Ausgabe 
13.2.1872
 
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ordnetenbause sagt Cultusminister Falk: Das Be- seitigen der Geistlichen aus den Schul Inspectionen liege der Vorlage nicht als Princip zu Grunde. Das Unterrichtsgesetz werde durch Annahme der

Vorlage nicht aufgehoben. Die Kirche sei mäch⸗ tiger, als sie sich selbst zutraue; sie brauche das Gesetz nicht zu scheuen. Katbolische Geistliche dürften sich nicht ablebnend verhalten, sondern sollten die betreffenden Mandate annehmen. Der Minister weist nach, daß die Vorlage vollkommen verfassungsgemäß ist. Die Erlassung des Gesetzes sei notbwendig. Es handle sich um einen Nokh⸗ stand zunächst in Gebietstheilen, wo nicht Deutsch gesprochen wird. Ein Uebel müsse mit der Wurzel ausgerottet werden und zwar durch Ausführung der Verfassung. Gegen Personen sei das Gesetz nicht gerichtet. Die evangelischen Geistlichen würden vielleicht alle obne Ausnahme lange Zeit im Be- sitz der Schulinspection bleiben. Fürst Bismarck rügt die Uebertreibung bei der Kritik seines Gegners über die Vorlage. Scine Absicht sei von jeher, zum Frieden zu mahnen in dieser Zeit der con⸗ fessienellen Spannung. Er wolle mit dem Cen- trum unterhandeln, aber das Centrum habe sich mit Aufgaben belastet, welche dem confessie nellen Character fremd seien. Fürst Bismarck kritisirt die Reden Windthorst's, welche befremdend und beunruhigend wirkten. Windthorst diene noch den welsfischen Interessen. Unter solcher Führung könne das Centrum den Zwecken des Friedens und der Versöbnung nicht genügen. Fürst Biswacck ver⸗ liest einen aufreizenden Artikel aus dem in Königs- hütte erscheinenden BlattDer Katholi und geht zu dem Zusammenhang der Klerikalen mit den polnischen Fractionen, insbesendere dem pol nischen Adel über. Der Klerus in den Gebiets- theilen mit gemischter Bevölkerung bekämpfte den Unterricht in deutscher Sprache. In Westpreußen vorloren ganze Ortschaften den Gebtauch derselben. Ein Beweis für die Kraft dieser Agitation auf Kosten unserer Gutmüthigkeit, aber sie ist zu Ende. Wir wissen, was wir dem Staate schuidig sind. Wir werden Vorlagen machen, um Polen die Wobltbat der deutschen Sprache angedeihen zu lassen und dabei das Verfahren Frankreichs im Elsaß zum Muster nehmen. Der Aegeordnete Reichensperger möge im Glauben sein, man hege den Wunsch, Frieden mit ihm zu machen; möge er sich von Denen trennen, mit welchen eine Lösung unmöglich. Die Rechte aber möge vom Miß trauen zu der Regierung lassen, welle vom- nige ernannt sei, und möge zum Geiste der gegen wärtigen Regierung Zutrauen haben, statt sich vor Gespenstern und der Zukunft zu fürchten. Gneist und Bethusy Huc sprechen für, Wiersbinski gegen die Vorlage. Windthorst entgegnet dem Reichskanzler, er sei bereit, aus der Central- fraction auszutreten, wenn damit die Vorlage be⸗ seitigt werte. Gegen Windthorst bemerkt der Fürst, daß sein Austritt aus der Centrumspartei allerdings im Interesse des confessionellen Friedens liege. Vorausgesetzt, daß derselbe kein blos for meller sein würde, sei er gern zu beträchtlichen Opfern bercit.

10. Febr. Abgeordnetenhaus. Fortsetzung der Debatte über das Schulaufsichts gesetz. Mal- linckrodt spricht gegen die Vorlage. Fürst Bis- marck entgegnet demselben, indem er betont, daß er ein ostensibles Zusammengehen der Centrums- fraction mit den Polen gestern nicht behauptet, sondern nut beklagt habe, daß die deutschkatho lische Geistlichkeit im Bündniß mit dem polnischen Adel das deutsche Element bekämpfe. Ueberall sei die katholische Geistlichkeit national gesinnt, nut in Deutschland habe sie internationale Tendenzen. Die Interessen der römischen Kirche lägen ihr näher als die des Reiches. Der Ministerpräsident hebt weiter hervor, daß er am Bekenntniß des lebendigen christlichen Glaubens festhalte; er be trachte es eben deshalb als seine Pflicht, die Fundamente des Staates gegen Angriffe der Re publikaner wie der Gegner dessaben überhaupt, mögen sie kommen, woher sie wollen, zu schützen. Mit persönlichen Bemerkungen schließt die General- debatte. In der Specialdebatte gelangen mehrere Amendements Bonin's zur Annahme, worauf das

gesammte Gesetz in namentlicher Abstimmung mit 197 gegen 171 Stimmen angenommen wird. Dagegen stimmten das Centrum, die Polen, die Altconservativen mit wenigen Ausnahmen.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung veröffentlicht das Schreiben des Cardinals Anto⸗ nelli an den Bischof von Straßburg vom 3. Januar 1872, worin er diesem eröffnet, daß das Concordat von 1801 außer Kraft getreten ist, nachdem Elsaß ein Theil des deutschen Reichs geworden.

München. Der Initiativ-Antrag wegen der bayerischen Reservatrechte wurde mit 75 gegen 73 Stimmen von der Abgeordretenkammer ab- gelehnt.

Bei der Debatte über den Initiatiy-An⸗ trag erörterte Graf Hegnenberg die politische Seite des Antrags. Deutschland fasse denselben als einen Versuch auf, der Entwicklung des Reiches Schranken zu setzen. Die Reichs verfassung be dürfe aber der Entwicklung. Würde diese ge bemmt, so müßte Deutschland zerfallen oder der Einheitestaat kommen. Letzteren zu verhindern, sei Baperns Aufgabe, denn das Erstere werde nie eintreten. Durch Annahme des Antrags würde Bayerns Thätigkeit gegen den Unitarismus, den Niemand in Berlin wolle, lahm gelegt.

Wie in militärischen Kreisen verlautct, soll die Frage wegen Einführung einer von allen Con- tingenten des deutschen Heeres anzulegenden Cocarde im Laufe der nächsten Zeit ihre definitive Exledi gung finden.

Stuttgart. DerSchwäbische Merkur faßt das Resultat der letzten Kammerverhandlung dahin zusammen:Die Kammer hat der zwischen dem Bundesrath, dem Reichstag und der würtem bergischen Regierung feststehenden Ansicht auch ihre Autorität hinzugefügt. Würtemberg bat jetzt in seinen offitiellen Organen erklärt, daß es unter dem Beitritt zum Reich auch die reichsgetreue Forteutwickelung des Reichsrechts verstehe.

Ausland.

Oesterteich. Wien. Die Regierung hat dem Abgeordnetenhause ein Nothwahlgesetz vor gelegt, durch welches dieselbe ermächtigt wird, für die Reichsrathsabgeordneten, welche während der Reichsraths-Sesston Landtags- oder Reichs caths Mandate niederlegen oder sonst als aus dem Ab geordnetenhause ausgetreten zu betrachten sind, Neuwahlen unmittelbar durch die landtagswahl berechtigten Gebiete, Städte und Körperschäften vornehmen zu lassen.

Die Meldung desPester Llohd, wonach Graf Beust anläßlich des Alabamafalles ange wiesen wäre, seine Rückkehr nach London zu be schleunigen, wird von unterrichteter Seite als jeder Begründung entbehrend bezeichnet.

Schweiz. Bern. Hier verweilen zur Zeit drei Commissare der französischen Regierung, um nachträglich eine Revision der von der Schweiz aufgestellten Rechnung über die Kosten der Inter nirung der Bourbakischen Armee vorzunehmen. Wie es heißt, sollen die Herren sehr gründlich verfahren.

Frankreich. Paris. Das Gerücht vom be vorstehenden Rücktritte des Kriegsministers General Cissey taucht von Neuem auf. Die Com- mission wegen Prüfung der in der Armee ver- liehenen Grade hat noch die Situtation der Of fiziere in 25 Regimentern zu prüfen. Bis jetzt wurden nicht weniger als 300 mehr oder minder Gambettistische Offiziere wieder in's Privatleben zurückgeschickt und aus 300 anderen Offizieren, wieder Unteroffiziere gemacht. Einige Details über die Pariser Forts: Das Fort Issy ist voll stäadig niedergerissen, die Abtragung jenes von Vanvres wurde für 6700 Fies versteigert. Zu Cbatillon, Montretout, Hautes-Brucres, La Garches, Meulin-Saquet dagegen sollen sofort der Bau neuer kleinen Forts in Angriff genommen werden. Fort Bitetre wird desarmirt und in ein Militär- Spital umgewandelt, Fort Montrouge wird rastitt.

Versailles. Der Präfect der Seine, Leon

Die Idee, die Nationalversammlung theilweise zu erneuern, gewinnt bedeutend an Terrain unter den Deputirten.

Belgien. Brüssel. Nachrichten aus Paris stellen die dortige Stimmung als äußerst gedrückt dar. Die Geschäfte, welche in den letzten Mo naten einen großen Aufschwung genommen, liegen arg darnieder. Man bemerkt, daß der Fremden- verkehr äußerst mager ist.

Großbritannien. London. Eine De- pesche derTimes aus Washington vom 8. d. meldet, die Regierung der Vereinigten Staaten sei entschlossen, keinen ihrer aufgestellten Ansprüche zurückzuziehen, dagegen Alles dem Schiedsgericht anheimzustellen.

DieTimes schreibt: England babe seine Zustimmung zu dem Washingtoner Vertrag nicht widerrufen und werde sie nicht widerrufen. Es sei noch immer bereit, entschlossen dabei auszu- harren, könne und wolle jedoch nicht in einen Streit eingehen, welchen der Vertrag nicht er- öffnen, sendern schließen sollte. Dasselbe Blatt bringt folgendes Telegramm aus Philadelphia vom 8. Februar: Nach der Ansicht der Unionsregie⸗ rung war die Forderung, daß der Wiederersatz des indirecten Schadens in den Forderungen Amerika's einbegriffen sei, den britischen Commis sarien bei den Unterhandlungen über den Washing⸗ toner Vertrag bekannt. Die Unions ⸗Regierung acceptire den Spruch des Schiedsgerichts und wünsche ein vollkommenes Arrangement, welches zukünftige Zwistigkeiten ausschließe, werde jedoch keinen Theil der Klageschrift zurückziehen.

Das von der Regierung häufig zu Mit- theilungen benutzte JournalEcho enthält ein Telegramm aus Newyork, d. d. 9. Febr., wonach in der öffentlichen Meinung, obwohl sich dieselbe gegen eine Modification der amerikanischen Klage⸗ schrift sträubte, dennoch die Ueberzeugung sich Bahn bräche, daß ein Bestehen auf Wiederersatz des indirecten Schadens ungerechtfertigt erscheine.

Italien. Rom hat jetzt, nach den neuesten statistischen Nachweisen, 246,000 Einwohner. Die Zahl ist seit der letzten Volkszählung vom Jahte 1857 um 71000 und im letzten Jahre um 21,000 Einwohner gestiegen.

Amerika Newyork, Die Journale be⸗ sprechen den Stand der Alabamafrage. Die Abendpost meint, ein ernster Confliet liege außer dem Bereich der Wahrscheinlichkeit. Die Regie- rung möge in der Angelegenbeit ein festes loyales Verhalten beobachten, dann werde Amerika aus den Verhandlungen mit einem großen moralischen Siege hervorgehen.

Washington. Im Senat beantragt Edmund, der Präsident möge Mittheilungen über die an gebliche Absicht Englands, den Washingtoner Ver⸗ trag zu widerrufen, machen. Pattersen sieht in den Außerungen Gladstones eine Beleidigung Amerikas. Sherman empfiehlt, die officiellen Be⸗ richte abzuwarten, inzwischen aber ein wärdiges Benehmen zu beobachten. Die weitere Berathung wird vertagt. Das Gerücht, die Regierung der Vereinigten Staaten wolle die Maximen für die nach dem Washingtoner Vertrag zulässigen Forderungen festsetzen, wird offieiell als unbegründet bezeichnet.

Gießen. Eine glückliche Operation gelang Herrn Medicinalrath Ur. Stammler. Derselbe nahm nämlich einem im alten Arresthause deiinirten Dienstmädchen eine Nähnadel aus der Seitengegend heraus, welche dasselbe vor längerer Zeit geschluckt hatte.

Frankfurt. Ju dem hiesigen Gefängnisse saß seit Jahr und Tag ein Franzose Namens Thieriy, welcher

wurde ergriffen und zum Tod verurtheilt; die Gnade des Kaisers wandelte diese Strafe in lebenslängliches Gefäng⸗ niß um und Tyieriy wurde hierher nach Frankfurt trans⸗ portirt, wo er seuidem inhaftirt blieb. Nun hat die Guade dem Unglücklichen erneut geschienen, indem sie ihm die Gesängnißthüren öffnete, so daß er frei in seiue Hrimaih zurückkehren konnte.

Frankfurt. Die diesjährige Ostermesse beginnt laut Bekanntmachung des Rechneiamtes am Mitiwoch den 20. März und endigt mit Dienstag den 9. April. Das Auspacen der Waaren darf schon am Montag den 18. und Diengag den 19. März geschehen. Für Leder

Sag, beharrt auf seiner Entlassung; man bezeichnet

sich untersangen hatte, beim Einzug der Deutschen in Nancy auf einen ausgestellten Posten zu schisßen. Thlerrg

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Cochin als seinen wahrscheinlichen Nachfolger.

beginnt die Misse am Mittwoch den 27. März und

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