Ausgabe 
16.3.1872
 
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schulstelle zu Bessungen, im Kreise Darmstadt, Christian Mahr, auf sein Nachsuchen von dieser Stelle zu entheben, und auf der zweiten evangelischen Schulstelle zu Nier⸗ stein, im Kreise Oppenheim, zu belassen..

VII. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die evang. Schulstelle zu Ober-Sorg, im Kreise Alsfeld, mit einem jäbrlichen Gehalte von 300 fl. 55 kr.; die evangelische Schulstelle zu Hopfgarten, im Kreise Alsfeld, mit einem jäbrlichen Gehalte von 300 fl. 38 kr.; die evangelische Schulstelle zu Usenborn, im Kreise Nidda, mit einem jährlichen Gehalte von 300 fl.; dem Herrn Grafen zu Stolberg⸗Wernigerode Gedern steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die erste evangelische Schulstelle zu Grebenau, im Kreise Alsfeld, mit einem jährlichen Ge halte von 300 fl.

Darmstadt. Gerichts-⸗Accessist Dr. Baruch Mainzer aus Pfungstadt wurde zum Advokaten und Procurator bei dem Hofgerichte der Provinz

Starkenburg ernannt.

12. März. In der zweiten Kammer wurden die Rechnungsnachweisungen der Staats- eisenbahnen und Staatstelegraphen, sowie der Eisenbahnschuldentilgungscasse während der Jabre 1866/68 sämmtlich als richtig anerkannt. Den nächsten Gegenstand der Tagesordnung bilden die Anträge der Abgg. Oechsner und Dumont, die Erweiterung der Reichsfestung und Stadt Mainz betr. Die beiden Abgeordneten begründen vor Allem das dringende Bedürfniß einer Erweiterung der Stadt Mainz. Die Ver handlungen mit der Reichsregierung hätten bis jetzt nur zu dem Resul⸗ tate geführt, daß dieselbe eine Vorrückung der Werke vornehmen wolle, jedoch nur gegen Zahlung einer Entschädigungssumme von 4 Millionen Gulden von Seiten der Stadt. Ein Gesuch der Stadt um ein Geschenk von 2 Mill. Gulden hiezu sei vom Bundesrathe abgeschlagen worden. Dumont verlangt jedoch diese 2 Mill. nicht als ein Ge⸗ schenk, sondern fordert sie als ein Recht, denn es handle sich um gegenseitige Interessen der Festungs- behörde und der Stadt. Backe, Wernher, Röder und Fink sprechen auf das Wärmste für die An- träge der beiden Abgeordneten der Stadt Mainz. Der Letztere hält es für eine Pflicht des Landes, die Kosten der Stadterweiterung zu tragen, wenn sich das Reich hiezu nicht herbeilasse; jedenfalls aber müsse der Stadt geholfen werden, um die selbe vor dem Untergange zu schützen. Die Kammer nahm den Ausschußantrag an:Die Regierung zu ersuchen, dem Antrage der Abgg. Dumont und Oechsner bei Prüfung der Mainzer Stadterweite rungsfrage die thunlichste Berücksichtigung zu Theil werden zu lassen. Das von der Regierung vor gelegte Communalsteuergesetz wurde angenommen, jedoch statt der Heranziehung der

ziehung der

verworfen.

in den betreffenden Regimentern angestellt.

Die Postanwärter Leister in Alzey und Stoll in Grünberg sind zu Postamts- Assistenten 8 Versetzt wurden: der Postsecre tär Gerbode von Bad- Nauheim nach Gießen; der Postsecretär Foucar von Gladenbach nach Bad Nauheim; der Postsecretär Schmitz von Fried⸗ berg nach Gladenbach; der Postseeretär Neuschäfer von Langen nach Friedberg; der Postseeretär Platz

ernannt worden.

von Franksurt a. M. nach Langen.

Gießen. Der Privatdecent an der Königl. Preußischen Universttät Marburg Dr. Theodor Langbans ist zum ordentlichen Professor in der midicinischen Facultät der Landes-Universität, ins- besondere für das Fach der pathologischen Ana tomie und allgemeinen Pathologie ernannt worden.

von derselben vorgeschlagenen halben Einkommensteuerkapi⸗ talien zu den Communalsteuern die Heran⸗ ganzen Steuer beschlossen. Die vom Ausschuß beantragte Heranziehung der Actiengesellschaften zu den Communalsteuern wurde

Nach dem Reichsanzeiger sind Becker, Schmitt, Sec.⸗Ets. von der Reserve des 1. großh⸗ Inf.(Leibgarde) Regiments Nr. 115, Hessig, Sec.-Lt. von der Reserve des 2. großh. Inf. Regiments(Großherzog) Nr. 116, alle drei im stehenden Heere, und zwar als Seconde⸗Lieutenants

setze nicht eingegriffen. Wie es heißt, datirt die betreffende Cabinetsordre vom 2. d., d. h. also vom Jahrestage der Ratification des Versailler Präliminar⸗Friedens. a

13. März. Die diesjährige Session des Bundesrathes wurde heute von dem Staatsminister Delbrück in Vertretung des Reichskanzlers eröffnet.

Die Ausprägung von Reichs⸗Goldmünzen auf Grund des Gesetzes vom 4. Dezember v. J. ist mit thunlichster Beschleunigung in Angriff ge nommen worden. Es konnte mit der Ausmünzung in der Münze zu Berlin bereits in der zweiten Hälfte des Monats Dezember v. J. begonnen werden. In den Münzstätten zu Hannover, München und Dresden wurde mit der Ausprägung in der ersten Hälfte des Februar vorgegangen, wogegen die Ausprägung in den Münzstätten zu Frank⸗ furt a. M. und Karlsruhe erst in letzter Zeit ihren Anfang genommen hat. Zunächst sind nur Zwanzigmark Stücke geprägt und zwar bis 2. März d. J. in Berlin 35,096,860 Mark, in Frankfurt a. M. 18,600 Mark, in München 1,903,080 Mark, in Dresden 1,530,300 Mark, in Karlsruhe 200,000 Mark, zusammen also 41,046,160 Mark.

Das Unwohlsein des Fürsten Bismarck, welches denselben seit einigen Tagen an das Zimmer fesselt, ist, derNordd. Allg. Ztg. zufolge, ohne Bedeutung und wird sich nach ärztlichem Urtheil verlieren, wenn der Fürst durch einige Ruhe von der Schlaflosigkeit befreit wird, welche gewöhnlich die Folge von Ueberbürdung mit Geschäften ist.

Der gesammte Mobilmachungsplan ist einer Revision unterzogen worden und hofft man jetzt zu Risaltaten gelangt zu sein, durch welche die getroffenen Anordnungen noch schneller als dies bisher zum Staunen der Welt geschah, ausgeführt werden können. Es sind zu diesem Zwecke den sämmtlichen Behörden, welche dabei in Betracht kommen, bereits die bezüglichen Weisungen über⸗ mittelt worden.

DerProvinzial-Correspondenz zufolge ist die Dotation folgendermaßen vertheilt: Es er- bielten Prinz Friedrich Karl, die Grafen Moltke, Roon und General Manteuffel je 300,000 Thlr.; die Generale Göben, Werder und Staatsminister Delbrück je 200,000 Thlr.; die Generale Voigts⸗ Rhetz, Fransecky, Alvensleben II. und Blumenthal je 150,000 Thlr.; Prinz August von Würtem⸗ berg, die Generale Alvensleben I., Zastrow, Manstein, Kirchbach, Bose, Stülpnagel, Pod- bielski, Kamecke, Stosch, Obernitz, Fabriee und Suckow je 100,000 Thlr.; dem König von Bayern wurden 300,000 Thlr. zur Vertheilung nach eigenem Ermessen überwiesen.

Frankfurt. Die Berlin-Frankfurter Eisen bahn soll von Werder oder Potsdam abzweigend, über Brück, Belzig und Zerbst gehen, bei Barby die Elbe überschreiten und über Calbe, Bernburg, Aschersletren, Sangerhausen, Artern, Franken harsen, Mühlhausen und Hersfeld nach Frank- furt a. M. fortgeführt werden. N

Stuttgart. In der Kammer der Abgeord neten wurde die Interpellation Pfeiffer's wegen der Sonderstellung der würtembergischen Post Seitens der Regierung dahin beantwortet, daß kein Grund vorhanden sei, die Sonderstellung aufzugeben und eine Vereinigung mit der Reichs- post zu bewirken.

Karlsruhe. Die von verschiedenen Abge ordneten eingebrachte Gesetzvorschläge, betreffend die Untersuchung der öffentlichen Lehrwirksamkeit der Mitglieder religibser Orden oder ordensähn⸗ licher Congregationen und Abhaltung von Mis sionen durch Mitglieder religiöser Orden, wurden, nachdem die Regierung ihre Zustimmung erklärt hatte, mit großer Majorität angenommen.

Straßburg. DieStraßb. Ztg. ver- öffentlicht den Lectionskatalog für das mit dem

Berlin. Wie die Kreuz-Zeitung versichert, 1. Mai beginnende erste Semester der hiesigen

betrifft der kaiserliche Amnestie Erlaß hinsichtlich Universität.

Nach demselben werden gehalten

der in preußischen Gesängnissen detinirten franzö⸗ werden: über protestantische Theologie 13 Vor- sischen Militärpersonen nur diejenigen, welche wegen lesungen von 5 Professoren, über Rechts- und militärischer Verbrechen verurtheilt sind; hinsichtlich Staatswissenschasten 18 Vorlesungen von 7 Pro-

der übrigen wird in die Wirkung der Strafge- sessoren, über Medizin 25 Vorlesungen von 9 Pro-

sessoren. Außerdem setzen 7 Professoren der früheren Akademie und der pharmaceutischen Schule ihre Vorlesungen fort. In den philosophischen histo⸗ rischen und philologischen Wissenschaften finden 27 Vorlesungen von 15 Profsessoren, in den mathe matischen und Naturwissenschaften 22 Vorlesungen von 11 Professoren statt. Ueber die Eröffnungs- feier meldet später ein besonderes Programm.

Ausland.

Schweiz. Bern. Die Volksabstimmung über die Annahme oder Verwerfung der revidirten Bundesverfassung ist auf Sonntag, den 12. Mai, festgesetzt.

Flankreich. Paris. Thiers empfing den neuernannten Gesandten bei der italienischen Re- gierung, Hrn. Fournier, welcher diese Woche nach Rom abgehen wird. Nachrichten aus Rom be⸗ stätigen, daß der Papst entschlossen sei, in Rom zu bleiben.

Die Kosten für den Unterhalt der deutschen Truppen in Frankreich für die ersten sechs Monate des Jahres 1872 betragen 24,052,500 Frcs., nämlich für Lebensmittel 13,650,000 Fres.; Heizung 728,000 Fres.; Futter 8,733,000 Fecs.; Behandlung der Kranken 40,000 Fres.; Entschä⸗ digung für die Offizierwohnungen und Zurücker⸗ stattung an die Gemeinden 2,500,000 Fres.; Unterhalt der Gebäude und Kosten für den Bau der Baracken 2,000,000 Fres.; Schwimmschule 1500 Fres. 0

DerAgence Havas wird aus Spanien gemeldet, daß die Regierung die Armee concentrire und die Nationalgarde entwaffne. Es werde ver- sichert, der König sei, wenn nöthig, zum Kampfe entschlessen, um sich auf dem Throne zu behaupten.

Belgien Brüssel. Man schreibt des Indépendance aus Paris: In Folge von Vor- stellungen aus Berlin sind die Fortisications- Ar- beiten, die in den zuletzt von den Deutschen ge räumten Provinzen stattfanden, sistirt worden. Russische Agenten unterhandeln hier mit den Chefs der polnischen Emigration. Im Falle des Ge⸗ lingens dieser noch nicht bekannt gewordenen Ver handlungen erläßt Rußland eine Generalamnestie.

Italien. Rom. Prinz Friedrich Karl ist nach einem Aufenthalt von fast drei Wochen wieder abgereist und hat sich nach Neapel begeben.

Rußland. Petersburg. Die Kaiserin reist in diesem Monat nach der Krim ab, wo sie bis zum Herbst verweilen wird. Der Kaiser be⸗ gleitet dieselbe bis Odessa.

Petterweil. Die landwirtbschaftliche Creditbank in Frankfurt hat das von der hiesigen Gemeinde kürzlich controhirte Anlehen übernommen.

Hachenburg. Wie schon gemeldet, baben auf der EiseusteingrubeHerkules durch den Einsturz eines Schachtes acht Bergleute das Leben verloren. Mit dem Aussuchen der Verunglückten sind fortwährend etwa 20 Arbeiter beschäftigt. Hierbei fanden leider ein Bergmeister, ein Obersteiger und ein Fährmann, als sie die Stelle, an welcher der Einsturz erfolgt war, näher untersuchten, um ein rascheres Auffinden der Verunglückten zu veranlassen, und zwei weitere Bergleute, welche in den Schacht hinab⸗ gestiegen waren, ebenfalls in der Tiefe ihr Grab. Auch sie wurden durch einen Nachrutsch von Erdmassen plötz⸗ lich überschüttet, nachdem sie kaum die drohende Gefahr bemerkt und von einigen Bergleuten darauf aufmerksam gemacht werden konnten. Von den Ueberschütteten ist nur einer gerettet, zwölf derselben haben in der Grube ihren Tod gefunden und bis jetzt sind erst zwei dleser Unglück⸗ lichen herausgegraben worden.

Erfurt. Die Lutherzelle in Erfurt, in welcher Luther seinen Bußkampf als Augustinermönch durchgekämpft, ist am 7. d. abgebrannt. Die Bibel mit Luther's Randbe⸗ merkungen, mehrere handschrifiliche Aufzeichnungen resorma⸗ torischer Männer, das Fremdenbuch, in welches sich ein Schiller, Goeihe, Alixander v. Humbold, die Königin Louise und Friedrich Wilhelm III. eingezeichnet hatten, sind ein Raub der Flammen geworden. Der berübmtie Todientanz, das Muscum des Waisenhauses, das Beller⸗ mann'sche Museum sind zu Grunde gegangen und mit ihnen viele werthvolle unersetzliche Gegenstände, unter anderen die kostbare Bibel mit der goldenen Schrift, welche mit Mühe den räuberischenänden Napoleon's I. ent⸗ rissen worden. Nur noch die massiven Umfassungs mauern j nes eiwa nach 1266 erbauten Augustiner Eremitenklostecs stehen, durch dessen Pforten am 17. Auaust 1505 der Magister Martin Luther im Alter von 21 Jahren als Bettelmönch eintrat.