Ausgabe 
17.12.1872
 
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nimum derReform wird in sonst unterrichteten Kreisen die Zurücknahme der Verordnung vom Jahre 1854 bezeichnet und die strikte Ausführung der Verfassungsbestimmung, der zufolge sämmtliche Mitglieder des Hauses ernannt werden sollen. Demnach würde das von König Friedrich Wil⸗ helm IV. den Grafenverbänden und den Verbänden des alten und befestigten Grundbesitzes gewährte Recht der Präsentation in Zukunft ganz wegfallen.

Nach einer Meldung derD. A. Ztg. hat Fürst Bismarck schon mehrmals seinen Wunsch kundgegeben, von den Geschäften des Vorsitzenden im preußischen Staatsministerium entbunden zu werden.Man glaubt, daß nach seiner Rückkunft von Varzin diesem Gedanken näher getreten werden wird, und es dürften sich dann wohl einige Um gestaltungen im preußischen Staatsministerium voll. ziehen. Man darf gespannt sein, wem das Amt eines Directors der künftigenFiliale für mittlere und niedere Politik zufallen wird.

Nach oberflächlicher Berechnung läßt, der Wes. Zig. zufolge, sich der Schaden, den die Sturmfluth an der Ostseeküste verursacht hat, auf rund zwei Millionen Thaler angeben.

Nach den Berichten der Einwanderungs Commissäre erreichte die deutsche Einwanderung allein im Hafen von Newyork in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres die Höhe von 110,888 Personen und übertraf die derselben Periode des vergangenen Jahres um 41,329 Personen.

Der Entwurf eines Reichs⸗Münz⸗Gesetzes ist jetzt im Reichskanzleramt vollendet und dem Staatsministerium zur gutachtlichen Aeußerung mitgetheilt worden. Derselbe enthält dem Ver⸗ nebmen nach keinerlei Bestimmungen über das Staats-Papiergeld, sondern beschäftigt sich ledig lich mit den Reichs- Silbermünzen und Scheide münzen.

Ausland.

Schweiz. Dreiundsechzig Nationalräthe stellen den Antrag, der Bundes rath solle in der nächsten Juli-Session einen Bericht und Antrag, betreffend die Wiederaufnahme der Bundesrevision, vorlegen. Die liberalen katholischen Nationaltäthe stellen den Antrag, der Bundesrath solle die gegen die Ueber griffe der römischen Curie zu ergreifenden Maß regeln und die Frage der ferneren Nichtanerkennung des päpstlichen Nuntius prüfen und bezügliche Anträge vorlegen.

Frankreich. Unterrichteterseite wird be stätigt, daß Thiers erst am 16. d. M. in der Dreißiger-Commission erscheinen wird. Wie man versichert, wird die Rechte eine Tagesordnung be antragen, welche der radikalen Linken die ganze Verantwortlichkeit für die gegenwärtigen Agitationen zuschiebt, daran erinnert, daß die Wahlen vom 8. Februar den Frieden mit dem Ausland und die Reorganisation des Landes bedeuteten, und erklärt, daß die Nationalversammlung diese Auf⸗ gabe vollenden müsse und nicht vor der voll⸗ ständigen Räumung des französischen Gebiets aus- einandergehen werde.

In der Dreißiger Commisston berichtete Barthe über einen neuen Verfassungs- Antrag, welcher bezweckt: Verlängerung der Vollmacht Thiers, Ernennung einer Vitcepräsidentschaft unter Grevy, theilweise Erneuerung der Nationalver sammlung bis zum 15. Februnr.

Das linke Centrum beabsichtigt, eine Tages ordnung zu beantragen, welche die Trennung von den Raditalen betont und ausspricht, daß die Auflösung der Versammlung unzweckmäßig und Beantragung derselben der Regierung zu über lassen sei, wenn diese den Zeitpunkt für gekommen erachte. Die Linke ist ebenfalls weniger geneigt, für die Auflösung einzutreten, wenn das linke Centrum die in der Botschaft des Präsidenten dargelegte Politik aufrechterhält.

Die vomJournal de Meurthe in die Pariser Journale übergegangene Nachricht, daß General v. Manteuffel in Kürze mit einer Misston der deutschen Regierung sich nach Versailles be geben werde, entbehrt jeder Begründung.

Versailles, 14. Dezember, Abends 7 Uhr 40 Min. Nationalversammlung. Nach der Ver-

lesung der Berichte über die die Auflösung sordern⸗ den Petitlonen und nachdem Gambekta, Audiffret Pasquier und Louis Blanc gesprochen hatten, wurde die Sitzung bis 9 Uhr Abends vertagt. In der Nachtsttzung sprachen Raoul Duval, Leroyer und der Justizminister Dufaure, dessen Rede von der Rechten mit lebhaften Beifallsbe⸗ zeigungen begleitet wurde und in allen Gemeinden Frankreichs durch Anschlag bekannt gemacht werden soll. Nachdem sich Lambert de Sainte-Croix (vom rechten Centrum) mit der einfachen Tages ordnung einverstanden erklärt hatte, wurde dieselbe mit 490 gegen 201 Stimmen angenommen.

Spanien. In den Vorstädten von Madrid fanden am 11. d. M. Ruhestörungen statt. Drei Militärkolonnen durchzogen die Stadt. Eine der selben stieß auf Unruhestifter, wobei es zu einem Kampfe kam, in welchem auf beiden Seiten ge- schossen wurde. Die Aufrührer wurden zerstreut und ließen mehrere Verwundete zurück. In der Cortes stellte der Minister des Aeußern Marioz die Bewegung als unbedeutend dar. Es seien an derselben solche Leute beth iligt, welche an Unruhen unmittelbar vor der Auflegung der An- leihe ein Interesse hätten.

Großbritannien. London. Den Morgen- blättern wird aus Madrid telegraphirt, daß der dort stattgefundene Aufstandsversuch mühelos unter drückt worden ist. Die Zahl der Todten und Verwundeten beziffere sich auf 20. Der Aufstand werde den Republikanern zugeschrieben.

Einem Pariser Telegramm derTimes zufolge, wäre die Zahlung der dritten Milliarde der französischen Kriegs Entschädigung bis zum 11. December complet erfolgt. Die vierte Mil⸗ liarde würde bis Mai oder Juni 1873 gezablt und Frankreich dann in der Lage sein, weitere Unterhandlungen in Betreff finanzieller Bürgschaften für din fünfte Milliarde anzrknüpfen.

Gießen. Wie verlautet, hal der Verwaltungsrath der Oberhessischen Eisenbahn eine Erweiterung des hiesigen Bahnhofs beschlossen, da dieselbe durch den gesteigerten Verkehr zum Bedürfnisse geworden ist.

Frankfurt. Für die Nolhleidenden an der O stsee⸗ k ü ste sind bis jetzt hier ca. 12000 fl. einge gangen.

In Königstein(Taunus) ist in der Nacht vom 12. auf den 13. o. kurz vor 3 Uhr ein starker Erdstoß, begleitet von einem dumpfen Getöse, beobachtet worden. Aus dem Hannover'schen werden Erderschütterungen vom 6. 7. und 8. d. gemeldet. In einem der heimgesuchten Orte, Lathe, war der Stoß so stark, daß die sämmtlichen Gebäude in ihren Grundvesten erschüttert wurden, auch nicht ein einziges Gebäude ausgenommen. Unmittelbar nach dem Schlage befanden sämmtliche Einwohner des Orts, im höchsten Grade überras v, sich auf den Straßen und öffentlichen Plätzen. Mütter hatten in der größten Bestürzung ihre Säuglinge aus ber Wiege gerissen und waren auf die Straße entflohen ꝛc.

Darmstadt. Das Cassationsgesuch der wegen Er⸗ mordung ihres ehelichen Kindes zum Tode verurtheilten Ehefrau des F. Reininger von Schneppenhausen wurde zwar verworfen, doch wird auch hier die Begnadigung Platz greifen. 5

Mainz. Laut telegraphischer Mittheilung aus Brünn wurde am 13. December das von Hänlein aus Mainz erbaute Lustschiff im Freien probirt und haben sich die Probefahrten glänzend dewährt. Hänlein fuhr, begleitet von Freunden um die Stadt herum und zeigte, daß sein Project, einen lenkbaren Ballon herzustellen vollsländig geglückt ist.

Köln. Das Kölner Carnevalsest begeht im kommen⸗ den Carneval das Fest seines 50jährigen närrischen Be, stehens in großartiger Weise. Wie verlautet, hat sich in Berlin eine Gesellschaft gebildet, die beschlossen hat, in corpore nach Köln zu reisen und das selisame Jubiläum mu verherrlichen zu helfen. Es sind hierzu bereus 1000 Thaler gezeichnet.

Köln. In voriger Woche gelangte auf dem von hier nach Berlin abgelassenen Schnellzug zum ersten Male Gasbeleuchtung zur Anwendung. Es wurde nämlich ein Wagen erster Classe mit Gas beleuchtet und, wie es heißt, hat sich diese Art Beleuchtung bestens bewährt.

Basel. Verwichenen Sonntag Abend wurde hierselbst ein Postbegleiter von Frankfurt verhaftet, weil er in stark angeheitertem Zustande auf der Rheinbrücke Streit provocirte, den Säbel zog und sich schlüͤßlich in Wider setzlichkeiten gegen die einschreitende Polizei erging. Fünf Tage Gefängniß waren das Resultat dieses Sonntags⸗ räuschchens.

Aus Pest wird gemeldet: Die Kosten der vom Hof veranstalleten Fuchs jagden, die in der Umgegend unserer Stadt staufinden, belaufen sich bisher auf 140,000 fl. Das bisherige Resultat war ein einziger Fuchs dessen Schweif dem Erzherzog Wilhelm zugesprochen wurde. Es dürfte wohl der theuenste Fuchsschwanz in der Welt sein. (Ein rechter Fuchsschwanz weiß sich z immer bezahlt zu machen!)

* In Amerika ist neulich gegen saumselige Zahler

ein originelles Mittel erfunden worden. In ber Sladt Philadelphia lebt und wirkt nämlich ein Mann, der einen hohen Hut trägt, mit der weithin sichlbaren In⸗ schrift:Schlechte Ausstände collectirt. Der Mann empfängt die Rechnungen und beglbt sich in moͤglichst auffallender Weise nach der Wohnung des schlechten Zahlets. Bekommt er das Geld nicht gleich, so postirt er sich eben o auffallend vor das Haus und um den unangenehmen Gesellen los zu werden, erfolgt gewöhnlich die Zahlung. Der Collector nimmt für seine Mühe die Hälfte des

Ertrages in Auspruch, wobei seine Auftraggeber immer

noch gute Geschäfte machen, da sie selbst höchst wa ein⸗ lich in vielen Fällen gar Nichts bekommen A

D. Frankfurt a. M., 14. Dec.(Börsenwoche vom 7. 14. Dec.) Die Grundstimmung der Börse, welcht mehr als je jetzt an den Folgen der Ueberspeculation leidet, war im Großen und Ganzen eine matte und nur einzelne Momente, wie z. B. der günslige Ausweis der Preußischen, Frankfurter und Englischen Bank und die Herabsetzung des Bankdisconto's in London waren es, diz zeitweise den abbröckelnden Coursen einen festeren Halt voten. In Betreff der Medioliquidation war der Zinsfuß für Prolongationen nicht viel niedriger 7- 80%, als bei der letzten Liquidation. Für die Hauptspeculationseffecten traten hauptsächlich für Lombarden und Staatsbahn ein⸗ zelne besonders verflauende Umstände ein. Lombarden, welche mit 213½ die Woche eröffneten und 209 schlossen, litten unter der von der Deutschen Zeitung gebrachten Nachricht einer nur 3% Dividende per 1872, für welche in Folge der ungünstigen Einnahmen der Reservefond in Anspruch genommen werden müsse. Staatsbahn wichen, als statt eines Einnahme-Plus, wie man erwartete, ein Minus von ca. fl. 44,000. gemeldet wurde. Am letzten Samstag 364, notirten sie heute nach mehreren Schwan⸗ kungen 362. Creditactien eröffneten die Woche zu 365, um heute mit einer Einbuße von ca. fl. zu 360¾ zu bleiben. Ende der Vorwoche ging das Gerücht, daß sie von Wien in Escomptirung der Emission der Actien der Nikolsburger Eisenwerke momentan getrieben würden. Das Geschäsft in Oesterr. Babnen und Prioritäten war ziemlich still und Course meistens nachgebend. Von Bahnen Böbm. Westbahn 2, Elisabeth 2, Galizier, Franz Joseph 1 fl. niedriger. Von Prioritäten Ungar. Ostbahn 18/6, Ungar. Galizische 1 fl. matter, Ungar. Nordost eher fest. Antwerpener am Samstag 118 fanken am Montag wegen der Brüsseler Affaire auf 113½ herab, boben sich jedoch wieder bis ca. 117. Brüsseler am Samstag 120½, wichen auf 117 um heute mit geringer Avance 1178 zu schließen. Berliner Bankverein verloren seit der Vorwoche 1%, Mitteldeutsche Creditbank 35/, Würtemb. Vereinsbank 1 ½, Continental, Bankverein , Oesterreich. Deutsche 2, Bauban., Wechslerbank, Provinzial-Disconto(am Montag 179) und Schles. Vereinsbank 1%. Rheinische Creditbank, Vereinsbank, Deutsche Effectenbank, Darmstädter ziemlich behauptet. Von den neuen Emissionen gingen Hamburger Bankverein unter ihren Einführungscours(120) zurück, während Dresdener Bankactien sich zu 110½ ziemlich fest hielten. Oesterr. Staatsfonds preishaltend. Von Deutschen Bahnen Bayr. Ostbahn ¼, Oberhessen, Pjälz. Maxbahn 3/4 fl. matter.

Marklberichte.

Grünberg, 14. Dezember. Die Preise auf unserem beutigen Fruchtmarkie betragen: Waizen(100 Kilo) 14 fl. 25 kt.; Korn(90 K.) 8 fl. 40 kr.; Gerste(80 K.) 7 fl. 43 kr.; Hafer(60 K.) 4 fl. 27 kr.; Molter(90 K.) 8 fl. 15 ke.; Erbsen(110 K.) 10 fl. 13 kr.; Linsen (400 K.) 8 fl. kr.; Saamen(90 K.) 16 fl. kr.; Kartoffeln(100 K.) fl. kr.

Mainz, 13. Dez. Am heutigen Markte war auch wenig Geschäft. Zu notiren ist: Waizen effectiv 14¾ bis 15 fl., per März 14⅝ 15 fl., Korn effectiv 10 bis 10 ¼ fl., per März 1016 fl., Gerste, Pfälzer, 10½ bis 102.3 fl., Franken 11-11 ½ fl., Hafer effectiv bit fl., per März 4˙8 1712 fl. Rüböl fest, effecliv 22% fl. ohne Faß, auf Termin war ziemlich Frage, der Umsatz darin aber klein, da Preise gegen Auswärts zu boch sind, per Mai 23½ fl., per Ocl. 23¼5/ fl. mit Faß. Leinöl 23½97/ fl., Mohnöl 36 fl., Kohlsamen 20 fl. Hülsen früchte verkehrten schwach zu beinahe unver⸗ änderten Preisen, ebenso Kleesamen. Repskuchen 8590 fl.

Sturmslulh-Beschadigten

sind ferner folgende Gaben eingegangen:

Bei Dr. E. Schmid: Von den Schülern der V. Classe der Realschule 4 fl. 9 kr.

Bei Th. Tecklenburg in Nauheim: Von einer Schülerin des Münch'schen Instituts 30 kr., Polizeirath Gleim 1 fl. Weiter noch von Frau Günther, Frau Hövelt, Frau Geh. Medicinalrath Dr. Bode, Frau Polizei⸗ raih Gleim und Fel. Zanders verschiedene Kleidungsstücke.

Bei der Expedition dieses Blattes: C. M. Schudt in Dorheim 1 fl. 45 kr., Carl Fritz 1 fl., Ferd. Damm 1 fl., Landrichter Reitz 2 fl., einige Schülerinnen der oberen Klasse der Musterschule 1 fl. 45 kr., Brieflräger Schneider 30 kr., Slifterechner Heidi 1 fl., F. W. R. I fl., F. R. 30 kr., P. Billau 1 fl., Renlamtmann Lindeck 2 fl., Ungenannt 30 kr.

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