Ausgabe 
19.11.1872
 
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den sechs noch nicht dotirten Provinzen 3 Mil- lionen jährlich und Millionen Wegegelder, welche seither der Staatskasse zugeflossen sind. Dem Präsidium gingen vom Finanzminister die Rechnungen pro 1868 und 1869, die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben pro 1871, sowie das Budget pro 1873 zu. Vom Abgeordneten Reichensperger ging ein Antrag wegen des Reli⸗ gions- Unterrichts am Braunsberger Gymnasium ein, vom Abgeordneten Mallinckrodt ein Antrag, betreffend die nach der Verfassung angeblich unzu⸗ lässige Ausschließung der Ordensgeistlichkeit vom Volksschulunterrichte. Gewählt wurden die Ge meinde, Agrar- und Unterrichtseommission.

Die Verhandlungen der Delegirten Preußens und Oesterreichs betreffs der socialen Frage huͤllen sich noch immer in geheimnißvolles Dunkel, Man erfährt nur, daß die legislatorischen Aufgaben ber beiden Staatenim großen Style discutirt würden und Detail⸗ Maßregeln bisber nicht be rührt worden sind.

Stralsund. Am 13. d. wüthete hier ein heftiger Sturm und die ganze Küste wurde von einer Ueberschwemmung heimgesucht. Am 14. be⸗ gann das Wasser zu fallen. Details über die Zahl der untergegangenen Schiffe und den ange⸗ richteten, jedenfalls bedeutenden Schaden fehlen noch.

Durch den stattgehabten Orkan und die Ueberschwemmungen gingen hier circa 80 Fahr⸗ zeuge verloren. Nachrichten von Zingst, Dars und Hiddensoe melden den Untergang fast aller Fischerfahrzeuge und schwere Beschädigungen von Gebäuden. Der Schaden ist sehr groß, die Noth augenblicklich sehr schwer, weil Obdach und in Folge der Ueberflutbung der Brunnen das Trink wasser mangelt. Menschenleben sind nicht zu be beklagen, aber große Viehherden umgekommen. Regierungs⸗ Dampfe mit Proviant und Hülfs mannschaften sind unterwegs. Auch aus Rügen werden Unglücksfälle gemeldet. In Venzwitz kamen 8 Personen um.

DieBaltische Zeitung meldet über die durch die Ueberschwemmung verursachten Ver heerungen aus guter Quelle folgendes Detail: Die Ortschaften Prerow, Ahrenshopp, Bor und Wieck auf der Halbinsel Dars haben furchtbar gelitten. Die Bevölkerung von Prerow scheint entschlossen zu sein, ganz auszuwandern. Der Küste entlang sind ganze Morgen Landes abge⸗ schwemmt, anderwärts sind neue angetrieben. In Neuendorff auf Hiddensoe sind von 57 Häusern nur 5 unversehrt. Die Einwohnerschaft ist muth⸗ los. Die ganze Düne von Göhren bis Thiessow ist fortgerissen. Ein ungeheurer Viehverlust wird von allen Seiten gemeldet. Der Gesammtverlust des Regierungsbezirks Stralsund zählt nach Millionen.

Pillau. Der russische SchoonerAlexander ist im Haff auf den Grund gerathen und schwer abzubringen. Ein Lichter des DampfersEssex ist im Elbinger Haff auf den Grund gerathen. Lichter und Ladung sind verloren. Der Dampfer Anglodane, welcher am 11. d. M. Kopenhagen verlassen hat, ist ausgeblieben. Man fürchtet, daß er untergegangen ist.

Eckernförde hat nach einem Telegramm der Hamb. Nachr. durch den Sturm ꝛc. stark ge⸗ litten. 60 70 Häuser sind teils von der Erde verschwunden, theils zerstört.

München. Gegen Frl. Spitzeder ist nunmehr die Untersuchung wegen Verbrechens des betrüge⸗ rischen Bankerotts eingeleitet.

Karlsruhe. Der auf der Reise nach der Schweiz begriffene Kronprinz des deutschen Reiches ist in Folge einer Erkältung genöthigt, das Zimmer zu hüten und die Weiterreise nach der Schweiz auf kurze Zeit zu verschieben. Das Unwohlsein ist übrigens unerheblich.

Aus Elsaß Lothringen. Unter den zahl⸗ reichen festen Plätzen, welche sich in den neuen Reichs landen bisher befanden, werden die Festungs⸗ werke von Schlettstadt, Marsal, Lichtenberg und Lützelstein gänzlich beseikigt werden. Auch die kleine Bergfeste Bitsch wird ihre Außenwerke ver⸗ lieren und in Zukunst nur noch ihr festes Schloß behalten.

Ausland. g

Oesterteich. Wien. DieNeue. Freie Presse hört, daß die Südbahn beabsichtige, neuer⸗ dings zu einer Emission von Prioritäten im Be⸗ trage von 30 Millionen Netto zu schreiten. Sie wolle den dreiprotentigen Zinsfuß festhalten, so daß nominell Obligationen für 60 Millionen emittirt werden müßten. Als Verwendung für den Ertrag des Anlehens wird die Consolidicung der schwebenden Schuld bezeichnet. Nebenbei soll

Theil des Ertrages zugewendet werden.

Innsbruck! Nachdem der Landlag für fünf erledigte Reichsrathssitze Neuwahlen vorgenommen, beantwortete der Statthalter die Interpellation wegen des Rectors der Universität dabin, daß das Vorgehen bei der, Rectorswahl gänzlich außerhalb der Landtagscompetenz sei, und fordert auf, dem Rector das Handgelöbniß abzunehmen. Der Land- tag beschloß, die Sitzung auf den 15. d. zu ver⸗ tagen, um über die Antwort der Regierung weitere Beschlüsse zu fassen. Nachdem die klerikalen Ab⸗ geordneten in einer Aküßerüng an den Landes- hauptmann erklärt hatten, an den weiteren Land- tagssigungen nicht mehr theilzunehmen, richtete der Statthalter an den Landre hauptmann ein Schreiben, des Inhalts, daß der tyroler Landtag wegen Ver⸗ weigerung der Pflichterfüllung und dadurch herbei⸗ geführter Beschlußunfähigkeit auf besonderen Auftrag des Kaisers geschlossen ist.

Schweiz. Der Bundesrath hat sich, auf Anregung der Regierung von Basel, bereit erklärt, zu gelegener Zeit auf einen Vertrag mit Deutsch⸗ land über den Gerichtsstand der gegenseitigen An⸗ gehörigen hinzuwirken. a

Frankteich. Die Nationalversammlung be schloß die Dringlichkeit für den Antrag Wolowski zu Gunsten der ausgewanderten Elsaß⸗Lothringer. Das Gesetz, betreffend die Geschworenen⸗Gerichte, wurde von der Linken bekämpft, weil es ractionär sei und das Princip des allgemeinen Stimmrechts angreife. Bousset war gegen den Entwurf, weil er unvereinbar sei mit der republikanischen Regie⸗ rungsform, welche für die Zukunft angenommen sei,(Unruhe rechts.) Redner erklärte, er wieber⸗ hole nur die in der Botschaft abgegebene Er⸗ klärung. Larombe vertheidigte den Gesetzentwurf.

DiePatrie theilt mit, daß auf Befehl des Ministers des Innern der dritte Band der in den Tuileriengefundenen Papiere beim Ver⸗ leger mit Beschlag belegt worden.

In der Nationalversammlung brachte Claude, Deputirter des Departements Vosges, den Antrag ein, daß die freie Einsuhr von Baumwollenge⸗ weben aus Elsaß Lothringen vom 31. Dezember ab auf sechs Monate verlängert werden möge. Die Versammlung beschloß die Dringlichkeit für den Antrag.

Dänemark. Der am Dienstag und Mitt- woch stattgehabte Orkan hat Ueberschwemmungen und Verwüstungen im ganzen Königreiche hervor gerufen. 24 Schiffe sind gescheitert. Die halbe Stadt Praestoe auf Seeland ist verwifstet. Roedby auf Laaland war zwölf Stunden hindurch drei Viertel Meilen im Umkreise unter Wasser gesetzt. Sämmtliche 17 Einwohner der in der Nähe von Falster belegenen Insel Bottve sind wahrscheinlich umgekommen.

Bad⸗Nauheim. Nach einer Bekanntmachung der Großherzoglichen Badedirection wird beabsichtigt, die Lei⸗ zung der an dem hiesigen Bade neu zu bildenden Kur⸗ kapelle für die Badesaison 1873, 1874 und 1875 auf dem Wege der Concurrenz zu vergeben. Bewerbungen können unter Anlage von Zeugnissen über die ersorderliche Quali⸗ fication bis zum 1. k. M. bei Großh. Badedirection ein gereicht, die näheren Bedingungen aber jederzeit daselbst eine usehen werden.

Aus Oberhessen. Auf den vom 28. Oct. bis 2. Nov. abgehaltenen Großh. Jagden um Alsfeld, denen die Prinzen des Großh. Hauses beiwohnten, wurden motz ungünstigem, die Jagd sehr berintlächligendem Wetter 28 Rehvöcke, 10 Rehgeißen, 143 Hasen, 8 Schnepfen, 72 Füchse, 2 Dachse und 1 Wilokjtze erlegt.

Bad⸗Homburg. Wie dieMzr. Zgt. hört, sind alle Anstalten getroffen, baß auch nach Schließung des Hazard-Spieles unser schönes Bad seine Weltstellung be⸗ baupte. Es ist wenigstens Alles eingeleuet, um die Fremden zuch ferner zu fesseln. Das Kur, Orchester ist neu engagirt und wird unter einem tüchtigen Dirigenten das ganze

Iibr spielen, eine treffliche Theatlergesellschaft

auch der Vervollständigung der Betriebsmittel ein.

soll dauernd gewonnen werden und sowohl im Winter alt im Sommer Vorsiellungen in unserem prachtvollen Theater geben, die Lesesäle, sowie die Salons für Unterhaltungen

bleiben offen und werden Abends erleuchtet sein. Wenn auch die öffentlichen Glücksspiele aufhören, so werben doch Veranstaltungen getroffen, daß in den Salons Commerz spiele aller Akt, wie in den französischen und österreichischen Bädern gespielt werden können, kurz Homburg wird seinen alsen Ruf zu behaupten und seine zahlreichen Be⸗ sucher dauernd zu erhalten suchen. l

Darmstadt. Se. Königl. Hoheit der Großherzog hat der Ludwig⸗ und Alicen⸗Stiflung ein Geschenk von 100 Gulden überwiesen. N

Darmstadt. Der von dem Schwurgericht der Pro⸗ vinz Oberhessen wegen Tödtung im Duell zu Jahren Festungshaft verurtheilte stud. med. Fayelt aus San Gabriel in Südamerika wird, da für zür Festungshaft verurtheilte Civilisten im Großherzogthum nach Aufhebung von Babenhausen kein Internirungsort mehr besteht, seine Strafe im hiesigen Provinzialarresthause antreten. Dem Inhaflinsen werden sämmiliche Freiheiten, welche den Civil⸗ ae in preußischen Festungen zustehen, auch hier estatt t.* 0 11 A7 gage een Ein Bewohner Nackenbeims, der mit seiner Familie nach Nierstein ziehen wollie, lud seine ganze Habseligkeit in einen Nachen, setzte Frau und Kinder dazu und segelte ab. Unterwegs erhob sich ein fürchterlicher Sturmwind, wärf den Nachen um und brachte so die Insassen in höchste Lebensgefahr. Doch ge⸗ lang es die Habseligkeiten so ziemlich wieder zu bergen. Auch sämmtliche mitfahtende Personen wurden von dieser Gefäht) gerettet., 7 1 eaun

Coblenz. In der Nähe der zwischen. Bonn und Köln gelegenen Station Sech tem fand ein Zusammenstoß zweier Güterzüge statt. Personen sind, wie wir erfahren, dabei nicht verletzt worden. Eine Hemmung der Passage ist jedoch insofern, eingetreten, als die Passagiere der zu Berg kommenden Zsige an, der Stelle des Zufammen⸗ stoßes auch heuse ftüb noch einen anderen zur Weiterbe⸗ beförderung bestimmten Zug besteigen mußten.

Berlin. Berlin ist nach dortigen Blättern ein Raubanfall ver⸗ übt worden, der den Ehrgeiz der freien Räuber Italiens wecken könnte. Der Inspector der Gratweil'schen Actien⸗ brauerei, Namens Born, begab sich am Donnerstag Abend zu Wagen, den er selbst führte, auf den Weg nach Köpe⸗ nick. In der Gegend des Cafe Essig(eines im Sommer stark frequentirten Ruhepunktes don Land⸗ und Wasser⸗ parthie Gesellschaften) sah er plötzlich drei Strolche aus einem Busch hervorspringen; während zwei derselben den Pferden in die Zügel fielen und sie zum Stillstehen zwangen, schwang sich der Drüte auf den Wagen und versetzete dem Inspeclor mit einem Messer fünf, aber da sie durch seine unter dem Mantel getragene Tasche abge⸗ schwächt wurden, glücklicherweise nicht lebensgefährliche Stiche. Der Ueberfallene raffte seine ganze Kraft zusam⸗ men, und mit großer Geistesgegenwart sein starkes Messer ergreifend, stieß er dasselbe mit gewaltigem Schwunge so tief in das Genick des Räubers, daß dieser mit dem lauten SchreiHerr Jesus vom Wagen herab zur Exde sank. Nunmehr, aus vielen Wunden blutend, trieb Herr Born die Pferde an und der Wagen rollte in vollem Trabe weiter. Die drei ihren Collegen in den Abruzzen alle Ehre machenden Strolche sind leider enikommen; die Criminalpolizei ist eifrig damit beschäftigt, sie aufzusuchen.

Berlin. Der Gastwirth Eduard Demmler in. Tümp⸗ ling bei Camburg a. S., Vater des am 5. Sep v in Frankreich ermordeten Soldaten Demmler vom 32. Inf. Regiment, hatte sich im Februar d. J. an das Reichs⸗ kanzleramt mit der Bitte gewandt, ihm für die Ermordung, seines Sohnes eine Entschädigung von der französischen Regierung zu erwirken. Unter dem 3. d. ist ihm mittelst Schreibens des auswärtigen Amtes mitgetheilt worden, daß sich letztere zur Zahlung von 15,000 Francs ver⸗ standen habe, und ist ihm dieser Betrag gleichzeitig über⸗ sandt worden.

Literarisches.

Der 62. Jahrgang(1873) von Leske's Schreib⸗ u. Geschäftskalender zeichnet sich vor allen bisherigen durch seinen besonders reichen Inhalt ans. Vorzugsweise verdienen aus demselben die plactischen Rebuclions⸗Tabel⸗ len ber Maße, Gewichte und verschiedenen Geldwährungen, ferner die vielen gemeinnüßigen, im Leben wohl zu ver⸗ werthenden, geschäftlichen Miltheilungen und enblich die

sschen Nolizen hervorgehoben

aus bester Quelle geschöpften, höchst interessanten slatisti⸗ zu werden. Alles dies empfiehl! den Kalender jedem Beamten, jedem Ge⸗ schäftsmanne, jeder Familie. Er dürfte diesen in vielen Fällen ein treuer Ralhgeber und Helfer sein. Sein handliches Format, klein Octav, das die Benutzung als Taschenkalender zuläßt, sowie der billige Preis von 42 Kreuzern, zu spelchem er durch die Buchhandlung von Binder nagel& Schimpff in Friedberg zu beziehen ist, dürften ihm ebenfalls zur Empfehlung dienen.

D., Frankfurt a. M., 16. Nov.(Börsenwoche vom 9.15. November). Die Börse zeigte in der abge⸗ laufenen Woche ein doppeltes Gesicht, die Zeit vor und nach der Liquidalion. Vor derselben tra der Kampf

zwischen dem Geld- und Couxestand in recht ausgesprochener Weise zu Tage, da die Liebhaberei die gewonnenen Posi⸗ tionen nicht aufgeben wollle, andererseits aber durch die Vorbereitungen zur Medio Liquidation, welche sich bei der herrschenden Geleknapphett sehr schwierig gestaltete, arg ins Gedränge gerieih und gewahr werden mußte, daß der

Preis zu den gezahllen Opfern nicht ganz im Verhältniß

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