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1872.
Oberhessischer Anzeiger.
Friedberger Intelligenzblatt.
Jamstag den 13. Januar.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg. Erscheint jeden Dienstag, Deunerstag und Samstag
Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonnement auf den Oberbessischen Anzeiger, welcher auch ferner wöchentlich dreimal, Dienstag, Donnerstag und Samstag, erscheinen wird. Derselbe bringt die kreisamtlichen Erlasse, sodann eine kurze Uebersicht der interefsantesten und bemerkenswerthesten Tagesbegebenheiten, besonders wichtige Neuigkeiten durch Extrablätter, allgemein belehrende und unterhaltende Aufsätze, landwirthschaftliche und gewerbliche Mittheilungen, geschäftliche Nachrichten, Markt- und Cours Berichte, Verloosungen von Staatspapieren und locale Notizen, außerdem wöchentlich einmal in dem beigegebenen Unterhaltungs⸗Blatt interessante Novellen und Erzählungen, Gedichte, Anckdoten, Rätbsel, Bilderrätbsel ꝛc.
Das Abonnement beträgt bei der Verlags-Expedition ohne Bringerlohn halbjährlich 1 fl., durch die Post bezogen jedoch viertel jährlich 47 kr. mit Bringerlobn.
Inseratgebühren werden die einspaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet, bei Tabellen- und Zifersatz mit J kr.
Der Anzeiger kann nach auswärts auch durch Privatboten direct von uns bezogen werden.
Bestellungen beliebe man baldigst zu machen, damit in der Zusendung des Blattes keine Unter⸗ brechung eintritt. Den verthrlichen Abonnenten in hiesiger Stadt werden wir das Blatt auch für das neue Jahr zusenden, wenn nicht ausdrücklich Abbestellung erfolgt. Die Redactio n. Betreffend: Die Feierabendstunde.
Amtlicher Theil.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Bönstadt, Dorn-Assenheim, Ilbenstadt, Kirch-Göns, Maibach, Nieder-Weisel, Pohl-Goöns, Weckesheim und Wölfersheim. haben Sie binnen 8 Tagen zu entsprechen.
Friedberg am 10. Januar 1872.
Unserer Verfügung vom 30. Dezember v. J. Ter a p p.
Betreffend: Ote Aussübrung des Gesetzes von 6 Junt 1853 die Versicherung der Gebäude gegen Jeuersgesahr und die Vergütung der Brandschäden.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großh. Bürgermeistereien Boden rod, Dorn-Assenheim, Jauerbach b. Fr., Ilbenstadt, Kirch-Göns, Bad⸗Nauheim, Nieder⸗Weisel.
Wir sehen binnen 24 Stunden der Erledigung unserer Verfügung vom 29. November v. J. dei Meidung der Abholung entgegen. AAA
Friedberg am 11. Januar 1872.
Betressend: Gesuch des Vorslands der tsraelltischen Religtonsgemelnde zu Ober Gleen, Kreises 0 Aleseld, um Geslaltung einer Collecie. Friedberg den 11. Januar 1872.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg 0 an Großherzogliche Polizeiverwaltung Bad-Nauhejim, Großh. Polizei-Commissarlat in Wickstadt und die Großh. Burgermeistereien. Großherzogliches Ministerium des Innern hat durch Erlaß vom 2. d. Mis. zu Nr. M. d. J. 13628 der ieraelitischen Religions- gemeinde zu Ober ⸗Gleen zur theilweisen Bestreitung der Kosten, welche durch Erwerbung eines Hauses und Einrichtung desselben zu Synagoge, Schule und Wohnung für den Religionslehrer entstehen, die Erhebung einer Collecte bei den Israeliten in der Provinz Ober— hessen gestattet. Wir setzen Sie hiervon zu Ihrem Bemessen in Keuntniß. Trapp.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Am 8. d. haben vor dem hie— sigen Schwurgerichte die Verhandlungen gegen die beiden Socialdemokraten W. Wolf und Ad. Häuser wegen Hochverraths oder Herabwürdigung der Religion begonnen und ein außerordentlich zahl— reiches Publicum, meist aus Arbeitern beslehend, herbeigezogen. Die Beschuldigten stellten insbe— sondere entschieden in Abrede, auf jener Volks- versammlung zu Bicber zum gewaltsamen Umsturz der bestehenden Verhältnisse aufgefordert zu haben, wollen vielmehr die Anwesenden ausdrücklich da— rauf aufmerksam gemacht haben, daß sie ihr Ziel auf gesetzlichem Wege anzustreben hätten. Nach dreitägiger Verhandlung endigte der Prozeß mit Freisprechung der Angeklagten.
Worms. Nach der„Worms. Ztg.“ beschloß der hiesige Gemeinderath auf Ersuchen der Lehrer der hiesigen Stadtschulen für dieselden folgende Gehaltstrhöhungen mit Wirkung vom 1. d. M. an: Jeder Vicar erhält einen Minimalgehalt von 500 fl.(statt seither 400 fl.), welcher in Raten von je 50 fl. in 8 Jahren bis zu 700 fl.(statt tilher bis zu 600 fl.) steigt. Jeder definitiv angtstellte Lehrer beginnt mit einem Gehalte von 700(seitber mit 600 fl.) und gelangt ebenfalls n Absätzen von je 50 fl., nach weiteren 16 Dienst— ahren zu dem Maximalgehalt von 1100 fl. Der-
selbe belrug bisher nur 900 fl. Ferner sollen zwei Dritttheile aller zur Zeit hier vorhandenen Lehrstellen an den Stadtschulen zu definitiven er hoben werden und den damit von jetzt ab ver— bundenen höheren Gehalt genießen.
Berlin. Im Abgeordnetenhause erklärt der Minister des Innern bei Fortsetzung: der Bera- thung über den Etat des Ministeriums des Innern auf eine Bemerkung Reichen sperger's zu der Position bezüglich der Haltung der ossielösen Presse: Er übernehme eine Verantwortlichkeit nur für die Artikel der„Provinzial-Correspondenz“. Inspi⸗ rationen zu persönlichen Angriffen seien nie ertheilt worden. Wenn die efficiöse Presse einen solchen Ton einmal angeschlagen habe, so seien Repro— bationen Seitens des Mintisteriums erfolgt. Die
Position wurde hierauf mit großer Majoritat be- willigt.
— Die Generalpostdirection hat ihre Beamten darauf aufmerksam gemacht, daß mit dem Aus- druck„Deutsche Reichspostanstalten“ die von der
Reiche postbehörde ressortirenden Postanstalten im
Gebiete des vormaligen norddeufschen Bundes, in Südhessen, Elsaß-Lothringen und Baden bezeichnet werden. Der Ausdruck„Deutsche Postanstalten“ würde auch die Postanstalten in Bayern und Würtemberg mit umfassen.
In der Provinz Sachsen erregt gegen—
wärtig eine durch das Coneilstagebuch des Pro- fessors Herrn Friedrich gemachte Enthüllung, wo⸗ nach der Bischof Martin* Paderborn in Rom mitgetheilt hätte, einige evangelische Geistliche der Provinz hätten ihm den Uebertritt zum Katholi⸗ zismus angeboten, sobald das Concil die Auf⸗ hebung der Ebelosigkeit für die Geistlichen und die Gewährung auch des Kelches an die Laien im Abendmahl beschließen würde, großes Aufseden. — Das Kriegsministerium hat der Oeccu- pationsarmee in Frankreich einen Sanitätszug, bestehend aus sechs Eisenbahnwagen, zur Ver- fügung gestellt. Mit diesem werden diejenigen Soldaten, welche in Frarkreich erkranken und deren Genesung voraussichtlich wohl vor Ablauf ihrer Dienstzeit zu erhoffen steht, sowie auch aus dem Kriege her Verwundete, deren Uebersiedelung nach der Heimath wünschenswerth erscheint, in's Innere von Deutschland transportirt. Es sind bereits drei solcher Züge befördert worden: nach Stuttgart, München und Berlin. — Unter den neuerdings bei dem Hause der Abgeordneten eingegangenen Petitionen befinden sich folgende: Eine größere Zahl von Petitionen beantragen Einführung der obligatorischen Civil- ehe, Führung von Civilstandsregistern durch welt— liche Beamte, Sicherung des Rechts der Eltern, pie religiöse Erziehung und Bildung ihrer Kinder


