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3) bei Auenheim. Sämmtliche Orte liegen ca. 1½ Stunden von Straßburg entfernt und be⸗ trägt der Umfang des von ihnen umschlossenen Geländes circa 4 Stunden. Die badischen Orte, welche in den Festungsbereich direkt eingeschlossen worden, sind demnach: Kehl(Stadt und Dorf), Neumühl, Sundbeim, Bodersweier, Auenheim, Qui bach. Im indirecten Bereich der sämmtlichen Forts liegt der ganze Amtsbezirk Kork oder das sogenannte Hanauerland, das ehedem schon unter linksrheinischer Herrschaft stand.
Straßburg. Ueber den Wiederaufbau Straß⸗ burgs wird der„Karlsr. Ztg.“ geschrieben:„Es ist jetzt die äußere Schale des Theaterbaues nahezu vollständig wieder hergestellt, der Dachstubl im Aufsetzen begriffen. Im Innern des Baues starrt uns aber noch ein fast vollständiges Cbaos ent- gegen. Auf der Steinstraße ist die rechts(von
der Stadt aus) liegende Häuserfronte in ver⸗
jüngtem, stolzem Gewande gänzlich wieder neu erstanden, an der linken Fronte ziehen nur einige wenige Hausbesitzer noch den Fortbestand der Brandruinen den unausbleiblichen Neubauten vor. Sehen wir ab von einigen Ruinen am Schöpflin⸗ Staden(Quai Schöpflin), von der zerstörten Militärmüble am„Weißen Thurm“(ehemals National-) Thor, von der ausgebrannten Fronte der sogen.„Aubette“(Kunstmuseum, Platztom⸗ mandantschaft u. s. f.) auf dem Kleberplatze und den abgebrochenen Ueberbleibseln der Bibliothek und der„neuen Kirche“, so sind die auffälligsten
Reste der Zerstörung von 1870 aus der Stadt
entfernt. Die zwei großen Bauplätze zunächst dem Broglieplatz scheinen nämtich jetzt auch ernstlich in Angriff genommen zu werden. Die„Präfektur“ wächst rasch in die Höhe. Auch im benachbarten Kehl hat man bis auf wenige Stellen mit den Ruinen tüchtig aufgeräumt.“
Metz. Die„N. A. Z.“ meldet, daß die Ausweisung der Jesuiten hier eine beträchtliche Aufregung hervorgerufen habe, und fügt bei: „Bis zur letzten Stunde hoffte man noch immrr, daß man einen Ausweg finden würde. Man rech⸗ nete auf Protettionen. Diese Hoffnungen sind aber alle zu Wasser geworden.“
Ausland.
Schweiz. Bern. Die Genfer Regierung hat den Bischof von Freiburg zur Wiederbesetzung zweier katholischen Pfarrstellen aufgefordert. Man erwartet, daß diese Maßregel zur Aufklärung über die angebliche Gründung eines besonderen Bis- thums in Genf führen werde.
Frankreich. Paris. Die Blätter füllen ihre Spalten mit Betrachtungen über die Drei⸗ Kaiser⸗Zusammenkunft. Cassagnac findet bei dieser Gelegenheit, daß„man leider erfahre, daß Frank⸗ reich nicht mehr viel in der europäischen Waage wiege“;„Bien public“ äußert sich dagegen ziem⸗ lich optimisiisch und der„Constitutionel“ tröstet seine Leser damit:„Europa weiß, daß Frankreich sich sammeln kann, ohne darum todt zu sein, und daß die großen europäischen Interessen nimmer gewahrt sein werden, so lange Frankreich von den Erörterungen der Mächte fern gehalten wird.“ Der französische Gesandte in Berlin, Hr. v. Gontaut Biron, hat übrigens, der„Opinione nationale“ zufolge, aus Versailles den Befehl erhalten, auf seinen Posten zurückzukehren und ihn während der Dauer der nächsten Zusammenkunft der drei Kaiser nicht zu verlassen. Herr de Gontaut-Biron war in Schwalbach.
— In den früheren Bureaus des„Peuple frangais“ Rue Montmartre, wurde eine großze Anzahl von Broschüren, sammt einer Liste von Agenten aller Art mit Beschlag belegt. In dieser Liste fand man auch die Namen von ein Dutzend Polizeiagenten der Republik, die insgeheim für die gestürzte Regierung arbeiten. Man will überhaupt bei den höheren Beamten Spuren, wenn nicht von Verrath, doch von großer Lässigkeit wahrgenommen haben. Ein Journal der Haute-Savonne erzählt sogar, der Präfekt dieses Departements habe das Resultat der Anleihe noch gar nicht bekannt gegeben.
— Die„Semaine financidte“ meldet: Die von der Regierung akeeptirten Zeichnungen betragen
893,000 Frs. Rente, wovon 36,000 auf Paris, 67,000 auf das Ausland und 790,000 Frs. auf die Deparsements fallen. Der verhältnißmäßige Zutheilungssatz würde 7.88 pet. sein. Zeichner von 100 Frs. sellen 10, Zeichner von weniger als 100 Frs. 5 Frs. Rente erhalten.
— Die Regierung soll die 600 Millionen Capital betragende Unterzeichnung eines dänischen
Hauses annullirt haben wegen ungenügender Garantie. Dieselben bestanden in Wechseln auf Berlin.
— Nach Berichten aus Brest v. 5. ist das Transportschiff Garonne mit 580 Deportirten nach Neu⸗Caledonien abgegangen. Die Zahl der Schiffe, die bis jetzt mit Deportirten abgegangen sind, be- trägt fünf. Drei Segelfregatten werden für den nämlichen Dienst ausgerüstet. Die letzten Nach⸗ richten aus Neu- Caledonien gehen bis zum 17. Mai. Die Fahrt nach Caledonien dauert 105 Tage. Die Lage auf Neu⸗Caledonien war eine gute.
Trouville. Es haben hier Experimente mit neuen Kanonen stattgefunden. Thiers und General Cissey wohnten denselben bei.
Großbritannien. London, 10. Aug. Das Parlament wurde heute durch eine Com- mission geschlossen. Die Thronrede erkennt die Thätigkeit des Parlaments an und hebt die Be⸗ friedigung der Regierung über die Beilegung der Alabama Angelegenheit hervor. Die Thronrede erwähnt bezüglich des französischen Handelsver⸗ trages, daß Frankreich neuerdings den Wunsch eines weiteren Meinungs⸗ Austausches angedeutet habe, sie spricht sich mit Befriedigung über den Abschluß des Auslieferungs vertrages mit Deutsch land, sowie über die neuerdings getroffenen Maß regeln zur wirksamen Unterdrückung des ostafri⸗ kanischen Sklavenhandels aus.
Italien. Rom. In einer jüngst stattge⸗ habten Versammlung, welche in Gegenwart des Generals Pater Bekx und vieler Oberen der ver⸗ schiedenen Europäischen Jesuiten⸗Sektionen in der großen Aula des giesigen Jesuiten-Klosters abge⸗ halten wurde, soll der Beschluß gefaßt worden sein, daß, so lange die Verfolgung und Verbannung des Ordens in Preußen dauert, die Laiengesell⸗ schaften deren Stelle vertreten sollen, indem sie ihren Eifer und die Thätigkeit für die Zwecke des Ordens verdoppeln. Diese Gesellschaften sind die Gesellschaft der vereinten Brüder, der Verein für das Gebet und die Brüderschaft der guten Katholiken.
Gießen. Die Arbeiteinstellung der Schuhmacher⸗ gesellen dahler scheint einen raschen, gemüthlichen Verlauf zu nehmen, denn von 34 die Arbeit Einstellenden feiern nur noch etliche 20, und diese würden am Ende auch wieder gearbeitet haben, wenn ihnen nicht von Offenbach und Leipzig baare Unterstützung zugeflossen wäre. Die Leute scheinen sich der Einsicht nicht verschlossen zu haben, daß auf gütlichem Wege eher etwas zu erreichen sein wird, als mit Gewalt.
Von Frankfurt wird der„Allg. Zig.“ geschrieden: „Die Doctoren Karl v. Friisch und J. J. Rein sind wohlbehalten von ihrer wissenschaftlichen Reise nach den Canaren(wo Dr. v. Fritsch bereiis 1861 war) und nach Marokko zurückgekehrt. Diese Reise wird von Vortheil jür die Erd⸗ und Naturkunde beider Länder sein. Be⸗ günstigt durch Empfehlungen der deuischen Reichsregierung und durch den großbritannischen Generalconsul in Tandscher, Sir John Drummond Hay, fanden sie im marokkanischen Reiche nicht die Schwierigkeiten, von welchen noch Dr. G. Rohlfs und Herr von Maltzan berichten. In der Stadt Marokko waren sie Gäste des Kaisers, welcher ihnen ein eingerichtetes Haus zur Verfügung gestellt hatte. Den Kaiser selbst, welcher bekanntlich jetzt in Jés residirt haben sie nicht gesehen, da die bei dieser Gelegenheu nach orientalischer Sitte noihwendigen Geschenke die Reise un⸗ verhälinißmäßig vertheuert hätten. Der Weg nach Fös, jo wurde den deutschen Gelehrten überall versichert, sei ohne Gefahren. Ueber ihre Forschungen hinsichtlich der Geologie(Entdeckung von Salzlagern), Botanik, Zoologie und Alter shumskunde des Landes(zumal des Ailas) werden die Reisenden demnächst selbst berichten.“
Darmstadt. Zwei aus dem Wirihshaus Abends heimkehrende Brüder wurden überfallen und durch Messer⸗ stiche verletzt. Leider ist die Verletzung des Einen, Stiche in den Unterleib, als tödtlich zu betrachten. Der Thäter, ein 20jähriger Bursche, ist verhaftet.
In Köln ist das Bonner Turnsest noch zu einem würdigeren Abschluß gediehen. Als am Morgen des 7. über 1000 Turner bier eintrafen, wurden dieselben am Bahnhofe mit Musik und Ansprachen empfangen und von den hiesigen Turnern zur Besichtigung der Merkwürdigkeiten, zum Museum, dem Gürzenich, dem Rathhaus, zum Dom, dem neuen Theater u. s. w. begleitet. Am Nachmittage versammelten sich die Turner in der Turnhalle zum Zuge
nach dem Zoologischen Garten und zur Flora
sehr langer Zug mit vielen Fahnen und drei Mutters S
setzte sich in Bewegung durch die geschmückten
der Stadt, wo zahlreiche Bouquets, Kränze und Blumen von schöner Hand gespendet wurden, so daß bie in Bonn kihl gebliebenen Fahnen sinnig geschmückt werden konnlen. Im Zoologischen Garten angekommen, entwickelte sich trotz 7 des Regens ein lebhaftes Treiben. Darnach zog man
zur„Flora“, wo sich ein ebenso gemüthliches, wie patrio⸗ lisches Leben entwickelte, das in Liedern, Reden und Toasten seinen Ausdruck fand. Erst spät am Abende schieden die Turner, gewiß mit einer schönen Rückerinnerung an die Metropole am Rhein.
Aus der Pfalz. In welch großartigem Maßslabe die Pir masenser Schuh⸗Industrie betrieben wird, mögen nachstehende Ziffern beweisen. In der Stadt selbst, weiche 8431 Einwohner zählt, sind über 3200 Personen mit der Verfertigung der Schuhe beschäfligt(etwa 38½ pet.
der Bevölkerung). Die Landbevölkerung, welche in diesem
Industriezweig thätig ist, kann ich nicht nach Zahlen
angeven, jedenfalls wird sie nicht besonders viel hinter ö
der städlischen Bevölkerung zurückbleiben, dieselbe vermehrt sich aber noch, da sich fast alle jugendlichen Kräfte des Pappschuhmachens sog. Pirmasenser zuwenden. Im vorigen Jahre wurden über 292,000 Dutzend Paar Schuhe ver⸗ fertigt; nimmt man das Dutzend zu nur 15 fl. an, so ergibt sich eiue Summe von über 4,000,000 fl. In den verschiedenen Schuhfabriken befinden sich 341 theils größere, theils kleinere Maschinen. Die Fabriken beschäͤftigen 13 Buchhalter und Commis, 54 Reisende und 133 Zu⸗ schneider und Verpacker. Gerbereien befinden sich 13 in Pirmasens, welche jährlich etwa 60,000 Cen iner Lohrinden verbrauchen und 80— 90 Arbeiter stets beschäftigen. Wien. Ueber eine angebliche, in den Zeitungen viel besprochene und alle Kreise der hiesigen Bevölkerung sehr beschäftigende Geistererscheinung in der Hosburg theilt das„Tagvlatt“ folgendes Nähere mit. Nachdem ein Wachtposten vor einem angeblichen, aus den Ge⸗ mächern der verstorbenen Erzherzogin Sophie gekommenen ‚„Gespenst“ die Flucht ergriffen hatte, warde am Morgen sofor! dem Oberhofmeisteramt Bericht über den Vorfall erstattet. In der folgenden Nacht wurde die Erscheinung, eine weiße Frauengestalt, die sich in einer Art von Dunst⸗ kreis zu bewegen schien, don mehreren Personen be⸗ obachtel. Die Erscheinung war nur sehr kurze Zeit sicht⸗ bar und verschwand plötzlich mit einer Schnelligkeit, wie wenn ein Licht auslischt. Einige Nächte später wurbe
das Gespenst zum dritten Male gesehen. Ein Militärposten, der hinter einer Ecke stand, wurde durch die plötzliche Er⸗
scheinung derart erschreckt, daß er ohnmächtig zusammen⸗ brach. Wieder einige Nächte später zeigte sich die Er⸗ scheinung zum vierten Male. Diesmal sollte es jedoch zu einer Katastrophe kommen. Der Posten nächst dem
erwähnten Appartement, ein junger Soldat, der Sohn
eines in der Taborstraße wohnhaften Greißlers, sah die Erscheinung auf sich zukommen. Als dieselbe sich ihm auf beiläusig zehn Schritte genähert hatte, fällte er bas Bajonnet und stürzte auf den Spuck zu. Der„Geist“, von dem resoluten Angriff des Soldaten überrascht, drehte sich rasch um und begann zu laufen, um zu entkommen. Der Soldat rannte demselben nach und als er die Spuck⸗ gestalt beinahe erreicht hatte, wendete sich diese um. Ohne ein Wort zu sprechen führte der Soldat einen Stich mit dem Bajonnet und in demselben Momente fiel die Er⸗ scheinung mit einem sehr menschlich klingenden Schmerzens⸗ schrei zu Boden. Es kamen nun zwei Burg⸗ Gendarmen herbet, und diese drei Personen erkannten in dem Ge⸗ spenste einen jungen, bartlosen Mann. Ob derselbe ein Geistlicher war, konnten sie nicht bestimmen, bingegen sahen sie, daß er eine liefe Stichwunde in den Hüften er⸗ halten hatte und ein Blutstrom auf die Steinplatten des Ganges rieselte. Der Soldat wurde abgelöst und am folgenden Tage von Wien entfernt. soll er in strengen Gewahrsam genommen sein. Was mit dem Verwundeten geschab, konnte man nicht erfahren. Die„Presse“ will zwar wissen, daß das verwundete Ge⸗ spenst ein Burggeistlicher gewesen sei, welcher sich gegenwärtig in dem Jesuiten⸗Collegium zu Kalks⸗ durg bei Wien in Verpflegung befinde, dieser Annahme, widersprechen jedoch andere Nachrichten, welche bebaupten, daß man den schwarzen Herren diesmal Unrecht thute wenn man ihnen die Veranstaltung eines Spukes in die Schuhe schiebt. Von sehr glaubwürdiger Seite wird die Angabe, es sei das von dem Bajonnete eines energischen So daten getroffene„Gespenst“ ein Mitglied der Burge geistlichkeit gewesen, widersprochen. 0 lautet, der„Geist“ sei ein hoher Herr gewesen, der eine Zofe mit seiner Guns beehrte und, um dieselbe des Nachts unerkannt besuchen zu können, sich in weibliche Nacht⸗ kleider gesteckt habe..
Aus Innsbruck, 8. Aug., telegraphirt man dem Münchener„Vaterland“: Gestern, Abends um 6 Uhr 54 Min., heute früh um 6 Uhr 14 Min., heftiges Erd- beben. 5
Aus Interlaken meldet eine Nachricht, daß am 24. Juli bei Besteigung des Roththalsattels zwei Menschen durch einen Lawinensturz um's Leben kamen. Ein Drifter retlele sich mit unsäglicher Mübe in's Thal, nach⸗ dem ihn die Lawine auf einen Felsen seitwärts geschleudert und er mehrete Tage sich nothdürftig mit Chocolade und Käsekrusten ernährt hatte. Die Verunglückten, ein Lehrer und ein Führer, hinterlassen beide zahlreiche Familien.
New⸗ Vork. Die Kapelle des königlich preußischen Kaiser⸗Franz⸗Grenadier⸗Regiments hat, wie die„New Vorker Handelszeitung“ bemerkt, sowohl beim Jubiläum in Bosion als auch in einer Reihe von Concerten in
anderen Städten der Union viel Beifall, Ruhm und Ehre,
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