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1872.
Samstag den 20. Januar.
M8.
Oberhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblatt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. U
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allfährlich einzusendende Ueberfichten.
Amtlicher Theil.
Betreffend: Die Statiaik der Bewegung der Bevölkerung, hier an den Bundesrath zu Berlin
Friedberg den 16. Januar 1872.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Pfarrämtet und Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.“ Diejenigen von Ihnen, welche mit det Einsendung det betreffenden Register noch im Rückstande sind, werden hiermit, unter Hin— weisung auf unsete in Nr. 138 und 151 des Oberhessischen Anzeigers von 1871 enthaltenen Ausschreiben, wiederholt und dringend an die Erledigung innerhalb 8 Tagen mn dem Anfügen erinnert, daß ein längerer Verzug von ungangenehmen Folgen begleitet sein würde.
ap.
Deut sches Reich.
Darmstadt. Sämmtliche hessische Pfarrer baben im Intexresse der 97 Pfarreien, die noch eine Besolduug von 5— 600 fl. beziehen, eine Petition bei dem großh. Ministerium des Innern eingereicht, daß gleichzeitig und solidarisch ver⸗ bunden mit der Vorlage wegen Gehalts erhöhung der Staats diener auch die schlechtdotirten Pfarrer⸗ stellen angemessen erhöht werden möchten.
Friedberg. Das Großberzogliche Divi⸗ sions⸗ Gericht in Darmstadt erläßt eine Bekannt- machung, nach welcher 90 Militärdienstpflichtige des Landes durch rechtskräftige kriegsgerichtliche Erkenninisse der Desertion in contumaciam fü schuldig erkannt und jeder in eine Geldbuße von 50 Thalern verurtheilt worden sind. Unter den Verurtheilten befinden sich 15 dem Kreise Fried- berg Angehörige. 2
Berlin. Bezüglich des Entlassungsgesuches des Cultueministers v. Mübler wird der„Kreuz- zeitung“ bestätigt, daß derselbe, nachdem et noch am Donnerstag neue legislatorische Axbeiten in Aussicht genommen, am Freitag seine Entlassung erbat und daß das Staatsministerium sich ein- müthig über die Angemessenbeit der Annahme desselben aussprach. Ferner wird bestätigt, daß unter den bisher gerüchtwesse genannten Candi daten an maßgebender Stelle allein der Geh. Oberjustizrath Falk ernstlich in Aussicht genommen sei. Die Ernennung wäre bisher noch nicht er⸗ folgt, doch ist die Annahme des Entlassungsge— suches selbst unzweifelhaft. Als Grund desselben wird der„Kreuzztg.“ zufolge in unterrichteten Kreisen angenommen, daß sich v. Mühler durch die Vorgänge der letzten Tage überzeugt haben möchte, daß seine Stellung nach allen Seiten hin unhaltbar geworden. Dasselbe Blatt bemerkt fer⸗ ner: Eine Vacanz sei selbstverständlich erst nach allerhöchster Annahme des Entlassungsgesuches vorhanden.
— Im Reichskanzleramt ist neuerdings die Frage über den Zeitpunkt der Einstellung der Elsaß- Lothring'schen Retruten in die deutsche Armee, aus Anlaß der zahlreichen Petitionen, welche in dieser Angelegenheit aus den neuen Reichslanden hier eingetroffen sind, berathen wor— den. Als Resultat dieser Berathungen wird be— zeichnet, daß ee als sicher betrachtet werden darf, daß schon im nächsten Herbst, wenn auch in- be— schränktem Umfange, Aushebungen aus der Be— völkerung der neuen Reichslande zur deutschen Armte erfolgen sollen.
— Der„Kreuzzeitung“ zufolge war die Wahl des Nachfolgers v. Mühler's noch nicht gesichert.
Gerüchte, welche neuerdinge Graf v. Keyserlingk 0 und einen höheren Commrnalbeamten aus der legen scheint. Wie wir hören, haben diese Agenten
Provinz als Nachfolger bezeichnen, erklärt die „Kreuzzestung“ als haltlos. Graf Keyserlingk sei für eine andere mit dem Cultus ressort zusammen— hängende Stellung in Aussicht genommen.
— Der„Staatsanzeiger“ meldet über die am 26. November slattgehabten Besprechungen im Handelsministerium, betreffend die sociale Frage, gegenüber anderweitigen Zeitungsmittheilungen, daß der Conferenz bestimmte Vorschläge nicht unterbreitet worden seien. Der Standpunkt eines blos negativen oder gar repressiven Verhaltens gegenüber der socialen Bewegung wurde von keiner Seite vertreten. Ueber etwa zu ergreifende Maß- regeln zum Wohle der Arbeitnehmer wurde weitere Berathung vorbehalten.
— Zum Militär bevollmächtigten bei der fran- zösischen Botschaft dahier soll der Rittmeister Prinz Polignac designirt sein. Derselbe ist ungefähr 44 Jahre alt und das jüngste Kind des ehe— maligen Ministerpräsidenten und der Miß Parkpns.
— Prinz Arthur von Großbritannien und Prinz Ludwig von Hessen sind am 17. d. dahier einge— troffen und im kronprinzlichen Palais abgestiegen.
— Die Anfertigung von Broncegeschützen für die deulsche Artillerie ist, dem Vernehmen nach, bereits in dem Maße vorgeschritten, daß im Falle eintretender Mobilmachung die sämmtlichen Feld-, Reserve⸗ und Ersatzbatterien mit den bloncenen Hinterladungsgeschützen ausgerüstet werden können.
— Die von der Berliner Münze ausgeprägten ersten deutschen 20-Markstücke circuliren gegen— wärtig schon in größeren Mengen in dem haupt⸗ städtischen Verkehr. Leider soll die äußere Aus— stattung dieser Münzen eine derartige sein, daß die Berliner Münze mit denselben keine Ehre ein— legen kann. Ein Berliner Börsenblatt äußert sich über dieselben:„Wir sehen davon ab, daß die neuen Münzen sich nicht rühmen dürfen, ein wohl— getroffenes Bildniß des deutschen Kaisers zu bringen, denn die Kürze der der Münze gelassenen Zeit mag Vieles entschuldigen, obgleich auch schon hier die Behandlung des Kopf- und Barthaares über das entschuldbare Maß binauszugehen scheint, Aber wirklich bewundernswerth ist der Rand der neuen Münzen! So ungefähr denken wir uns das Aussehen einer Goldmünze, die ein Grob— schmied abgefellt. Die beiden letzten Buchstaben des Satzes„Gott mit uns“ sind nicht zu lesen“ u. s. w.
— In der letzten Woche sind, wie die„Elbf. Ztg.“ erfährt, in Berlin Agenten thätig gewesen, welche bochstehende Personen für die Errichtung einer neuen Spielbank interessiren wollten, die bestimmt ist, die Erbschaft der mit Ende dieses Jahres verschwindenden deutschen Spielbanken anzutreten. Als Ort für dieses Etablissement hätte man das beim Wiener Frieden vergessene Stückchen Erde zwischen Belgien und Preußen ausersehen, welches in seiner Herrenlosigkeit einem solchen Plane keine Hindernisse in den Weg zu jedech an allen Stellen eine ganz entschiedene Zurückweisung erfahren.
Breslau. Wie der„Germania“ geschrieben wird, hat der Fürstbischof von Breslau! Rachen
des Pfarrers T. zu S., welcher„wegen Wahl⸗ gagitation“ von der Regierung zu Oppeln des Localschulrevisorats, resp. der Ertheilung des Religionsunterrichts enthoben worden war, an letztere ein Schreiben gerichtet, in welchem er ausführt, daß der Pfarrer sich durch keinerlei Maßregeln abhalten lassen darf, seine Pflicht zur Ertheilung des Religionsunterrichts zu erfüllen.
Coblenz. Die Rathskammer des hiesigen k. Landgerichtes hat durch Beschluß vom 4. d. M. die Fortdauer der zu Mayen stattgebabten vor⸗ läöufigen Beschlagnahme einer im Verlage der Krüll'schen Buchhandlung zu Deggendorf er⸗ schienenen Broschüre:„Die Jesuitenfresser“, ver⸗ ordnet, weil in den darin enthaltenen Schmähungen gegen die Freimaurer unter ausdrücklicher Bezug⸗ nahme auf die zu denselben gehörenden„gekrönten Häupter“ der Thatbestand einer Beleidigung des Kaisers und Königs Wilhelm im Sinne des F. 95 des Strafgesetzbuches als vorhanden an⸗ genommen worden ist.
München. Der zum k. Schagmeister er⸗
nannte k. Münzmeister Dr. E. v. Schauß ist von einer Sendung nach Berlin dieser Tage hier⸗ her zurückgekehrt und hat zum Prägen der Reichs⸗ münzen ca. 100 Centner Gold üderbracht. Am 25. oder 26. d. M. wird in der biesigen Münze mit der Ausprägung begonnen werden und sollen monatlich etwa 200,000 Stück Zehn- und Zwanzig-Markstücke die Prägeanstalt verlassen.
Baden. In mehreren Städten des Landes ist der 17. Januar als Jahrestag der stegreichen Schlacht bei Belfort durch kirchliche und öffent⸗ liche Feier festlich begangen worden.
Ju Regensburg hat am 4. d. eine Ber⸗ sammlung von Alkkatholiken stattgefunden, welche von nabezu 3000 Theilnehmern beiderlei Geschlechts aus Stadt und Land besucht war. Als Redner traten auf Professor Huber, Dr. Zirngibl und Professor Reinkens. Der Kampf der Altkatholiken gegen die neu verkündeten Lehren innerbalb der katholischen Kirche gewinnt in Bapern immer mehr an Kraft und Ausdehnung.
Straßburg. Ueber die Beisteuer elsässtscher Frauen zur französischen Kriegsschuld erfährt die „Karlstr. Ztg.“ daß von Mülhausen 24,000 Fr., von Straßburg 16,500 Fr., von Hagenau 500 Fr. beigesteuert wurden, mit dem Versprechen, binnen kurzem wieder eine weitere Summe nachzuliefern.
— Ueber die hier herrschende Bauthätigkeit schreibt der„Niederrh. Kourier“:„Wenn man einen Gang durch die Stadt macht, erstaunt man in Wahrheit über die Raschheit, womit Straß burg verjüngt und verschönert, aus seinen Ruinen wieder ersteht. Die durch das Bombordement so arg mitgenommene Steinstraße verwandelt sich in eine herrliche Vorstadt; in der Weißentdurm⸗
Straße erheben sich prächtige Häuser an Stelle der früheren häßlichen Gebaͤulichkeiten; der


