Ausgabe 
12.10.1872
 
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schrift Barthelemy's an den Savoyer Deputirten, bestreitet indeß, daß Thiers zu der Zuschrift die

im Sunde einen schwedischen Schooner übersegelt. Von der Mannschaft des letzteren sollen nur 3 Per- sonen gerettet sein.

Nürnberg. Die Ende dieser Woche hier stattfindenden Conferenzen des bayerischen und des würtembergischen Justizministers sind, dem Ver- nehmen nach, durch das Reichsgesetz über die Ge währung der Rechtshülfe veranlaßt und bezwecken die Abänderung resp. Beseitigung der in den be züglichen Jurisdictionsverträgen beider Staaten dem Reichsgesetze enigegenstehenden Bestimmungen.

Ausland.

Oesterreich. Im Auftrag des Vorstandes des österreichischen Hauptvereines der Gustav-Adolf Stiftung wurde eine tabellarische Darstellung der evangelischen Volksschulen Oesterreichs gefertigt. Wir entnehmen derselben Folgendes: In den 13 Provinzen des Kronlandes befinden sich 395 evangelische Schulgemeinden mit einer Seelenzahl von 354,849 An denselben wirken 216 Pfarrer und 16 Vicare, 526 Lehrer und 16 Lehrerinnen, unter diesen sind 32 akademisch, 112 in Seminarien gebildet. Die geringste Besoldung beträgt 30 fl. in Galizien und die böchste 2000 fl. im Küsten: lande. In 218 Schulen ist die deutsche, in 119 die böhmische, in 34 die ungarische, in 18 ge mischt deutsch ⸗slavische und die polnische Sprache die Unterrichtssprache.

Schweiz. In Basel soll ein elsässisch⸗ lothringisches Lyceum errichtet werden, um einem Bedürfniß zu entsprechen, das noch etwas räthselbaft ist. Eine anonyme Gesellschaft soll mit einem Capital von 100,000 Fr. zu jenem Zwecke erst noch gebildet werden.

Frankreich. DerTemps sagt: Ein Brief Barthelemy St. Hilaire's an einen Deputirten von Savoyen kritisirt, indem er die persönlichen Eindrücke Thiers resümirt, das Benehmen Gam- betta's und wirft ihm vor, die Republik compro- mittirt und dem Anscheine nach den Volkshaß gegen die Bourgevisie erregt zu haben. Die Agence Havas bestätigt die Richtigkeit der Zu-

Veranlassung gegeben habe. Die Zuschrift gebe lediglich Barthelemy's persönliche Ansichten wieder.

Der oberste Kriegsrath ist jetzt definitiv zusammengesetzt; man nennt als Mitglieder des- selben den Marschall Mac-Mahon, den Prinzen von Aumale, den Gouverneur von Paris l' Ad- mirault, und, trotz einer früheren Meldung, den Marschall Canrobert. Letztere Ernennung würde im Publikum einen sehr schlimmen Eindruck machen; man versichert, daß mehrere Minister Thiers zu bestimmen suchten, den Marschall von der Liste zu streichen. Seine Mitwirkung an dem Staats- streiche und die Stellung, die er am kaiserlichen Hofe einnahm, sind noch in zu frischer Erinnerung,

Die Demission Picards, des französischen Bevollmächtigten in Brüssel, wurde von Thiers angenommen.

Wie aus unterrichteter Quelle verlautet, hätte Italien dem Cabinet von Versailles in den Unterhandlungen bezüglich des Handelsvertrages wichtige Zugeständnisse gemacht und würde der Abschluß der Verhandlungen als bevorstehend betrachtet.

Belgien. Brüssel. Am 29. d. M. ver⸗ sammelt sich hier eine internationale Conferenz ieraelitischer Deputirter Behufs Bildung einer Commission zu Untersuchung der Lage der Juden Rumäniens.

Amerika. Da die Vereinigten Staaten noch immer keinen Postvertrag mit Frankreich haben, und dadurch viele Unannehmlichkeiten entstehen, so hat Washburne, der amerikanische Gesandte in Paris, Verhandlungen zur Erreichung eines solchen begonnen. Der Opiumconsum in den Ver- einigten Staaten nimmt in erschreckender Weise überhand. Vom 30. Juni 1869 bis 30. Juni 1870 wurden 4,073,744 Unzen importirt, in dem darauf folgenden Jahre aber bereits 5,041,936 Unzen. Also in einem einzigen Jahre eine Zunahme von 24 Procent.

In Homburg soll nach demSchw. M. ein wunderliches Gerücht verbreitet sein und dort Glauben finden. Herr Blanc soll nämlich mit dem Gedanken um⸗ gehen, in den oberen Räumen des Kurhauses nach Schluß der Spielbank, also wohl vom 1. Januar 1873 an, ein internationales Kasino zu errichten, dessen Besuch nur durch ein sehr bedeutendes Entree ermöglicht werde. Dort sollen Concerte gegeben und allerhand Unterhaltungen ge⸗ boten werden, wie sie eben in den höheren Gesellschaften Gebrauch sind, also wohl auch Kartenspiele ꝛc.

Gießen. Nachdem in voriger Woche am Bahnhof ein Korb voll Butter, 56 Pfund, gestohlen worden war, ist in der Nacht vom 8. auf dem Perron ein Rehbock gestohlen worden. Bereits ist es der Polizei gelungen, die drei Reh⸗ bockdtebe zu ermitteln. Zwei davon den Material⸗ Verwalter der Main-Weser-Bahn J. und einen Bureau⸗ gehülfen derselben Bayn N., hat sie in's Gefängniß ge⸗ bracht. Hoffentlich werden sich jetzt die Diebstähle auf unseren Bahnen vermindern.

Frankfurt. Der Hauptmann im viesigen Lösch⸗ bataillon, J. Gramm, wurde von der Krupp'schen Fabrik in Essen beauftragt, einen nach dem von ihm er dachten Systeme construirten Feuerwehr⸗Mannschaftswagen, der gleichzeitig als Requisiten- und Rettungsgeräthschafts⸗ wagen dienen kann, anfertigen zu lassen. Derselbe bat seine Aufgabe gelöst und der Wagen wurde von Fach männern Ende verflossener Woche geprüft und einstimmig als höchst praktisch befunden. Der Wagen, welcher gleich zeilig die Spritze mit zur Brandstätte befördert, hat Platz für 12 Mann Feuerwehr und führt neben Hydranten, Handspritzen, Steigleitern, Feuerhaken, Brecheisen, Schaufeln, leinene Feuereimer, Gurten, Leitern ꝛc., noch 700 Fuß des besten Schlauchs in Längen von 50 und 25 Fuß mit sich.

Frankfurt. In der Sitzung des Landwirth⸗ schaftlichen Monatsclubs vom 7. d. kam, durch die Gräflich Laubach'sche Guts verwaltung angeregt, die Mangelhaftigkeit und Unzuverlässigkeit der Notirungen der Frankfurter Fruchtpreise zur Sprache und die Mittel, diesem Uebelstande abzuhelsen. Man verkannte allseitig die großen Schwierigkeiten nicht, welche sich einem genauen Frucht- und Viehmarkiberichte entgegenstellen. Um wenigstens annähernd einen der Wahrheit entsprechenden Bericht auf zustellen, beschloß der Club, diese Angelegenheit vorerst ver suchsweise für seine Mitglieder in die Hand zu nehmen.

Frankfurt. Die Sechskreuzertage des Zoologischen Gartens wurden in dem zurückgelegten Sommer von circa 24,000 Menschen benutzt. Die Zwölfkreuzertage von circa 20 000.

Seligenstadt. Vor einigen Tagen feierte die biesige evangelische Kirchengemeinde ein ebenso schönes, wie in seiner Ausführung gelungenes Fest, nämlich das 25jährige Jubiläum der hiesigen evangelischen Kirche, mit welcher im Jahre 1847 der Gustav-Adolph⸗Verein die hiesigen Prote⸗ anten beschenkt hat.

Darmstadt. Der am 9. d. eröffnete deutsche Frauen⸗ tag war zahlreich besucht. In der im Palais der Prin- zessin Ludwig staltgefundenen Delegirten-Versammlung waren 50 Damen als Delegirte anwesend. Die Bethei ligung von Darmstädter Damen ist eine zahlreiche.

Mainz. In unserer Zeit der Arbeitseinstellungen dürfte ein Fest, wie es kürzlich in der Gastell'schen Waggon⸗ fabrik geseiert worden ist, zu den selteneren gehören. Die Fabrikbesitzer veranstalleten nämlich zu Ehren eines braven Arbeiters, welcher seit 50 Jahren ununterbrochen als Schmied in der genannten Fabrik beschäftigt war, ein sest⸗ liches Mahl, überreichte ihm ein werthvolles Ehrengeschenk und pensionirte ihn mit seinem ganzen nicht unbedeutenden Gehalt gleich ehrend für Arbeitgeber und Arbeitnehmer! In wenigen Monaten wird diesem Jubilar in derselben Fabrik ein zweiter nachfolgen.

Wiesbaden. In Folge des Concurrenz⸗Aus⸗ schreibens für ein National⸗Denkmal auf dem Niederwald sind 37 Entwürfe eingegangen. Das Preisgericht hat jetzt nach eingehender Prüfung sieben Projecte für die engere Concurrenz ausgewählt, von denen drei als die besten anerkannt wurden. Dennoch konnte die Jury keinen dieser Entwürfe zur Ausführung empfehlen, da kemer der vor⸗ liegenden Aufgabe vollständig genüge und außerdem die Kosten eines jeden derselben die vorgesehene Bausumme mehrsach übersteigen würden. Obgleich nun nach den Be⸗ stimmungen des Programms die Jury berechtigt war, gar keinen Preis zu erteilen, so nahm man doch im Interesse ber Kunst von dieser Bestimmung Abstand und erkannie Ehienpreise von 1500 Thlr., 1000 Thlr. und 500 Thlr. Die Verfasser der dret prämürten Entwürfe sind, wie sich nach Eröffnung der mit Moltos versehenen Couverts ergeben hal, von Nr. 7 Architect A. Eggert zu Berlin, von Nr. 27 Prof. Jobannes Schilling zu Dresden und von Nr. 13 Architect A. Paper in Dresden.

Wiesbaden. Das letzte Betriebsjahr der Spielbank liefert außerordentlich günstige Resullate; die Dividende für das Sommerhalbjahr wird 53 pCt. für die noch nicht amortisitten und 50 pCt. für die bereits amortisirten Actien beiragen. Der Kursonds für Wiesbaden und Ems ist schon ganz gebildet; außerdem wird beabsichtigt, bei Auflösung der Gesellschaft sämmilichen Bank- Angestellien ansehnliche Gralificalionen zu verwilligen. Dieser Tage in ein Engländer wegen an der Spielbank versuchter Aus⸗ gabe falscher 25 Tyalerscheine verhaftet und in das Kreis⸗ gerichtsgefängniß abgeliefert worden.

Wiesbaden. Nach wochenlanger Verhandlung ist jetzt der Verkauf des gesammten Kurhaus Inventars (Mobiliar und ein Theil der Orangenbäume) an die Siadtgemeinde perfect geworden. In den Verkauf einge schiossen sind auch einige Immobilien, Musikpavillon, Gas⸗ leitungen u. s. f. Durch diesen Verkauf, der für beide Theile, Stadtgemeinde wie Kurhaus-Administration resp.

kann, ist der Gemeinde die Möglichkeit geboten, den Winter über ohne Unterbrechung die Kursäle offen zu balten und

gründete Kurcapelle kaun nunmehr mit Januar ihre Thätigkeit beginnen, und, wie wir hören, sollen jetzt, nachdem die Mobiliarfrage entschieden ist, sofort die An⸗

auswärtigen Journalen publicirt werden. 8

Stadt sogenannte übergesiedelte amerikanische Familien, geben an, auf einem Landgute in der Nähe zu wohnen, machen in Juwelter- und Manufactur⸗Läden kleine Ein⸗ käufe und geben meistens 10, bis 50⸗Dollar⸗Noten als Zahlung, um desto größere Summen an deutschem Gelde als Herauszahlung zu erhalten; da nun diese Noten(der consöderirten Staaten) längst entwerthet sind, so haben die unkundigen Verkäufer somit ihre Waare und ihr baares Geld verloren. Wahrscheinlich werden diese amerikanischen Schwindler auch andere Orte mit ihrem Besuche beglücken, weßhalb eine Warnung im allgemeinen Interesse liegen dürste.

Aachen. lingen verkaufte seinen Jagdhund an einen Jagofreund in Verviers. Das Thier wurde Station Lindern auf der Eisenbahn verladen und mit nach Verviers genommen. Am Tage nach der Ankunft wußte der Hund sich loszu⸗ arbeiten und gelangte am zweitfolgenden Tage in seiner alten Heimath an. Das Thier hat vorausfichtlich der Eisenbahn entlang seinen Weg zum alten Herrn gefunden. Vor Zeiten verkaufte derselbe Jäger eine Hündin nach einem ungefähr Stunde entfernt liegenden Orte. Dort wurde der Hund drei Monate lang festgehalten bis er Junge geworfen. In der Voraussetzung, daß derselbe nun nicht mehr sortlaufen werde, ließ man ihn los. Am darauffolgenden Morgen fand der alte Besitzer ihn mit sieben Jungen in seiner Behausung. Es scheint also, daß die Hündin ihren Jungen zu lieb in einer Nacht sieben Mal den Weg hin- und zurückgelegt hat.

Greifswalde. In der Baltischen Waggonfabrik (früher Keßler und Sohn) in Greifswalde explodirte vorigen Samstag Nachmittag der Dampfkessel, während Alles in der Fabrik in voller Thätigkeit war. Das Kessel⸗ haus und die anstoßende Schmiede wurden zertrümmert; 15 verheirathete Arbeiter fanden sefort ihren Tod, 73 Ar⸗ beiter wurden mehr oder weniger verletzt.

St. Gallen. Der bei dem schweizerischen Truppen⸗

Zig., Herr Th. Curti, schreibt dieser:Von den Zürchern und Graubündnern wissen unsere Soldaten mitunter elwas zu erzählen. Märchen vor Allem. Weil in Thun einige scharfe Patronen Unglück angerichtet, hat man auch hier schon scharfe Patronen sausen hören. Glücklicherweise war es nur bei den Zürchern und Graubündnern, oder, wie wahrscheinlich die Zürcher wissen, bei den St. Galler n und Graubündnern, oder wie die Bündner sich sagen werden, bei den St. Gallern und Zürchern. Außer diesen Gespenstersehereien ist nur noch von einigem Belang, daß die Zürcher im Commando durch ihrenDialäkt sich auszeichnen und auffallender Weise sehr höflich sind; so heiße es bei ihnen nicht: Ossiziere und Unseroffiziere vor! sondern:Die Herre Offizier und Unkcroffizier möchted jetzt au so guet si und gschwind e schli vor d' Front füre cho.

Eingesandt.

2850 Gegen alle, oft mit vielem Gepränge angekündigte Zahnmittel, besonders solche, die Zahnschmerzen unfehlbar zu stillen im Stande sein sollen, ist man nachgerade etwas mißtrauisch geworden, da keines sich derart zu bewähren vermochte, daß es mehr als vorübergehende Aufmerksaw⸗ kit erregte. Ein Mittel dieser Art jedoch, das freilich etwas weniger betäubend, als reinigend und stärkend auf Mundtheile und Zähne wirkt, dadurch die Mund- und Zahnkrankheiten allmählig aber gründlich und dauernd deseitigt, macht von obiger Regel eine erfreuliche Aus⸗ nabme. Es ist dies das k. k. österr. ausschl. priv. und erste amerik. und engl. patentirte Anatherin⸗Mund⸗ wasser des k. k. Hofzahnarztes Herrn Dr. J. G. Popp in Wien, das seit länger als 22 Jahren nicht nur seinen Ruf erhalten, sondern denselben slelig weiter verbreitet und fester begründet hat.

Eingesandt.

2851 Wie uns mitgetheilt wird, will Herr Leinenfabrikant Frank aus Bielefeld, welcher augenblicklich ein großes Leinen-Lager in Gießen zum Ausverkauf gestellt hat, das⸗ selbe zu Anfang nächster Woche nach hier auf 2 bis 3 Tage zum Ausverkauf verlegen. Die Fabrikate dieses Herrn sind bekaunt als ausgezeichnet, welches wir einem geehrten Publikum mitzutheilen uns für verpflichtet halten

Productenbörse zu Friedberg am 10. October. 5

Heutiger Preis loco

Waizen, gute Qualität, fl. 14½ /.

Korn, fl.. g

Gerste, fl. 10¼ ½

Hafer, fl. 7.

Kartoffeln, fl. 27 5/12. N Alle Preise verstehen sich 200 Pfund= 100 Kilo.

Nächsie Poduclenbörse wegen des leraelitischen Feiertages

Dienftag den 15. October. g

zusammenzug sich befindende Redacteur derSt. Galler

Actionäre, in jeder Weise zufriebenstellend genannt werden

noncen der slädtischen Kur⸗ Verwaltung, welche auf die ununterbrochene Winterkur aufmeiksam machen, in den

Coblenz⸗ Seit einigen Tagen bewegen sich in hiesiger

Ein Jägersmann im benachbarten Gei⸗

in Wahrheit eine Winter⸗Kur anzubahnen. Die neuge⸗ 1

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