen. Die Gestaltung unseres Festes wird durch das Andenken an die durchlebte große Zeit und deren inneren Nachwirkung wesentlich mit⸗ bedingt sein. Friedberg aber wird thun, was an ihm ist, das in Aussicht stehende Fest würdig und erhaben zu be⸗ gehen und den kommenden Sangesbrüdern einen ange nehmen und freudigen Tag zu bereiten.

1 Rockenberg. Der 2. katholische Lehrer Franz [Kanz zu Rockenberg wurde dieser Tage nach Kleinwintern: beim bei Mainz versetzt. Derselbe hat sich während seines 9jährigen Hierseins durch treffliche Leistungen in der Schule besonders ausgezeichnet und sich dadurch die Liebe und das Vertrauen seiner vorgesetzten Behörde erworben. Lehrer Kanz bemühte sich jedoch nicht allein innerhalb der Schule, sondern auch außerhalb derselben zur Bildung und Ge⸗ siitung der Jugend nach Kräften zu wirken. So gründete er einen Gesangverein, um welchen er sich besondere Vet⸗ dienste erworben und zwar in der edelsten und uneigen⸗ nützigsten Weise. Wir fühlten uns deßhalb veranlaßt, zum Zeichen unserer Hachachtung demselben durch den Verein ein Abschiedsständchen zu bringen. Der Geehrte hielt hierbei eine herzliche Ansprache, welche mit allgemeinem Beifall aufgenommen wurde und schloß mit den besten Wünschen für die Gemeinde Rockenberg, welcher er ein Zjaches Hoch weihete. Hierauf begab sich der Gesangverein in die Krämer'sche Gastwirthschaft, woselbst durch mehrere Lieder vorträge bei Gambrinus Saft der Abend in geselliget und gemüthlicher Summung schönstens verlief. Bei dem Scheiden unsers geliebten Herrn Lehrers, das wir von Herzen sehr bedauern, wünschen wir demselben nun ein gesegnete Thätigkeit in seinem neuen Wirkungskreise und sowohl ihm als auch seiner werthen Familie ein herz⸗ liches Lebewohl! Die Gemeinde Kleinwinternheim kann sich zu einem solchen Manne nur gratuliren.

X Rodheim v. d. Höhe. Der hiesige Ortsvor⸗ stand hat dieser Tage jedem der beiden Lehrer Rücker! und Hüfner gelegentlich deren 25jährigen Dienstjubiläums einstimmig eine Gehaltszulage von 100 fl. bewilligt. Der⸗ selbe hat dadurch wiederholt der sehr richtigen und ge⸗ unden Ansicht Ausdruck verliehen, daß zu einem erfolg⸗ reichen Resultat des Volksschulunterrichts eine sorgenfreie Stellung der Lehrer durchaus nothwendig ist. Ehre den Mitgliedern eines Gemeindevorstandes, die durch solche Beschlüsse das Wohl ihrer Gemeinde zu fördern be⸗ mühsind.

[ Büdingen. In unserem Städtchen herrscht augenblicklich reges Leben. Am 1. Mai feiert das hiesige Gymnasium das 50 jährige Jubiläum seines Besteheus als hessisches Landesgymnasium und da gilt es noch überall, sich und sein Haus zu einem würdigen Empfang der voraussichtlich sehr zahlreichen Festgäste vorzubereiten. Ein schönes Zeugniß für die Anhänglichkeit der früherer. Schüler an ihre alma mater legt die schon jetzt benächt⸗ liche Zahl der Angemeldeten ab; andererseits hat eine große Anzahl hiesiger Einwohner in löblichem Wetteifer sich zur unentgeltlichen Beherbigung der Kommenden be⸗ reit erklärt. Das schon ver mehreren Monaten hier zusammengetretene Festeomits hat vor einiger Zeit ein Festprogramm entworfen, dessen Hauptpunkte sich in Fol⸗ gendem zusammenfassen lassen:

Am 30. April. Begrüßung der Gäste. Am Abend musikalisch⸗theattalische Vorstellung von Seiten der Gymnasiasten mit SchillersWallenstein's Lager als Haupistück.

Am 1. Mai. Vormittags: officielle Feier. Mittags: Feslessen. Abends: Concert, gegeben von dem hiesigen Musikdereine.

Am 2. Mai. Vormittags: Waldpartie, veranstaltet von dem Herrn Fürsten zu Ysenburg⸗ Büdingen. Abends: Festball.

Der Verwaltungsrath der Oberhessischen Eisenbahnen hat in liberaler Weise für alle am 30. April oder 1. Mai auf seinen Stationen gelösten Reiourbillets nach Büdingen Gülligkeit vis zum 3. Mai incl. bewilligt; und, wenn der Himmel uns wohl will und Jupiter pluvius gnädig an uns vorüberzieht, glauben wir mil Zuversicht auf eine schöne und interessante Festseier der mit dem ganzen Leben unseres Städtchens so eng verknüpften Anstalt hoffen zu dürfen.

Frankfurt. Auf dem Frankfurt⸗Hanauer Bahnhofe wurden kürzlich mehrere Individuen erwischt, welche schon seil geraumer Zeit an den dort ankommenden Gütern

aller Art umfangreiche Diebstähle verübt hatten,

Frankfurt. Die Pferdeeisen bahn soll, wie es jetzt heißt, dis zum Droschkenhaltplatz au der Hauptwache und von da über die Zeil, Friedberger und Vilbeler Gasse

nach Bornheim gebaut werden. Als Weg, der zum Hanauer

Eisenbahnhof führt, will die Gesellschaft von der Haasen⸗ gasse über den neuen Markt, Judengasse, Wollgraben, Rechneistraße, Langstraße zum Bahnhof bauen, wodurch auch ein Theil des Ostviertels der Stadt in den Verkehr gezogen würde. Der Betrieb der fertiggestellten Strecke Frankfurt- Bockenheim wird am 1. Mai eröffnet.

Frankfurt. Ein alter Mann, welcher sich nach Enkheim begeben wollte, wurde von drei Strolchen an⸗ gepackt, mit Steinen mißhandelt und seiner Baarschaft, bestehend in 48 kr., und der Kleidungsstücke beraubt. Den schwer Verletzten fand man auf der Landstraße liegen. Der Polizei ist es geglückt, die Verbrecher zu ermitteln und zur Haft zu beingen.

Aus Colmar berichtet derNiederrh. Kurier: Fräulein Helene S... die 17jährige Tochter eines erst kürzlich hierher versetzten Beamten batte verschiedene far bige, dicke, viereckige Oblaten aus Deutschland mitgebracht, welche sie zur Anfertigung künstlicher Blumen benutzte. Vor einiger Zeit machte sie ein Bouquet aus solchen Blumen, bald darauf fühlte sie sich unwohl und verfiel in einen hinsälligen Zustand, den man argem Heimweh zuschrieb; als sich diesem Befinden jedoch noch heftige Leib⸗ schmerzen hinzugesellten und sich später schreckliche Convul⸗ sionen einstellten, wurde der Arzt zu Rathe gezogen, welcher erklärte, daß ein Fall mineralischer Vergiftung vor⸗ liege. Es stellie sich heraus, daß die junge Dame die Oblaten häufig an die Lippen gebracht und sogar eine gewisse Quanität davon verschluckt hatte. Die gelben Oblalen waren mit e chromsaurem Blei gefärbt, eines der heftigsten Gifte der modernen Chemie. Die angewandten Gegenmittel erwiesen sich als unwirtsom gegen das heftige Gift, uns das arme junge Mädchen, die einzige Toch ter und einzige Hoffnung ihrer unglücklichen Eltern, hauchte, ein Opfer ihrer Unklugheit, bald darauf ihren letzten Seufzer aus.

D. Frankfurt a. M., 20. April 1872.(Börsen⸗ woche vom 15. 20. April.) Die vorausgesagte unaus bleibliche Entnüchterung der Börsen trar diese Woche ein. In Wien und Prag Panique, in Berlin, Paris, Frankfurt und anderen Börsenplätzen Deroute. Die überladene Speculation in Wien mußte stürzen und Zwangsverkäufe drückten auf unsere Börse und ließ die Baisse ohne Aufenthalt ein Terrain wieder erobern, welches ihr die Hausse so lange streitig gemacht halte. Die Speculalionseffecten sind es nun auch in erster Linie, welche zum Theil be⸗ deutende Einbußen erlitten, Staatsbahn 8 fl., Creditactien fl., Nationalbank 13 fl. gegen die Vorwoche, Lom⸗ varden hielten sich am Besten, es kamen ihnen bedeutende Deckungskäufe zu Hülfe, welche einer größeren Baisse in diesem Effecte Einhalt gebot. Unsere Börse hat ihren allen soliden Ruf recht schön bewährt und zeigt sich der von allen Seiten anstürmenden Flauheit gegenüber ge⸗ rüflet, wenn auch das Geschäft nach maucher Richtung sich nur in engeren Grenzen bewegte. Bankactien der allgemeinen Strömung folgend konnten die Course der Vorwoche nicht behaupten und verloren haupfsächlich ältere Banken beträchtlich, während junge relativ besser wegkamen. Darmstädter büßten fl. 12., Frankfurter Bankverein 4., Oesterr.⸗Deutsche 3., C niral-Vercinsbank nur ¼ 9% ein. Bahnpapiere hielten sich ziemlich gut, wohl in Folge der sich zeigenden Käufer für dieselven, wodurch Coursrückgänge theilweise verhindert wurden. Bexbacher, alte Ostbahn selbst Bruchtheile höher, hess. Ludwigsbahn fl. 5. österr⸗ Westbahn fl. 2. billiger österr. Nordwest 1%, Böhmen ½1 0% dilliger. Prioritäten bei sehr beschränktem Geschäst konnten die Curse der Vorwoche behaupten oder varfirten um elwa ½¼%; édieselven sind eben placirt und in guten Händen. Pfandbriefe ohne Variation. Staatspapiere wie immer in einzelnen Posten und zu Tauschgeschäften am Markie. 1870 und 7ir Russen fest trotz der neuen Anleihen, welche wie in Berlin so auch hier überzeichnel wurden; ein Beweis der Beliebtheit des Papiers und des Vertrauens zu dem einführenden Welthause. Der Loosmarkt ohne Leben und die Course meist villiger. Amerikaner schwankend, Prioritäten sull und billiger iu haben. In Sorten Napoleons aut bezahlt, Friedrichsd'or ½ Kreuzer billiger. Die bessere Tendenz von gestern Abend hielt auch heute an und schließt man bei lebhafterem Geschäfte fest zu böhern Coursen.

Verloosung.

Oesterr. Prämien⸗Anlehen von 1864 Ziehung vom 15. April. Serien: Nr. 108 395 842 1786 2071 2514 2802 3370. Prämien: S. 395 Nr. 32 220,000 fl., S. 842 Nr. 90 15,000 fl. S. 2071 Nr. 63 10,000 fl., S. 108 Nr. 19, S. 1786 Nr. 24, S. 2514 Nr. 90 je 5000 fl., S. 395 Nr. 93, S. 1786 Nr. 4, S. 3370 Nr. 96 je 2000 fl., S. 108 Nr. 78, Nr. 395, Nr. 100,

S. 2514 Nr. 7, 77, S. 3370 Nr. 39, 98 je 1000 fl.,

S. 108 Nr. 41, 53, S. 395 Nr. 83, S. 842 Nr. 2, 24, 50, S. 1786 Nr. 2, S. 2071 Nr. 54, 93, S. 2514 Nr. 97, S. 2802 Nr., 21, 32, 61, S. 3370 Nr. 28, 58 je 500 fl., S. 108 Nr. 18, 26, 95, S. 395 Nr. 3, 19, 2, 29, 59. 96, G. 842 Nr. 56, 70, 91, S. 1786 Nr. 63, 82, 86, S. 2071 Nr. 15, 23, 28, 32, 66, 96, S. 2514 Nr. 87, S. 2802 Nr. 33, 40, 50, S. 3370 Nr. 3, 15. 21, 46, 85 je 400 fl.

Madrider 100 Frs.⸗Loose von 1868. Ziehung ant 1. April. Auszahlung ab 1. Juli. Nr. 23039 35,000 Fr. Nr. 288452 373038 je 2000 Fr., Nr. 245461 268705 361008 353430 je 1000 Fr., Nr. 123602 165849 192381 218691 231683 349352 375011 134460 178985 205614 je 300 Fr., Nr. 50517 137365 158356 218991 259111 314714 362531 67583 139411 170834 223694 280713 315282 385012 90008 150424 218550 247512 281572 359680 422659 137285 153163 je 200 Fr.

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