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Mitbürger! 5
3203 Zum ersten Mal seit Gründung des neuen Reichs haben wir eine neue Kammer zu wahlen, nach neuem Wahlgesetz und unter
völlig neuen Verhältnissen. In allen Theilen unseres Landes ruͤstet sich die liberale Partei zu diesen Wahlen. Bleiben wir in Oberhessen nicht zurück! 1 1138. 1 N. Wählen wir Männer, die treu zum Reiche halten. Früher hieß die deutsche Frage: Preußen oder Oesterreich? Seit
dem 18. Juli 1870 lautet sie: Rom oder Deutschland? Priesterherrschaft oder Rechtsstaat? Gewissenszwang oder Geistes freiheit?
Das neue Deutschland ist der Staat des verfassungsmäßigen Rechts und der gesetzlichen Gewissensfreiheit. Es umfaßt Alles, was unsere Nation in jahrhundertelanger Arbeit, unter fürchterlichen Leiden und mit ungeheuren Opfern endlich errungen hat: unsere Einheit, unsere Größe, unsere Geistesbildung, unsere Macht und unseren Wohlstand. Ihm hat das neue Rom den Krieg angekündigt von Innen und von Außen her. Es führt diesen Krieg jetzt schon mit allen Waffen und auf der ganzen Linie. In diesem Kampf, der uns aufgedrungen worden ist, mitten im tiefsten Bekenntnißfrieden, neutral bleiben wollen, hieße entwaffnen vor dem Feind. Zwischen diesen Gegensätzen gibt es keine Vermittlung. Hier heißt es: Entweder— Oder, zumal in unserem Lande, das durch den Uebermuth der Einen und die laue Gleichgiltigkeit der Anderen so lange und so schwer gelitten hat. Wohl aber sind alle reichstreuen Liberalen, was sie auch in Einzelfragen trennen mag, diesem gemeinsamen Feinde gegenüber zu strenge geschlossener Eintracht verpflichtet. f Legen wir den Männern unserer Wahl die Sorge um die Geistesbildung unseres Volkes an's Herz. Denn auf Volks, bildung ist der Staat der allgemeinen Wehrpflicht und der bürgerlichen Selbstverwaltung gegründet. Sie ist ihm so nöthig, wie Jedem von uns das tägliche Brod. Möge unser Landtag niemals kargen, wo es sich handelt um Zwecke des öffentlichen Unterrichts auf allen Stufen,. Moͤge er sich ernstlich annehmen der Fortbildungsschulen, die unsere arbeitende Jugend aufnehmen im lernfähigsten Alter, in den Jahren, die über ihre ganze Zukunft entscheiden, sie unterstützen, wo sie bestehen, sie gründen, wo sie noch fehlen. Möge er nicht ablassen in der Sorge für das Gedeihen unserer Landesuniversität. Eben jetzt ist sie in neuem Aufschwung begriffen. Be, trächtliche Mittel sind ihr bewilligt, ausgezeichnete Lehrkräfte sind neu berufen, die Großherzogliche Regierung gibt den besten Willen kund. Möge denn auch der künftigen Volksvertretung stets gegenwärtig sein, was unsere Hochschulen, die großen wie die kleinen, bedeuten für die
Heranbudung des Theils unserer Jugend, dem später die wichtigsten öffentlichen Interessen anvertraut werden, und für die Pflege jenes
echten, gesunden Idealismus, der unsere Wissenschaft groß und unsere Heere unbesiegbar gemacht hat.
Empfehlen wir unseren künftigen Abgeordneten dringend die Revision unserer Gemeindeverfassung im Sinne der Selbstständig⸗ keit der Gemeinden in Stadt und Land; die Besserung unserer Steuergesetzgebung, insbesondere die Entlastung des Grundbesitzes, der bei uns unverhältnißmäßig schwer besteuert ist; die Ordnung der Rechtsverhältnisse der Kirchen und kirchlichen Vereine, insbesondere die Reform der Verfassung der evangelischen Kirche; die Hebung des Wohlstandes der Provinz Oberhessen, insbesondere des armen Vogelsbergs, durch Schaffung neuer Verkehrswege und Förderung der Industrie.
Mitbürger! Der selbstständigen Wahlbewegung in Oberhessen wird von mancher Seite her mit völlig grundlosen Vorurtheilen entgegengesehen. Widerlegen wir diese Vorurtheile durch die That, entwaffnen wir sie, indem wir thun, was sich nach unseren Gesin nungen
von selbst versteht: indem wir lauter reichstreue, lauter freigesinnte Candidaten aufstellen und zeigen, daß es daran in Ober
hessen nicht fehlt. 5 Gießen, 11. November 1872. Das Central Wahlcomité für Oberhessen.
Zur Landtagswahl.
3212 Die nahe bevorstehenden Landtagswahlen sind bereits vielfach das ausschließliche Thema der Besprechung. Die Wichtigkeit gerade der diesmal bevorstehenden Landtagsperiode wird bereits allseitig anerkannt. Vorzugsweise wird sich die bald zusammentretende Kammer mit der Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche beschäftigen und kann es der Regierung nur sehr erwünscht sein, wenn in die Kammer Personen geschickt werden, die Verständniß für die kirchenrechtliche Frage haben und ein lebhaftes Interesse bekunden, diesen Gegenstand rasch und zum Nutzen und Frommen des Staates sowie der Kirche zu erledigen. Der Landwahl⸗ bezirk Friedberg hat sich bis jetzt über einen Candidaten zum Abgeordnetenhaus noch nicht verständigt und halten wir es an der Zeit auf eine in jeder Beziehung geeignete Persönlichkeit aufmerksam zu machen. Wir halten dafür, daß Herr Professor Dr. Köhler zu Friedberg
die Eigenschaften in sich vereinigt, welche denselben ganz besonders als zur Zeit geeignet erscheinen lassen diesen Posten auszufüllen. Für kirchenrechtliche Fragen dürfte wohl kaum Jemand zu finden sein, welcher mehr Verständniß hierfür hat, als Herr Professor Köhler. In Bezug auf seinen ehrenwerthen Character und seine feststehenden politischen liberalen An⸗ sichten kann kein Zweifel bestehen. Seit 1866 hat Herr Professor Köhler ohne Scheu und rückhaltslos zur Sache des Volkes gehalten und gestanden und seine Freunde wissen, in welcher Weise er bei den Reichstagswahlen für die Candidatur des nationalen und freisinnigen Abd— geordneten gewirkt hat.— Er ist nicht wankelmüthig und gehört also nicht zu den Wacklern⸗, die mit jedem Ministerium gehen und ebenso wenig ist er ein„Streber“, der nur um Carriere zu machen dem jeweiligen Regierungssystem sich unterordnet. Was seine politische Stellung noch ganz besonders kennzeichnet, ist, daß er, obwohl in der Gießener Versammlung vom 10. November ebenfalls als Candidat zur Kammer aufgestellt— diesen Vorschlag zurück⸗— weist und seine Aufstellung und Befürwortung durch die Fortschrittspartei erstrebt, welche sich damit einverstanden erklärt hat.— Herr Professor Köhler hat außerdem seinem engeren Vaterlande zu liebe einen Ruf von Außen, der ihn pecuniär besser gestellt haben würde, Rausgeschlagen und dürfte seine Wahl eine Anerkennung für diese Handlung sein. Gewiß wird Herr Professor Köhler mit Vergnügen die Interessen der Landbevölkerung und die localen Interessen des Kreises vertreten, sowie nicht minder auf das Erhalten und das Wohl von Bad⸗Nauheim seine Sorgfalt richten. Wir empfehlen hiernach insbesondere den evangel. Kirchen- und Schulvorständen, den Geistlichen und den Ortsbürgern angelegentlich für die Candidatur des Herrn Professor Köhler in die Schranken zu treten.
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Danksagung. 3217 Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, welche unsern lieben Vater, Schwieger⸗ und Großvater Joh. Gg. Ostermeyer 5 zu seiner letzten Ruhesfätte begleiteten, sagen wir hier⸗ mit unsern ktefgefüblten, tnnigsten Dank. Bad Nauheim und Peroldsberg den 19. November 1872. Die trauernden Hinterbliebenen.
Verantw. Red.: Hermann Schimpff. Druck und Verla den Bindernagel& Schimpff.
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