Ausgabe 
10.8.1872
 
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Betreffend: Die der Landwirthschaft schädlichen Thiere, insbesondere die Vertilgung der Feldmäuse.

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Friedberg den 9. August 1872.

ma chung. Da die Feldmäuse in den meisten Gemeinden des Kreises in bedenklichen Maße überhand nehmen und nach erfolgter Ende

energisch gegen dieselben vorgegangen werden muß, so mache ich die Herren Bürgermeister und Landwirthe auf die Veröffentlichung in Nr. 31 Seite 266 und 267 der diesjährigen landwirthschaftlichen Zeitschrift und die darin beschriebene zur Vertilgung der Mäuse selr

empfohlene Jül'sche Maschine mit dem Anfuͤgen aufmerksam, daß Herr Maschinenfabrikant Häußer in Fauerbach b. Fr. solche das Stüt

zu 5 fl. zu liefern sich bereit erklärt hat.

Je zeitiger die Bestellung solcher Maschinen erfolgt, je eher ist H

Seite Großherzoglichen Kreisamts Friedberg Maßregeln zur Vertilgung der Feldmaäuse angeordnet werden, zu liefern. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Friedberg.

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Deutsches Reich.

Darmstadt. Das Großherzogliche Regie- rungsblatt Nr. 35 enthält:

I. Allerhöchster Cabinetsordre die Organisation der Großherzoglichen General-Adjutantur betr.

II. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Am 22. Juni laufenden Jahres fuhr der Ackersmann Nikolaus Müller II. von Gernsheim in Begleitung seines 8jährigen Söhnchens Georg und seines jährigen Töchterchens Katharina auf einem mit Pferden bespannten Wagen in der Absicht, Futter zu holen, in den sogenannten Wörth, einem in der Gemarkung Gernsheim befindlichen, westlich vom Rhein begränzten, mit Weidenbäumen und Gras bewachsenen Districr, welcher zur Zeit größtentheils unter Wasser von nicht unbeträchtlicher Tiefe steht. Nachdem der Wagen mit Futter beladen war, trat Nikolaus Müller II. den Rückweg an. Auf demselben stürzte das Fuhrwerk in einen mit Wasser angefüllten tiefen Graben, wobei Niko laus Müller II. seinen Tod fand, die beiden Kinder aber, deren älteres sich an einen Weidenbaum fesiklammerte und gleichzeitig das jüngere über dem Wasser hielt, in die äußerste Lebensgefahr geriethen. Der Rheinmüller Friedrich Rotb von Gernsheim, welcher im Begriff war in einem Nachen nach seiner Rheinmühle zu fahren, bemerkte die Lage der Kinder, sprang alsbald aus dem Nachen und schwamm auf die Stelle zu, an der sich die Kinder be fanden. Es gelang ihm dieselben zu erfassen und unter großer Anstrengung und mit Beihülfe seines Mühlburschen in Sicherheit zu bringen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Friedrich Roth von Gernsheim für diese menschenfreundlich von ihm mit Muth und eigener Lebensgefahr ausgeführte That das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für Rettung von Menschenleben Allergnädigst zu verleihen geruht.

III. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Am 11. Juni l. J. fuhr Philipp Glock von Erfelden mit einem kleebeladenen Wagen, auf welchem mehrere Kinder saßen, auf der längs des Rbeindammes hinziehenden Staats- straße nach Erfelden zurück. An dem sogenannten Poppen⸗ heimer Loch, einem stehenden Gewässer neben der Chaussee, stürzte der Wagen durch Scheuwerden des Pferdes die Straßenböschung hinab und fiel in Folge dessen das auf dem Wagen befindliche 7 jährige Sötznchen der Maria Müller zu Erfelden, Heinrich, in das erwähnte, sehr tiese Wasser. Das Kind kämpfte bereits mit dem Erttinken, als auf den Hülferuf des gleichfalls durch das Wasser be drohten Philipp Glock der in der Nähe arbeitende Johannes Ehrenfels III., Sohn des Ortsbürgers Philipp Ehren; fels III. zu Erfelden, herbei eilte, in das Wasser sprang, auf das Kind zu schwamm, es erfaßte und glücklich lebend an das Ufer brachte. Seine Königliche Hoheit der Groß herzog haben dem Johannes Ehrenfels III. von Erfelden für diese menschenfreundliche, von ihm mit Muth und eigener Lebensgefahr ausgeführte That, neben einer Geld prämie, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: Für Rettung von Menschenleben Allergnädigst zu ver⸗ leihen geruht.

IV. Bekanntmachung, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.

V. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 19. Juli dem Kreisrath Dr. Böckmann zu Groß-Gerau und dem Weinhändler Gustav Guntrum zu Bensheim die Erlaubniß zur An⸗ nahme und zum Tragen des ihnen von Seiner Majestät dem deutschen Kaiser und Könige von Preußen verliehenen Kronenordens IV. Classe am Erinnerungsbande, dem Cornelius Wilhelm Heyl zu Worms, der Frau Wilhelmine Rasor zu Worms und der Frau Elise Kroll, Wittwe des Notars Dr. Kroll zu Heidelberg, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihnen von Seiner Ma⸗ jestät dem Könige von Würtemberg verliebenen Olga⸗ Ordens, am 21. Juli dem Geheimen Ober⸗Medizinalrath Dr. Küchler zu Darmstadt und dem Kreisarzt Dr. Scriba zu Nieder- Ingelheim die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihnen von Seiner Majestät dem Könige von Sachsen verliehenen Erinnerungskreuzes für die Jahre 1870/71, dem Geheimen Commerzienrath Leonhard Heyl zu Worms die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem Könige von Würtem⸗ berg verliehenen Olga-Ordens, am 23. Jult der Fräulein Gertrude Curschmann zu Alzey die Erlaubniß zur An⸗ nahme und zum Tragen des ihr von Seiner Majestät dem Könige von Würtemberg verliehenen Olga-Ordens zu ertheilen. 5

VI. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 19. Juli dem Pfartamts⸗Candldaten Carl Wilhelm Sehrt aus Schön⸗ berg, im frreise Bensheim, die zweite lutherische Pfarrstelle zu Groß⸗Umstabt zu übertragen.

Darmstadt. DieDarmst. Zeitung vom 7. d. enthält folgenden Artikel: Seit mehreren Wochen haben einige öffentliche Blätter verschiedener Richtung ein Gerücht in Umlauf gesetzt, als be absichtige Seine Königliche Hoheit der Großherzog sich zur linken Hand zu vermählen oder habe es bereits gethan. Wie auch schon von einem der Blätter, in welchem das Gerücht Eingang ge funden, in einer Correspondenz berichtigend be merkt wurde, entbehren alle derartigen Nachrichten eines jeden Grundes. Zur Charakteristik der Art und Weise, wie dieselben verbreitet wurden, mag dienen, daß in Holland, welches als Ort der an geblichen Vermählung bezeichnet wurde, das Institut einer morganatischen Ehe gemäß dem dort gelten- den Civilrecht gar nicht existirt, und daß' S Graven⸗ hage, das als angeblichesGut dadei eine Rolle gespielt haben soll, gar nichts ist, als der hol ländische Namen für die Stadt Haag, wie sie in Deutschland gewöhnlich genannt wird.

In der hiesigen Großh. Münze sind in dem Zeitraum vom 7. April bis 3. August d. J. von Reichsgoldmünzen 183,352 Stück à 20 Mark, im Geldbetrage von 3,667,040 Mark S 2,139,106 fl. 40 kr. geprägt und an Großh. Hauptstaatskasse abgeliefert worden.

Durch die neue Organisation der General adjutantur werden derselben alle diejenigen Geschäfte übertragen, welche dem früheren Kriegs ministerium oblagen, in soweit sie nicht nach der Militärconvention vom 13. Juni 1871 auf die Organe der preußischen Armee übergegangen sind.

Als eine interessante Thatsache meldet die Fr. Pr., daß die Provinz Oberhessen trotz ihrer meist sehr feuergefährlich gebauten, noch vielfach mit Stroh und Schindelbedachung versehenen Ort. schaften seit dem Bestehen der Landesbrandkasse ungefähr 600 000 fl. mehr Beiträge zu derselben geleistet, als ibr an Brandschäden vergütet wurden, während nur in Rheinhessen, wo die Bauart im Vergleich gegen Oberhessen doch eine ungemein solide ist, die Summe der Entschädigungen die der geleisteten Beiträge umgekehrt bei weitem übersteigt.

* Friedberg. Des Großberzogs K. H. hat neuerdings einer Anzahl Bewohner unserer Stadt und Umgegend das Militär- Sanitäts- Kreuz verliehen. Die Decorirten sind die Damen: Frau Theobald, Frl. Theobald, Frl. Emilie Wahl, Frl. Matbilde Weis, Frl. Elise Simon, sodann die Herren E. Er mus, Schneidermeister Koob, Rentier Supp, sämmtlich in Friedberg, Dr. med. Schäfer zu Assenheim, Frl. Louise Bode, Frl. Elisabethe Grünewald, Frl. Anna Gleim, Frau Cassier Pfaff sowie die Herren Salinenrentmeister Dr. Siebert und Gemeinde- Einnehmer Grünewald, sämmtlich zu Nauheim.

Mainz. Die Vorbereitungen zu den Festungs manövern haben bereits begonnen, und es werden am 27. Il. M. die betreffenden Cavalerie Regi- menter in der Nähe der Festung eintreffen und in den umliegenden Orten auf acht Tage Quartiere nehmen. Wie und wann sich aus diesen Truppen⸗ bewegungen die Hauptaktion dieses lokalen Schein- krieges um den Besitz der Festung Mainz entwickeln wird, steht vorerst noch nicht fest.

Berlin. DieProv. Corresp., die Drei- Kaiser-Zusammenkunft besprechend, sagt: Ein ge meinsames Ziel derselben sei die Erhaltung und Sicherung des europäischen Friedens. Die Ein- tracht zwischen Deutschland, Oesterreich und Ruß- land sei die wichtigste Bürgschaft für die Befestigung friedlicher und geordneter Zustände. Es sei jetzt die Gewißheit gewonnen, daß die Absicht der

deutschen Reichsregierung, das Band der gleich

zeitigen Eintracht mit Rußland und Oesterreich zu

erhalten und zu befestigen, ihrer vollen Verwir!, lichung entgegengeht. Die aufrichtige und ven trauensvolle Haltung Deutschlands hat für die Annäherung zwischen Oesterreich und Rußland den Boden geebnet. Ein zweiter Artikel desselbei Blattes:Die Milliarden-Anleihe überschrieben, schließt: Je höher man die Bedeutung der fran. zösischen Credit Operation veranschlagt, um s ernster muß es zum allgemeinen Bewußtsein kommen, daß Frankreich mit der Anleihe nicht blos finanziell sondern auch politische Verpflichtungen gegen Eu, ropa übernahm.

DieKreuz⸗Z3tg. schreibt:Das Finanz ministerium fordert jetzt von den Local-Handels⸗ vereinen und Kaufmannschaften Gutachten darübn ein, ob die zu Neujahr 1873 beabsichtigte Ein.

führung der neuen Kupfer-Scheidemünzen auch

ohne gleichzeitige Fertigstellung der silbernen Zehn, Pfennig Stücke wünschenswerth und thunlich sii

Zu der französischen Anleihe macht ein Lokal, blatt die interessante Mittheilung, daß die Firmen Bleichröder und die Discontogesellschaft vor den Subscriptionstermin ein gedrucktes Rundschreiben versandten, in welchem die Auspicien der Anleißt bengalisch beleuchtet und die Adressaten zu lek⸗ haftester Betheiligung erinnert wurden. Gleichzeilsg mit diesem Rundschreiben ging aber gewissen Pen. sonen noch besonders ein rother Zettel zu, welche die Ueberschriftvertraulich trug und die ba deutungsvollen Worte enthielt:Auf den auf Ihn Zeichnung entfalleaden Betrag werden wir Ihnen J pCt. vergütigen. Da bei den genannten Firmen Milliarden gezeichnet wurden un! ähnliche Vortheile auch wohl anderen Zeichner! bewilligt worden sein werden, so löst sich dau Wunder, von welchem der französische Finanz minister so emphatisch gesprochen, in sehr erklän, licher Weise auf.

Der Cultusminister hat eine Urlaubsreise bis Ende dieses Monats angetreten. Die Kreußz⸗ Zeitung erfährt, daß bei der Zusammenkunft din

drei Kaiser die meisten deutschen Fürsten am Bern

liner Hofe erscheinen werden. Der Kaiser ist am 5. d. in Gastein eim.

getroffen und bei seiner Ankunft vom österreichischen

Minister Fürsten Auersperg, dem Feldmarschal Grafen Moltke und den Generalen v. Manteuffel und v. Zastrow empfangen worden. Gastein war mit Flaggen geschmückt, und die Bevölkerung hie den Kaiser durch Zurufen willkommen. Stuttgart. das Programm für die Inspectionsreise des Kron prinzen des deutschen Reichs mit. am 15. August in Friedrichshafen ein und rei mit dem König Karl nach Stuttgart, kommt da selbst am Abend um 9 Uhr an, wo er durch di

Bürgerschaft festlich empfangen wird. Am 16. d.

findet die Inspection der Stuttgarter Garniso!!

und Nachmittags Galadiner im Schlosse Wilhelm

statt. Abends wird der Stadtgarten auf städtischt Kosten beleuchtet. Am 17. d. inspicirt der Kron prinz die Garnisonen von Ludwigsburg, statial Abends dem Fürsten Hohenlohe zu Langenbunz einen Besuch ab und inspicirt hierauf am Montag die Garnisonen zu Ulm.

Aus Baden. Eine nicht widersprochenn Militär ⸗Verfügung, wonach jeder Soldat befußz sein soll, einen bürgerlichen Mann, der ihm ge

wisse politische Zumuthungen stellt, zu fassen, en.

regt Aufsehen.

err Häußer in der Lage, diese namentlich bis dahin, wo von

Die hiesigen Blätter thellen

Derselbe trist

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