Ausgabe 
21.12.1872
 
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ordneten für den Landwahlbezirk Friedberg Pachter Reinhard Schaum zu Herrnhaag bei Büdingen beim ersten Wahlgange mit 17 Stimmen gewählt worden ist. Professor Dr. Köhler dahier erhielt 7 Stimmen, Bürgermeister Schmid in Reichels⸗ heim ebenfalls 7 Stimmen.

» Friedberg. Zu Landtagsabgeord⸗ neten wurden ferner gewählt: in Gau-Algesheim Gutsbesitzer George zu Büdesheim; in Hom⸗ berg a. d. O. Carl Pfannstiel, Oekonom zu Hainbach; in Hirschhorn Freiberr Wilhelm v. Wedekind zu Nieder-Hiltersklingen; in Gerns⸗ beim Fabrikant Büchner zu Pfungstadt; in Rein- heim Philipp Jost, Landwirth zu Allertshofen; in Pfeddersheim Möllinger daselbst.

Berlin, 18. Dez. Abgeordnetenhaus. Der Gesetzentwurf, betreffend die Ablösung der Real- lasten in Schleswig ⸗Holstein, wurde in dritter Lesung ohne Debatte genehmigt. Bei der hierauf solgenden ersten Berathung des Elsner v. Gro- now'schen Antrages, betreffend die Aufh bung der Mabl- und Schlachtsteuer, hob der Finanzminister hervor, daß die Staatsregierung die Aufhebung der Mahl- und Schlachtsteuer als Staats- und Communalsteuer wünsche, deren Aufhebung als Ceremunalsteuer aber ohne Einvernehmen mit den fiädtischen Behörden für unbillig holte. Die drückendsle Steuer sei die unterste Stufe der Classensteuer. Der Finanzminister wies nach, daß im Jabie 1871 auf jeden Thaler dieser Stufe eine Execution nothwendig geworden sei; die Re- gierung könne die Aufhebung der Mahl⸗ und Schlachisteuer nicht bewilligen, bevor nicht die Sicherheit gegeben sei, daß diese drückendste Stever an derer Stelle nicht eingeführt werde. Nachdem Reichensperger gegen, Löwe, Henning und Richter für den Elsner'schen Antrag gesprochen und der Mitantragsteller Rickert zweite Berathung im Plenum beantragt hatte, beschloß die Majoritöt des Hauses die Ueberweisung der Vorlage an die Classen steuer⸗Gesetzcommission.

19. Dez. Abgeordnetenhaus. Der Handels minister brachte die große Eisenbahnvorlage ein, welche bezweckt: 1) die Herstellung einer directen Verbindung zwischen Eydekuhnen und Metz. Von der Linie ist fertig die Strecke Eydtkuhnen-Berlin und Dietenhofen Metz. Auszubauen sind die Strecken Berlin-Wetzlar über Stollberg und Esch⸗ wege. Die Strecke Wetzlar Cannzkein ist ebenfalls fertig. 2) Die Herstellung einer Eisenbahaver⸗ bindung zwischen Hanau und Friedberg; 3) einer solchen zwischen Godelheim und Ottbergen; 4) einer folchen zwischen Welver und Dortwund; 5) einer solchen zwischen Haarburg und Hannover; 6) einer solchen zwischen Saarbrücken-Neunkirchen; 7) die Beendigung der Berliner Verbindungsbabn. Die Kosten bierfür belaufen sich auf 101,920 000 Thlr. Ferner werden verlangt 3 Millionen für zweite und dritte Geleise, für Vermehrang von Betriebs- material 9 Millionen. Das Haus genebmigte hierauf den Etat der Bank, den Etat der Forst⸗ verwaltung mit dem von Miquel gestellten Antrag auf Erlaß eines Waldkulturgesetzes, sowie, nach tonstatirter Beschlußfähigkeit, den Gesetzentwurf betreffs der Abgabe der Frankfurter Messe in dritter Lesung. Die Gesetzesvorlage wegen der Stempelabgaben ging an die Commission für das Erbschaftsstempelgesttz.

19. Dec. Das Herrenhaus genehmigte den Gesetzentwurf wegen des Rechtszustandes im Jahde gebiet mit unwesemlichen Aenderungen in der Regie- rungsfassung, sowie ohne Debatte in Schlußbe⸗ rathung den Grsetzentwurf betreffs der Abstand nahme von dem Eschhofen⸗Camberger Eisenbahn bau. Das Haus schloß mit Uebergang zur Tages ordnung über sämmiliche vorliegende Petitionen.

DerSpen. Ztg. zufolge ist das Demis stonsgesuch des Kriegsministers allerv. Orte nicht angenommen worden. DieKreuzzeitung, welche die gleiche Nachricht bringt, vernimmt außerdem, daß der Minister der Landwirthschaft He. v. Selchow auf sein Demissionsgesuch vom Könige noch nicht beschieden sei.

Der König hat bereits am 13. d. die

DieProvinzial-Correspondenz schreibt: Fürst Bismarck, welcher eine Fülle und Mannich⸗ faltigkeit amtlicher Geschäfte wahrzunehmen hatte, deren gleichzeitige Bewältigung die Kräfte eines Mannes übersteigt, hat sich veranlaßt geseben, mit Rücksicht auf sein Befinden, welches der Schonung bedarf, bei dem Kaiser um die Enthebung seiner Stellung als preußischer Ministerpräsdent und damit von der socialen Sorge und Verantwort lichkeit für die Gesammtheit der inneren preußischen Angelegenheiten zu bitten, während er als Mi- nister des Auswärtigen dem preußischen Staats- ministerium angehören würde. Die Erfüllung dieses Wunsches wird dem Reichskanzler nach der Lage der Verhältnisse nicht versagt werden können. Die anderweite Regelung des Vorsitzes im preu ßischen Ministerium, sowie die dabei in Betracht kommende Beziehung zur Reichsregierung ist Gegen- sland der weiteren Erwägung der k. Regierung. In dem Dieciplinar-Verfahren gegen den Prediger Spdow erkannte, derVoss. Ztg. zu⸗ folge, das Consistorium mit 4 gegen 3 Stimmen auf Amts ⸗Entsetzung.

München. Durch allerh. Verordnung sind die Militär-Disciplinar⸗Ordnung und die Kriegs- Artikel, beide in Uebereinstimmung mit der kaiser⸗ lichen Verordnung vom 10. November, für das baperische Heer mit Wirksamkeit von Neujahr an erlassen worden.

Ausland.

Schweiz. In Graubündten hat man gegen⸗ wärtig einen Schnee- Tunnel. Eine in Orezza niedergestürzte Lawine, welche die Berninastraße sperrt, ist so bedeutend, daß man behufs Oeffnung des Verkehrs es vorzog, einen Tunnel durch die Lawine zu graben, statt den Schnee wegzuräumen. Frankreich. Thiers wird die parlamenta- rischen Ferien in dem Palais Elypsée zubringen und am 1. Januar daselbst Empfang halten. Die Seine fährt fort, zu steigen und ist bereits an mehreren Punkten ausgetreten.

Die Nationalversammlung setzte die Weih nachtsferien auf die Zeit von 23. December bis 6. Januar sest. Dieselbe nahm ein Amendement an, durch welches die Aufhebung der einen Ertrag von 6 Millionen ergebenden neuen Hppotheken⸗ steuer ausgesprochen wird. Bei der Debatte über die Einfuhrzölle auf Rohstoffe sprach der Minister des Acußern seine Beftiedigung über die Annahme der Modification des englisch- französischen Handels- verttages, sowie die Hoffaung aus, daß andere Nationen diesem Beispiel folgen würden.

DemBien public zusolge gewinnt die per⸗ sönliche Summung immer mehr Boden. Nach derAgence Havas wäre die Dreißiger Com- mission geneigt, das Princip einer zweiten Kammer anzunehmen, letztere solle aber erst nach dem Aus einandergehen der gegenwärtigen Nationalversamm- lung errichtet werden.

Großbritannien. Ein abermaliger orkan⸗ artiger Sturm hat am 18. d. in Shields, Malton, Grimsby, Hartlipool und St. Andrews große Verheerungen und darunter auch viele Scheffsun⸗ fälle berbeigefübrt. In Lancashite sind durch den unaushörlichen Regen ganze Landstrecken unter Wasser gesetzt, in Derbysoire hat ein außergewöhn⸗ lich Harker Schneefall staltgefunden, so daß überall die Flüsse und Gewässer steigen. Die Umgebung Leamington's gleicht einem See und auch in Londen fällt fortwährend starket Gugilegen.

Donaufürstenthümer. Die Deputirten⸗ kammer lehnte den Antrag Veinestu's auf Miß billigung des Verhaltens der Regierung in der Eisenbahn-Frage, Uagesetzlicherklarung der Eisen⸗ bahn Uebernahme unt Nichtubernahme der Staats- Garantie mit greßer Majorität ab und beschloß in der nämlichen Angelegenheit mit 86 gegen 25 Stimmen ein Vertrauens-Votum für die Re- gierung. Die Eisenbahn Uebernahme ist jetzt und für die Zukunft gesichert.

Amerika. Die anglo- amerikanische Com- misston zur Untersuchung der Sadeversatz- Ansprüche britischer Unterthanen erledigte 130 Schadens Liquidationen; die Mehrzahl der Forderungen,

neuf Kreisordnung vollzogen. Binnen Kurzem ist deren amtliche Publication zu gewärtigen.

darunter die von Forbes(23 Millionen) wurde

verwerfen.

-- Friedberg. Am 17. December las Herr Berg. rentmeister Nebhuth üver Armenpflege 45 i 5 Reformen. 0 l Von dem Nachweis ausgehend, daß die Armenpflege eine Pflicht christlicher Nächstenliebe, gab der Vortrag eine Darstellung ihrer geschichtlichen Entwickelung. Dieselbe verläuft in drei Perioden, und ihre Erscheinungsformen in denselben lassen sich unterschelden als die kirchliche, dle

kirchlichweltliche und die reinweltliche Armenpflege. Die eite bis zur Reformation reichende Periode charakteristren

gewiltig große Mittel(Stiftungen, ½ des Zehnten), aber vie sach schlechte Verwaltung derselben und als Wilkung ner solchen: Privilegirung und reichliches Wuchern des Bettels. Die Zeit der kirchlichwelllichen Armenpflege reicht bis in die Gegenwart. Die Schäden der ersten Periode dauern hier im wesentlichen fort, zeitweise traten sie in so eschrackender Gestalt auf, daß sich der Staat genöihigt sab, mit Gewalt einzuschreiten, um insbesondere den aus allen Ständen sich rekrutirenden Vagabunden das Hand werk zu legen, die den Bettel viel einträglicher fanden als die Arbeit. Probleme, eine der großen volkswirlihschaftlichen Fragen, an deren Lösung die Praxis und die Wissenschaft der Gegenwart arbeiten. Der Norddeutsche Bund und das Deussche Reich sind durch sebr wichtige Gesetze in indirect und direct vorarbeitender Weise auf diese Lösung einge gangen, so durch die Verleihung der Freizügigkeit, wodur

die schädliche Fessel des alten Heimathstechtes, das dein Egoismus der Reichen wie der Faulheit der Armen för⸗ derlich war, gesprengt wurde, durch das damit im Zu⸗ sammenhang stebende Gesetz über den Unterstützungswohn⸗ sitz und die Aufhebung der die Heirathsberechtigung be schränkenden Besummungen. Mit diesen Gesetzen ist die Hauptrichtung der präservativen Thätigkeit des Staates angedeutet: es gilt die Quellen der Armutb zu verstopfen durch möglichste Erleichterung der Selbsthilfe. Daraus erwächst dem Staate die Pflicht, seine Angebörigen zur Sclosthilfe zu befähigen durch Erziehung, Schule. Wie wenig freilich die reichstbevölkerten und in Handel und Industrie alle anderen überflügelnden Länder das Uebel bewältigt heben, das beweisen die Massen der Armen z. B. in Belgien und England im Gegensatze zu Spanten und der Türkei. Durch diese Präservatiomaßregeln des Staates kann die Armuth nur verringert, keineswegs aber gänzlich aus der Welt geschafft werden. Für das Zu⸗ standekommen einer vernünftigen und zweckmäßigen welt⸗ lichen Arm npflege entwickelte der Vortrag folgende Re⸗ formvolschläge. Errichtung von Arbeilshäusern(zwangs⸗ weise Unterdrückung der Bummelei), Errichtung von Kreisspuälern, Unierstützung der Armen in erster Linie durch freiwillige Beiträge(Controle durch allgemeine Zu⸗ gänglichken der Listen), Verwendung der Communals⸗ resp. Staatsmiitel als bloße Reserve und darum Reform der Verwaltung des Stiftungsvermögens, insbesondere theil⸗ weise Verwendung desselben zu Unterrichtszwecken.

Frankfurt. Wie man mittheilt, beabsichtigt das Pferdemarkl Comite von jetzt ab jedes Jahr 34 Pferde⸗ märkte abzuhalten. Die Märkte im Frübjahr und Herbst würden die Hauptmärkte bleiben, an die sich zu Anfang Februar und im November Märkte für ganz bestimmte Gauungen von Pferden anschließen würden. Im Februar soll der Markt nur für Arbeitspferde statthaben. Für diesen würden die zur Disposition befindlichen Stallungen ausreichen.

Worms. Bei der am Samstag auf der Pfifflig⸗ beimer und Horchheimer Gemarkung stattgebabien Treib⸗ jegd wurden 561 Hasen geschossen. Ein Wiloprethändler kaufte dieselben um 1 Thaler per Slück.

Köln. Aus dem benachbarten Dörfchen Poll be zichen die meisten Kölner ibre Milch, die von den Bauern per Nachen jeden Morgen frisch zur Stadt gebracht wird. Ein solcher Nachen, enthaltend 21 Personen, kam einem Dampficheffe zu nahe und schiug um. Sämmtliche Per⸗ sonen, 18 Frauen und 3 Männer waren bei dem hoben Wasserstande in den Wellen verschwunden, ehe ihnen Hülfe vom Lande zu Theil werden konnte.

Hannover. Kürzlich hat sich der Fall ereignet, daß ein sunger Kaufmann durch die Benutzung eines Phos⸗ phor Zündhölzchens als Zronstocher innerhalb zwei Tagen gestorben ist. Wir machen ganz besonders darauf auf⸗ meiksam, da wahrscheinlich Mancher sich in Ermangelung eines Zihnstochers zugeschninener Smeichhölzchen bedient, damit Jeder an diesem traurigen Vorfall Vorsicht lerne,

Ellwangen. Ju der Nacht vom Samsiag auf Sonn- tage ist hier abermals ein Erdstoß, von donnerähnlichem Geräusch begleitet, verspürt worden.

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Verloosung. f

Ansbach, 15 Dec. Bei der beutigen Gewinn- Ziebung des Ansbach-Gunzenhausener Eisenbahn⸗An⸗ KRbeus sind auf nachstebende Nummern die, beigesetzlen größeren Gewinne gefallen: Serie 1681 Nr. 20 8000 fl. 1668 Nr. 37 1000 fl., S. 4515 Ni. 23 500 fl., . 415 Nr. 39, S. 1131 Ni. 27, S. 3152 Nr. 19, . 3442 Nr. 41, S. 4216 Nr. 2 je 100 fl.

Productenbörse zu Friedberg am 19. Dezember. Heutiger Pieis loco Waizen, gute Qualität, fl. 14. 3040. Korn, fl. 9. 45 50. Gerste, fl. 10 Hafer, fl. 7. 15 20, Kartoffeln fl. 2 45 50. Alle Preise verstehen sich 200 Pfund= 100 Kllo.

9.

Die reinweliliche Arwenpflege ist eins der

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Fbunen. vollstand

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