Ausgabe 
13.6.1872
 
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Arbeit, Wettermangel ꝛc., achtstündige Schicht, incl. Ein- und Ausfahrens, sowie Gewährung

eines ermäßigten Preises für den eigenen Kohlen-

bedarf der Arbeiter verlangt wurde. Ehe es aber roch zu einer Verständigung über diese For derungen kam, führte folgender Zwischenfall be⸗ reits zu einem Conflict. Als nämlich an jenem 2. Juni ein zum Essener Verbande gehöriger

Delegirter der Zeche Eintracht-Tiefbau den Gruben-

verwalter um die Erlaubniß nachsuchte, eine Comitesitzung in Essen besuchen zu dürfen, und dieselbe, bezw. die Zeit dafür, verweigert wurde, fuhr der Bergmann ein, es stellten aber sofort 70 Mann die Arbeit ein. Als nun dieserbalb diese 70 den folgenden Tag jeder mit 5 Sgr. Strafgeld belegt wurden, begann die ganze Be⸗ legschast, etwa 1000 Mann den Strike.

München. In Betreff des Beschlusses des Münchener Universilätssenats hinsichtlich der Ju- biläumsfeier und der Anstellung von zwei Pro- fessoren infallibilistischer Richtung ist in den nächsten Tagen eine authentische Darlegung zu erwarten; die bisher hierüber zur Veröffentlichung gelangten Berichte werden als einseitig bezeichnet. Daß die Jubiläumsfeier jedenfalls nicht unter⸗ bleiben soll, wird mit Bestimmtheit versichert.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Von hier wird der Karlsr. Ztg. bestätigt, daß ein Kanal, der die Donau mit der Oder verbinden soll, zur Aus- führung reif ist. Der Kanal verläßt die Donau bei Greß-Engersdorf, wenige Stunden von Wien, und mündet bei Oderberg in die Oder. i

Vom auswärtigen Amte werden die Hof räthe Teschenberg und Wohlfahrt, von der eis⸗ leithanischen Regierung Hofrath Schmidt, von der ungarischen Regierung die Räthe Fabiepi, Jekel⸗ salussy nach Berlin entsendet werden, um dort in Betreff der Internationale und deren Bestrebungen Berathungen zu pflegen.

Frankreich. Paris. Am 8. Juni fand das feierliche Leichenbegängniß des Marschalls Vaillant statt. Eine ganze Division unter Lad⸗ mirault's Befehl geleitete die Leiche nach der Kirche St. Clotilde. Fast alle militärischen Autoritäten, Mac⸗ Mahon, Eissey, Vinoy, Canrobert, sowie eine Deputation der Nationalversammlung nahmen am Zuge Theil. Um 1 ½ Uhr verkündeten die Kanonen der Invaliden, daß die Feier zu Ende war. Der Sarg verblieb in der Kirche, aus welcher er des Abends abgeholt werden soll, um mittelst Eisenbahn nach Dijon befördert zu werden. Während des Begräbnisses erzählte man, daß auch der schon längere Zeit gelähmte Marschall Forey täglich seiner Auflösung entgegensehe.

Am 10. Juni hielt die hier versammelte protestantische Synode ihre erste Sitzung ab. Zwischen den Orthodoxen und Liberalen entspann sich eine lebhafte Discussion. Jalabert, Doyen der Facultät von Nancy, war der Meinung, daß die Synode nicht durch alle Glieder der reformir⸗ ten Kirche vertreten sei. Guizot sagte: Die Synode besitze constituirende Gewalt. Sie werde die liberale Partei nicht verhindern, sich zurück⸗ zuziehen und eine andere Nirche zu gründen, wenn das Gewissen ihr dazu rathe. Clamageran er⸗ klärte, das von der orthodoxen Majorität ange- nommene Glaubensbekenntniß offenbare den Wunsch der Majorität, in die reformirte Kirche Frank⸗ reichs ein Schisma zu bringen,(Lebhafte Pro⸗ testationen.)

Versailles, 10. Juni. Nationalversamm⸗ lung. Fortsetzung der Berathung des Kriegs- dienstpflichigesetzes. Charenton, Guillemaut und Keller sprachen sich für die vierjährige, Changarnier, Chasseloup-Laubart für die fünfjährige Dienstzeit aus. Thiers stellte in Erwiederung Lavergne's in Abrede, daß zu große Contingente den Aufschwung der Bevölkerung hinderten. Er sagte, eine Dienst⸗ zeit von weniger als 5 Jahren würde die Ein⸗ teihung in die Cadres unmöglich machen. Thiers verlangte eine sofortige Abstimmung, worauf die Versammlung das Amendement auf vierjährige Dienstzeit mit 495 gegen 59 Stimmen verwarf.

Belgien. Brüssel. Der König hat durch ein vom 7. Juni datirtes Decret B. Dumortier, das bekannte klerikale Mitglied der Representanten⸗ kammer, zum Staatsminister ernannt.

Holland. Gravenhage. Johann Rudolph Thorbecke's irdische Ueberreste wurden am 9, Juni zur Erde bestattet. Die Leichenfeierlichkeit war großartig in ihrer puritansschen Einfachheit. Es war sein Wille, wie der geringste Bürger be⸗ graben zu werden. Nur ein Wagen folgte dem Leichenwagen: sein Sohn und seine beiden Neffen befanden sich darin. Dann aber kam ein unab- sehbarer Zug; alle Minister, alle hohen und niederen Behörden, Deputationen aller liberalen Vereine des Landes, Bürger aus allen Ständen, Niemand war zu Hause geblieben; Thorbecke ward begraben nicht als Minister, sondern als der erste Bürger des Landes. 1

Großbritannien. London. Ein von Delegirten der Bau⸗Arbeiter abgehaltenes Meeting hat sich im Princip für eine Vermittlung erklärt, dagegen die von den Bau- Unternehmern vorge- schlagenen Vermittlungsbedingungen nicht ange nommen.

Nach einem Telegramm derTimes aus Philadelphia wird Amerika nach der Einreichung der Beweis Argumente an das Genfer Schieds gericht in die Vertagung des Schiedogerichtes willigen, selbst aber die Vertagung nicht bean; tragen. Nach einem Telegramm derDaily News weigert sich Staatssekretär Fish, dem Antrag auf Vertagung beizutreten. Amerika werde jedoch nicht opponiren, falls die Schiedsrichter in die Vertagung einwilligen.*

Das Oberhaus hat die Ballotbill in zweiter Lesung mit 86 gegen 56 Stimmen angenommen.

Italien. Rom. Kronprinz Humbert wird sich von Dresden zu mehrtägigem Aufenthalt nach Baden-Baden begeben. Die Kronprinzessin be⸗ gibt sich nach Schwalbach und wird hierauf die

wird hierher gemeldet, daß die Ueberschwemmung des Po eine Ausdehnung von 90 Kilometern erreicht hat und gegen 22,000 Personen obdachlos ge⸗ worden sind.

Spanien. Madrid. Der Senat hat dem Marschall Serrano gleichfalls ein Vertrauens- votum bezüglich der Convention von Amorevieta ertheilt. DerDiario del pueblo behauptet, daß Castelar(wie Zorrilla) sein Mandat für die Cortes niederlegen werde.

Amerika. Washington. Es wird ver- sichert, Granville habe neuerdings eine Note an das hiesige Cabinet gerichtet, worin wer constatirte, daß die Vertagung des Schiedsgerichts zur Auf; rechthaltung des Vertrages von Washington noth⸗ wendig sei. Er beantrage daher, eine Verschiebung der Arbeiten des Schiedsgerichts um acht Monate zu vereinbaren.

Newyork. Aus Mexico eingegangenen Nach- richten zufolge wurden die Regitrungstruppen in einem größeren Gefechte bei Monte Morelos ge schlagen und ist Monterey von den Insurgenten wieder besetzt worden.

Fraukfurt. Nach einem Berichte, welchen die hiesige Gartenbaugesellschaft von ihrem Stipendiaten im pomo⸗ logischen Institut zu Reutlingen, Herrn Heinrich Kern, dieser Tage empfing, ist durch ein großes Gewitter am 19. Mai 4 Uhr Nachmittage die ganze Baumschule des Instituts durch Hagelschlag zu Grunde gegangen, so daß alle Voffnung auf eine Obsternte geschwunden ist. Das Ge⸗ witter dauerle nur 5 Minuten. ö

Mainz Eine wegen Leichenberaubung auf dem hiesigen Begräbnißplatz eingeleltete Untersuchung scheint sich nach und nach ausdebnen zu sollen. Einstweilen wird don einer Seite, deren Einfluß auf die öffentlichen Ange⸗ legenbeiten nicht unbedenklich ist, die Sache mit der Be⸗ hauptung abzuschwächen gesucht, der Trieb zu Unregel⸗ mäßtgkeilen liege in den Besoldungoverhältnissen der Siellung. Das ist aber nicht der Fall. deun für Hersiellung und Schließung eines Grabes ist mindestens eine Extra⸗ gebühr von 30 Kreuzern zu zahlen, die auch Armen nicht nachgelassen wird. Diese Gebühien machen neben dem Gehalte eine recht schöne Jahressumme aus. Ob die auf etwa 30,000 fl. geschätzten Ersparnisse des Aussehers aus diesen oder anderen Erträgnissen herrühren, wird die Untersuchung fesistellen. Für jetzt scheint man die Absatz⸗ quellen für die den Leichen geraubten Kleider, abgeschulttenen Haare, Särge und Kostbarkeiten schon entdeckt zu haben.

Seebäder von Ostende besuchen. Aus Ferrara

Die Leichenräuberei scheint ganz systematisch und die Fort⸗ schaffung der entwendeten Dinge bei Nacht betrieben worden zu sein. Bei den Beerdigungen sind nicht immer bie nächsten Angehörigen der Verstorbenen zugegen, ein Um⸗ stand, der dem Unwesen viel Vorschub leistete. 981 Worms. Der Rhein hält sich noch immer fest auf seinem hohen Wasserstand, ja in den letzten Tagen hat sogar noch etwas zugenommen; immer noch dehnen sic die weiten Wasserflächen über die Niederungen, und ver⸗ geblich schaut der Landmann Tag für Tag aus, ob sich die Fluth nicht zurückzieht. Hat sie sich verlaufen, dann

um die angerichteten Schäden auszubessern, sondern auch um nachzuholen, was in den letzten 10 Jahren, wo man durch das Ausbleiben starker Hochwasser sicher gemacht wurde, unterlassen worden war. Die Hauptarbeit wird bei Maxau und bei Speyer zu thun fein.

Wiesbaden. Man erfährt, daß auf speziellen Wunsch des Kaisers Kapellmeister Parlow vom pommer'schen Füstlier⸗Regiment Nr. 34 zum Dirigenten des hiesigen slädlischen Kurorchesters ernannt werden wird. f

Wiesbaden. Die Mittelrh. Zig. meldet: Am 7. d. Abends gegen Ubr wurde eine hiesige Familie auf offener Landstraße(zwischen dem Kloster und der Stabt) von vier Strolchen' mit Todtschlägern und Messern an⸗ gefallen und es ist nur der energischen Gegenwehr des Mannes zu verdanken, daß er und seine Frau nicht de⸗ raubt worden sind. Der Frau wurde eine erhebliche Wunde an der Stirn beigebracht und faßt das eine Auge mit einem Todtischläger ausgeschlagen, außerdem wurde sie noch sehr stark mißhandell.

Wiesbaden. gerichts verurtheilte am 11. Juni den Pfarrer Diefenbach zu Hofheim wegen Mißbrauchs der Kanzel zu einmonat⸗ licher Festungshast.. 85

London. Consul Kirk meldete aus Sansibar tele graphisch hierber: Livingstone lebt in Unyanyembe; er besuchte das Nordende des Tanganyika⸗Sees.

Batavia. Von dort wird gemeldet, daß am 15. April l. J. ein befliger Ausbruch des auf Java gelegenen Vulcans Merapia statt fand, welcher bis zum nächsten Tag andauerte, und die Umgebung meilenweit mit einer 4 bis 5 Fuß hohen Aschenschicht überdeckte. Der Schaden ist sehr beträchtlich. In Surakarta allein gingen 46 Häuser zu Grunde. Die Erndte wurde vollständig vernichlet. Leider sind auch zahlreiche Menschenleben zu beklagen. In Kadu z. B. wurden 136 Personen getödiet.

D. Frankfurt a. M., 11. Juni 1872. Man wird wohl nicht zu seht jehl greifen, wenn man Angesichts der gegenwärtigen Hausse der leitenden Speculationseffecten der Vermulhung Ausdruck gibi, daß dieselbe eine künstlich hervorgerufene sei, und zwar um im Hinblick auf die verschiedenen bevorstehenden Emissionen, als da siud neue Wiener Unionbank⸗Actien, Petersburger Handelsbank-⸗Actien, Gotthard⸗Obligattonen u. s. w., eine günstige Stimmung des Marktes hervorzurufen. Begünstigt wird dieses Sireben durch die anhaltende Geld-Abundanz, und so sehen wit die Kurse der Haupt⸗ Arbitrage Effecten binnen 2 bis 3 Tagen auf einer Höhe angelangt, welche man sich vor 8 Tagen kaum hälte träumen lassen. Ob sie noch über⸗ sniegen wird? Fast bat es den Anschein, denn heute wurden Staatsbahn⸗ und Credilactien mit Lust und Liebe hin und her gehandelt. Dem aufmerksamen Beobachter aber. konnte es doch nicht entgehen, daß die Kurse wenigstens für heute nicht böher zu treiben waren, sondern eber nach unten aravitirten. Staatsbahn schwankt zwischen 38283 und Creditactien zwischen 35150. In Lombarden war relativ weniger Geschäft und wurden dieselben mit 217½ bezahlt. Von Bahnen waren Nordwest, und Elisabeth höher. Bex⸗ bacher begehrt. Banken ohne Geschäft. jest und bei gutem Verkehr. Loose, mit Ausnahme von österresch. 60er und Ungarn, mill. Oesterreich. Rente in gutem Ve kehr. Süddeuische Staalspapiere fest.

direet 8 mit jeder Postt be ötdete ich, die meiner Annoncen⸗Expedition zur Vermittlung aufgegedenen Inferate, ohne Anrechnung don Provifion oder Porto, zu den Original-Zeitungspreisen an die für die verschiedenen Zwecke 19008 11

bestgeeigneten Zeitungen

dis In und Auslandes. 799 72 85 Meine Provision deziehe ich als offizleller Agent von den detreffenden Zeitungen. 5

Rudolf Mosse,

Annoncen Expedition

Berlin, Wien, Nürnberg, München, Hamburg, Stuttgart, Straßburg.

ürich, Leipzig, 3 S., Breslau,

5 Prag. N

Alleinige Inseraten Pacht: 0 1 640 Nitgende Jlätter,Kladderadatsch,

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vchigaro. 14

gibt es Arbeit vollauf an den Rheindämmen, nicht bloß

Die Strafkammer des hiesigen Kreis-

Prioritäten sehr

Von Franzsurt a. M. 0

45 Zeil, Frankfurt a. M. Zeil 45.