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fragte Rreisassessor E. Lauteschläger zum Kreis · rath des Kreises Lindenfels— und der mit der Verwaltung des Kreises Schotten beauftragte Kreis⸗ assessor Dr. B. Jaup zum Kreierath des Kreises Schotten ernannt.
— Geeichtsacessist Dr. Otto Jochem aus Wieseck wurde zum Landgerichtsassessor bei dem Landgericht Ulrichstein ernannt.
Mainz. Am verstossenen Sonntag akte sich ein hessischer Dragoner zu dem letzten nach Darm- stadt gehenden Zuge verspätet und begab sich daher derselbe in eine Wirtbschaft, wo er später von einer preußischen Patrouille zu Vorzeigung seines Urlaubspasses aufgefordert wurde. Da der Dra⸗ goner keinen solchen Paß hatte, sollte er in mili⸗ tärischen Gewahrsam gebracht werden; auf dem Wege dahin aber suchte eine rasch zusammenge⸗ laufene Menschermenge ihn zu befreien, wodurch ein großer Tumult entstand, bei welchem auch Steine gegen Unterossieiere und Soldaten ge- schleudert wurden. Die Gr. Bürgermeisterei warnt nun in einem Aufruf an die Bewohner der Stadt vor Wiederholung derartiger Ausschreitungen.
a Berlin, 10. April. Reichstagssitzung. Wabl der Präsidenten. Zum Präsidenten wurde Simson mit 192 von 203 Stimmen, zum ersten Vice präsidenten Fürst Hohenlohe mit 176, zum zweiten Viccpräsidenten wurde im dritten Wahlgange und in zweimaliger engerer Wahl mit Graf Eulen burg, Bernuth, Graf Münster und Frankenberg, v. Bennigsen mit 106 Stimmen gewählt. Simson und Fürst Hohenlohe nahmen die Wahl an, v. Bennigsen war nicht im Hause anwesend. Die Verkündigung der Schriftführerwahl findet am Freitag statt. 8 ö
— Nach neuer Bestimmung über die neue Eintheilurg der Landwehr werden sich dem Garde⸗ Corps künftig 18 und dem 1. bis 13. deutschen Corps je 17, dem 14. deutschen Corps hingegen nur 10 und dem 15. Corps 11 Landwehr⸗ Bataillone zugetheilt befinden. Noch tritt dazu die bekanntlich mit dem 11. deutschen Corps bei⸗— gegebene hessische Division mit 6 Landwehr ⸗Batail lonen, so daß diese inbegriffen das gedachte Armeecorps also eigentlich 23 Landwehr Bataillone besigen würde. Die beiden baverischen Armee⸗ Corps endlich geben schon seit 1867 je 16 Land- wehr⸗Bataillone. Die Gesammtstärke der deutschen Landwehr⸗Infanterie würde sich demnach jetzt mit Abschluß der neuen Landwehr ⸗Organisation auf 208 Bataillone berechnen. Beim 13., 14. und 15. deutschen Corps sind hiervon jedoch zunächst noch nicht mehr als die Cadres vorhanden, und auch beim 9., 10. und 11. Corps hat eine Ueber⸗ welsung eines Reserve⸗ Jahrgangs zur Landwehr noch nicht stattgefunden. Der Sachverhalt bei dem 12.(sächsischen) Corps entzieht sich zu nächst
noch der Beurtheilung. Von der bayerischen Land- wehr sind hingegen im Felezuge von 1870— 1871 bereits 16 Landwehr⸗ Bataillone factisch aufge— boten und zur Verwendung gestellt worden. Aehn⸗ lich verhält sich dies auch mit den anderen Waffen⸗ 1 7 der Landwehr, welche mit dem Erreichen der vollen Landwehrstärke in 36 Cavalerieregi- mentern, 51 resp. 54 Feldbatterien, 118 Compag; nien Festungs⸗ Artillerie, je 36 Jäger- und Piovier⸗ compagnien und 18 Landwehr ⸗Trainbalaillonen beslehen würde. Die Gesammistärke der deutschen
Landwehr würde mit dem gleichen Termin zwischen
10 bis 370,000 Mann betragen. Dieser
ispunkt steht jedoch für Süddeutschlaud erst mit
1884, für die norddeulschen Staaten und die 1806 neuerworbenen preußischen Landestheile hin
gegen 1878 in Aussicht.
— Die„Prop. ⸗Corresp.“ bemerkt, daß bei Nichteröffnung des Reichstags durch den Kaiser keineswegs überwiegend Gesundbeitsrücksichten maß ·
gebend waren, obwohl das Befinden des Kaisers
auch nach rölliger Beseitigung des jüngsten Un⸗
wohlseins noch einiger Schonung bedürfe. Von eytscheirentem Gewicht war, daß bei der dies maligen Reichstagecröffnung weder in allgemeiner politischer noch parlamentarischer Beziehung Um: stände vorlagen, welche ein persönliches Eintreten des Kaisers zu erfordern schienen. ö
— Der„Allg. Ztg.“ wird aus guter Quelle
unsere frühere Meldung bestätigt, daß die preu⸗ ßische Regierung in der Frage der Excommuni⸗
dem widerspenstigen Episcopat gegenüber und die
Auflösung der bisherigen Feldprobstei in's Auge
gefaßt habe. 3
— Als dauernde Unterstützung für das römisch⸗ germanische Museum in Mainz werden von Reichs ⸗ wegen 3000 Thaler gewährt, und ist damit die Petition des Gesammtvereins der deutschen Ge⸗ schichts- und Alterthumsvereine im Sinne der Petenten erledigt.. — Wie der„Spen. Zig.“ aus Frankfurt a. M. geschrieben wird, soll die Instruirung der in Fulda zusammentretenden Bischöse durch Verwitt⸗ lung des Pater Randon erfolgt sein, nachdem derfelbe sich in Genf mit dem dortigen Comite der Jesuiten, welches die„Correspondance de Gendve“ redigirt, in Verbindung gesetzt hat. Es scheint also, daß die Parole aus dem jesuitischen Lager und zwar von der avancirtesten Fraction kommt. — Ein Circular⸗Erlaß des Ministeriums des Innern theilt mit, daß nach einem Berichte des Geschäftsträgers zu Paris in neuerer Zeit die Einwanderung mittelloser gewerbtreibender Deutschen dort außerordentlich zugenommen hat, obwohl es für diese Einwanderer zur Zeit noch den größten Schwierigkeiten unterliegt, in Paris Beschäftigung zu finden. In Folge dessen gerathen die gedachten Personen gewöhnlich schon bald nach ihrer Ankunft daselbst in die bedrängteste Lage und können sich derselben um so weniger ent- ziehen, als der in Paris bestehende Hülfsverein bei seinen sehr beschränkten Mitteln ganz außer
Uaterstützunas⸗Gesuche zu berücksichtigen, auch die kaiserliche Bolschaft keine Hülfe gewähren kann, endlich aber die Kosten der Rückkehr nach der Heimath, da die französischen Eisenbahngesellschasten gegenwärtig keine Fahrbillets zu ermäßigten Preisen mehr gewähren, sehr erheblich sind. Die Regie- rungen werden angewiesen, vor solcher Einwande⸗ rung Mittelleser zu warnen.
— Nach der letzten Notiz über die Aus- prägung von Reichsgoldmünzen waren bis zum 25. Marz d. J. in den Münzstätten des deutschen Reiches in Zwanzig ⸗Markstücken 66,583,540 Mark ausgeprägt worden. In der Zeit vom 24. bis 30. März sind ferner in solchen Stücken geprägt, in Berlin 3,754,980 Mark, in Hannover 492,400 Mark, in Frankfurt a. M. 1,679,980 Mark, in München 478,100 Mark, in Stuttgart 99,000 Mark und in Kailsrube 276.000 Malk, zusammen 6,780,400 Mark; die Gesammt⸗ Ausprägung stellt sich daher bis 30. März auf 73,364,000 Mark.
Aus Thüringen. In den letzten Tagen kam in Erfurt ein Transport von einigen 30 Mann deutscher Soldaten an, welche noch in alte Unisormstücke der französischen Fremdenlegion in Algerien gekleidet waren. Dieselben waren im Kriege von 1870— 71 in französische Kriegsge⸗ fangenschaft gerathen, nach Algerien transportirt, dort nach ihrer Aussage zwangsweise zum Eintritt in die Fremdenlegion bewogen und jetzt erst ent⸗ lassen worden. Nach ihrer Aussage sollen noch sehr viele Deutsche in dieser Legion dienen, die dringend zurückzukehren wünschen, sobald nur ihre Capitalationszeit erst abgelaufen ist.
München. Der Abgeordnete Dr. Gerstner hat den Antrag eingebracht, an die k. Staats- regierung die Bitte zu richten, dieselbe wolle thunlichst bis zum nächsten Budgetlandtage Ee sparungen im Staatshaushalt durch eine gründliche und zweckentsprechende Umgestaltung der Verwaliung erzielen, zu diesem Behufe haupt- sächlich die Verminderung der Kreisstellen, die Trennung der Kammern des Innern von jener der Finanzen und die Arsdehnung der Selbst⸗ verwaltung der Distriete und Kreise vorbereiten, und die hierzu erforderlichen Gesetzentwürse in Vorlage bringen. Die Kammer hat den ersten Tpeil dieses Antrags angenommen, den letzten jedoch abgelehnt.
Ausland. Oesterreich. Wien. Die Verlobung der Erzherzogin Gisela, ältesten Tochter des Kaisers,
cationen unter Umständen eine Temporaliensperre.
Stande ist, die täglich massenhaft eingehenden
„Indépendance“
mit dem Prinzen Leopold von Bayern, Sohn des 1
Prinzen Luitpold, wird offiziell von hier gemeldet. Die Vermäblung des Brautpaares wird wegen des jugendlichen Alters der Erzherzogin Gisela, sie tritt am 12, Juli d. J. in ihr 16. Jahr, im Sommer 1873 erst stattfinden.*
— Das„Telegraphen⸗Correspondenzbureau“ meldet: Gegenüber den verbreiteten Gerüchten über angebliche friedens bedrohliche politische Nachrichten aus Petersburg constatirt die Mehrzahl der Blätter die gänzliche Grundlosigkeit der erwähnten Ver sionen. Nach dem„Neuen Fremdenblatt“, welches an maßgebender Stelle Informationen eingezogen hat, ist auf dem hiesigen Ministerium des Aeußern keinerlei Bericht eingelaufen, der derartig gedeutet werden könnte.
Frankreich. Versailles. Die Aufhebung der Pässe für den Verkehr zwischen England und Frankreich ist beschlossen. Diese Maßregel wird sofort eingeführt werden. nach dem Namen der Reisenden fragen.
Belgien. Brüssel. Man schreibt der aus Versailles: Der Herzog v. Broglie hat definitiv seine Demission gegeben. Der Gesandtschaftsposten in London ist in Folge dessen Casimir Périer angeboten, von diesem aber abgelehnt worden. n
Italien. Rom. Die„Voce della Verita“ erklärt das Gerücht, daß Herr Chigi, apostol. Nuntius in Paris, bei seinem letzten Besuche in Rom dem heiligen Vater gerathen habe, sich nach Malta zu flüchten, im Falle er die Hauptstadt der katholischen Welt verlassen müßte, für durch⸗ aus falsch. Dasselbe Journal bezeichnet das Ge⸗ rücht als eine Verläumdung, nach welchen der Papst die Jahresrente von 3,225,000 Fr., die ihm von der italienischen Regierung bewilligt wurde, angenommen hätte.
Spanien Madrid. Die amtliche„Gazeta“ veröffentlicht Depeschen der k. Behörden in Barte⸗ lona, Gerona und Valencia, welchen zufolge ein- zelne kleine carlistische Banden aafgetreten sind, sich jedoch größtentheils wieder zerstreut haben, als sie Seitens der Bevölkerung ungünstig empfangen wurden. 5
X Bad Nauheim. Der hiesige Zweig⸗Hülfsverein für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde, welcher wähtend des deulsch⸗französischen Kriegs in den Nauheimer großen Llzarethen nach und nach 876 ve wundete und kranke Soldaten mit einer Summe von 2561½ Verpflegungstagen nach Vertrag mit der Militär⸗ beyörde verpflegte, bat den auf unserem Friedbof beerdigten 29 deuischen Soldaten ein Denkmel setzen lassen, welches am vorigen Sonntage in felerlicher Weise eingeweiht worden. Die Braven, meist in den blutigen Schlachten vor Metz schwer verwundet und vom Schlachtfeld hierher verbracht, lie zen auf bevorzugtem Platz in der Mitte des Todtenhoses je 2 und 2 nebeneinander gebettet, der ganze Raum von 16 Meter Länge und 5 Meier Breite ist mit schönem eisernen⸗broncirten Geländer anf Sandsteinsockel umgeben; in der Mitte erhebt sich ein Obelisk auf einem massiven Wütfel, dessen vorderer Seite die Widmung ten drei anderen Seiten die Namen der Soldaten Regiment, Charge ꝛc. eingebauen sind. Das Monument ist 4 Meter hoch, von polirtem sogenannien Bel gischen Granit, und aus dem Elabliss ment des Herrn Dechaleau in Bockenbeim in vortrefflicher Ausführung hervorgegangen; es sitzt erhöbt, Quatzuselsen reichen dis an den Fuß des Seckels, und diese Felsengruppirung sowohl, wie auch die Aupflinzung des Platzes, wozu die Herren Gebrüder Siesmaier in Bockenheim die meisten G wächse dem Verein schenkien, ist von Hrn. Kunsig rinet Ostermeter davier auf das Geschmackvollste ausgefühet. Jedes Grab ist durch ein Sandst inprisme mit besond ret Nummer gekennzeichnet, und dieser Nummer enisprechend findet man den mit gleicher Nummer versehenen Namen detz Beerdigten auf den Seiten des Würfels. Das ganze Grabmal ist in seiner ruhigen, sehr geichmackdollen Aus- jüghrung eine wahre Zierde um eres Fri dhofs und ein würdiger Gedenkstein an die glorreichen Thalen der Ges fallenen, welche im Kampfe fier das Vaterland ihr Leben so frühzeitig lͤssen mußten. Es war am Einweihungs⸗ tage in den vier Ecken des Geländers geschmückt uit vier deuischen Fahnen, welche den Trauesflor wugen, und der Obeliek, sowie die vier Ecken des Würfels waren mit je einem Lorbeerk.anz umdangen.— Um 3 Ubr Nachmittags setzte sich der Festzug von der Trinkhalle in folgender Ordnung in Bewegung: Zwei Veieranen aus der Zeil der deuischen Freiheitekriege; Nauheimer Soldaten auf U lub, Reservisten und Landwehrleute(63 Mann); die Geistlichkeit mit dem Voistand des hiefigen und einet Deputalion des Friedverger Hülfsvereins und dem Siadi⸗ raih z di freiwilligen Pfl gerinnen; die freiwillige Santläts.
mannschaft; der Gesangverein Concordia; der Gesange verein Frosian z der Turnverein; die übrige Einwohnerschalt,
Man wird künftig nur


