Ausgabe 
18.6.1872
 
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Reichstags beschloß, nachfolgenden Gesetzentwurf zu beantragen: 1) Den Jesuitenorden und ihm verwandte Congregationen sind in Deutschland verboten. Die Einrichtung von Niederlassungen ist ihnen untersagt und die bestehenden werden binnen 6 Monaten aufgelöst. 2) Ausländische Mitglieder des Jesuitenordens sind auszuweisen, inländischen ist der Ausenthalt in bestimmten Ge⸗ bieten zu versagen, oder es sind dieselben zu inter niren. 3) Die Anordnungen zur Ausführung des Gesetzes erläßt der Bundesrath; zur Ausführung dieser Maßregeln sind die höheren Polizeibehörden berufen; der Beschwerdeweg an den Bundesrath hat keine aufschiebende Wirkung.

DieNorddeutsche Allgem. Ztg. schreibt: Nachdem der Bischof von Ermland das Schreiben des Cultusministers, 21. Mai, betreffend die Ex · tommunitations- Angelegenheit bisher nicht beant⸗ wortete, ist derselbe unterm 11. Juni erneut zur Erklärung darüber aufgefordert worden, mit dem Bemerken, daß, falls dies nicht binnen einer Woche geschehe, das Staatsministerium die an den Bischof gestellte Forderung als abgelehnt erachten und demgemäß verfahren werde.

München. Die Ernennung der infallibi⸗ listischen Professoren für die theologische Facultät ist laut Entschließung des Könige am 14. d. erfolgt.

Bremen. Der österreichische Dampfer,Ad⸗

miral Tegetthoff bat am 13. d. die Norppolfahrt angetreten. Am 12. d. fand in Geestemünde ein Abschiedsbanket statt, welchem Graf Zichy und Dr. Petermann beiwohnten.

Ausland.

Oesterreich. Wien. DieNeue freie Presse sagt: Der Besuch des Kaisers von Oester⸗ reich in Berlin, zwischen den 2. und 10. Sept. fallend, repräsentirt sich äußerlich als Gegenbesuch für den Ischler und Salzburger Besuch des Kaisers Wilhelm. Allein über seire hohe politische Be⸗ deutung herrscht nicht der mindeste Zweifel. Die Reise des Kaisers wird eine ihrer Bedeutung ent⸗ sprechende Form tragen. Die Begleitung des Kaisers durch den Grafen Andrassy ist selbstver⸗ ständlich, durch ein anderes Mitglied des taiser⸗ 9 Hauses wahrscheinlich. DiePresse erfährt,

der Kaiser 8 Tage Gast des Berliner Hofes sein werde.

Der Reichsrath nahm in seiner Sitzung am 15. Juni die Erhöhung der Dotation des Hosstaats um eine Million Gulden an. Schweiz. Genf. Die erste Sitzung des Schietsgerichts wurde am 15. d. Mittags eröffnet und um 1 ½ Uhr geschlossen. Die nächste Sitzung ndet Montag 2 Uhr statt. Sämmtliche Bevoll mächtigte waren zugegen. lungen wird absolutes Geheimniß bewahrt. 4 Frankreich. Paris. Die Verhandlungen über die Befreiung des Landesgebiets(schreibt der Siecle) haben, wie es scheint, eine Unterbrechung erfahren; aber sie sind durchaus nicht fallen ge⸗ lassen. Eine von dem Finanzminister redigirte und von Herrn Thiers genehmigte Denkschrift, welche die Anerbieten der französischen Regierung darlegie, war dem Grafen Arnim überreicht worden. Wenn wir gut berichtet sind, so pioponinte diese

Denkschrist die sofortige Zahlung einer Milliarde (mit Hülse einer Anleihe) und die Emission von

zwei Milliarden in Papitren, die mit der Garantie

von Pariser, Londoner und Newporker Bankiers

versehen sein sollten. Hiergegen sollte sich Deutsch⸗ land verpflichten, vier Departements sofort und die beiden letzten nach Zahlung des ersten Wechsels (oon wieviel, wird nicht gesagt), d. i, bei Be⸗ ginn des Winters, zu räumen. Die französische Regierung bestand namentlich auf der Räumung

von Belfort, welches die Deutschen, nach den

Vorkehrungen, die sie in dieser Festung treffen, bis zum litzten Tage behalten zu wollen scheinen.

Dicse Denkschrift ist schon vor mehreren Wochen

dem Herrn v. Bismarck übermittelt worden, aber noch ist keine Antwort aus Varzin eingetroffen, oder wenigstens ist eine solche bisher noch nicht in Versallles überreicht worden.

Wie dieAgence Havas meldet, hat Preußen Unterhandlungen auf der Basis der Räu

mung nach Zahlung eines Theiles und gegen Garantien für den Rest der Kriegs⸗Entschädigung im Principe acceptirt. Es wird versichert, Thiers gehe am 15. d. M. nach Paris, um mit Graf v. Arnim zu consexiren.

Spanien. Madrid. Das amtliche Blatt berichtet über den Aufstand: Die Carlisten haben einen Bogen des Eisenbahn⸗Viaductes von Miranda nach Bilbao zerstört. Eine Bande von 50 Be⸗ rittenen hat sich in der Provinz Albaceta gezeigt. Die Gendarmerie der Provinz Ciudad-Real hat eine Carlistenbande zersprengt, die 4 Todte, 11 Ver⸗ wundete urd drei Gefangene zurückließ. In Gerona ist die Ruhe vollständig wieder hergestellt. Die Banden von Estartus und Tristany haben den Versuch gemacht, in Olot einzudringen, wurden aber von den Truppen mit großem Verluste zurück⸗ geschlagen. Bei Irurzun wurde die Eisenbahn zerstört. In der Provinz Guipuzeda dauern die Unterwerfungen fort.

Eine Privatdepesche aus Madrid meldet die Neubildung des spanischen Ministeriums fol⸗ gendermaßen: Präsidentschaft und Inneres: Zor⸗ villa, Krieg: Cordoba, Marine: Beranger, Finanzen: Ruiz Gomez, Justiz: Nonteros Nios, öffentliche Arbeiten: Becerra, Colonien; Mosquera und Auswärtiges: Martos.

Darmstadt. Am 12. d. wurde bei Zell i. O. ein gewisset Job. Ad. Über von Erbach, der 1870 aus Frank⸗ teich ausgewiesen wurde, wegen Betheiligung an den unlängst im Mümlingtbal verübten Verbrechen verhaftet. Derselde leugnet zwar jede Milthäterschaft an jenen, seiner Angabe nach von zwei Elsässern begangenen Verbrechen, er will jene nur durch Zutragen von Lebensmittel unter⸗ stützt haben. Das Weitere wird die Untersuchung ergeben

Liter ari sches. Victoria, illustrirte Muster⸗ und Mode⸗

und Modezeitungen, mit welchen unsere Damenwelt so reichlich versorgt wird, ist es Pflicht, immer wieder auf diejenigen Journale aufmerlsam zu machen welche das ernte Streden haben, Geschmack und Schönhbeitssinn so⸗ wohl in der Toilette als der weiblichen Arbeit zu sördern. Zu diesen können wir nicht umhin, dieVictoria zu rechnen, ein Blatt, welches sich noch außerdem durch gute belletristische Aufsätze, Novellen u. s. w., sowie durch den sehr billigen Preis(fl. 1. 21 kr. pro Quartal) empfiehlt.

Anfruf.

Schon im December vorigen Jahres haben wir uns erlaubt, einen Appell an die Opferwillig⸗ keit unserer Glaubensgenossen und aller edel denken

deren Unterstützung die Erbauung eines Gottes- hauses für die hiesige evangelische Gemeinde aus- führen zu können. Wider Erwarten haben wir

Ueber die Verhand- bisher leider nur bei verhälknißmäßig Wenigen

ein offenes Herz und eine offene Hand gefunden. Wit wiederholen deshalb nochmals auf's Dringendste unstre Bitte um Unterstützung und richten dieselbe namentlich an unsere Glaubensgenossen, die in überwiegend protestantischen Gegenden leben. Laßt das kleine Häuflein Glaubensgenossen im äußersten Osten Deutschlands, an den Grenzen Galiziens und Rußlands, laßt unsere junge kleine Gemeinde, deren Mitgliederzahl sich den Andersgläubigen gegenüber wie 1 zu 25 verhält, nicht untergehen, gönnt unseren Gegnern, die mit Recht die Realissrung unseres Projects fürchten, nicht den Triumph, daß das große protestantische Deutsch⸗ land kein Herz hatte für seine in der Diaspora lebenden Brüder, duß das begonnene schwierige Werk scheitern mußte an dem Indifferentismus unserer eigenen Glaubensgenossen! Jede, auch die kleinste Gabe ist willkommen und bitten wir ev. Beiträge entweder gütigst direct an uns oder an die Expedition dieses Blattes einzusenden, welche sich zur Entgegennahme von Beiträgen bereit er⸗ klärt hat g

Myslowitz den 20. Mai 1872.

Evangelische Kirchbau-Commission: Kotze, Knaut, Nix dorff, Bürger meister, Maurermeister, Kreisrichter. Vorsitzender. Kassirer. Schul z, Haberkern, Düring, Apotheker. Gasanstalieinspecltor. Grubenrepräsentant. Werner, Perschke, Bartelmuß,

zeitung Betlin, van Muyden. Unter den Muster⸗

den Freunde des Edangeliums zu richten, um mit

Erklärung.

Von verschiedenen Seiten werben wir darüber inker⸗ pellirt, warum wir einem Artikel über das neulich abge⸗ baltene Concert der Kapelle Schellhaas die Aufnahme verweigert hätten; wir erklären bierdurch, daß uns ein derartiger Artikel gar nicht zur Aufnahme zugesandt wurde, wir also auch nicht in der Lage waren, denselben zurückzuweisen, was übrigens auch auf keinen Fall geschehen sein würde. Die Red.

Der Wetterauer Zweigverein der Gustav-Adolf-Stistung beabsichtigt Sonntag den 23. Juni, Nachmittags zwei Ubr, in der Kirche zu Assenheim sein Jahresfest zu feiern. Alle Glieder unseres Ver⸗ eins werden zu diesem Feste freundlichst eingeladen. Herr Professor Weiffenbach von Gießen wird die Festpredigt halten. Der Vorstand.

D. Frankfurt a. M., 15. Juni.(Börsenwoche vom 10. 15. Jun.) Die Tendenz der Börse während

auch durch die zwei israelitischen Feiertage, das Geschäft in seiner Ausdehnung etwas gehemmt wurde, so herrschie doch Kauflust vor und selbst sonst votsichtige Capitalisten griffen thätig mit ein, namentlich gestern Freitag. Credit⸗ aclien, für welche allenthalben wieder sehr gute Meinung herrscht, sind gegen Schluß der Vorwoche um 8 fl., Staatsbahn um 7 fl.(trotz der Mindereinnahme von 175,000 fl.), Lombarden dagegen nur um 1 fl. gestiegen. Oesterreich. Bahnen weisen einen sebr animirten Verkehr auf, und erhöhten in erster Linie Galizier, dann Elisabeth (alte und junge) und Nordwest, Franz⸗Joseph und Dniester wre Course. Alte bayr, Ost eine Kleinigkeit besser, ebenso Oberhessen 1%. Hessische Ludwigsbahn dagegen 10% billiger. Prioritäten beliebt und im Preise anziehend. Banken zeigten wenig mehr Leben als seither. Nur Darmstädter und Meininger besserten sich, sowie Deutsche Vereinsbank und Frankf. Bankverein. Nächsten Minuwoch gelangen auf diesem Gebiete die Actien derDeutschen Effecten und Wechselbank(ehemalige Firma L. A. Hahn) zur Einführung, denen ein brillanter Erfolg schon jetzt gesichert ist. Pfandbriese wenig verändert. Süddenische Slaats⸗ papiere sehr fest bei mangelndem Material; österreich. Renten lebhaft und preishaltend. Von amerikanischen Staaten⸗ bonds gewannen jene per 1904 während dieser Woche eine kleine Avance und von den Prioritäten gingen California⸗Oregon, Central⸗Pacific und Peninsular⸗Michi⸗ gan ca. 1% höher. Loose ziemlich unverändert, mit Aus⸗ nahme der österreich. 1854r., welche ca. 2% gewannen. Napolseons gesucht und höher. Wechsel nicht viel verändert.

Von Frankfurt a. M.

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Rudolf Mosse,

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