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Kagenecker Bruch, der uralten Gärntnerzunft mit ihren garstigen Baracken und ihren morschen höl⸗ zernen Scheunen, wird ein schöner Stadttheil mit neuen breiten Straßen und stattlichen Bauten. Ueberall wird, ungeachtet des Winters, thätig fortgearbeitel; der Wiederaufbau der Präsectur, des Tribunals, des Theaters, der Neukirche u. s. w., ist kräftig in Angriff genommen. Mit dem Be- ginn des Frühjahrs und nach Zahlung der beiden letzten Fünftel der Entschädigung, werden die Arbtiten einen noch größeren Aufschwung nehmen, so daß vielleicht schon in einem Jahre die materiellen Spuren des Bombardements fast ganz verschwunden sind.
Ausland.
Oesterreich. Wien. Die Amtszeitung veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben om 15. d., wodurch Frhr. v. Holzgetban zum Reichs- finanzminister ernannt und demselben in Anerken- nung seiner ausgezeichneten Dienste der Orden der eisernen Krone erster Classe verliehen und der frühere Statthalter von Triest, Baron Depretis, zum cisleitbanischen Finanzminister ernannt wird.
— Der„Vorstadt⸗Zeitung“ zufolge fand der neu ernannte Finanzminister bei Antritt seines Amtes einen Cassenbestand von 97 Millionen Gulden vor.
— Das„Vaterland“ berichtet über eine Audienz, weiche mehrere„um das Schicksal des Papstes besorgte“ Katholiken bei dem Minister des Aus- wärtigen, Grafen Andrassy, gehabt hätten. Letz⸗ terer habe mit dem Hinweis auf die Anerkennung der letzthin vom Papste ernannten dreißig italie- nischen Bischöfe durch Italien die Behauptung bestritten, daß der Papst nicht frei sei, die öster⸗ reichisch ⸗italienische Freundschaft und die Noth- wendigkeit, eine friedliche Politik einzuhalten, betont und schließlich geäußert, daß er keine katholische Macht, auch Oesterreich nicht, wüßte, welche dem papste ein Asyl zu gewähren in der Lage wäre.
Frankreich. Paris. Eine große Anzahl Handelskammern baben Adressen an die National- versammlung gerichtet, in welchem sie sich gegen eine Besteuerung der Robstoffe aussprechen.— In Luneville wurde ein Preuße ermordet. Die französische Polizei ist eifrig beschäftigt, die Thäter zu ermitteln.— In verschiedenen Städten, haupt sächlich in Versailles, haben sich Comites zum Zwecke einer Subseription von Frauen gebildet, um frühere Räumung des französischen Gebiets zu erlangen.
— Das französische Kriegsministerium ver— öffentlicht folgende Mittheilung:„Ein französischer Offizier, der aus der Gefangenschaft im Monat Mai 1871 heimkehrte und dessen Namen nicht aufgefunden werden konnte, hat in der Gegend der Station Mengende auf, der Linie von Köln nach München auf der Eisenbahn eine goldene Uhr fallen lassen, welche damals nicht wieder ge— funden wurde und die der Zufall jetzt bat ent⸗ decken lassen. Der Offizier, welcher diese Uhr verloren hat, wird aufzefordert, sich auf dem Kriegsministerium zu melden.“(Dis se Ehrlichkeit der deutschen Bahnverwaltung, welche nach so langer Zeit den jetzt gefundenen Gegenstand an die französischen Militärbehörden zurückgelangen ließ, ist eine gute Lektion für die Versasser und Verbreiter der famssen Pendulen-Legenden.)
— Der Untersuchungsrath für die Capitula— tionen hat, wie die„Union“ vernimmt, die Prüfung der Capitulation von Sedan beendet. General Wimpffen ist, wenn dieses Blatt recht berichtet ist, wegen der ehrenwerthen Bemühungen, die er gemacht bätte, um an der Spitze seiner Truppen ven feindlichen Gürtel zu durchbrechen, und wegen des Widerstandes, den er bis zum letzten Augenblicke gegen die Capitulation erhob, beglückwünscht worden; dagegen empfing er einen Tadel wegen des Axt. 2 der Capitulation die von ihm in Frenois mit dem General v. Moltke abgeschlossene Convention, wonach die französischen Offfziere ihre Degen und ihre persönlichen Effecten behalten sollten, wenn sie sich mit Ehrenwort ver— pflichteten, in diesem Kriege nicht mehr gegen Deutschland zu kämpfen.
bat ferner in einem molivirten Gutachten die Hauptschuld an dem Unglück von Sedan der Un- thätigkeit des Kaisers einer- und den verderblichen Befehlen der Regentschaft, welche die Wirksamkeit des Oberkommandos lahmlegten, anderersests zu— geschrieben. Die Commission hat sich nunmehr zu der Capitulation von Metz gewendet und der Mar- schall Bazaine wird nächstens vor ihr erscheinen.
— In der Zeugenvernehmung des Pro— zesses La Roquette sagten die verhaftet gewesenen Gensdarmen Mieux, Rouget und Loissang aus: Man bätte die Gefangenen öfter aufgerufen und sich in Reihe und Glied stellen lassen, lediglich um sie Weibern, die der Gefängniß-Direktor Frangeis als Gäste geladen hatte, wie die wilden Thiere zu zeigen; Frangois hätte sie dann mit Schimpfnamen: Canaillen, Casse-Teétes, Badin— guets angeredet und beständig mit Erschießen be— droht; ein anderes Mal hätte er sich die Zeit damit vertrieben, das vergoldete Kreuz von dem Dache der Capelle herunterholen und in Stücke schlagen zu lassen u. dgl. m.
— Die„Agence Havas“ meldet: Das Indi— viduum, welches den deutschen Soldaten in Lune— ville getödtet hat, soll Cremel heißen und in der Richtung der Schweiz entflohen sein. Es sind alle Maßregeln zu seiner Festnahme getroffen.
Belgien. Brüssel. Außer in der Pro- vinz Lüttich feiern fast alle Kohlenzechen. Die feiernden Arbeiter erhalten aus den Widerstands— cassen 2 Francs täglich. Der Kohlenmangel ist bereits fühlbar.
Dänemark. Kopenbagen. Der„pester Lloyd“ bringt an hervorragender Stelle und aus einer für officiös geltenden Quelle die Meldung, daß demnächst die völkerrechtliche Neutralisirung Dänemarks auf die Tagesordnung der europäi— schen Großmächte gesetzt werden solle. Diese Sicherstellung in einem künftigen Kriege zwischen ihren Nachbarn scheine für die dänische Regierung von so großer Wichtigkeit zu sein, daß dieselbe sogar nicht abgeneigt wäre, dafür ihre auf Art. 5 des Prager Vertrages beruhenden Ansprüche an Preußen, dessen Unterstützung des Neutralitäts- projectes vorausgesetzt, aufzugeben.
Großbritannien. London. Eine in Mansionhouse abgehaltenes Meeting beschloß eine Resolution zu Gunsten des Decimalsystems für Maaß, Gewicht und Münze.
— Wie verlautet, steht die preußische Regie— rung mit den Erben und Testamentsvollstreckern des verstorbenen Pferdezüchters Bleukiros in Unter- handlung über den Ankauf des ganzen Zuchtstalles in Middle Park. In dieses Gestüt sind die be⸗ rühmtesten Sieger der englischen Rennbahn schon seit Jahren übergegangen und unter den dort stehenden Zuchthengsten befinden sich mehrere, welche von Autoritäten als die trefflichsten Exem⸗ plare bezeichnet werden um den Schlag der Militärpferde zu bessern. Die englischen Blätter sind deßhalb sehr ungehalten darüber, daß dit diesseitige Regierung diesen Zuchtstall sich aus den Händen gleiten lasse, obschon die Klagen über die Verminderung einer tüchtigen Armeeremonte hier von Jahr zu Jahr allgemeiner werden.
Itaien. Rom. Pater Hyacinthe ist hier- her zurückgekehrt, um sich an der Herausgabe eines altkatholischen Blattes zu betheiligen.
— Die„Germania“ berichtet, im März soll tin geheimes Consistorium zum Zwecke der Er⸗ nennung von Carvinälen abgehalten werden. Unter den Erzbischöfen, welche die meiste Aussicht dafür haben, nennt sie die von Köln, Posen, Salzburg, Gran, Mecheln, Westminster, Paris und Baltimore.
Rußland. Es bestätigt sich, daß die Dif⸗ ferenzen zwischen dem St. Petersburger Cabinet und der päpstlichen Curie fast vollständig ausge— glichen sind, und daß die seit mehreren Jahren übertragene diplomatische Verbindung zwischen beiden Cabineten demnächst in alter Form wieder angekaüpft werden wird.
Amerika. Washington. Das Comite des Congresses für auswärtige Angelegenheiten befürwortet einstimmig den Antrag, die Gesandt—
schaft in Berlin zu gleichem Rang mit den Ge— Der Untersuchungsrath!sandtschaften in Londen und Paris zu erheben.
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Friedberg. Mit Bezug auf die wiederholt ver⸗ öffentlichten früheren Bekanntmachungen macht das General- Postamt bei den vorliegenden Erfahrungen nochmals darauf aufmerksam, daß die Ende 1871 außer Geltung gekommenen Norbdeutschen Freimarken, Franco⸗Couverts und gestempelten Streifbänder nur bis ein schließlich 15. Februar d. J. bei den deulschen Reichs⸗Postan⸗ falten gegen neue Postwerthzeichen umgetauscht werden. Vom 16. Februar d. J. ab werden die früheren nord⸗ deuischen Freimarken ꝛc. zum Umtausch nicht mehr ange⸗ nommen und verlieren ihren Werth.
In Gießen, schreibt die„Fr. Zia.“ sind falsche preußische Thaler mit der Jahreszahl 1867 ausgegeben worden, die sehr gut nachgemacht und nur am mangeln⸗ den Klang zu erkennen sind. Der im Rufe der Falsch⸗ münzerei stehende verhaftete muthmaßliche Verbreiter dieser falschen Münzen hat Hausirern auch falsches Papiergeld von 1 bis zu 25 Thalern zur Weiterverbreitung angeboten.
Mainz. Sämmtliche Weinwirthe und Weinhändler im Großherzogthum Hessen sind durch ein provisorisches Comite auf den 29. Jan. nächsthin, Vormitlags 10 Uhr, nach Mainz in den Porsbergerschen Saal(Gräberstraße) zu einer Versammlung eingeladen, in welcher üder die Mittel und Wege berathen werden soll, welche die Auf- hebung der Weinsteuer in Hessen zur Folge haben. In dem Einladungsschreiben ist noch bemerkt, daß auch mehrere Abgeordnete der bessischen zweiten Kammer, darunter die HH. George und Möllinger, dieser Versammlung bei— wohnen werden.
In Lorchhausen am Rhein brach am 13. d. in der Nähe der Kirche Feuer aus. Der starke Luftstrom trug die Flammen rasch auf die nächsten Gebäude und in karzer Zeit stand die Kirche nebst 4 Wohnbäusern, Scheuer und Stall in Flammen. Die Kirche ist bis auf den Grund abgebrannt und konnte nichts als die goldenen und silbernen Geräthe aus derselben gerettet werden. Leider ist auch das vor wenigen Jahren neu angeschaffte herrliche Geläute ein Opfer der Flammen geworden.
Kassel. Während der letzten drei Jahre sind von den norddeulschen Bahnverwaltungen Versuche mit der Her— stellung einer electrischen Verbindung zwischen den Passagieren und dem Zugpersonale angestellt worden, deren Resultat nach dem, dem Handelsministerium vorgelegten
Berichte ein befriedigendes genannt werden kann. Die
Versuche sollen vorerst forigesetzt werden, ehe ein defini⸗ ver Beschluß über Anwendung des einen oder anderen der verschiedenen Systeme ersolgt.
Hannover. Wie früher schon berichtet, hat die Sladt Hannover sich bereit erklärt, das vierte deutsche Bundesschießen in diesem Jahre in ihren Mauern abzuhalten. Mit Rückficht auf die eigenthümlichen Ver⸗ hälinisse der Stadt Hannover soll sich das Schützen⸗ Collegium, eine städtische Behörde, mit Genehmigung des Gesammt-⸗Ausschusses des deuischen Schützenbundes als Festausschuß constituiren. Die Einrichtungen sollen so ge⸗ troffen werden, daß kein Deficit zu besorgen ist; aller unnütze Prunk und übergroße Baulichkeiten sollen ver— mieden werden.
Berliu. Am 20. Februar d. J. wird der erste Congreß deutscher Landwirthe in Arnim's Hotel in Berlin zusammentreien. Die nunmehr fesigestellte Tagesordnung enthält folgende Fragen: Wegebaufrage, Steuerfrage, Bank- und Münzfrage die fachgemäße Aus⸗ bildung der lanowirthschaftlichen Jugend, Differential⸗ Tarife der Eisenbahnen. Die Referenten für diese Fragen sind vorläufig festgestellt; eine Betheiligung süddeutscher Landwirthe an den Referaten steht in Aussicht und hofft man auf eine zahlreiche Betbeiligung süddeutscher Land⸗ wirthe an dem Congreß. Nur dann wird der Congreß eine volle Bedeutung und seinen ganzen Einfluß auf die für die Landwirthschaft wichtigen Fragen gewinnen, wenn die Landwirthe aus allen Theilen des Reiches in möglichst großer Zahl an seinen Berathungen theilnehmen.
Paris. Aus einer Rechnung, welche das Journal, „Die Municipalität“, anstellt, geht das interessante Re⸗ sultat hervor, daß ein Baum, der au den ösfssentlichen Promenaden von Paris gepflanzt wird, in der Durch⸗ schnütsdauer seines zwölfjährigen Bestandes für die Pflanzung und Unterhaltung auf die Kleinigkeit von 200 Francs zu stehen kommt. Nun gibt es in Paris 102,154 solcher Bäume, die im Laufe von zwölf Jahren die Summe von 20,430,800 Francs beanspruchen.
Aufschwung des Zeitungswesens.
Der neuerschienene Katalog der Annoncen⸗Expedition von Haasenstein& Vogler liefert interessante An⸗ haltepunkte über die Entwicklung der Tagespresse. Im deutschen Reiche erscheinen 1743 Tagesblätter, in Oesterreich⸗ Ungarn 268, in der Schweiz 252, in Frankreich 392, in Belgien 196, in den Niederlanden 174, in Großbritannien 1253, in Dänemark 96, in Schwiden⸗ Norwegen 184, in Rußland 160, in Italien 333, in Spanien 91, in Por⸗ iugal 26, in den vereinigten Staaten von Nordamerika 622, im übrigen Amerika 131, in Asien 57, in Afrika 50 und in Australien 75, Wir nehmen den Katalog der Herren Haasenstein 8 Vogler von 1862 zur Hand und finden, daß die Zahl der deutschen Blätter(mit Aus nabme Oesterreich's) in diesen zeyn Jahren von 1134 auf 1743 gestiegen ist, und zwar hat die größte Zunahme in denjenigen Theilen Deuischland's stattgefunden, wo keine Caution und Zeitungssteuer die Entwickelung hemmt, Während Preußen's Blätler von 670 im Jahre 1862 auf 951 im Jahre 1872 stiegen, hat Bayern's Tage spresse
sich von 139 auf 250 gehoben; Baden hat sogar um, 150 Procent zugenommen(von 30 auf 72 Blätter) Hessen stieg von 32 auf 53 und Würtemberg von 72 auf
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