Vicomte de Meaux besteht auf Ersparnissen und beantragt, die Discussion über die neuen Steuern zu vertagen. Im Verlaufe seiner Rede tadelt Meal Thiers, daß er durch seine Politik die Allianzen compromittire. Thiere wirft Meaux die verlangten Ersparnisse vor und sagt, dieselben würden zur Desorganisirung der Armee führen. Die Regierung habe die militärischen Ausgaben erhöht, weil sie ein starkes Frankreich wolle. Thiers fügt den Wunsch hinzu, daß irgend ein ernster Mann die Tribüne betreten möge. Dies Wort ruft lebhafte Protestationen Seitens der Rechten hervor und eine Stimme verlangt, daß Thiers zur Ordnung gerusen werde. Thiers erwidert, indem er die Rechte auffordert, eine motivirte Tagesordnung zu provociren, und fügt hinzu, er werde nie eine wohlfeile Popularität suchen, welche darin bestehe, das Land zu täuschen und ihm seine Bedürfnisse zu verhehlen. Er werde nie vor der Vertrauensfrage zurückweichen und sei bereit, den Beschwerden der Opposition, welche mehr poli— tischer, als finanzieller Natur seien, Antwort zu stehen. Er constatirt, daß er bei allen Gelegen- heiten alle möglichen Concessionen gemacht, weil er die Ueberzeugung habe, daß ein Regierungs- wechsel ein Unglück für das Land sein würde. Schließlich fügt er hinzu: Ohne Ihr Vertrauen kann ich vor den Credit Europas nicht hintreten. So lange Sie sich darüber nicht aussprechen, muß ich annehmen, daß ich noch Ihr Vertrauen besitze.
Großbritannien. London. Der britische Botschafter in Petersburg telegraphirt, daß die Cholera daselbst erschienen sei. Die englischen Hafenzollbehörden sind angewiesen, Vorkehrungen zur strengen Ausführung der Quarankaine- Vor schriften zu treffen.
Asien. Aus Japan wird amerikanischen Blättern über San Francisco gemeldet, Amerika beabsichtige bei der japanesischen Regierung Schritte wegen der Eröffnung des gesammten japanesischen Reiches zu thun, und dürfte in den maßgebenden Kreisen in Neddo das bereitwilligste Entgegen— kommen finden.
Vom Main. Aus einer gedruckten Predigt des Pfarrers Spörer zu Rechenberg im Fränkischen v. J. 1720 möchte Folgendes mittheilenswerth sein: Das Frauen- zimmer liebe ich von Natur, wenn es schön, galant, complaisant, honnet, sauber aufgeputzt, wie ein schönes Pferd, da weiß ich schon, wie sie zu respectiren seien, die recht haus halten können, dem Manne Alles an den Augen absehen, was er will, ha! da lacht das Herz, wenn der Mann heimkommt und einen solch liebenswürdigen Engel antrifft, der ihn mit den schneeweißen Händchen empfäyet, küßet, herzet, ein Brätlein oder Salätlein auf den Tisch trägt, und sich zu ihm hinsetzt und spricht: Engel, wo will er heruntergeschnilten haben? und was dergleichen honig⸗ und zuckersüße Sachen mehr sind.— Wann aber ein hoschi, boschi, ruichi, einen Rumpelkasten, ein altes Reibeisen, ein Zeitelbär, eine Hadeikatz, ein Marterfell im 5 hal die immer brummt: mum, mum, mum, die
ne Thür zu⸗, die andere aufschlägt, die im Schlot mit der Ofengabel hinaus fährt, und wieder auf den Herd herunterplumpt, die ein Gesicht wie ein Nest voller Eulen macht, die lauter Suppen aus dem Höllentopfe anrichtet, und was das Teufelzeug mehr ist, die bie b ich nicht, ber Teufel mag sie lieben.“
Zu Stollberg stand am letzten Sonntage eine Braut] setzte zwar bei Anfang 2 fl. niederer ein als d
von seltener Treue vor dem Altar der Hauptkirche, um
der gestri Abendcours war, erholte sich aber rasch wieder e 54
zum ehelichen Bunde den Segen des Priesters zu em⸗wo es fest stehen Slieb. Offenbar existirt eine starkt pfangen. Ihr Bräutigam, Namens Freitag, verlor im Contremine, denn sonst müßte trotz alledem der Cours der letzten Kriege durch eine französische Kanonenkugel beide] Staatsbahn längst schon mehr gefallen sein. Fü it⸗
Arme. Daheim aber hatte er ein Mädchen, die hatte ihm den Schwur der Treue gegeben und sie hielt ihn trotz alles Mißgeschicks, das ihren Verlobten betroffen hatte. Vorigen Sonntag wurde sie getraut. Seine Hand konnte er ihr wohl nicht mehr reichen, sein treues Herz aber wird ibr diese wobl aufwiegen. Von allen Seiten gab sich bei dem feierlichen Acte große Theilnahme kund.
Aus der Schweiz. Die„Aargauer Mittheilungen“ erzählen den interessanten Fall, daß ein Fohlen, dessen Mutter keine Milch hatte, sich an eine Kuh gemacht und ohne Protest von Seite der gehörnten Mutter gesaugt hat. Das Verhältniß wurde ein ganz inniges. Das Fohlen lief mit seiner Säugeamme und ließ die wahre Mutter unberücksichttgt. Es wurde in zwei Monaten abgewöhnt und gab ein herrliches Thier.
In Wien ist eine recht practische Erfindung ge— macht worden, von decen Existenz man leider erst jetzt durch eine amtliche Bekanntmachung Kenntniß erhält. Der Polizei- Rapport meldet nämlich:„Der Früchtebändler König Samuel hat angezeigt, daß seiner Gattin 3 Stück Fünfzigernoten, welche sie in einem feuerfesten Strumpfe unter dem Kopfkissen aufbewahrt hatte, ge— stohlen wurden.“
Paris. Die letzte Volkszählung in Paris hat er⸗ geben, daß dasselbe 5800 Kaffee-, Wein-, Speise- und Bierhäuser besitzt. Diese machen jährlich ungefähr für 150 Millionen Francs Geschäfte. Das Trinkgeld, welches die 15,000 Kellner und Aufwärter erheben, beläuft sich auf über 6 Millionen.
New⸗York. Eine neue Verwendung der Photogra⸗ phie hat seit einigen Jabren in den Vereinigten Staaten Platz gegriffen, es werden nämlich an den Grabsteinen auf Fried— öfen photographische Portraits von den Beerdigten ange— bracht. Die Photographien sind von allen Größen, von jener der gewöhnlichen Visitenkarte angefangen bis zu Bildern in Lebensgröße. Sie werden auf Porzelan, sowie auch auf weißen Marmortaseln hergestellt und das Bild wird dann entweder außen auf dem Grabmale angebracht, nur mit einer reinen Glasplatte überdeckt, oder in einem tabernakelartigen Gehäuse, das sich im Innern des Grab— steines befindet und mit einem Gitter von Eisen oder Bronce verschlossen wird. Unter jedem Bilde befindet sich der Name des Verstorbenen, den es vorstellt, sein Geburts tag und Sterbetag, und bisweilen einige Ferse oder ein paar Worte in Prosa. Die Sitte hat, nachdem sie von einigen begonnen worden, rasch einen allgemeinen Anklang gefunden, und man findet hie und da bei größeren Familiengräbern bereits sehr ansehnliche photographische Galerien, welche Bilder von allen Lebensaltern enthalten. Man sieht da das lieblich spielende Baby in der Kinder— stube, sowie den bejahrten Kaufmann mit grauen Haaren in seinem Comptoir am Schreibpulte, die Jungfrau im Brautschmuck, wie die bejahrte Matrone, den Krieger zu Pferde und zu Fuß, den Priester und Prediger in seinem Ornate. Für fremde Besucher eines Friedhofes bildet jedes so geschmückte Grab einen Gegenstand lebhafter Auf— merksamkeit, und es bewältigt dieselben ein elegischeres Gefühl als sonst, wenn sie sehen, wie viele Schönheit und Lebenskraft hier ein Raub des Grabes geworden ist. Man
behauptet, daß Photographien auf Porzellan durch Jahr—
bunderte dem Zahne der Zeit widerstehen können. Sollte diese Sitte einmal allgemein werden, so würden unsere späten Nachkommen deutliche Bilder der dahingeschwundenen Zeit und ihrer Menschen erhalten.
D. Frankfurt a. M., 18. Juli. Wie vorauszusehen, brachte der diesmalige Wochenausweis der österr. Staatsbabn ein enormes Minus, 194,000 fl. Da aber die entsprechende Woche des Vorjahrs ihrerseits eine exorbitante Mehr— einnahme ausweist, so machte das heutige Minus kclativ weniger Eindruck als man befürchtet hatte. Das Effect
Actien herrschte wenig Animo, doch hielten sie sich sest auf 347. Lombarden stagnirten heute bei 219½, da die wider⸗ sprechenden Nachrichten über den Verkauf der ungarischen Linien lähmend auf den Verkehr wirken. Auch die andern östlerr. Babnen litten an Geschäftslosigkeit, da Eigner bei den gesunkenen Coursen nicht losschlagen und Käufer angesichts der verminderten Exportaussichten sich nicht ein⸗ finden wollen. Deutsche Bahnen gleichfalls still. Von alten bayr. Oftbahnen gingen einige Pösichen zu 1395 aus dem Markt. Belebter war es auf dem Gebiet der Banken. Hier machte sich viel Nachfrage für Pfälzer Bankverein bemerklich, der bis 107 ½ bezahlt wurde, einem Cours, den Viele gegenüber anderen jüngern Banken, wesche oft 100% Agio genießen, für steigerungssähig halten, Auch Frankfurter Bankverein ging ca. 2% höher. Darm⸗ städter, Deutsche Vereinsbank, Effectenbank und Provinzial⸗ disconto fest und in Posten umgehend. Der Prioritäten⸗ markt war heute durch die neueste Elisabeth und mährische Grenzbahn-Prioritäten präoccupirt, die guten Absatz fanden. Ferner wurden stark gekauft 3% Lombarden und Staals⸗ bahn. Von Staatspapieren ging Etliches in 187ler, Russen und Silberrente beliebt. Loose ohne Umsaß, Amerikaner 1885er. per Juli etwas billiger, 82er. begehrt. Oregon ½% besser.
Eingesandt.
Friedberg. Herr Köckert bat zu seinem Benefiz eigens einen humoristischen Prolog verfaßt, und wird außer anderen— hier neuen— heiteren Piecen:„Gari⸗ baldi“ u. s. w., auch das neueste patriotische Lied:„Gott detläßt die Deutschen nicht“ sowie das ergreifende Lieder⸗ piel:„Der Zigeuner“ zur Aufführung bringen. Möchten die Bemühungen des Herrn K. unser Publikum durch ein so hübsch zusammengestelltes, in den hiesigen Theaterrahmen passendes Pele mele zu erfreuen, sich durch zahlreichen Besuch belohnen, um so mehr, als der genannte Künstler durch seine natürlichen trefflichen Leistungen um unser Theater sich große Verdienste er⸗ worben hat.
Ditte an Meuschensteunde.
Der durch den Genuß von Schwefelsäure in so bedenklicher Weise erkrankte hiesige Arbeiter befindet sich zwar auf dem Wege erfreulicher und entschiedener Besserung, derselbe wurde aber dennoch auf den Rath des behandelnden Arztes und mit freundlicher Unterstützung von Seiten einiger hiesigen Einwohner in die Klinik nach Gießen verbracht, Die traurige Lage der dahier zurückgebliebenen Familie, welche des Nöthigsten ermangelt, wird von Tag zu Tag drückender, so daß die dankens: werthe Mildthätigkeit einzelner Menschenfreunde nickt mebr ausreichen will, wenngleich dieselben sich bisher angelegen sein ließen, nach ihren Kräf⸗ ten möglichst hülfceich beizuspringen. Man glaubt deßhalb an alle Menschenfreunde unserer Stadt die herzliche Bitte um gütige Unterstützung der bedrängten Familie richten und die Hoffnung aus ⸗ sprechen zu dürfen, daß eine für die nächsten Tage beabsichtigte Sammlung von Gaben bei denselben guten Erfolg haben möge.
Die Expedition dieses Blattes ist unterdessen zur Annahme von Gaben gerne bereit.
hergestellten
Attest versehen.
hiermit
B. A. Jamilien-Maschinen und Handwerker- Maschinen
zu billigen und festen Preisen unter reeller Garantie und mit Ursprungs—
Georg Sellin in Friedberg.
Geschäfts⸗Eröffnung.
1962 Einem geeheten Publikum diene zur Nochricht, daß ich die seither von der Firma Fliedrich Hilbrecht betriebene Cotonial-⸗, Glas- und Vorzellanhandlung unterm
Heutigen ubernommen habe und in dem bisherigen Lecale fortführen werde. Jah
verbinde
damit ein Geschaft mit Mehl- und Landesprodukten und sichere meinen verehrlichen
Kunden steis reelle und billigste Bedienung zu.
Friedberg.
M. D. L ö b.
The Singer Manufacturing Ce. Nen-Lork. Größte Nähmaschinen⸗Fabrik der Welt,
hat im Jahre 1871 181.260 Stuck verkauft und empfiehlt ihre, vom besten Material und durch die vol kommensten Hilfsmaschinen
Jagd- Verpachtung. 1986 Die Jagdberechtigung in dem Reichelsheimer Gemeindewald, welche 500 Morgen Flächengebalt hat, soll Freitag den 9. August l. J., Vormittags 11 be, im biesigen Rathbause auf weittre 6 Jahre öffentlich meiffbietend verpachtet werden. Reichelsheim den 16. Jult 1872. 0 Großherzogliche Bürger meisterei Reichelsbrim. Sch mid.
Ein junger Hund, 1992 fildergrauer Seidenpinscher mit abgeschnittenen Obren und Schwanz, englische Race, auf den Namen Chack börend, ist Kurfremden enlaufen. 5 wlederbringt oder Aus kunft über seinen Aufenthalt gibt, erhält 50 Fres. Belobnung. Näheres Maison Kromm, Parkäraße. Bad-Naubeim. I
Glacé- Handschuhe, Militärhandschuhe,
sewie Rauhleder- und Pil-d'Ecosse-Handschuhe 61 dilligst bei K. Friedrich neben der Post.
Wer denselben
199
1000
99e


