Ausgabe 
20.4.1872
 
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trag sanctionirt haben wird.

Frankreich nicht eber in Angriff zu nehmen, als dis die französische Nationalvetsammlung, in welcher die Berathung des Gegenstandes bekannt. lich mit Absicht verschleppt worden ist, den Ver

Weilburg. Pfarrer Jost aus Ellar erschien bier, um dem Abgeordneten des Kreises, Land rath Hahn, eine Dankadresse des Kirchspiels Ellar für dessen Abstimmung gegen das Schulaussichts gesetz zu überbringen. Landrath Hahn lehnte je⸗ doch die Annahme der Adresse, welche durch Miß⸗ brauch der Kanzel und durch zu mißbilligende Aufreizung der Unterzeichner zu Stande gekom- men sei, entschieden ab.

Ausland. 54

Frankreich. Paris. WieLe Soir be⸗ richtet, hat Thiers vor 75 Jahren, am 15. April 1797, das Licht der Welt erblickt. In dem von genanntem Blatte veröffentlichten Geburtsscheine ist ein Ort Mity, Canton von Marseille, als der Ort der Geburt bezeichnet; andrerseits schreiben mehrere Journale, Herr Tbiers selbst wisse es nicht genau, ob er in Aix(Provence), oder in Marseille oder auch, wie einige seiner Biographen bebaupten, in Brun, einem Dorfe in der Nähe von Aix, geboren sei. Nach denselben Blättern soll auch der Geburtstag, sogar das Geburtsjahr des gegenwärtigen Staatsoberhauptes in Dunkel gehüllt sein; man nennt die Jahre 1797 und 1798, den 15., 16., und 22. April.

Der von den deutschen Militärbehörden verhaftete Redacteur des in Vitry le Frangais er- scheinendenMessager de la Marne, Herr Pessez, ist auf Ansuchen der französischen Regierung wieder in Freiheit gesetzt worden

Von der spanischen Grenze wird gemeldet, daß Munitionstransporte, welche nach Spanien bestimmt waren, von den diesseitigen Bebörden im Departement Basses⸗Pyrenses mit Beschlag belegt wurden. Die Grenze wird von Truppen Detachements streng überwacht.

Gelegentlich der Verhandlungen in der Permanenzkommission, betreffend die elsässisch⸗loth⸗ ringische Optionsfrage, macht der ossizibseBien public die Franzosen darauf aufmerksam, daß sie bisher durch ihre Aufmunterung der Aus wande⸗ rung von unzufriedenen Elsässern nach Frankreich und Algier eine Dummheit begangen hätten. Nichts hätte angenehmer für die Preußen sein

können, als diese Auswanderung; sie erlaubt ihnen Elsaß Lothringen zu germanisiren, indem sie die Provinz mit deutschen Unterthanen wiederbevölkerten. Man wird verstehen, schließtBien public, wie bedauerlich eine solche Thatsache für uns sein müßte.

Versailles. Mehrere Mitglieder der Per- manenz⸗Commission haben die Absicht ausgesprochen, daß sie die Regierung in der Kammer über die Ausführung des Vertrags von Frankfurt und wegen des Schreibens des Seeretärs des Herrn Thiers betreßßs der Generalräthe interpelliren wollen. Am Abend des 17. d. hat im Lager von Roquencourt eine Feuersbrunst stattgefunden, wo

bei in den als Ställen dienenden Baracken fünf⸗ zig Pferde verbrannten oder erstickt sind. Großbritannien. London. Die dem Parlament in der Alabama Angelegenheit vorge- legte Gegenprozeßschrift verweigert in der Ein⸗ leitung ausdrücklich, auf die Anschuldigungen wegen feindseliger Motive und unaufrichtiger Neutralität, sowie auf die indirecten Schadenansprüche einzu- gehen. Sie kritisirt den Character eines Theiles der amerikanischen Beweisführung und beantwortet besonders die Recapitulation der Klagen wegen jedes einzelnen Schiffes. Die Schrift will die Arbeiten des Schiersgerichts auf die Prüfung der directen, durch die Zerstörung von Schiffen und Eigenthum verursachten Verlaste beschränkt wissen, hält die Vergütung der Zinsen für unzulässig und hebt schließlich die Schwierigkeiten und Gefahren bervor, welche den neunalen Mächten aus den Gesetzen er⸗ wachsen würden, die Amerika einzuführen beabsichtigt.

Amerika. Newyork. Washingtoner Corre⸗ spondenzen mehrerer Rewporker Zeitungen ver sichern, daß die Regierung beschlossen habe, die indireeten Schadenansprüche in der Alabama-⸗An⸗ gelegenbeit zurückzuziehen.

Friedberg. Wir erhalten die gewiß vielen Lesern unseres Blattes interessante und erfreuliche Mittheilung, daß Pastor Wilhelm Baur zu Hamburg(früher Piarrer in Stungshausen und Rupperisbulg, Verfasser von: Geschichts- und Lebeusbilser aus der Ernguerung des religiösen Lebens in den deuischen Befriungskriegen, das Leben des Freiherrn v. Stein, Stein und Perihes, E. M. Arndi's Leben, Thaten und Meinungen, Sechs Reden von der Liebe, Lazarus von Bethanien und seine Schwestern und anderer Schriften) von Sr. Majestät dem Kaiser und König am 13. d. M. zum Hof⸗ und Domprediger in Berlin ernannt worden ist.

Frankfurt. Am zweiten Pferdemaikttage gingen die Geschafte auf den öffeullschen Plätzen flott, weniger gut auf dem Klapperfelo in den städuschen Stallungen. Hier war jedoch das Hauptgeschäft bereits vorüber. Der Umsatz in Luxuspferden war namentlich am Montag Nachminlag ein ganz enormer. In dem Zeitraum von zwei Stunden wunden nach dem Prolekollbuch 147 Pferde im Werihe von fl. 80,000 eingetragen. Der wirkliche Umsatz war jedoch bedeuiend größer, denn nach den ge⸗ machten Erfahrungen wird etwa nur ein Drittel der ver kausten Pferde prolekellitt. Zu den enalischen Käufern gesellien sich noch Schweizer; von Franzosen wurden nur wenig Geschäne gemacht. Einzelne hiesige Familien kauften bis zu sechs Pferden für ihren Bedarf.

Frankfurt. Nach demFrkst. Anz. sind ca. 3000 Molgen Gennindewaldungen von Enkheim, Bergen, Fechen⸗ heim und nigbeim, sowie die Mainkur behufs Anlage einer Pulverfabrik an den Sioat um die Summe von 700 000 Thaler verkauft worden.

Mainz. Der biesigeAnzeiger schreibt: Auf einer Station eer neuerbauuen Alzeyer Bahnlinie erschien dieser Tage ein Handelsmann dei dem dortigen Bahn-Vorsteher mit der Anfrage, ob er eine Ziege bis Mainz aufladen könne. Der Gefragte antworte bejihend, jedoch müss: er dieselbe in den Hundestall einsperren, was auch als⸗ bald geschah. Der Zug sollte abgehen, allein der Besitzer der Ziege war nirgends zu finden, weder im Wartesaale noch in den Coupes. Da kam ein Beamter auf die Idee, noch einmal in dem Hundestall nachzusehen, und richtig calculirt, der auf den Hund gekommene Ge zk e agen lag, wahrscheinlich um das Fahrgeld zu sparen, ausgestreckt in dem Stille und nur seine Füße waren greifvar. Zwei bandfeste Arbeiter packten nun den sich krampfyaft An⸗ krammernden an den Füßen, bis ein gewisser, nicht näher zu bezeichnen er paüriheil sichibar war und bearbeiteten

in Gemeinschoft mit einem Dritten denselben zum Er⸗

götzen des umstehenden Pulikums und zum abschreckenden Exempel für den Attentäter, worauf sie ihn nebst Ziege fahren, oder vesser gesagt, laufen ließen.

Berlin. Die hiesigeGerichtszeitung schreibt: Zwischen dem jungadeligen Banquier Bleichröder und seinem Rechtsanwalt, dem eben so talentwollen wie all⸗ gemein geachteten Justizrath Wiener, hat sich Folgendes etei net. Wie dies bei allen viel beschäftigten Rechtsan⸗ walten üblich, hatte der Justizrath Wiener ein Schreiben an seinen Mandaten mit dem Ersuchen gerichtet, ihn be⸗ hufs einer Conferenz in einer Prozeßangelegenheit zu be⸗ suchen. Hierauf empfing der Absender eine Antwort folgenden Inhalis:Der Justizrath Wiener kann wohl zum Geheimen Commerzienrath v. Bleichröder, nicht aber dieser zu dem Justizralih Wiener kommen. Die Er⸗ wiederung des Justizraths Wiener hierauf lautet:Wenn der Geheime Commerzienrath v. Bleichröder nicht zum Justizraih Wiener kommen kann, so kann auch der Justiz⸗ raih Wiener nicht der Anwalt des Geheimen Commer⸗ zienrathes v. Bleichröder sein, und sendet ihm deßhalb die Acten seiner Prozesse zurück.

London. In Palklane ist vor etwa 14 Tagen eine Franzöͤsin, Madame Riel, in ihrer Wohnung ermordet und beraubt gefunden worden. Der französischen Polizei ist es gelungen, die Thäserin, nämlich die Köchin jener Dame, Margarethe Dixblanc, in St. Denis zu ent⸗ decken und zu verhaften. Dieselbe hat gestanden, daß sie die Frau Riel in der Küche erdrosselt habe. Dann habe sie eine Summe von 60,000 Franes entwendet. Die Thäterin ist 23 Jahre alt.

Aus London wird wiederum von einem schrecklichen Morde berichtet. Ein Vater hat daselbst seine vier Kinder gemordet und dann sich selbst das Leben genommen. Nicolls, ein verbeiratheter Schustergeselle wit 6 Kindern, halte vor einigen Tagen seine Arbeit verloren. Am Mon⸗ lag blieb er in Folge dessen zu Hause, während seine Frau, um kümmerlichen Lebensunterhalt für die ganze Familie zu gewinnen, zum Scheuern ausgegangen war. Gegen Abend sah ein Nachbar unter der Thür vor dem Schlaf⸗ zimmer des Nicolls Blut hervorströzmen, und als die Thür, welche von innen verschlossen war, durch einen Polizei diener erbrochen wurde, fand man den Vater und vier seiner Kinder todt am Boden liegen. Der Unglückliche halte zuerst den Kleinen und bann sich selbst mit einem Schustermesser die Gurgel durchschntien, nachdem er vor⸗ her seine beiden ältesten Töchter von acht und elf Jahren unter einem Vorwande aus dem Hause geschafft hatte. Von den Nachbarn wird er als ein sehr braver und nüchterner Mann geschildert, und das Motiv zur That ist nicht fern zu suchen, wenn mitgetheilt wird, daß die ganze Familie von acht Personen oft mehrere Tage lang nichts welter als einen einzigen Laib Brod zu ihrem Lebens⸗ unterhalt hatte.

D. Frankfurt den 18. April 1872. Die an der gestrigen Nachbörse durch eingetroffene überaus schlechte Wiener Nolirungen eingetretene Deroute, welche sich auch in Berlin bemerkbar machte, brachte eine Wirkung hervor, die Vielen nur angenehm sein kann. Dadurch daß sie die Course beträchtlich herunterwarf, fachte sie die lange zurückgebaltene Kauflust an, und in Berlin sowohl wie bier wurden heute zahlreiche Käufe abgeschlossen und das Geschäft trug wieder einmal seit längerer Zeit einen ziemlich lebhaften Character. Namentlich ging es auf dem Sp culationsgebiste recht lebhaft zu und Credilactien wurden bei 345½ gern abgenommen; auch Staatsbahn bei 384⅝ in größerem Umsatz, ebenso wie Lombarden bei 205½ 206. Nationalbank weniger im Verkehr, 866. Für Bahnen machte sich auch mehr Frage geltend, und aingen Elsabeth, Nordwest, Alföld und namentlich Donau⸗ Drau wieder etwas höher. Bayer. Ostbabhn beliebt. Priori⸗ täten dagegen waren noch unbeliebt, während Pfandbriefe theilweise, wie z. B. Meininger, in einigem Umsatz waren. Banken bielten sich gleichfalls besser und waren heute be⸗ sonders Darmstädter gefragt. Die hiesigen Institute bei den billigeren Coursen zahlreich gekauft. Staatspapiere preiehaltend und in einzelnen kleinen Posten vorhanden. Oesterreichische Rente eine Kleinigkeit besser. Loose ohne Verkehr. Wiener Wechsel etwas höher. 5

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