Ausgabe 
16.11.1872
 
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Königin haben am Tage ihrer goldenen Hochzeit beschlossen, zu Gunsten hülfsbedürftiger und wür⸗ diger Ehepaare, welche 50 Jahre ehelich verbunden gewesen sind, eine Stifung zu errichten und ge meinschaftlich zu diesem Zwecke ein Kapital von 10,000 Thalern bei dem Hofzahlamte deponirt.

München. Gegen ein bisher dahier bestan denes, im Volksmunde unter dem NamenDachauer Bank bekanntes Bankgeschäft einer Frl. Adele Spitzeder, einst lebensfrohe Jüngerin Thaliens, jetzt gefeierte Betschwester, ist das Bezirksgericht auf Antrag vieler Gläubiger eingeschritten, nach- dem schon längere Zeit von Seite der Presse und besonnener Männer gewarnt worden war vor diesem Schwindelgeschäft, das sich in kurzer Frist von einer Pfandleihanstalt zu einerBank oder viel mehr Spar⸗ und Leibkasse in größtem Styl herauf geschwindelt hatte. Die Stadt- und Landbevölkerung strömte mit ihren großen und kleinen Ersparnissen der von dem Clerus protegirten Bank massenweise zu, wodurch für die übrigen Sparkassen des Landes ein fühlbarer Ausfall erwuchs und endlich gericht liches Einschreiten geboten schien. Eine vorge nommene amtliche Prüfung der Geschäftsverhältnisse der Spitzeder'schen Dachauer Bank ergab äußerst mangelhaft geführte Bücher, die größte Unordnung in der ganzen Geschäftsgebahrung und eine zweifel lose bedeutende Ueberschuldung. Frl. Spitzeder ist daher in Civilsicherheitshaft genommen und Nachts 1 Uhr in das Gerichtsgefängniß überführt worden. Die Haft dürfte sich in eine Criminalhaft um- wandeln, da alle Anhaltspunkte für einen betrüge rischen Bankerott vorliegen. Die Aufregung im Publikum ist groß, die Ruhe indeß bisher nirgends gestört worden.

Der vorgenommene Bücherabschluß der Dachauer Bank ergab eine Einlage von etwas über 10 Millionen, der Kassenbestand dagegen nur 33,000 fl. Die Gesammt Activa betragen 700,000 fl. Das Bezirksgericht hat das Con cursverfahren gegen Adele Spitzeder eingeleitet.

Hamburg. Meldungen aus Kiel, Eckern förde und Flensburg vom 13. d. zufolge haben dort große Ueberschwemmungen stattgefunden Die Nachrichten sind wegen der Störung der tele graphischen Leitungen bis jetzt noch unvollständig. Von allen wird indeß ein sehr heftiger Nordost sturm mit Schneefall gemeldet.

Lübeck. Die Trawe ist am 13. d. ausge treten. Mehrere Stadttheile sind überfluthet. Das Hauptzollamt, die Eisenbahn, eine Zeitungs druckerei und mehrere Waarenhäuser stehen vollständig unter Wasser. Kähne, Balkenflöße und Bretter treiben stromaufwärts. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Aus Trawemünde wird ebenfalls von einer großen Ueberschwemmung gemeldet.

Ausland.

Schweiz. Bern. Die Nachricht derN. Fr. Presse, Italien drohe, den Gotthardbahn Vertrag zu kündigen, falls der dritte Theil der Arbeiten am Gotthardtunnel nicht einer italienischen Gesellschaft übertragen werde, ist durchaus unbe- gründet.

Frankreich. DerSieele will wissen, daß Graf Arnim abermals wegen der Paßfrage in Unterhandlung mit Rémusat und in lebhaftem Depeschenwechsel mit Berlin stehe. Die Ange legenheit sei dringlich, weil die deutschen Behörden diegrößte Strenge gegen französische Reisende an der Grenze übten.

In einer Versammlung der Rechten wurde beschlossen, die Interpellation wegen der Aus- weisung des Prinzen Napoleon zu unterstützen, wobei jedoch hervorgehoben werden soll, daß dies keintswegs aus Rücksicht für die Person des Prinzen geschehe.

Präsident Thiers hat am 13. Nov. seine Botschaft verlesen. Dieselbe constatirt die Ruhe, deren sich das Land erfreue, erinnert an den Er folg der letzten Anleihe, an die gute Lage der französischen Bank und des französischen Handels. Das Budget anlangend werde 1873 das Gleich gewicht erreicht und 1874 ein Einnahmeüberschuß erzielt werden. Thiers beglückwünscht sich zum Abschluß des französischen Handelsvertrags, ohne

welchen jede Uebereinkunft unmöglich gewesen wäre.

Die Botschaft, indem sie hierauf die gesammte Lage des Landes ins Auge faßt, betont lebhaft die Nothwendigkeit der Aufrechterhaltung der Ord nung und sich speciell zu den Republikanern wen⸗ dend sagt sie: Die Ordnung muß lebhaft gewünscht werden, gelingt diesesmal die Republik, so werden wir es nur der Ordnung verdanken. Möchten die Republikaner, wünscht Thiers schließlich, zu Gunsten der Sicherheit der Republik die Ausübung gewisser Rechte opfern, die freien Völkern zustehen.

Die conservativen Journale sind in der Beurtheilung der Botschaft getheilt; dieselben er- kennen ihren conservativen Charakter an, sprechen sich aber gegen die definitive Errichtung der Re publik aus. Die republikanischconservativen Blätter, namentlichJournal des Débats, spenden der Botschaft rückhaltlosen Beifall und zweifeln nicht, daß sie die Zustimmung des Landes finden wird. Die radikalen Zeitungen besprechen die Botschaft gleichfalls beifällig und betrachten die Republik als endgültig begründet; einige hoffen, daß die Nationalversammlung sich auflösen werde.

Spanien. Madrid. Das Kriegsgericht in Ferrol hat eine Reihe von Urtheilen über die Theilnehmer an dem jüngsten Ausstande gefällt. Einer ist zum Tode, ein Anderer zu lebensläng licher Zwangsarbeit, 29 sind zu zehnjähriger, einer zu sechsjähriger Haft verurtheilt, 4 wurden freigesprochen; endlich werden 300 der gefangenen Meuterer in die Colonien gesandt, um dort ihre Strafe abzubüßen.

Amerika. Ueber den vorigen Sonnabend in Boston ausgebrochenen großen Brand geht der Times ein ausführliches Telegramm aus Phila delphia zu, dem wir das Nachstehende entnehmen: Das Feuer brach am Sonnabend gegen Uhr in einem an der Ecke der Summer- und King⸗ stonestraße gelegenen großen Granitgebäude aus. Es ist dies im Herzen des Geschäftstheiles von Boston, der hauptsächlich Granitgebäude enthält. Anfangs wehte der Wind nicht heftig, aber bald stellte sich ein starker West⸗ und Nordwestwind ein. Der Granit zerbröckelte, und da die Gebäude mit Waaren angefüllt waren, griffen nun die Flammen um sich. Das Feuer dehnte sich in nordwestlicher und südlicher Richtung längs Summerstreet aus, und rückte dann von dieser Straße aus in nord- östlicher Richtung weiter vor. Sonntag Morgen um 4 Uhr waren bereits 22 Häusergevierte ein- geäschert; der abgebrannte Distrikt bedeckte zu dieser Zeit ungefähr 50 Acres. Von Summer street rückte später die Feuerlinie über eine Drittel Meile längs der Bay-Front, in Broadstreet bis zu einem Häusergeviert von Boston⸗Common vor. Die Bostoner Feuerwehr war dadurch lahm ge⸗ legt, daß die meisten Pferde an der Epidemie ge fallen waren. Dies verhinderte auch in hohem Grade die Wegschaffung der Waaren. Da die Polizei außer Stande ist, die Ordnung cufrecht zu halten, sind die in Boston stationirten Ver. Staaten⸗Truppen und Seesoldaten dazu aufge boten worden. Während der Verwirrung wurde, wie nicht anders zu erwarten, viel geplündert; allein 200 Diebe, darunter mehrere Frauen, wurden arretirt. Der Verlust von Menschenleben soll sehr erheblich sein, doch war es bis jetzt un möglich, die genaue Zahl der Umgekommenen zu ermitteln. Kein Gebäude schien feuerfest zu sein, alle unterlagen den Flammen.

2 Friedberg den 14. November. Wegen der sehr

ungünstigen Witterung konnte die auf gestern Abend an⸗ beraumte Versammlung des landwirthschaftl. Casinos für Friedberg und Umgegend nicht abgehalten werden und ist dieselbe auf nächsten Mitwoch verlegt worden, wovon die Mitglieder und Freunde des Casinos hiermit Nachricht erhalten. Die Tagesordnung wird in ber nächsten Nr. dieser Blätter mitgetheilt werden. Friedberg. Wie verlautet fanden am 12. Nov. in einem Gasthause zu Nieder-Wöllstadt zwei Duelle zwischen Gießener und einem Heidelberger Studenten statt, wobei einer der Duellanten eine schwere Verletzung am Kopfe und ein anderer eine gefährliche Wunde am Halse davon getragen haben soll.

In Niedereschbach vergnügte man sich auf der am letzten Sonntag stattgefundenen Kirchweihe außer mit dem Tanze auch mit Schießen und Losbrennen verschie⸗ denen Feuerwerks. Bei letzterem hatte der Sohn des

Pächters Schwenk das Unglück, daß ihm ein sog. Frosch

in der Hand explodirte und ihm dieselbe dermaßen ver⸗ letzte, daß der Daumen alsbald abgenommen werden mußte und die Gefahr für den Verlust der ganzen Hand noch nicht vorbei ist.

Von Frankfurt aus wird darauf ausmerksam ge⸗ macht, daß dermalen wieder Leinwandreisende die Gegend unsicher machen und ihre geringe Waare für theures Geld an den Mann zu bringen suchen.

Frankfurt. Zwischen einem Metzger und einem Rentier entstand über Bezahlung von 28 kr. ein Streit, welcher schließlich zur Klage vor dem Stadtamt führte, Der Proceß über diese Bagatelle ist nun zu Gunsten des Metzgers entschieden und der Rentier hat außer der Klage summe auch die Kosten, welche sich auf fast 40 fl. belaufen, zu bezahlen.

Frankfurt. Nach hier eingetroffener Nachricht, ist auf der Stettiner Bahn ein Personenzug entgleist und vollständig in's Wasser gefahren. Hülfe von Militär aus Stettin und Berlin wurde requirirt. Im Kasseler Bahnhof wurde ron einem Nordbahn-Zug ein Weichen⸗ steller todt gefahren; ebendaselbst fuhr eine leere Maschine in einen Rangirzug und zertrümmerte mehrere Wagen, wodurch der Bahnhof zeitweilig gesperrt wurde.

Michelstadt. Um den Erbacher Zweigverein der Gustav⸗Adolf⸗Stiftung, der bis vor wenig Jahren bestanden und zu den blühendsten unseres Landes gehört hat, wieder in's Leben zu rufen, traten etwa 40 der an⸗ gesehensten Männer, darunter 8 Bürgermeister, zusammen, und luden alle Freunde des Vereines zur Betheiligung ein. Am Sonntag Mittag war in der hiesigen Stadtkirche ein feierlicher Gottesdienst, nach dessen Beendigung die defini⸗ tive Constituirung des Vereins stattfand. Der hiesige Oberpfarrer, ein frommer Mann, zeigte sich als Gegner der Sache und ließ sich nicht sehen, so wenig wie einer der gräflichen Beamten von hier oder Erbach. Gleichwohl war die Kirche gedrängt voll und die Feier verlief in durchaus würdiger Weise bei Betheiligung von fünf Geist⸗ lichen, von denen Pfarrer Habicht aus Rüsselsheim die Festrede hielt.

Nürnberg. Der Export nach den Vereinigten Staaten hat im District des Consulats Nürnberg vom 30. Sept. 1871 bis zum 30. September 1872 in Summa 6,728,549 fl. ergeben, im gleichen Zeitraum des Vorjahrs 5,269,158 fl. sohin im verflossenen Jahre um 1,009,391 fl. mehr. Die Hauptartikel sind folgende: Spiegel und Fensterglas 1,859,722 fl., Spielwaaren, Phantasieartikel 1,016,744 fl., Hopfen 668,928 fl., Broncefarben und Blattmetall 495,326 fl. Bleistifte und Blei in Stücken 358,356 fl., Körbe und Korbwaaren 311,722 fl., Tuch 222,027 fl., Tapiserie und Posamentirwaaren 184,305 fl., Bund⸗ und Luxuspapier 149,645 fl. Von den weiteren Artikeln heben wir noch Menschenhaare hervor, welche 13,208 fl. ergeben haben.

Australien. Von den Greueln des Sklavenhandels im großen Ocean wird berichtet: Ein Doctor Murray in Melbourne rüstete im vergangenen Jahre ein Schiff aus, das mit ganz unverdächtiger Ladung von Melbourne nach den Fidschi-Inseln ging. Dort verließ der Capitän das Schiff und der erste Steuermann Namens Armstrong löste beim englischen Consul in Levuka eine Erlaubniß zur Anwerbungfreier Arbeiter auf den Inseln. Hier⸗ mit versehen, begann er nun eine scheußliche Menschen⸗ jagd. Sobald das Schiff bei einer Insel in Sicht kam und die Eingebornen sich vertrauensvoll in ihren Booten näherten, wurde Alles ohne Unterschied aufgegriffen und in den Schiffsraum eingesperrt. Als die Ladung fast voll war, empörten sich die unglücklichen Gefangenen und versuchten das Schiff in Brand zu stecken. Die Mannschaft feuerte eine ganze Nacht hindurch in den Schiffsraum und am andern Morgen fanden sich 70 Todte und Verwundete. Armstrong ließ sie sammt und sonders ins Meer werfen, und damit Niemand von den Verwun⸗ deten sich etwa durch Schwimmen rette und die Sache mittheile, wurden ihnen die Beine vorher zusammen ge⸗ bunden. Trotz dieser Grausamkeit erfuhren aber die Behörden in Melbourne durch die Mannschaft selbst von den Vorfällen und die gesammte Bemannung ist bereits im Gefängnisse. Nur Doctor Murray befindet sich noch auf freiem Fuße, dürfte aber auch in den Prozeß mit hineingezogen werden.

Productenbörse zu Friedberg am 14. November.

Heutiger Preis loco Waizen, gute Qualität, fl. 14 ½. Korn, fl. 9. 50 fl. 10. Gerste, fl. 10½. Hafer, fl. 7. Kartoffeln, fl. 2 7. Alle Preise verstehen sich 200 Pfund 100 Kilo. Nächste Börse Donnerstag den 21. November,

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