den bestehenden Verhältnissen nur einbringen, wenn sie vom Reichstag selbst dazu gedrängt werden sollte, was wohl nicht im Interesse der Sache liegt.“
— Wie der„B. B. K.“ erfährt, verfügt nach den neuesten amtlichen Aufnahmen das Deutsche Reich gegenwärtig(einschließlich der nicht dienst ⸗ pflichtigen Jahrgänge) über nahezu 50,000 Seeleute.
— Aus unterrichteten Kreisen wird der„Wes⸗ Zig.“ constatirt, daß die Reichsregierung gengigt sei, auf Vorschläge Frankreichs bezüglich der Zahlung der Kriegsentschädigung und der damit zusammen⸗ hängenden politisch-militärischen Fragen einzugehen, indessen seien die bisber zur Sprache gebrachten Finanzprojekte unannehmbar befunden worden. Dem „Schwäb. Merk.“ aber telegrapbirt sein Offiziöser, die Nachrichten süddeutscher Blätter über franzö sisce Verhandlungen wegen Zahlung und Ge- bietsräumung seien durchaus verfrüht.
— Wie die„Germania“ meldet, eirtulirt hier eine Subseriptionsliste zum Zeichnen von Geldbei⸗ trägen für die Familien der Verurtbeilten Bebel und Liebknecht. Es befinden sich darauf die Namen von Mitgliedern aller politischen Parteien und es sind einzelne Beiträge zu 100 und über 100 Thaler unterzeichnet worden.
Fulda. Die bischöflichen Conferenzen sind nach vier geheimen Sitzungen geschlossen worden und die Bischöfe reisten bereits am 12. d. wieder nach der Heimath. Gegenstand der Berathung war, wie verlautet, die Haltung gegenüber der Staats- regierung im Allgemeinen und dem Schulauf sichtsgesetz, sowie der Excommunitationsfrage im Speziellen. Die Beschlüsse sind unbekannt. Ein gemeinschaftlicher Hirtenbrief steht dem Vernehmen nach bevor.
— Eine Anzahl Bürger Fulda's hat, während die Bischofs⸗Conferenz dabier stattfand, eine Adresse au den Fürsten Bismarck abgehen lassen, in welcher dieselben dem Reichskanzler für die Durchführung des Schulaufsichtsgesetzes tiefgefühlten Dank aus sprechen.
Regensburg. Gegenüber den von Pro- testanten-Vereinen und Altkatholiken ins Werk ge; setzten Petitionen an den Reichstag um Austreibung der Jesuiten aus Deutschland hat das hiesige katholische Casino eine Petition gegen die Ver- suche, die priesterliche Thätigkeit oder gar den freien Aufenthalt der Mitglieder des Jesuitenordens im deutschen Reiche zu hindern, beschlossen.
Karlsruhe. Nach einer Mittheilung der „Bad. L. 31g.“ ginge die Curie mit dem Ge⸗ danken um, auch von den Volksschullehrern der Erzdiöcese, und zwar von jedem Einzelnen, die förmliche Unterwerfung unter das Unfehlbarkeits⸗ dogma zu verlangen.
Straßburg. Festprogramm für die Feier der Eröffnung der Universität: Am 1. Mai, Vor mittags 11 Uhr: Feierlicher Eröffnungsact im Schlesse; Nachmittags 3 Uhr: Festdiner; Abends: Beleuchtung des Münsters. 2. Mai: Festsahrt nach dem Odilienberg; Abends: Commers.
— Von hier geht der„Spen. Ztg.“ folgende Mittbeilung über den Festungsbau zu. Die Stadt soll mit einem Gürtel von 18 Forts um⸗ geben werden, die in einer durchschnittlichen Ent⸗ fernung von einer Meile von der Enteinte der Stadt angelegt werden. Zunächst wird der Bau von nur 5 Forts im Nordwesten in Angriff ge⸗ nommen und ist die Ausführung mehreren Con- sortien von Maurermeistern übertragen worden. Der Bau ditser fünf Forts(die nach der„Nat. Zeitung“ die Namen führen werden: Wilhelm, Kronprinz, Melike, Roon und Werder) muß den 1. April 1875 vollstäudig beendet sein. Erst nach Vollendung dieser Forts wird mit dem Bau der übrigen 13 begonnen und dann eest, wenn diese sämmtlich vollendet sind, deren Kosten beiläufig auf 30— 40 Millionen Thaler geschätzt werden, erfolgt der Abbruch der gegenwärtigen Befestigungen.
Metz. Die Außenbefestigung von Metz schreitet täglich vorwärts, und hierdurch ist Gelegenheit geboten, den inneren, engen Festungsgürtel zu erweitern. Bereits wurde eine Commisston ge- bildet, welche die näheren Modalitäten einer Er weiterung der Stadt über den inneren Festungs⸗ rayon hinaus zu berathen hat.— Auch bezüglich
Bitsch besteht die Absicht, die Festungseigenschaft der Stadt ganz aufzuheben und nur die Citadelle oder eigentliche Bergfeste als Sperrfort beizube halten.
Ausland.
Oesterreich. Wien. Auf der franzö sischen Botlschaft ist, nach einer Mittheilung in der„Karlsr. Ztg.“, das Eintreffen eines Rundschreibens sig⸗ nalisirt, in welchem der Präsident der Republik es übernimmt, die fortgesetzten Rüstungsmaßregeln beruhigend zu commentiren und auf das Feier“ lichste zu versichern, daß Frankreich nicht entfernt etwas Anderes bezwecke, als die Armee wieder auf einen Stand zu bringen, der ihm gestatte, unter allen Umständen der alleinige Herr seiner Geschicke zu bleiben und in aller Sicherheit den Arbeiten seiner inneren Reorganisation obzuliegen.
Frankreich. Paris. Der offiziöse„Bien public“ schreibt:„Die Bezithungen zwischen Frank, reich und Italien werden immer herzlicher. Herr Fournier hat vielen Erfolg auf seinem neuen Posten und rasch die Achtung der italienischen Regierung gewonnen. Was aber Herrn Nigra betrifft, so steht derselbe mit dem Präsidenten der Republik auf bestem Fuße. Nicht eine Wolke trübt also vas Verbältniß zwischen Frankreich und Italien.“
— Wie aus Paris verlautet, dürfte auf Antrag Remusat's eine gerichtliche Verfolgung wegen Veruntreuung von Schriftftücken aus dem Staatsarchiv eingeleitet werden. Bonapartistische Agenten, welche die Armee verführen wollten, sind in Versailles verhaftet werden. Auch sollen ver⸗ schiedene Beamte wegen bonapartistischer Propa⸗ ganda cassirt werden.
Belgien. Brüssel. Ein Geistlicher aus Bordeaux befiadet sich hier, um hier zu peidigen und eine altkatholische Gemeinde zu gründen.
Großbritannien. London. Das Ge- schwornengericht verurtheilte den Attentäter O'Con⸗ nor wegen Einschüchterungsversuchs gegen die Königin zu 20 Peitschenhieben und einem Jahre schweres Zuchthaus.
Italien. Rom. Man spricht von einem Brief, den der Cardinal Antonelli auf den Wunsch des heiligen Vaters an eine einflußreiche Person der französischen Nation alversammlung gerichtet habe, um die ulttramontane Partei Frankreichs aufzusordern von der Pression abzustehen, die den Papst bewegen soll, Rom zu verlassen. Der Cardinal erklärt eine solche Abreise für ungelegen, da durch dieselbe die Uebel, von denen die Kirche betroffen ist, durchaus nicht gebessert würden.
Spanien Madrid. Der Erzbischof von Madrid verbietet in einem Rundschreiben an dir Geistlichkeit die Spendung der Sakramente an solche Katholiken, die sich nur bürgerlich trauen lassen, und Bestattung in geweihter Erde, indem er die Civil⸗Ehe, welche in Spanien jetzt gesetz⸗ lich ist, als ein bloßes Conecubinat bezeichnet.
Amerika. Washinton. Im Repräsen⸗ tantenhause brachte Peters eine Resolution ein, dahin lautend, daß die indirecten Schädenanspfüche durch eine Seitens der amerikanischen Commissions⸗ mitglieder abzugebende Erklärung als beseitigt zu betrachten seien und die Frage auf dem Wege eines freundschaftlichen Abkommens erledigt werden solle. Die Reselution wurde dem Ausschusse für auswärtige Angelegenheiten überwiesen.
Darmstadt. Vor einigen Tagen stürzte in einer hiestun Brauerei ein 18jähriger Bursche in einen Kessel siedenden Biers. Er wurde zwar noch lebend hervorge⸗ holt, ist jedoch bereiis seinen gräßlichen Leiden erlegen.
Darmstadt. Dieser Tage verlor der Auolaufer eines der bedcuundsten hies. Geschäfte eine, Werthpapiere im Betrag von mehreren Tausend Gulden, sowie etwa 150 fl. ba tires Geld enthalten de, Mappe. Als dieser Veriust in ies. Bläutern annoncirt wurde, erschien der dermalen bier wobnende Ritter gutsb.sitzer B. aus Hamburg auf det hies. Polizei und erklärte, er habe die fragl. Mappe am hacku hoc gefunden und solche einem dort siehenden Oclioi Ausseher übergeben. Die Mappe ist jedoch bis jetzt noch nicht abgeliefert worden und scheint der Empfänger, durch den fremoländischen Dialeet des Finders dreist ge⸗ macht, den baaren Inhalt der Mappe dem versprochenen Temkg lo vorgezogen zu haben, denn er ist mit dem Gelde durchgebrannt uno zwar wenige Minuten bevor er ver⸗ baftet werden sollte. Der Poltzei wid es wohl bald ge⸗ lingen, denselben zu ermiit in.
Mainz. Vor einigen Abenden wurde ein hiesiger Mechanikus, ein sehr friedlicher Mensch, der Geschäfte im Gartenfelde hatte und dabei in Händel verwickelt wurde, kurch 2 Stiche in die Brust mit einem Dolchmesser derart verwundet, daß er fünf Minuten darauf eine Leiche war.
Wiesbaden. Kürzlich fanden sich im Laden eines hiesigen Goldarbeiters zwei Engländer ein, um Gold⸗ waaren zu kaufen. Das veabsichtigte Geschäft wurde zwar nicht realisirt, der Goldarbeiter vermißte indeß nach dem Weggang der belden Herren einen sehr werthvollen Ring. Auf sofort erfolgte Anzeige bei k. Polizei⸗Direktion gelang es einem Schutzmann die beiden Gauner in einem Wagen auf der Biebricher Chaussee ausfindig zu machen und festzunehmen. Auf die Polizei ⸗Direction gebracht, läugneien die Herren den ihnen zur Last gelegten Dieb⸗ mahl; auch eine vorgenommene Untersuchung blieb resul⸗ tatlos. Bald indeß änderte sich die Sisuation. Der eine der sauberen Vögel batte das gestohlene Gut in dem Mund verborgen, aus dem es bei längerem Sprechen plötzlich zur Ueberraschung der Anwesenden hervorkam. Es fanden sich nicht ein, sondern drei Ringe vor, welche zusammen einen Werth von 2700 fl. repräsentiren.
Würzburg. Am 10. d. früh kurz nach 5 Uhr zer⸗ platzte auf dem hies. Babnhofe eine Locomotive, wodurch ein Stalionsmeister bedeutend verletzt wurde, Locomotiv⸗ führer und Heizer kamen mit dem Schrecken davon.
Aus Bayern. Der Maschinenmeister Heberlein hat eine Eisenvahnwigen⸗Bremse erfunden, durch welche ein im schnellsten Laufe befindlicher Zug sofort zum Stehen gebracht werden kann. Nach einem Berichte der„A. Abdz.“ wurde vorige Woche eine offizielle Extrafahrt über Holz⸗ kirchen nach Rosenheim und zurück über Grafing zur Erprobung der neuen Erfindung vorgenommen; die Ver⸗ suche sollen insbesondere auch beim Herabfahren auf der schlefen Ebene von Holzkirchen nach Westerbam, sowie beim Handhaben der Bremse von einem Coups aus einen üverraschend günstigen Erfolg gehabt haben.
Trier. In einem Bürgerbause Triers war seit einem Monat ein neues Dienstmädchen angestellt. Weil ihr der Dienst zu schwer war, kündigte sie zum 1. Bpril. Bei ihrem Weggehen wendet sie sich zu ibrer ehemaligen Herrschaft und spricht in einem sebr herablassenden Tone: „Da sie meinen Namen vergessen konnten, so erlaube ich mir, Ihnen meine Karte zu üdermachen“, auf welcher der Namen„Käihchen N.. ß“ in zierlich gearbeiteten Buchst eben prangte.
D. Frankfurt a. M., 13. April 1872(8.— 13. Böcsenwoche.) Die Börse hatte diese Woche eine förmliche Slurm⸗ und Drangperiode durchzumachen und die Speeu⸗ lation war in tausend Aengsten. Große Geldknappbeit, welche die Zinsen für Prolongationen auf 6— 7- 8% steigerte, die dielen Einzahlungen auf die neuen Banken u. s. w., der höhere Die cont in London und die Befürchtung, daß auch die preuß. Bank ibren Discont erböhen möchie, zwangen den geößern Theil der Speculanten, ihre Waare, die sie nicht halten konnten, zu verkaufen und diese Verkaufs⸗ lust nahm noch größern Umjang an als auch der Wiener Platz viele Zwangsverkäufe effectuiren mußte. Dem gegen⸗ über waren Käufer nur schwach vertreten, da man auf einmal vorsichtiger geworden und die Befürchtung begte, die Börse könnte sich noch mehr rückwärts concenkriren. Diese Lefürchtung bal sich nun mittlerweile als eine un⸗ degründele herausgestellt und auch die preuß. Bank bal ihren Discont nicht erhöbt, da sie gegenüber der Londoner Bank den Vortheil unbeschränkter Zetielausgabe bat und deßhalb dem Veik hr eher beistehen kaun. Heute Samstag ist die Stimmung unserer Börse wieder entschieden besser, doch bleiben die Kurse der sämmlichen Sp eculationseff eten noch weit hinter denen der vorigen Samstags zursick, was auch von den Preisen der Bankwerthe ailt, obwohl auch sie seit gestern anfangen sich zu erholen. Bahnen litten natür⸗ lich auch unter der allgemeinen Deroute, wenn allerdings weniger wie die Banken. Bayr. Os, bessisch. Ludwig. villiger, deßgl. österreich. Nordwest, Galizier und böhmische West. Prioritäten waren durchschnitilich um ½ 1% billiger zu baden und nur Pfanobriefe erhielten sich bei guten Preisen. Die Subsecipuon auf Süddeuische⸗Boden⸗ credil-Piandvriese war von sebr gutem Erfolg begleilet und war schon vor 12 Abends vollständia geschlossen. Deutsche Staatepapiere unbelebt, nur für österreich. Renten machte sich eint ies In teresse bemeikbar. Russen p eis⸗ valtend. Amerikaner: Staaten Bonds und Prioritäten die ganze Woche üder still und durchgängig billiger. Das Gleiche gilt von Loosen.
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