Ausgabe 
13.1.1872
 
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selbstständig zu bestimmen; Nevision der bürger

lichen Gesetzgebung über dae Kirchenvermögen nc.

Die Müblenbesitzer des Main- und Ober⸗ taunuskreises haben, demRh. K. zufolge eine Eingabe an den Landtag gerichtet, in welcher demselben in Sachen des Wasserlaufzinses Vor- lage gemacht und er um Abänderung dieser Be- lastung resp. anderweiten Regelung ihrer Steuer- verhältnisse gebeten wird. Dem Abgeordneten Klotz(Oberursel), in dessen Wahlkreis sich eine große Anzahl von Mühlwerken befindet, ist das entsprechende Material zur geeigneten Verwerthung überliefert worden.

Ausland.

Frankreich. Paris. richtet, daß der Kaiser und Bereitwilligkeit gezeigt hätten, Frankreich politische und finanzielle Verlegenheiten zu ersparen.

General Cremer ist nach derGazette des Tribunaux verhaftet worden, da er sich dem Gericht in Braune nicht gestellt hat. Er ist von einem Polizeibeamten nach Beaune transportirt worden.

Graf v. Arnim hatte bei der Uebergabe

Gontaut-Biron be⸗ der Kronprinz ihre

seiner Creditive eine längere Privatunterredung

mit dem Präsidenten. Die Unterredung bewegte sich in den freundlichsten Formen. DieAgence Havas, welche diese Mittheilung macht, sagt: Unsere Beziehungen zu der deutschen Regierung sind so zuftiedenstellend, als die gegenwärtige Lage der Dinge nur irgend erwarten läßt.

Die Budget-Commission hat gegen die enormen Summen, welche im Kriegsbudget für den Generalstab der Armee figuriren, energische Einwendungen erhoben. Es bezieht allerdings z. B. Marschall Mac- Mabon nebst freier Weh⸗ nung an verschiedenen Gehältern und Emolumen- ten 127,000 Francs und der Gouverneur von Paris, Geacral Ladmirault, nebst ebenfalls freier Wohnung, 85,000 Francs per Jahr. Die Reihe der militärischen Erinnerungsfeste und der sie begleitenden officiellen Reden ist noch nicht zu Ende; es ist für den 19. Januar eine solche Ceremonie in St. Quentin angekündigt.

Versailles. In der Nationalversammlung verlas Buisson den Bericht der Initiativcommission über den Antrag Duchatel's auf Rückkehr der Nationalversammlung und der Regierung nach Paris. Die Commisstion bat mit einer Majorität von 20 gegeß 10 Stimmen beschlossen. den An- trag nicht iff Betracht zu ziehen. Perier und Thiers bekämpfen das Verlaugen Dahirel's, den Bericht der Commission über den Vorschlag Duchatel's sofort auf die Tagesordnung zu setzen. Die Versammlung erklärt sich für die Ansicht der Regierung und beschließt, die Berathung über den Bericht bis nach der Abstimmung über die Steuer⸗ gesetze zu vertagen.

Vor dem sechsten Kriegsgericht zu Ver sailles hat am 8. d. die Verhandlung über die Ermordung der Geißeln am 24. Mai des vorigen Jahres begonnen. Der Prozeß ist gegen 24 An- geklagte gerichtet, von denen indeß nur 23 an- wesend sind. Die Hauptangeklagten sind der 57jährige Isidore Frangois, und der Cemmune- Direktor des Gefängnisses von La Roquette, seines Zeichens ein Kistenmacher, Ramain, Ober Gefängnißwärter, Picon und Langbein, beide Gefängnißwärter von La Roquette. Ferner zwei Frauen, Zélic Grandel, Geliebte von Frangois und Marguerite Gaintair, genannt La Chaise.

Großbritannien. London. In der letzten Sitzung der Geographischen Gesellschaft bildete die in Aussicht genommene Expedition zur Aufsuchung Livingstone's das Hauptthema. Kosten des Unternehmens werden auf allermin destens 2500 L. vetauschlagt, wozu die Geogra phische Gesellschaft 500 L. aus ihrer Kasse be willigt hat, und wozu bis jetzt anderweitige Beiträge von zusammen etwa 800 L. angemeldet worden sinrd.

Friedberg. Ten Beispiclen anderer Blätter fol⸗ gend machen wir die Besitzer der Großh. Hess. 50 fl. und 25 fl. Loose auf ben wenig bekannten Art. 21 des

Die

Amortisationsgesetzes vom 20. Juli 1858 aufmerksam. Dasselbe bestimmt:Das Forderungsrecht aus einem An⸗ lehensloose verjährt mit dem Ablauf von zehn Jahren, gerechnet von dem öffentlich verkündigten Tage an, an welchem das Loos auszuzahlen ist. Bezüglich der vor der Publikation des gegenwärtigen Gesetzes fälligen Loose laufen jene Jahre vom 1. September 1858 an. In Folge dieser Bestimmung ist bereits eine nicht unbedeutende Anzabl gezogener Loose vollständig werthlos geworden.

Offenbach. Die biesigen Hutsabrikanten haben, einer beabsichligten Arbeilseinstellung ihrer Arbeiter zuvorkom⸗ mend, schon in voliger Woche ihre Fabriken geschlossen. Bis jetzt ist eine Verständigung nicht zu Stande gekommen und haben deßhalb alle ledigen Arbeiter ihre Papiere verlangt, um von bier abzureisen.

Hochheim. DieMittelrb. Zig. bringt von hier als eclatantes Beispiel, wie weit es das deutsche Volk in seinem Ringen und Streben nach deutscher Einheit und deutscher Einigkeit bis jetzt gebracht hat, folgende Mit heilung: Der hiesige Amtsapotheker, Herr Ulrich, hat für seine Filial-Apoiheke in Wallau einen Apotheker aus Bayern engagirt, welcher in seinem Staatsexamen die Nummer 1 erhalten und für Deutschlands Einheit und Freiheit auf Frankreichs Fluren mitgekämpft hat. Die Verwaltung der Filial- Apotheke zu W. durch einen bayerischen Apotheker wurde aber von der königl. Re- gierung zu Wiesbaden für unzulässig erklärt und Herrn Ulrich bedeutet, für dasEugagement eines qual'ficirten Apothekers Sorge zu tragen.

Mainz. Beim Fechten der Dragoner auf dem Schloßplatze wurde einem Frauenzimmer, das sich höchst unvorsichtig näberte, die Nasenspitze abgehauen.

Frankenthal. In einem biesigen Metzgerladen ver⸗ langte dieser Tage eine Frau vom Lande um 4 kr. Wurst. Auf die Bemerkung des Metzgers daß sie 100 Gramm bekomme, erwiederte die erstaunte Bäurin:Ei Du lieber Gott!, so viel bringe ich ja nicht in meinen Korb!

Heidelberg. DieN. B. L. berichtet von einem ttagischen Vorfall. Ein noch in sehr jugendlichem Alter defindlicher Student, aus wohlhabender Familie in Bres- lau, der bei einem Kaufmann einlogirt war, hatte sich Abends zu Bette begeben und unversichtiger Weise das Licht brennen lassen. Während er schlief, fing das Bett Feuer; der Brand wurde zwar glücklicher Weise von den Hausbewohnern endeckt und gelöscht, aber der unglück⸗ liche Urbeber dieses Vorfalles warde als Leiche in seinem Beit aufgejunden, stark verbrannt, ja iheilweise verkohlt.

Hamburg. Die Answanderung über Hamburg im verflossenen Jahre war eine verbältnißmäßig recht starke, falls man die hemmenden Einflüsse des Krieges in Be tracht zu ziehen gesonnen ist. Es wurden direct von Hamburg expedict in 69 Dampfschiffen und 27 Segel- schiffen 34,639 Personen, indirect über England 7081 Per sonen. Von dieser Auswanderung hatte selbstverständlich die Hamburg- Amerikanische Packetfahrt- Acliengesellschaft den Löwenantheil, da durch ihre Schiffe allein 29,078 Menschen befördert wurden.

Frankfurt a. M., 10. Jan. Börsenbericht. Wir haben heute wieder von einer außerordentlich ani mirten Börse zu berichten und dehnte sich der Kreis, in welchen die Hausse sich eindrängt, immer weiter aus. So wurden z.) B. beute preuß. Provimzial⸗Disconzo⸗Aclien der Beachtung werth gebalten und sofort erhoͤhten dieselben ihten Cours um ca. 90% gegen gestern. Für österreichi⸗ sche/ Nationalbank-Actien macht sich jetzt eine außerordent⸗ lich rege Kauflust geltend und wurden dieselben beute um ca, fl. 10. besser bezahlt als gestern. Wie gewöhnlich war in den 3 Haupispeculations-Papieren, Credit, Staatsbahn und Lombarden der meiste Umsatz und hiervon erfreuten sich der größten Beachtung Creditactien, in denen das Ge schäft zu fottwährend steigendem Course außergewöbnliche Dimensionen annahm. Credit wurden von 345349½ umgesetzt. Staatsbahn 405 5-6. Von Ameri⸗ kaner 82er kommt ungeheuer viel Material an den Markt, dieselben stellten sich heute auf 96. Für österr. Priori⸗ täten große Kauflust und fanden heute die neu einge führten Nordwesibahn Prioritäten Lit. B. zu 85½ willig Abnehmer. Diese Prioritäsen sind auch im Vergleich zu den alten östr. Prioritäten⸗Gattungen noch billig zu nennen.

1 Oeffentliche Vorträge.

Herr Seminarlehrer Marx sprach am Dienstag über die Königin Louise von Preußen. Als Einleitung zeichnete der Redner mit geschickter Hand den geschichtlichen Hinlergrund, auf welchem er das Leben seiner Heldin zur Darstellung brachte. Durch den Alles beherrschenden Ein fluß des französischen Hofes unter Ludwig XIV. waren mit französischer Mode und französischer Sprache und Literatur auch französische Leichtfertigkeit und Sittenver derbniß an den dentschen Hösen und unter den höberen Ständen bis in die bürgerlichen Kreise des deutschen Volkes herab heim esch geworden. Erst mit Beginn der 2. Hälsie des 18. Jahrhunderis fing der deutsche Geist mit Macht an, siih auf sich selbst zu besiunen, von dem zersetzenden Einfluß französischen Unwesens sich zu befreien und seine eigenen Bahnen zu gehen. Eine zweite Blüthe zeit der deutschen Literatur trat ein, Friedrich der Große schrieb mit scharfem Schwert wieder deultsche Geschichte und Preußen begann, das zu werden, als was wir es heule sehen, der erste deutsche Staat.

Mittlerweile aber sammelten sich am westlichen Horizont Europa's dunkle Wolken, den Ausbruch eines schweren Gewüters verkündigend. Friedrich der Große sah es

Ruhe bleiben, nach meinem Tode aber wird der Sturm losbrechen. Er starb 1786, 1789 begann die französische Revolution. Preußen und Oesterreich, theils aus Theil⸗ nahme für das Schicksal des unglücklichen französischen Königs, theils aus Furcht vor Verbreitung der revolutto nären Ideen, beschlossen mit Waffengewalt zu interveniren. Allein die Halbheit und Cbaraklerlosigkeit der preußischen Staatsleitung und auswärtigen Politik unter Friedrich Wilhelm II. war mit Veranlassung zu dem kläglichen Ausgang des Feldzugs von 1792; dieselbe Poliuk schloß den schmachvollen Baseler Frieden und legte den Grund zu dem Unglück Preußens, das die hochherzige Königin Louise mit durchzukämpfen hatte und das ihr ein frühes Grab bereitete. Louise stammt aus dem mecklen burgischen Fürstenbause. Da ihre Mutter, eine Darm⸗ städter Prinzessin, früh starb, wurde sie in Darmstadt det ihrer Großmutter, der Landgräfin von Hessen-Darmstadt, erzogen. Ihren künfuigen Gemabl sah sie zum ersten Male in Frankfurt. Die erste Begegnung entschied über ihr Lebensschicksal: nicht lange darnach hielt sie als Kron prinzessin von Preußen ihren Einzug in das festlich ge⸗ schmückte Berlin. Was sie ihrem Gemahl, dem nach⸗ maligen König Friedrich Wilhelm III., was sie Preußen und dem deutschen Volke wurde; wie sie in strahlender Schönheit und bezaubernder Liebenswürdigkeit alle Herzen gewann; wie sie die steife Förmlichkeit bei Hofe beseitigte und ein von reinster Sittlichkeit durchwehtes, mit edelster Einfachbeil geziertes Familienleben begründete und durch ihr leuchtendes Beispiel unendlich segensreich auf weite Kreise wilkte; wie sie sich nur um deßwillen über die Thronbesteigung ihres Gemahls im Jahr 1797 fleute, weil sie nun ibre Woblthaten nicht mehr so knapp zu bemessen brauche: das Alles kann bier kaum angedeutet werden. Nut allmählich und durch die Ereignesse gedrängt, nahm sie thäligen Antheil an den Regierungsangelegen beiten, ohne dabei je die Schranken zarter Weiblichkeit zu überschreiien. So kam das Jahr 1806. Gleich dem König erschien ihr der Krieg mit Napoleon unvermeidlich; darum war sie starken Herzens für denselben. Die Müh⸗ selizkeiten und Gefahren des Feldzugs aber wollte sie mit ihrem Geniahl und dem Heere tbeilen, und so erlebte sie in unmittelbarer Nähe die Niederlage von Jena und Auerstädt, und wie seben die unglückliche Frau nach der schmachvollen Kapitulation der Festungen auf der traurigen Flucht nach Königsberg und Memel, krank, mit noch lieserem Web im Herzen und nur aufrecht erhalten durch ihren lebendigen Glauben, daß ihr und ihres Volkes Geschick nicht einem blinden Ungefähr preisgegeben sei, sondern in der Hand eines allwaltenden Vaters rube, der der Vergewaltigung des übermüthigen Siegers ein Ziel setzen und Preußen wieder aufrichten werde. Ewig denk⸗ würdig bleibt ihre Begegnung mit Napoleon in Tilsit und ihre hochherzige Antwort auf des Siegers stolze Frage, wie sie hätte einen Krieg mit ihm wagen können: Der Ruhm Friedrichs des Großen mag es rechtferligen, daß wir uns in den Mäüteln unserer Macht getäuscht baben, wenn wir uns überhaupt getäuscht haben. Mit diesen Worten schaut sie ahnend in die Zukunft, der nach dem Friedensschluß ihre ganze Sorge gehört, so daß die auf die Verjüngung Preußens gerichteten Bestrebungen eines Stein, Hardenberg, Scharnhorst und Gneisenau in ihr einen mächtigen Rückhalt und kräftigste Förderung fanden. Es war ihr nicht vergönnt, die Früchte dieses Strebens zu schauen und den Befreiungekkieg zu erleben, in welchem ihr Andenken als Schutzgeist die preußischen Fahnen umschwebte. Die Lebenektaft ihrer zorten, tief⸗ süylenden Natur war durch so viel Unglück geknickt. Sie starb schon 1810 bei ihrem Vater in der mecksenburgischen Heimalh, wobin es sie kurz vorhet mit unwiderstehlicher Sehnsucht gezogen hatte.

Das sind wenige, in der Kürze zusammengeraffte jarblose Züge aus dem Leben der Königin Louise. Der Redner hat mit diesem Thema eine glücktiche Wahl getroffen und ist einem dankvaren Gegenstand in einer Weise gerecht geworden, der man es anbörte, wie er mit Liebe an denselben herangetreten und mit Durchdringung und klarer Richtung des reichen Siosses die einzelnen Pinselstriche zu einem schönen Bilde zusammengefügt hatte. Die Königin Louise steht als Repräsentantin einer vedeutungsvollen, der jüngsten Vergangenbeit vielfach so ähnlichen Geschichtsepoche und als Mutter des deutschen Kaisers unserm Juteresse doppelt nahe, Möge ihr Bild, so sprechen wir mit den Schlußworten des Rebdners, lebendig unter uns bleiben. 0

So lauge Deutschland Frauen besitzen wird, wie sie von einsachen, reinen Sitten und der Hort eines edlen Familien⸗ lebens, wie sie erglühend für alles Gute und Schöne und vell Liebe für Milmenschen und Vaterland, und in dem Allen geltitet von tiefer Religiosilät und wahrer Frömmigkeit des Herzens, so lange wird es mii dem deulschen Volke wohl bestellt bleiben.

Kalender für 1872.

Land kalender, durchschossen 6 kr. Hess Hausfreund 8* Gustav- Adolf Kalender 8

Lahrer Hinkende Bote, gestempelt 11

Herriedener Laubfroschkalender 9 Adreßkalender 6 U Wand- und Notizkalender 4* Kleiner Wandkalender 2*

voraus.So lange ich lebe, sagte er,wird wohl!

Vorräthig bei Bindernagel& Schimpf

10 U 11 Uhr, Antag sehende! bletend r fügen, r sosoll en

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