Ausgabe 
22.2.1872
 
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deutschen Reiches und der deutschen Geistesfreiheit beglückwünscht, bezeugt, daß der Gründer des deutschen Staates in diesem Abschnitt seines welt- geschichtlichen Wirkens einig gehe mit den tiefsten Bestrebungen des deutschen Volkes, und die im Herzen aller Vaterlandsfreunde lebende Hoffnung ausspricht, daß die geeinigte Nation unter ihrem großen Führer auch in diesem schweren Kampfe, ihrer ganzen Stärke bewußt, gleich der Wieder- herstellung der äußersten Grenzen des deutschen Keichs auch die durch eigene Zwietracht und fremde List verdunkelten Grenzen zwischen den unveräußer- lichen Rechten der Staatsgewalt und den tausend- jährigen Bestrebungen der Hierarchie neu und sicher aufrichten werde und dem deutschen Volke im confessionslosen Staate die freie individuelle Bethätigung der religiösen Ueberzeugung gewährt werden wird.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Die Wiener Blätter zeigen insgesammt dem Publikum an, daß sie, in Folge der Weigerung des Setzer Personals, künftig noch am Sonntag zu arbeiten, von nun an am Montag nicht mehr in einer Morgen- Ausgabe erscheinen werden.

Frankreich. Paris. DasMemorial diplom. versichert wiederholt, daß der Posten eines französischen Gesandten bei der Regierung des Königs Vittor Emanuel in kürzester Frist wieder besetzt werde; es handle sich nicht um eine politische, sondern nur um eine Personenfrage; die Beziehungen zwischen den Cabineten von Ver- sailles und Rom seien die besten.

Es bestätigt sich, daß die äußerste Rechte unter stillschweigender Zustimmung des Grafen v. Chambord das Programm der Rechten unter- zeichnet hat. Die legitimistischen Deputirten hoffen,

mit den Stimmen des orleanistischen rechten Cen-

truus eine Gruppe von 250 400 Mitgliedern zu bilden. Sie erklärten, daß sie keineswegs die Absicht hätten, das in Bordeaux geschaffene Pro visorium umzustürzen, sie wollen vielmehr nur für die Eventualität einer Krisis bereit sein. Das Journal de Paris, Organ der Orleans, con statirt die Annäherung aller Fractionen der Rechten, indeß läßt die Sprache derUnion, Organ des Grafen von Chambord, welche sich in Anklagen gegen die Intriguen ergeht, die von den Orlea⸗ nisten betrieben würden, vermuthen, daß die Ver⸗ ständigung noch nicht vollständig sei. Gerüchtweise verlautet, daß die Linke und das linke Centrum gewillt seien, auf das Programm der Rechten eventuell mit Vorschlägen zu antworten, welche die Befestigung der Republik zum Zwecke haben würden.

Die Kriegegerichte haben bis jetzt gegen die an der Commune Betheiligten 36 Todes- urtheile arsgesprochen; 86 Individuen sind zur Zwangsarbeit, 341 zur Deportation nach einem befestigten Platz, 1002 zu einfacher Deportation, 80 zur Verbannung verurtheilt worden u. s. w.

Das linke Centrum hat eine aus drei

Mitgliedern gebildete Commission gewählt, welche

mit der Aufgabe betraut wurde, sich mit den anderen parlamentarischen Fractionen zu verstän⸗ digen, um Beschlußfassung über einen die Grün⸗ dung einer conservativen und parlamentarischen Republik bezweckenden Antrag berbeizuführen. Die Mitglieder der Commisston sind die Deputirten: Rivet, Ricard und Malleville.

In dem Proceß der Mörder der Domini⸗ kaner von Arcueil wurden Serizier, Boin, Lucipia, Pascal, Boudaille(der Letztere als Deserteur), ferner in contumaciam Léo Meillet, Thaller und Moreau zum Tode, Cluesnot, Gironce, Grapin und Rouillac zur Deportation nach einem be. festigsten Platze, Annat, Busquant und Buffo zur einfachen Deportation, der alte Trommelschläger Gambette zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilt; die Frau Buffo allein wurde freigesprochen.

Versailles. Man versichert, daß die Linke und das linle Centrum entschlossen wären, die Initiative zu verfassungsmäßigen Vorschlägen für die Proclamirung der Republik zu ergreifen, so⸗ bald das Programm der Rechten der Oeffent⸗

lichkeit übergeben worden sei. Man glaubt, die Regierung werde die Vorschläge des linken Cen trums unterstützen. Von Seiten der Rechten und des rechten Centrums wird die Versicherung er⸗ neuert, daß ein Umsturz des gegenwärtigen Pro- visoriums nicht beabsichtigt werde.

Belgien. Brüssel. DerIndep. B. wird aus Versailles geschrieben: Man be⸗ trachtet die monarchische Staatsintrigue als ge⸗ scheitert. Thiers ist im Begriff, der Rechten den Absagebrief zu geben. Die Linke wird im Ein- verständniß mit dem Präsidenten, vielleicht durch Casimir Périer, die definitive Proclamirung der Republik beantragen. Die Regierung ist entschlossen, die bonapartistischen Umtriebe auf das Strengste zu unterdrücken.

Großbritannien. London. Im Unter- haus wurde das Kriegsbudget vorgelegt. Das selbe beträgt 14,824,500 L., wovon 12,547,400 L. für den effectiven Dienst, 2,277,100 L. für die Reserve bestimmt sind. Die Gesammtverminderung des Budgets beträgt gegen das Vorjahr 1,027,200 L.

DieTimes schreibt: Im Falle Amerika seine Ansichten nicht ändere, werde England weder von dem Vertrage zurücktreten, noch denselben widerrufen, sondern einfach die eingenommene Stellung behaupten, bereit, die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen und etwaige neue Vor schläge Amerikas freundlich aufzunehmen.

Italien. Rom. Der Papst empfing etwa tausend Einwohner von Rom, denen er empfahl, für die französische Nationalversammlung, welche sich mit den päpstlichen Interessen beschäftigen werde, zu beten.

Spanien Madrid. Das Ministerium hat seine Demission gegeben, um die Lösung der obschwebenden Krisis zu erleichtern. Man glaubt, der König werde Topete oder Serrano mit der Neubildung des Cabinets beauftragen.

Donaufürstenthümer. Bukarest. Die Regierung wird, im Einvernehmen mit der hier versammelten Consular-Commission, die bei den Excessen in der Moldau beschädigten israelitischen Einwohner schadlos halten, sich dagegen an dem Vermögen der Excedenten und der Arrangeure der Exkesse regressiren.

Amerika Newport. Die Mehrzahl der Blätter tadelt bei Besprchung des Antrags Sumners die Unionsregierung, daß sie während des deutsch⸗ französischen Krieges den Waffenverkauf gestattet habe.

2 Friedberg. Die am 7. d. Monats abgehaltene Versammlung des landwirthschaftlichen Casinos für Fried⸗ berg und Umgegend war von ca. 130 Theilnehmern be⸗ sucht. Der erste Gegenstand der Tagesordnung, Gründung eines landwirihschaftlichen Consumvereins, wurde von Herrn Generalsektetär v. Langsdorff durch einen ein⸗ gehenden und klaren Vortrag eingeltitet. Der Hr. Redner wies auf die Entstehung, Einrichtung und das Wesen dieser Vereine hin, betonte ihre Noihwendigkeit für die Gegenwart und bemerkte, wie dieselben in Rheinpreußen in den Jahren 1870 und 71, wo baselbst an Allem Mangel gewesen sei, sich als außerordentlich wohlthälig erwiesen hätten. Hierauf wurden die Statuten berathen und nach deren Annahme von 43 Theilnehmern unter⸗ schrieben. Erfreulich und für die fernere Entwickelung des Vereins von größter Bedeutung ist die Theilnahme der größeren Oeconomen der Umgegend. Wird der Ver⸗ ein richng geleuet, woran wir zu zweifeln keine Ursache haben, so können wir demselben ein recht günstiges Prognostikon stellen. Ueber den zweiten Gegeustand der Tagesordnung, über die Brennkraft verschiedener Kohlen⸗ arten, referirte Herr Dr, Ulolh aus Bad⸗Nauheim. Der Herr Referent stützie seine Mittheilungen auf eignes zu dem Zwecke der Bestimmung des Brenuwerthes der Braunkohle des Dotheimer und des Melbacher Bergwerks und der Steinkohlen vorgenommenen Versuche, verbreitete sich zunächst über die Natur der Breunmaterialien, deren Bestandtheile und der chemischen Prozesse, welche bei ibrer Verbrennung und der Erhitzung unter Luftabschluß vor sich gingen und wies dann darauf hin, welche Bestand⸗ theile bei einer Brennwerthbestuimmung der Brennstoffe vorzugsweise in Betracht kämen. Er schilderte ferner die Melhoden, welche man einschlage, um die Leistungsfähig⸗ keit der verschiedenen Brennmaterialien zu bestimmen. Das einfachste und sicherste Resultat erhalte man durch ote Bestimmung der Wärmemenge, welche sich aus einer bestimmten Gewichtsmenge(absoluter Wärmeefsect) des Brennstoffs beim vollständigen Verbrennen entwickeln lasse. Da man für die Wärme kein bestimmies Maß habe, so drückten die bei diesen Ermittelungen gefundenen Zahlen nicht die entwickelten absoluren Wärmemengen, sondern

um wie viel die aus einem Brennmaterial derselben Wärmemenge die aus einem andern zu erzeugenden über⸗ treffe. Der Herr Redner bemerkte dann weiter, er habe zur Ermittelung des Wärmeeffecis zwei Wege einge⸗ schlagen, nämlich durch Bestimmung der Wassermenge, welche von 1 Pfund der genannten Vrennmatexialien in Dampf verwandelt werde und durch Bestimmung der Wärmeab⸗ und Zunahme der Luft in einem größeren Raume während des Verbrennens in einem Stubenofen. Die auf diese Weise erhaltenen Resultate seien folgende: Zur Erzeugung einer Wärmemenge, welche der aus 1 Pfund Steinkohle besserer Qualität entwickelten gleich⸗ komme, waren nöthig: von Dorheimer Braunkohlen 1,9 Pfd. Melbacher 7 78. 8 5 5 in Backsteinform 1,2 einer Mischung von 1 Theil Dorheimer Braunkohlenklein mit 2 Theilen Steinkohlen 1,4 einer Mischung von 1 Theil Melbacher Braunkohlen klein mit 2 Theilen Sieinkohlen 1,12 Es leiste also 1,9 Ctr. Dorheimer Braunkohle oder 1,3

Cir. Mel bacher Braunkohle soviel, wie 1 Ctr. Steinkshle.

Rechne man letztere durchschnittlich zu 32 Kreuzer, so koste die ihn in Bezug auf den Hezzeffect ersetzende Menge Dorheimer Kohle ca. 30 Kreuzer(2 Ctr. 16 Kreuzer incl. Fuhrlohn), Melbacher Kohle 26 Kreuzer(I Cir. 18 Kreuzer). Das Verhältniß des Heizeffects der Mel⸗ dacher Kohlen zu dem der Dorheimer stelle sich wie 1: 1,3. Schließlich theilte der Herr Referent in Bezug auf den Aschen⸗ und Wassergehalt der Braunkohlen mit; Die Oorheimer Kohlenklötze enthielten im Durchschnitt

26 Procent Wasser,

ee Asche,

52 1 Kohle; die Melbacher Kohlenklötze enthielten im Durchschnitt

25 Proceni Wasser,

18 Ascsche,

5 Kohle. Ein nomimeller Centner der Bergwerke(14 Stück Kohlen⸗ klötze) wiegen circa 1,75 Centner, der Consument empfange also nahezu 1 Ctr. Kohle ohne Asche und Wasser. Die Asche enthalte dis zu 9% Schwefelsäure, welche ca. 16% wasserleerem Gyps entspreche. Herr Generalsekretär v. Langsdorff nahm Veranlassung darauf hinzuweisen, wie die Braunkohle als Bodenver⸗ besserungsmittel und als Bindemittel für Ammoniak noch viel zu wenig in der Lanowirtbschaft gewürdigt werde. Der Torf enthalte oft bis zu 3% Stickstoff und sei als Bodenverbesserungsmittel sehr werthvoll. Aehnlich ver⸗ halte es sich mit der Braunkohle, sie enhalte auch Slick stoff, bis zu welchem Grade, könne durch einen Versuch an der Versuchsstation fefigestellt werden und wolle er auf ihre Verwendung in der Landwirihschaft besonders aufmerksam machen. An der Discussion über die Ver⸗ wendung sog. Hülfsdünger betheiligten sich besonders die Herren Dr. Wolf und Director Baist und machte Letzterer besonders darauf aufmerksam, daß die Wetterau, was Handelsgewächsebau anlange, noch sehr weit zurück sei. Handelsgewächse könnten aber nur lohnend bei Ver⸗ wendung künstlicher Dünger angebaut werden und müsse er der Ansicht des Herrn Dr. Wolf, wonach Zucker⸗ rüben ohne Anwendung von Stallmist bei einer Düngung mit Superphosphat die höchsten Erträge lieferten, nut zustimmen. Mit dem Resultate der Versammlung hatte man alle Ursache zufrieden zu sein und kann das Casino gewiß allen ähnlichen Vereinen des Landes abenbürtig zur Seite gestellt werden.

Frankfurt. Vor mehreren Tagen wurden hier drei Gauner verhaftet, welche sich längere Zeit hindurch mit noch einigen Genessen in verschiedenen Städten am Rhein umhergetrieben und Sammlungen angeblich für die zer⸗ flörten Städte Straßburg, Bitsch u. s. w. veranstaltet hatlen, in Mehrheit den Ertrag aber in ibre eigne Tasche gesteckt hallen. Nach ihren Genossen wird bis jetzt noch vergeblich geforscht.

In Berlin glaubt man, daß die Köln Mindener Bahn die Oberhessischen Bahnen erwerben will. und schlicßt dies daraus, daß auf der Tagesordnung der Köln⸗Mindener Generalrersammlung die Erbauung einer Linie Alsfeld- Hersfeld steht, die ohne einen Ankauf der Oderbessiscen Baynen für ungerechtsertigt erachtet wird.

Metz. Durch Polizeicommissär D. ist ein seit längerer Zeit hier unter fremdem Namen in Dienst stehender Schmiedgeselle verhaftet worden, welcher als Mithelfer eines vor 3 Jahren zu Vaihingen an der Enz(Würtiem⸗ verg) verübten Raubmordes an einem israelitischen Geld⸗ makler, Namens Werthheimer erkannt worden war, Der⸗ selbe heißt Seiffert und hatte in Gemeinschaft mit einem Knechte Werihheimers, Namens Wolf, den Mord verab- redet und ausgefübrt; hierauf waren beide mit geraubten 4000 fl. vis nach Würzburg entwichen, wo sie enideckt und fesigenommen wurden. Von dem Schwurgerichte zu Heil⸗ bronn wurden Beide zum Tode verurtheilt, jedoch zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt; vor der Be⸗ stätigung des Urtheils aber gelang es dem Seiffert, aus dem Gesängniß zu entkommen, und jetzt erst, nach drei⸗ jäbriger Verschollenheit, hat ihn der Arm der Gerechtigkeit wieder ereilt.

Berloosungen. Darmstadt, 17. Febr. In der vom 15. d. M. bis heute statigehabten Ziehung der Großh. Hess. 25 Gulden⸗ Loose sind solgende Haupigewinne berausgekommen: Nr. 66502 mit 20,000 fl., Nr. 78,848 mi 4000 fl., Nr. 84 169 mil 2000 fl. Nr. 28,638 mu 1000 fl., Nr. 20,963 und 22931 mit 400 fl., Nr. 28,546 und 87,382 mit

nur relative Wärmemengen aus, d. h. sie zeiglen an,

200 fl., Nr. 17,983 und 86,037 mit 100 fl.

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