Ausgabe 
16.5.1872
 
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evang. Schulstelle zu Wallenrod, im Kr. Lauterbach mit einem jährlichen Gehalt von 300 fl. 30 kr.; die evang. Schulstelle zu Appenrod, im Kr. Alsfeld, mit einem jähr⸗ lichen Gehalt von 300 fl.

Darmstadt. Der außerordentliche Professor bei der medicinischen Fakultät der Landesuniversität Dr. Ferdinand Kehrer ist zum ordentlichen Professor in der genannten Fakultät, insbesondere für das Fach der Geburtshülfe, und der praktische Arzt Dr. Ludwig Carl August Scriba aus Georgenbausen, im Kreise Dieburg, zum Kreisarzt des Kreismedicinalamtes Ober-Ingelheim ernannt worden. Der ordentliche Professor in der ju⸗ ristischen Fakultät der Landesuniversität Pr. Fer⸗ dinand Regelsberger wurde auf sein Nach- suchen, mit Wirkung vom 30. September d. J. an, aus dem Dienst entlassen.

Eine Anzahl hiesiger Einwohner, welche sich während des letzten Krieges bei der freiwilligen Pflege der Kranken und Verwundeten in den Laza⸗ rethen dahier ausgezeichnet haben, erhielten dieser Tage vom deutschen Kaiser das dem preußischen Kronenorden affiliirte Sanitätskreuz und zwar der III. Classe: Obersteuer- Direkter Hügel, und die Obersteuerräthe Wörner und Welker. IV. Classe: Leibarzt Dr. Weber, Dr. med. Orth, Hofgerichts- Advokat Ohly, Ministerial⸗Serretär Hallwachs, Ober-Appellationsgerichts Secretär v. Zangen, Fabrikant Emil Reuter, Rentner Theod. Schwab Rentner Helfmann und Fabrikant Blumenthal.

weniger als 127 Adressen für die Jesuiten nach Berlin abgegangen.

Berlin, 15. Mai. Der Reichstag trat in seiner heutigen Sitzung in die zweite Lesung des Brausteuergesetzes ein. Die Abgeordneten Bayerns, Würtembergs, Badens verlassen den Saal, nach- dem der zur Geschäftsordnung gestellte Antrag Mallinckrodt's auf Ausschluß derselben von der Abstimmung bei einem Gesetze, welches auf diese drei Bundesstaaten keine Anwendung finde, ange nommen worden war. Das Haus nahm hierauf das Brausteuergesetz an, theils nach den Anträgen der Commission, theils mit Amendements, worunter das wichtigste, daß Malzsurrogate unter allen Um- ständen mit Thaler pro Centner besteuert werden sollen.

Fürst Bismarck reist nächsten Donnerstag nach Varzin ab. DieKreuzztg. meldet: Der Präsident des Oberkirchenraths Mathis, habe um seine Demission nachgesucht.

Der englische Capitän Maeneille ist in Begleitung englischer Ingenieure aus London hier eingetroffen, um dem hiesigen Kriegsministerium ein Gewehr neuester Construction vorzulegen, dasseibe wird mit zwei Griffen schußrecht gemacht und hat eine Schußgeschwindigkeit von 50 Mal in der Minute.

DieNordd. Allg. Ztg. veröffentlicht den Wortlaut des Schreibens des Geschäftsträgers Derenthal an den Cardinal Antonelli vom 1. Mai und die ablehnende Antwort Antonelli's vom 2. Mai. DieNordd. Allg. Ztg. schreibt in der Einleitung zu diesen Schreiben: Der Geschäfts- träger Derenthal hatie unterm 25. April auf Au- weisung den Cardinal-Staatssectetär vertraulich benachrichtigt, daß der Kaiser den Cardinal Hohen lohe zum Botschafter beim römischen Stuhle zu ernennen geruht habe; sowie, daß Cardinal Hohen⸗ lohe demnächst nach Rom kommen werde, um sich persönlich zu vergewissern, daß seine Ernennung dem Papste angenehm, und um im günstigen Falle das mitgebrachte Beglaubigungsschreiben zu über⸗ reichen. Die Tage vom 25. April bis Anfangs Mai vergingen ohne Rückäußerung. Durch einen Courier erhielt der Geschäftsträger am 1. Mai den Befehl, amtlich anzufragen. Er ersuchte am nämlichen Tage den Cardinal⸗Staatssecretär, nach Einholung der päpstlichen Befehle zu notificiren, ob die Wahl des Kaisers Sr. Heiligkeit angenehm sei. Hierauf antwortete Antonelli am 2. Mai, indem er zunächst sein Stillschweigen mit der Er⸗ wartung des angekündigten Eintreffens des er⸗ nannten Botschasters entschulbigte. Nach dem zweiten Schreiben habe Antonelli es unterlassen, die Befehle des Papstes einzuholen, und eröffnete, daß Seine Heiligkeit, wiewohl vicht unempfindlich

für die Intention Seiner kaiserlichen Majestät, dessenungtachtet in der unangenehmen Lage sei, einen Cardinal der heiligen römischen Kirche, zu; mal bei den gegenwärtigen Umständen des heiligen Stuhles, zur Annahme eines so delikaten und wichtigen Amtes nicht autorisiren zu können.

Leipzig. Der dahier versammelte deutsche Handelstag ist stark aus ganz Deutschland beschickt. Auch Delegirte aus Straßburg und Mühlhausen sind erschienen. Als Präsident wurde gewählt Delbrück aus Berlin. f

Der deutsche Handelstag nahm mit 58 gegen 25 Stimmen bei der Bankfrage den Ab- satz 1 und 2 des Ausschuß⸗ Antrags an, nach welchem das Recht der Notenausgabe auf eine Centralbank beschränkt und die Erweiterung der preußischen Bank zu einer Reichsbank empfohlen werden soll.

München. Die Feier des 400jährigen Jubel festes der Universität München ist nunmehr auf den 1. August d. J. festgesetzt, dagegen soll die übliche Feier des Stiftungstages am 26. Juni in diesem Jahre ausfallen. Durch königliche Ent.

schließung ist die Abhaltung des projectirten Festes

auf der Maxburg, früher Schloß Hambach, gestattet worden. Aus Berlin ist ein Bericht hier einge

troffen, nach welchem eine Verständigung des Reichstages und des Bundesrathes über das Mili⸗

Mainz. Aus dem Großh. Hessen sind nicht tärstrafgesetzbuch in sicherer Aussicht steht und des

halb an dem Zustandekommen des Gesetzbuches kaum mehr zu zweifeln sein dürfte.

Speier. Nach einer Veröffentlichung des Centralvorstandes des evangelischen Vereins der Gustav- Adolph Stiftung wird die diesjährige Hauptversammlung des Vereins am 27., 28. und 29. August d. J. in unserer Stadt abgehalten.

Ausland.

Schweiz Bern. Die revidirte Bundesver- fassung ist bei der Volksabstimmung mit 257,000 gegen 252,000 Stimmen, bei der Cantonal⸗Abstim⸗ mung von 13 Cantonen gegen 9 abgelehnt worden.

Frankreich. Paris. In Betreff der Capi tulation von Paris erklärt sich die Untersuchungs⸗ commission für incompetent, weil es weder der frühere Gouverneur von Paris, General Trochu, noch der Chef der Armee, General Vinoy ge wesen, welche die Capitulation abgeschlossen; in Anbetracht ferner, daß die Uebereinkunft vom 28. Januar 1871 nur die Unterschrift des Herrn Jules Favre, als Delegirten der Regierung der Nationalvertheidigung, trägt; in Anbetracht end lich, daß über diesen von der Regierung der Nationalvertheidigung geschlossenen Vertrag Jeder mann allerdings eine Meinung zusteht, entscheidet die Commission, daß ste ihrerseits keine Veran⸗ lassung habe, vie Handlungen dieser Regierung zu loben oder zu tadeln.

In Betreff des Commandanten in Straß burg, General Ührich, der sich eine Zeit lang größester Popularität erfreute, hat die Regierung noch keinen Beschluß gefaßt; doch ist seine Stellung vor ein Kriegsgericht nicht unwahrscheinlich, da das Gutachten der Untersuchungscommission ihm eine Fülle grober Nachlässigkeiten zur Last legen soll.

Die französische Artillerie, welche jetzt nur 20 Regimenter zählt, wird nach ihrer neuen Or- ganisation deren 30 besitzen. Dazu kommt noch ein Spezialregiment von Pontonniers, von welchem es noch fraglich ob es der Artillerie oder dem Geniecorps zugetheilt werden soll. Jedes Artillerie- Regiment wird aus zehn Batterien Feldgeschütze bestehen, mithin für 30 Regimenter aus 300 Batte⸗ rien, welche zusammen 1800 Geschütze zählen. Für dieselben ist jetzt das System der Hinterlader beschlossen worden. Das Depot der Artillerie- Regimenter, welches ehemals in Straßburg ge standen, wied nach Tarascon verlegt werden.

Versailles. Thiers hatte eine Unterredung mit dem deutschen Botschafter, Grafen Arnim. Wie aus guter Quelle verlautet, drückte Thiers den lebhaften Wunsch aus, daß Verhandlungen über die Zahlung des Kriegskostenrestes eingeleitet und wenn möglich im Jahreslaufe zum Ziele ge⸗

führt werden möchten.

13. Mai. Nationalversammlung. 7 cussion über den Postvertrag mit Deutschland.

Mehrere Redner sprechen sich gegen denselben aus. 9 Nach den Erwiderungen des Berichterstatters der

Commission und des Generalpostmeisters, Herrn v. Rampont, wird die Diseussion geschlossen.

Belgien. Brüssel. Die Unterhandlungen der belgischen Regierung wegen der Uebernahme der Luxemburger Eisenbahn haben sich zerschlagen und sind zur Stunde gänzlich abgebrochen.

Großbritannien. London. DieTimes erklärt bei Besprechung der Alabamafrage, sie könne positiv constatiren, daß ein starker Grund zur freundschaftlichen Regelung der Lage vorhanden sei. Die Regierung dürste zwar bei den Parla⸗ mentshäusern noch nicht anzeigen können, daß ein Abkommen über eine Anweisung an die Schieds- richter, wonach alle indirecten Schaden- Ansprüche in der Prezeßschrift außer Betracht zu lassen seien, förmlich abgeschlossen sei, aber die Fundamental⸗ sätze auf dieser Basis seien in Washington im Princip angenommen.

Nach Wasfhingtoner Depeschen stellt der von England vorgeschlagene Zusatzartikel zum Washingtoner Vertrage als beide Theile gegen seitig bindendes Prineip auf, daß nur directe Schadenansprüche bei Neutraljtäts verletzungen zu- lässig sind. Hiernach werde Amerika mit der An⸗ nahme des Artikels die indirecten Forderungen zurückziehen. 5

Spanien. Die bei Segusa geschlagene Bande Recondo's hat sich unterworfen. Ihre An- führer, Recondo, Elio und Ceballos, sind nach Frankreich übergetreten und sollen Seitens der französischen Behörde an die Ostgrenze gebracht werden. Serrano contentrirt seine Hauptmacht in Biscaya.

Die Regierung wird in den Cortes einen Gesetzentwurf einbringen, welcher sie zur Einbe⸗ rufung von 40,000 Mann ermächtigen soll.

Amerika. Wasbington. Telegraphisch wird gemeldet, daß die diplomatischen Beziehungen

zwischen Amerika und Spanien demnächst wahr-

scheinlich abgebrochen werden.

Hiesige Correspondenten mehrerer Newyorker Blätter melden, die Regierung habe beschlossen, keine weiteren Schritte zur Herbeiführung eines Compromisses über die indirecten Ansprüche zu thun. Die Ausschüsse für auswärtige Angelegen- heiten erwarten, daß England sich vom Schieds- gericht zurückziehe.

Ein Compromiß zwiscken England und

Amerika bezüglich der indirecten Ansprüche in der

Alabama- Angelegenheit ist wahrscheinlich, und zwar durch den Abschluß eines Ergänzungsvertrags, welcher die Verbindlichkeit einer jeden Nation zur indirecten Entschädigung ausschließt.

Asien. Der Schriftführer des Vereins zur Linderung der Hungersnoth in Persien veröffent⸗ licht das folgende traurig interessante Telegramm von dem Geniecapitän Pierson, d. d. 3. Mai: Bin glücklich in Teheran eingetroffen, da ich unter starker Bedeckung reiste; Straße dagegen äußerst gefährlich für kleine Reisegesellschaften. Zu Hauz⸗ inSultan fand ich den vom Großvezier zur Ausrottung der Räuber abgeschickten Beamten im Zustande vollständiger Hülflosigkeit, da er selbst dis aufs Hemd ausgezogen worden war. Die Saaten stehen prächtig und Wasser ist abundant, aber dieses letzte Stadium der Hungersnoth ist weit schrecklicher anzusehen, als das erste. Die Straße ist mit halb aufgezehrten Leichen bedeckt, Aus den Räumen der Karavansereien, in denen ich logirte, hatte ich mehrmals die Leichen heraus · zuschaffen. Kanibalismus ist nicht selten. Abet die Preise sind rasch im Fallen, und das Ende der Hungersnoth steht, wie ich hoffe, nahe bevor.

Friedberg. Mit dem 1. Juni tritt für die Main⸗ Weserbahn ein neuer Fahrplan in Kraft. Die Anzahl der Züge bleibt die gleiche wie bisher; die Abfahrtzeiten

diffteiren nur bei mehreren Zügen um einige Minuten. Ein officieller Fahrplan wird der nächsten Nummer dieses Blattes beigegeben werden. q E. Bad⸗ Nauheim. Die am 12. d. erste Kurliste weist bereits einen recht verkehr in unserem Badeorte nach. Außerdem sind

ausgegebene erfreulichen Fremden⸗ Sie zählt 294 Fremde

auf. Bestellungen auf Wohnungen schon

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