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aue, für die Linderung des augenblicklichen Noth standes habe die Regierung gesorgt, noch. im Laufe der Session werde die Regierung weitere Mittel fordern. Preußen sei nie in der Lage ge- wesen, so umfassend zu helfen, wie jetzt, aber das Maß der Hülfe hänge von der Ermittelung des Bedürfnisses für die Einzelnen wie für die Ge ⸗ sammtheit ab. Krassow dankte für die verheißene Regierungsvorlage und wünschte Beschleunigung der Hülfe, um den moralischen Muth der Be— schädigten aufzurichten. Es folgte eine Inter- pellation Krassow's über die Maßregeln, welche die Regierung für den wirksamen Schutz der Küsten der bedrohten Gegenden getroffen habe. Der Handelsminister antwortete darauf mit der Versicherung, daß zu dem gedachten Zwecke die umfassenden Anordnungen getroffen seien und die augenblicklich erforderliche Hülse geleistet wäre. Besnimmte Versprechungen gegenwärtig zu machen, sei bei der Sachlage unmöglich. Es folgte die Schlußberathung über die Kreisordnungsvorlage. Kröcher und Mytielski gegen, Münster für die Vorlage. Der Minister des Innern trat noch mals aufs Entschiedendste für dieselbe ein, hob deren ächt preußischen Character hervor und warf einen Rückblick auf seine zebnjährige Verwaltungs- thätigkeit, in welcher das Ministerium mit conser⸗ vativen Grundsätzen an seine Aufgaben getreten sei und doch von den Zeitverhältnissen geforderte liberale Vorlagen gemacht habe, bis schließlich der liberale Bau, das deulsche Reich entstanden sei. „Eine liberale Vorlage sollen Sie jetzt votiren, welche die conservativen Principien nicht verletzt. Gott hielt seine schützende Hand über Deutschland, Gott wird auch diese Sache schützen.“(Lebhafter Beifall.) Das Haus nahm den Schluß der De— batte an und beschloß namentliche en- bloc Ab⸗ stimmung, wobei die Kreisordnung mit 116 gegen 91 Stimmen definitiv angenommen wurde. Die Gesetzes Vorlagen bezüglich der Aufhebung der Retractsrechte in der Provinz Hannover und be— treffs des heirathsfähigen Alters wurden gleichfalls in Schlußberatbung angenommen.
— Das Abgeordnetenhaus erledigte in seiner Sitzurg vom 9. Dez die erste Berathung des Gisetzentwurfs wegen der Abänderung des Gesetzes, betreffend die Classen- und clasßsicirte Einkommen- steuer. Löwe, Richter und Gottberg sprachen gegen, Miqvel, Kardorff und Stengel für die Vorlage. Redner von beiden Seiten befürworteten die von Eisner von Gronow besonders beantragte Aufhebung der Mahl- und Schlachtsteuer. Richser sprach sich für Steuer ⸗Contingentirung, Kardofrff für progressive Einkommensteuer aus. Nach Schluß der Generaldiscussion wurde die Vorlage an eine Commission von 24 Mitgliedern verwiesen.
— Das Herrenhaus nahm das Gesetz über die Ablösung der Abdeckereirechte ohne Debatte unverändert, den Gesetzentwurf über die Ablösung der Reallasten in Schleswig⸗Holstein nach langer Debatte unter Ablehnung der Amendements von Rantzau und Malmrotz an.
— Die„Kreuz⸗Ztg.“ hört aus guter Quelle. daß der Ktiegeminister bei dem Kaiser seine Dienstentlassung nachgesucht hat. Das Blatt schließt aus der Nichtbetheiligung des Ministers für die Landwirihschaft, von Selchow, an den letzten Ministerialberathungen, daß derselbe gleich falls ein Entlassungsgesuch eingereicht hat.
— Wie verlautct, tritt der seitherige Gesandte in Brasilien, Graf Solms, in das aus wärtige Amt ein.
— Die„Kreuz Zeitung“ bezeichnet die Mit⸗ theilungen der Blätter über diesseitige, im Hin— blick auf die französischen Verhältnisse getroffene oder erwogene militärische Anordnungen, eiuge⸗ gangener Erkundigung zufolge, als des thatsäch⸗ lichen Grundes entbehrend.
Ausland.
Frankreich. Das„Journal officiel“ ver- öffenlicht die Ernennung Goulard's zum Minister des Innern, Leon Sap's zum Finanzminister, Fourton's zum Minister der öffentlichen Arbeiten, Calqon's zum Seine-Präfecten. Die Abendblätler besprechen die Mooificationen im Ministerium und
bezeichnen vieselben als ein Pfand der Beruhigung der Gemüther und als eine Garantie für die Lösung der Constitutionefrage ohne neue Krists.
— Der„Agence Havas“ zufolge bemüht sich Oesterreich, die schiedsrichterliche Ausgleichung des Laurion Handels herbeizuführen, um den nach: theiligen Folgen eines Conflietes für den adria⸗ tischen Handel vorzubeugen.
— Die in der Commisstonesitzung über den Antrag Dufaure erfolgte Annahme des Antrages des Deputirten Fournier, wonach die Regierung aufgefordert wird, einen Gesetzentwurf über Ver⸗ fassungsreformen vorzulegen, wird nach der„Agente Havas“ als ein ausgezeichnetes Terrain zur Ver⸗ söhnung betrachtet. Dieser Antrag wird ohne Zweifel der Gegenstand sehr wichtiger Berathung in dem Ministerrath fein. f
— In der ersten Sitzung der Dreißiger— Commission beantragte Audiffret⸗ Pasquier als ersten Berathungsgegenstand die Ministerverant— wortlichkeit, darauf die übrigen constitutionellen Fragen zu berathen. Die übrigen Mitglieder der Maforität halten die Commission nicht für compe⸗ tent, die Frage der republikanischen oder monarchischen Regierungsform zu erörtern, es sei ihre alleinige Aufgabe, einen modus vivendi zwischen der National versammlung und Herrn Thiers herzustellen. Ein Antrag Arago's, vor der definktiven Beschluß⸗ fassung erst die Meinung der Regierung zu hören, wurde mit 19 gegen 8 Stimmen abgelehnt und ein Antrag Fournier's angenommen, wonach die Regierung in Kenntniß gesetzt wird, daß die Commission bereit sei, die Ansichten der Regierung zu vernehmen, wenn sie es füt angegeigt halte, vor der Feststellung des bezüglichen Gesetzentwurfs eingehende Erklärungen hierüber abzugeben.
Großbritannien. Seit dem 8. d. wird England von einem orkanartigen Sturm heimge— sucht. Aus den Häfen werden zahlreiche Unglücks⸗ fälle gemeldet. Viele Schornsteine sind umgeworfen, viele Fenster zertrümmert. Personen werden in den Straßen, auch in London, vielfach umgeworfen und zum Theil schwer beschädigt. Der Orkan dutte am 9. noch nicht nachgelassen.
T Beyenheim. um veiflossenen Sonntage, als am zweiten Advent, hat die Gemeinde Beyenheim ein kuchliches Fest gefeiert, das zu den schönsten und er— bebendsten gehören mag, die in ihrer Mirte wobl jemals begangen worden sind zes galt der feierlichen Wieder⸗ ein weihung ihrer schön und würdig wiederher⸗ geftellten Kirche. Diese vor nahezu hundert Jahren von dem damaligen Ocklsgeistlichen Christtan Egidius Eigenbrodt allein durch den Etirag von Samm ungen und müden Beiträgen erbaute Kirche war, weil sie im Innern nicht völlig ausgebaut worden, und weil bei der Miltellosigkeit der Gemeinde für ihre weilere Herstellung nichts von Belang gesch hen konnte, im Laufe der Zeit in einen höchst verwahrlosten und eines Gotleshauses wenig würdigen Zustand gerashen. Der vorherige Geifliche, Pfarter Hoffmann, jetzt in Altenstadt, hatle, um den Aus— bau der Kirche zu ermöglichen, im Jabre 1859 einen Baufond gegründelz da abet dieser Fond auf die Sonntags- opfer und die von ihm selbst beteitwilligst dazu veige— u uerten Beichipfennige beschränkt blieb, so bestand derselbe nach fünf Jibien, als der jetzige Pfarrer Joh. Wilh. Urich im Jaore 1864 aufzog, kum aus 80 Gulden. Der ge⸗ nannte Geistliche erkannte sofort, daß auf diesem Wege die zum Ausbau der Kirche nölhigen Summen in Jahr⸗ hunderien nicht zusammen kommen würden, und beschloß darum, im Vertrauen auf Gottes Hülfe, denselben Weg einzuschlagen, den Eigenbrodt schon vor hundert Jahren beiretien halte. Und sein Vertrauen ward nicht zu Schanden! Durch Colleciereisen nach Frankfurt, Hamburg und Lübeck durch reiche Spenden von Küchenfonks, hessischen Prinzen und Standesherrn und vielen anderen Personen, sowie duich eine Verloosung von freiwidigen Gescheuken kamen so belrächi⸗ lich, Summen zusammen, daß nicht los eine Oe gel ange— schafft, sondern auch die He stellung der Kirche selößt in diesem Som ner in Angriff genommen werden konnte. Während die Baub nöwerker unter der umsichtigen Nilung des Groß⸗ berzo ichen Kleis baumeisters Herin Reuß und des Bau⸗ aussebers Herrn Numrich von Frieddang rüstig schaffien und arbeiteten, sammelte sich die Gemeinde sonntäglich in der Pfarrscheune und seit dem Eintritt der schlimmeren Jibreszeit in dem größten Zimmer des Pfarrhauses zum oftesdienst und exirug gerne die zeitweilige Unbequem⸗ lichk it in der Hoffnung, bald in ein schön und wü dig bergestelltes Gotiesvaus zurückkehren zu dürsen— Sonn⸗ lag den, 8. Dezember ging diese Hoffnung in Erfüllung. Vormittags um 40 Ubr sammelte sich die ganze Ge— meinde und eine ansehnliche Schaar von auswärtigen
abhalten lassen, im Pfarrbose. Nach einem Gesauge der lieben Blinden von Friedberg setz'e sich der Fesizug in wegung, voran die Beyenheimer Schule mit ihrem Lehe, ian die Bengen mitihrem Director und Gesang—
lehrer, die Communtkanten, die Mitglieder des Kirchen⸗ vorstandes, die die heiligen Gefäße und Bücher trugen, darauf die Getstlichkeit, Herr Kreisbaumeister Reuß mit dem gesammten Baupersonale, endlich die ganze Gemeinde, ein langer, feierlicher Zug! An der Hauptthüre der Kirche angelangt, hielt der Zug, und Herr Kitisbaumeister Reuß übergab nach körniger Rede den Kirchenschlüssel an den mit der Vornahme ber Einweihung beauftragten Herrn Decan Buchhold von Ossenheim, der nach Worten frommer Weihe die Thüre erschloß. Unter den Tönen der von den Brüdern Bernhardt von Gambach gelieferten und vorzüg⸗ lich gut ausgefallenen Orgel nahm die Festversammlung ibre Plätze ein und es folgte nun nach einem Chore der Blinden die Weiherede und das Weihgebet des schon ge— nannten Herrn Decan Buchhold in höchst erbaulicher und ergreifender Weise. Darauf bestieg der Orisgeistliche die Kanzel und hielt die Festpredigt über Hebr. 13, Vers 8, worin er den Satz ausführte, daß Jesus Christus, gestern und heute und derselbe in Ewigkeit, allein der Grund sein müsse, worauf diese Kirche stehe, weil ewig sei sein Wort, And ewig seine Liebe, und ewig seine Macht. Es folgte zum Schlusse die Feier des Abendmahls und ein noch⸗ maliger ergreifender Chor der Blinden,— Nach einer Pause von 2 Stunden riefen die Glocken abermals zur Kirche und es hielt nun Herr Pfarrer Schmidt von Rod— heim bei Gießen vor zahlreich versammelter Gemeinde die Predigt über Psalm 24, Vers 7 bis 10, worin er zeigte, wie die Gemeinde Beyenheim den großen Adventskönig in ihrem neu hergest eilten Gotteshause, wie in ihren Häu⸗ sern und Herzen aufnehmen solle.— Aus der Kirche zu⸗ rüdkehrend wartete des Ortsgeistlichen noch eine schöne und ihn tief rührende Ueberraschung. Die ganze Gemeinde balte sich wieder im Pfarrhofe versammelt und nach Ab- singung eines Liedes von Seiten des hiesigen Singver⸗ eines überreichte der Bürgermeister, Herr Eberhardt Huber, einen prachtvollen Ehrensessel im Namen und Auftrage der Gemeinde dem tief ergriffenen Geistlichen als Aner— kennung für sein unermüdliches und erspriesliches Wirken zur Herstellung ihres Gotteshauses. So erreichie die Feier den schönsten und würdigsten Abschluß. Wir aber schließen unseren Bericht mit dem Wunsche, daß dieser schöne Tag einen bleibenden Eindruck hinterlassen möge vei Allen, die ihn gefeiert baben.
In Neu- PYsenburg geriethen gelegentlich einer Wäblerversammlung die erbitzten Parteien von dem Wort⸗ zum Handgefecht; die Wirihschaftslokaliiäten des Heirn B. wurden verwüstet, es fielen Schüsse, wobei ein Soldat, der blank gezogen haben soll, einen Streifschuß erhielt. Zur Wiederherstellung der Ordnung wurde militärische Hilfe aus Offenbach requirirt.
Darmstadt. Der am 8. d. Nachmittags von hier nach Mainz abgegangene Courierzug der Ludwigsbahn halte das Mißgeschick, gleich vor dem Bahnhaf, nächst dem Uebergang des Landwehrwegs durch eine schadhaft ge⸗ wordene Schiene theilweise zu entgleisen. Glückliche: weise erfolgte nur eine Verschiebung der Wagen und fassirte kein Unglück, nur daß die Rangirung und Neuordnung und Ausb sserung der schadhaften Stelle eine erhebliche Verspätung herbeiführte.
Mainz. Vorigen Sonntag Abend wurde vor dem Neuthore ein Mann, der seine Frau vor den Handgreif⸗
lichkeiten mebrerer Soldaten schützen wollte, von diesen
mit blanker Waffe derart mißhandelt, daß eine Ampu⸗ tation des Armes in Aussicht genommen ist.
Fulda. Ein abscheulicher Raubmord wurde am T. d. an dem Hülfsbahnwärter Heinrich Schmelz von Kerzell in einem zunächst dem Dorfe Löschenroth belegenen Wärter⸗ häuschen begangen. Man fand denselben Morgens einige Schritte weit von letzterem mit zerschmeitertem Schädel und aller seiner Habseligkeiten beraubt im Chausseegraben sodt liegen.
In Melsungen hat am 10. d. ein heftiger Brand über 20 Gebände in Asche gelegt.
München. Bezüglich der Fahrpreis⸗Ermäßigung zur Wiener Wältausstellung ist von den südwestdeutschen Eisenbahnverwallungen nachträglich der endgültige Beschluß gefaßt worden, für geschloss ne Extrazüge von mindestens 200 Personen 50 pCt., für einzelne Tour- nnd Retour⸗ villete 40 pC., Ermäßigung für sämmtliche Wagenclassen zu gewähren. Die preußtischen Staatsbahnen gewähren auch für einzelne Billete 50 pCt. Ermäßigung.
Verloos ungen.
Kurhessische Thaler 40 Loose. Ziehung am 2. Dezember Gezogene Serien: 2. 153. 166. 292. 411. 497 682 695. 738. 770. 796. 876 972 1013 1185. 1302. 1404 1470. 16 3 1616 1660. 2004. 2241 2283. 2427. 2554 2593 2615. 2645. 2666. 3063 3353 3354. 3614 3681. 3721. 3797. 3922. 4054. 4105. 4368. 44 6. 484. 4880. 495. 498. 50 14. 504 l. 5127. 5129. 5437. 5454. 5628 5763 5973 6 66. 6313. 6394 6439 u. 669.
Brüsseler Loose von 1856. Ziehung am 2 Dezember. Hauptgewinne: Nr. 3800 25,000 Fr., Nr. 51267 10,000 Frs., Nr. 11349. 8865. 19533. 20612 24976. 49532. 51826. 54503. 58828 und 65 557 je 900 Frs, Nr. 8589. 10400. 4370. 23844. 26502. 41115 4 336. 573 9 und 62962 je 500 Fr., Nr. 18889. 19349. 48566 und 64218 je 300 Frs.
Windischgrätz⸗Loose. Ziehung am 2. Dezember. Hauptpreise: Nr. 27736 20,000 fl. Nr. 41857 2000 fl., Nr. 43350 und 49686 je 1000 fl., Nr. 75547 und 91618
ane i 5 je 500 fl. Festgästen, die sich durch das schlimme Wetter nicht hauen
Türkenloose. Ziehung am 1. Dez. Nr. 491639 600,000 Frs. Nr. 244942 60,000 Frs. Nr. 1369335 und 1642 // je 20,000 Frs Je 60090 Frs. gewinnen dle Nr. 838340 74892 8538 60509 829114 und 1501083; je 3000 Frs. die Nummern 1706163 704899 818588
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