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— Ein Artikel der„N. fr. Pr.“ über die Lage Frankreichs schließt mit folgenden Sätzen: „Leider ist es so weit gekommen, daß über die Zukunft dieses Landes und seine demnächstige definitive Regierung etwas Bestimmtes sich gar nicht sagen läßt. Was der Graf von Chambord will, verursacht in ganz Frankreich Hohnlachen und Achselzucken. Was die Majorität in Versailles und die Prinzen von Orleans anstreben, hält ebenfalls kein vernünftiger Mann im Lande für möglich. Die Republik mit Herrn Thiers ohne Republikaner ist bereits zum Kiaderspiele geworden, und die Republik mit Gambetta und Genossen bat man gleichfalls längst zu den Todten geworfen. Das ist ein Zustand, welcher den philosophischen Zuschauer in Chiselhurst mit Hoffnungen zu er: füllen geeignet wäre, wenn seine Bande in Frank reich irgend eine Aussicht hätte, zu Macht und Ansehen zu gelangen.— Aber der Bonapartismus kann unter den heutigen Verhältnissen so wenig als die Legitimität und dee Orlenniemus, als die gemäßigte und die rothe Republik auf einen An- bang zäblen. Es ist eben eine Gesellschaft, der jeder Halt abhanden gekommen ist und die den Abbang des Verfalles noch weiter hinabzukollern bestimmt scheint, als dies jemals für denkbar ge⸗ halten wurde. Was sich aus diesem Chaos von Prätensionen und Parteileidenschaften entwickeln wird, die Zukunft wird es offenbaren. Heute schon darüber zu conjecturiren, wäre ein ver— gebliches Bemühen.“
Schweiz. Bern. Der Ständerath ist mit großer Majorität dem Beschlusse des National- ratbs, das Verbot des Jesuitenordens in der Schweiz und seine Thätigkeit in Kirche und Schule betr., beigetreten, hat dagegen den Beschluß des. selben, durch welchen die Errichtung neuer und die Wiederherstellung aufgehobener Klöster ver— boten werden sollte, abgelehnt.
Frankreich. Paris. Die Verhandlungen über den deutsch⸗französischen Postvertrag haben zu einem den deutschen Forderungen enksprechenden günstigen Abschluß geführt. Die Unterzeichnung des Vertrages ist in allernächster Zeit zu erwarten. — Aus Corsica wird die erfolgte Wahl Rouher's zur Nationalversammlung gemeldet.
— Der„Sidcle“ schreibt: Man versichert uns, daß der Kriegsminister mehrere Offiziere, darunter auch einige höbere, welche der Tbeil⸗ nahme an bonapartistischen Intriguen überführt worden waren, aus den Armeelisten gestrichen hat. Das„Journal officiel“ soll nächstens diese Ver- fügung, jedoch ohne Angabe der Motive, ver— öffentlichen.
— Der deutsch⸗französische Postvertrag liegt zur Zeit dem Präsidenten der Republik vor. Das gegenseitige Porto ist auf 40 Cent., für Elsaß⸗ Lothringen jedoch nur auf 30 Cent. festgesetzt. Der Transit ist unentgeltlich.
— Die„France“ versichert, daß, seit dem Rotbschild Frͤres dem Herrn Thiers die eifrigste Mitwirkung bei der neuesten Finanzverhandlung mit Deutschland zugesichert, diese seit einigen Tagen den lebhaftesten Fortgang nehme und daß man die Einzelheiten darüber absichtlich geheim- halte, um vorzeitig eine den Staatsvortheil ge— fährdende Speculationsrichtung möglichst hintan— zuhalten.
Versailles.„Agence Havas“ meldet: Es bestätigt sich, daß das linke Centrum sich eifrig mit Verfassungsentwürfen beschäftigt, insbesondere in Betreff der theilweisen Erneuerung der National— versammlung, der Gründung einer zweiten Kammer, sowie der Ernennung Thiers zum Präsidenten auf Lebenszeit, jedoch werden diese Anträge nicht vor April eingebracht werden. Man erklärt in officiellen Kreisen, die Regierung werde nie auf— hören, nach Mitteln zu forschen, durch welche die Befreiung des französischen Territoriums von der deutschen Occupation beschleunigt werden könne, aber man könne die formellen Uaterhand— lungen mit Aussicht auf Nutzen nicht vor der erfolgten Zahlung der vierten halben Milliarde eröffnen.
Großbritannien. London. Telegraphisch wird gemeldet, daß der von Lissabon kommende
Dampfer„Electra“ am 10. d. im Canal mit der „Dollerah“ zusammenstieß, daß die„Electra“ so⸗ fort versank, und daß der Capitän mit 17 Per- sonen, darunter mehrere Passagiere, vermißt werden. Einigen Matrosen gelang es, mit Hülfe der Barke
„Vesper“, Dover zu erreichen. Von den Ver— mitten wurden hoffentlich mehrere an Bord der
„Dollerah“ aufgenommen.
— Der„Observer“ glaubt, Amerika werde die Zweckmäßigkeit der schiedsrichterlichen Ent— scheidung hervorheben und auf England die Ver— antwortlichkeit für die Nichtanerkennung des schiedsrichterlichen Spruches wälzen.
— Dem„Reuler'schen Bureau“ wird aus Newyork vom 12. Febr. telegraphirt, es heiße, daß in den offiziellen Kreisen Washington's wobl ein großes Interesse, jedoch keine bemerkenswerthe Aufregung betreffs der Alabamafrage vorhanden sei. Für den Fall selbst, daß England vom Vertrag zurücktrete, würden keine ernsteren Resul⸗ tate als vor dem Beginn der Unterhandlungen befürchtet; die Gerüchte von einer Verstärkung der Nationalvertheidigungsmittel seien völlig unwahr.
— Mehrere Blätter bringen die Nachricht, daß der Generalgouverneur von Ostindien, Lord Mayo, in Port blair auf den Andamen-Inseln ron einem Strafgefangenen durch Messerstiche in den Rücken getödtet worden ist.
— In dem Unterhause hestätigt Gladstone, daß der Generalgouverneur von Ostindien am 8. Februar Abends ermordet worden ist. Der Mörder ist ein muselmanischer Deportirter.
— Im Unterhause erklärte Gladstone auf eine Anfrage Goldsmiths, daß die Veröffentlichung der beiderseitigen Denkschriften über die Alabama— frage aus Höflichkeitsrücksichten gegen die Regierung der Vereinigten Staaten im gegenwärtigen Augen- blick unthunlich sei.
Amerika. Newyork. Die Zeitungen sprechen allgemein die Hoffnung auf eine friedliche und freund— schaftliche Lösung der Alabamafrage aus.„New: Nork Times“ hebt die feste Basis hervor, welche durch die Vereinbarung eines Schiedsgerichts die Lösung der Streitfrage gewonnen hatte. Verwerfe England diese Basis, so müsse dasselbe auch die Gefahr tragen.„New Jork Herald“ erklärt, bei der Scheiterung des Schiedsgerichts werde Amerika immer in der Alabamafrage eine Bürgschaft für das gute Verhalten Englands besitzen.
— Die„Newyork Times“ schreibt: Amerika habe niemals die Regelung des in der Klage— schrift aufgeführten enormen indirecten Schadens erwartet; die Entschuldigung Englands in der Einleitung des Vertrags hätte in hohem Maße das Land versöhnt. Nach einer solchen Con— cession wäre es kaum weise gewesen, noch große zweifelhafte Forderungen zu stellen; allein Glad⸗ stone's heftige Rede habe die Angelegenheit außer halb des Bereichs eines Compromisses gebracht. Die„Tribüne“ erklärt: Amerika werde England die ernste Verantwortlichkeit überlassen.
Frankfurt. Letzten Samstag gelang es der hiesigen Polizei, eine Gaunergesellschaft festzunebmen, die seit mehreren Monaten einen wahren Raubzug durch Nord— deusschland gemacht. Es sind 2 Russen von 24 und 26 Jahren und eine 20 jäbrige Dirne aus Hannover, die sich zur gemeinsamen Verübung von Diebstählen förmlich associrt hatten. Sie nannten dies„ihr Geschäft“ und belrieben es in folgender Weise: Bei Gol darbeitern, über— haupt Geschäftsleuten aller Art, erscheint der eine Herr mil der Dame und läßt sich Waare vorlegen; während sie nun mit der Auswahl beschäfligt sind, erscheint der andere Herr, der jene selbstverständlich gar nicht zu kennen simulirt, verlangt auch Waare und verschafft auf diese Weise dem andern Paar Gelegenheit, zu stehlen, was sie eben erreichen können. So trieben diese Gauner ihr Ge— schäft seit vorigem Herbst, waren in Berlin, Magdeburg, Halle, Leipzig, Aschersleben, Braunschweig, Hannover, Köln, überall Diebstähle gleicher Art verübend, bis sie endlich hier ihr Schicksal erreichte, nachdem sie auch hier schon bedeutende Diebstähle verübt hatten. Nam nllich stark betrieben sie ihr Geschäft in seidenen Tüchern, nahmen aber überhaupt Alles mit, was sie bekommen konnten, verschmähten z. B. auch nicht in einer hiesigen Buchhaudlung zwei werthvolle Bücher— fast die größten und dicken die da waren, zu escamotiren. Als Beweis für die Schlauheit dieser Gauner verdient noch erwähnt zu werden, daß die destohlenen Geschäftslͤute erst durch die polizeilichen Mittheilungen erfuhren, daß sie bestohlen seien.
Bonn. Das vorläufig auf die Tage vom 31. August
bis 4. Sepiember d. J. festgesetzte große deulsche Turufest,!
welches in unserer Stabt abgehalten werden soll, geht seiner Verwirklichung entgegen. 1 5 könial. Kriegsministerium, da die biesigen öffentlichen
kommenden Turner nicht ausreichen, auf Antrag der Stadt verwaltung sich bereit erklärt, für die angegebene Menschen⸗ zahl Lagerzelte und wollene Decken leihweise zu überlassen, eine Unterstützung, welche dem Zustandekommen des Festes sehr wesentlichen Vorschub leistet.
Nürnberg. Vor einigen Tagen hat Kaufmann Knab dahier seinen 18jäyrigen Commis Josepb Keilbofer nach hefligem Zunken entlassen. Abends drang der Entlassene in das Knab'sche Comptoir, feuerte auf Knab einen, auf dessen Frau zwei Revolverschüsse ab, verletzte dadurch den Ersteren im G.sichte, die Letztere am Beine, und machte darauf durch einen Schuß seinem Leben ein Ende.
Mittheilungen aus dem Vereine der Gustab-Adolf-Stistung.
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Zu Lyon in Frankreich besteht eine sehr große deutsche Gemeinde. Obgleich sie während des Krieges von der Feindseligkeit der Franzosen vieles zu leiden hat und besonders viele Mitglieder durch Ausweisung derselben ver lieren mußte, so konnte sie doch nicht unterdrückt werden. Sie zählle auch während des Krieges nahe an 10 000 Mitglieder und hal sich namentlich durch die Pflege unserer verwundeten und gefangenen Soldaten große Verdienste erworben. Aber auch nach dem Kriege hatte sie noch diele Anfeindungen unter den bestehenden Verhältissen zu erdulden und fortwährende Uebergriffe von Seiten der kitbolischen Kirche abzuwehren. Zwei interessante Beispiele dieser katholischen Propaganda hat neuerdings der evang. Pfarrer von Lyon mitgetheilt. Er schreibt:„Ein Olden— burger, der am Nervenfieber im Spital bewußtlos dalag, wurde in diesem Zustand von dem katholischen Pfarrer gelauft, und als wir ihn wieder besuchen wollten, wurden wir mit der Bemerkung von einer barmherzigen Schwestrr abgewiesen, der Kranke gehe uns nichts an, er sei katho— lisch. Indessen genas der junge Mann und erfuhr von seinen Bettnachbarn, was mit ihm geschehen war. Er war entrüstet über dieses gewalttbätige Benehmen und legte in unserer Gegenwart ein schönes Bekenntniß zur Ehre des Evangeliums ab.— Vor Kurzem wurde einer unserer Schulknaben von den Blattern befallen, dessen Mutter sich mühsam als Wäscherin nährte. Die Krank- heit zog sich in die Länge und ließ ein unheilbares Uebel im Unterleib zurück. Der Knabe war unrettbar, wir be⸗ suchten ibn öfters und freuten uns über seinen frommen Sinn. An einem Sonntag Morgen ließ er mich eilig rufen.„Geben Sie mir Ihren Segen? schrie der Kleine laut, als ich an sein Bett trat. Ich betete und segnete ihn. Darauf wurde er ruhiger und ich fragte ihn, warum ihm so viel an meinem Segen liege. Er erzählte mir:„Gestern Abend während die Mutter fort war und Wäsche austrug, kam der katholische Priester und taufte mich. Ich wollte nicht und sagte, ich wollte evangelisch bleiben. Er hörte nicht darauf, Ich schrie nach der Mutter, aber Niemand kam und ich war zu schwach mich zu wehren. Nun habe ich Angst, ich werde so katbolisch und abgefallen aus der Welt gehen.“ Ich hatte Mübe das geängstete Gewissen des Kleinen zu beruhigen, und mußte ihm versprechen, in der Kirche diesen Morgen für ihn zu beten. Er starb zu derseben Stunde, da die Ge— meinde für ihn betete.“ Was würde wohl aus unseren evangelischen Glaubensgenossen in der Zerstreuung werden, wenn der Verein der Gustav-Adolf- Stiftung nicht wäre, der sich ihrer beschützend annimmt?—
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