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— Die ausgewiesenen Jesuitenväter zu Schrimm sanden jetzt an ihr bisheriges Aspl zu verlassen und nach Galtzten zurückzukehren. Mehrere Bäter
sind bereits abgereist, die meisten übrigen werden
ihnen in aller Kürze folgen. Auch die Verlegung
der Lehranstalt für die Aspiranten des Jesusten⸗
ordens(Scholastiker genannt) nach Krakau ist nunmehr definitiv beschlossen. 5
— Die„Kreuzzeitung“ schreibt:„Der bis⸗ herige Polizeipräsident von Berlin, Herr v. Wurmb, ist nunmehr zum Regierungspräsidenten in Wies⸗ baden ernannt. Als sein Nachfolger wird allge⸗ mein der Polizeipräsident von Frankfurt, Herr v. Madai, genannt.
München. Der Erzbischof von Utrecht ist, von einem Canonicus begleitet, hier eingetroffen und am Bahnhofe vom königl. Oberceremonien⸗ meister Grafen Moy, Oberstaatsanwalt Wolf, Professor Friedrich und anderen hervorragenden Altkatholiken empfangen wordeg.
Ausland.
Oesterteich. Wien. Ueber die bevor⸗ stehenden Kaiser-Reisen im Spätsommer erfährt der„Pester Lloyd“ von officiöser Hand folgende Details: Fürst Bismarck nebst den Herren vom Militär⸗ und Civil⸗Cabinet sind beordert, sich am 2. August in Salzburg dem Gefolge des deutschen Kaisers, welcher daselbst an diesem Tage auf der Reise nach Gastein aus Ems eintrifft, anzuschließen. Am 4. September trifft Kaiser Wilhelm wieder in Berlin ein, um wenige Tage danach feinen Gast, den Kaiser von Oesterreich, zu empfangen.
Frankreich. Paris. Bei dem von ameri⸗ kanischen Notabilitäten am 4. d. M. veranstalteten Banket zur Feier des Jahrestages der amerika⸗ nischen Unabhängigkeitserklärung wurden verschie⸗ dene Toaste ausgebracht, welche der Sympathie wischen den Vereinigten Staaten und Frankreich Ausdruck gaben.
— Auch in den republikanischen Blättern ist von der„monarchischen Verschwörung“ beinahe gar nicht mehr die Rede. Das Gerücht, daß Mac⸗Mahon einen längeren Urlaub antreten solle, wird dementirt; der Marschall wird sich nur gegen den 15. nach Lyon begeben, um in dem für den Proceß des General Eremer bestellten Kriegs gerichte mitzuwirken.
— Einer Note des„Journal officiel“ zufolge hat die Regierung Maßregeln ergriffen, daß die
deutschen Truppen auf keinen Fall bei den Ein⸗e
wohnern einquartiert werden. Die Regierung wird sich bemüben, die Occupation durch finanzielle ver⸗ tlragsmäßig zulässige Combinationen abzukürzen.
Versailles. Die„Agence Havas“ meldet: Dit beunruhigenden Gerüchte, welche über eint angebliche Conspiration der monarchischen Parteien gegen den Präsidenten der Republik und die an⸗ gebliche Absicht Thiers', die Auflösung der National; versammlung zu provociren, verbreitet sind, werden fo. mell dementirt. Die Aufregung in den parla⸗ mentarischen Kreisen hat sich vollständig gelegt.
— Die„Agence Havas“ meldet: Der Bericht des Herzogs v. Broglie über den Vertrag mit Deutschland constatirt, wie man versichert, daß die Regierung trotz ihrer beharrlichen Anstrengung von Deulschland nicht habe mehr erlangen können. Die Discussion über den Vertrag findet Montag statt. Die Annahme desselben ist nicht zweifelhaft.
— 6. Juli. Die Nationalversammlung nahm in ihrer heutigen Sitzung den Vertrag mit Deutsch⸗ land ohne Discusston beinah einstimmig an. Die Minderheit bezifferte sich nur auf drei oder vier Stimmen.
Schweden. Aus Stockbolm wird ge⸗ meldet: Am 28. Juni Abends um 7½ Uhr brach Feuer im Ladeplatze Namcos aue, welches vier Fünftel ver Stadt zerstörte. Die meisten Gebäude, welche sämmilich Speicher waren, die Waaren enthielten, der Dampfkrahn, die Telegraphenstalion, pic Kirche, die Schiffswerfte und einige Fahrzeuge brannten ab. Wee es heißt, entstand das Feuer durch Unvorsichtigkeit einiger Kinver, welche mit Schwefelhölzern spielten.
Großbritannien. London. In der
Anfrage Exskine's, daß die Bewohner der Schiffer ⸗ inseln um Anschluß an die Bernie ge Unten ton sei beauftragt, bei der Regierung der Union über deren Entschließung Erkundigungen einzuziehen. e Im Canal, nahe bei der Insel Wight, fand ein Zusammenstoß statt zwischen dem Dampfer „Lapwing“ und der Bark„Abbey Holme.“ Der Dampfer, welcher 24 Personen an Bord hatte, sank sofort, drei wurden gerettet, während zu be⸗ fürchten steht, daß die übrigen 21 ihren Tod in den Wellen gefunden haben.
Spanien. Madrid. Die offizielle„Gazeta“ schreibt vom 1. d.:„Seit 24 Stunden haben sich in Navarra 183 und in der Provinz Alava 230 Insurgenten unterworfen. Auf dem Terrain, wo die Bande Jala geschlagen wurde, fand man 120 Gewehre, welche von den Flüchtlingen zurück⸗ gelassen worden waren. Die Banden in der Provinz Tarragona wurden am 24. Juni bei Tevisa ge⸗ schlagen. Die Bande Bermudez wurde bei Pelechosa und die Bande Coccho bei Roturas geschlagen.“
Italien. Rom. Sämmtliche Journale reproduciren und commenktiren ein Schreiben des Erzbischofs von Neapel an die Pfarrer seiner Dibtese, worin er dieselben auffordert, ihre Pfarr- kinder von der Nothwendigkeit zu überzeugen, sich bei den administrativen Wahlen zu betheiligen. Die Journale glauben, daß der Clerus entschlossen ist, künftighin an allen administrativen und poli- tischen Wahlen Theil zu nehmen. Hierauf bezüg lich sagt die„Voce della Verita“, daß das bis herige Princip der klerikalen Partei, sich von den Wahlen fern zu halten, ein verkehrtes sei, und führt aus, daß es Pflicht dieser Partei sei, sowohl an den politischen wie communalen Wahlen Theil zu nehmen, um auf die öffentlichen Angelegen⸗ heiten Einfluß zu gewinnen.
— Die Nachrichten aus Spanien lauten be⸗ denklich genug. Die mit der Regierung in Ver⸗ bindung stehende„Liberta“ brachte die Nachricht, daß der König Amadeus auf dem Punkte stehe, einen wichtigen Beschluß zu fassen, das heißt, ab⸗ zudanken. Dieser Schritt sei ihm angrrathen worden, nicht von seinem Vater, wohl aber von seinen Freunden in Italien, wo nicht sogar von Herrn Lanza und seinen Collegen.
Türkei. Konstantinopel. Am 3. Juli
ist im Armenviertel in Scutari eine große Feuers⸗ brunst ausgebrochen; mehr als 1000 Häuser sind ein Raub der Flammen geworden. Rußland. Aus Petersburg wird ge⸗ meldet, daß die zur Theilnahme an den großen tussischen Militär⸗ Manövern unter Führung des Artilleriegenerals Prinzen von Hohenlohe abge⸗ sendete Deputation deutscher Offiziere am 1. d. dort eingetroffen ist und vem Kaiser von Rußland sehr freundlich empfangen wurde.
Amerika. Vor Kurzem wurde nach dem „R. A.“ gemeldet, daß zwischen Deutschland und Hayti ein Art der Feindseligkeit ausgebrochen sei. Die New⸗ Jork. Handelsztg.“ schreibt jetzt darüber: „Am 11. Juni bombardirtrn die„Vineta“ und die „Gazelle“ Port-au-Prince für kurze Zeit, nahmen zwei Hayti'sche Corvetten in Beschlag und hielten sie so lange in Besitz, bis die Regierung von Hayti den deulschen Kaufleuten Abschlag auf eine ihnen zukommende Entschädigung wegen Erpres⸗ sungen bezahlt hatte. Die Abschlagszahlung be trägt 15,000 Dollars. Dergleichen verschafft der deutschen Flagge Respect.“
Asien. Aus Tiflis wird der„Levant Times“ eine schreckliche Geschichte von Kaniba⸗ lismus gemeldet. In der persischen Stadt Flematan hatten zwei Frauen, von sieben andern Personen unterstützt, drei Kinder gestohlen und aufgegessen. Sie wurden verhaftet und man fand die Knochen der getödteten Kinder in ihren Kleidern versteckt. Der Großvezier verurtheilte die beiden Frauen zum Galgen und die Mitschuldigen zum Hungpertode. Eine Woche später fand man die Letzteren todt im Gefängniß, nachdem fünf der Unglücklichen die beiden andern aufgegessen hatten.
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„Schotten. Am 14. und 15. Juli findet dahier
Sitzung dee Unterhauses erklärte Lord Ensield auf
ppetirionirt bätten. Der britische Gesandte Thorn-A
äußere würdige Ausstaltung zu verleihen. An beiden Festtagen wird Nachmittags ein Fesizug durch die Stadl
nach dem Festplatze staltfinden, woselbst nach erfolgie nsprache Falkner und Turnübu 17 eisernen 4 Preisvertheilung sich folgen werden. Tanzvergnügen und bengalische Beleuchtung des Fesiplatzes sind für die Abende angekündigt. 2 4 N Frankfurt. Vor einigen Abenden fand eine ziem⸗ lich zahlreich besuchte Versammlung von hiesigen Ein⸗ wohnern statt, welche sich für die Erhaltung des zoologischen Gartens sowohl als auch für dessen Verlegung nach dem Ostende(Pfingstweide) interessiren. Den Vorsitz führte Herr Dr. Maas. Meinungsverschiedenbeit herrschte nur darüber, wie man in Betreff des Geldpunkles am schnellsten zu einem der Wichtigkeit der Sache enisprechenden Resul⸗ late gelangen kann. Einstimmig gelangte man zu dem Beschlusse. ein Comite zu bilden, welches nicht allein seine Wirksamkeit für die Verlegung auf die Pfingstweide ent⸗ falte, sondern auch mit der bisherigen zoologischen Gesell⸗ schaft die deßfallsigen Verhandlungen führen und die Actienzeichnungen in die Hand nehmen soll. Offenbach. In der Nacht vom Sonntag auf Montag der vorigen Woche wurde ein Mühlheimer Handelsmann, der mit einer Kuh den Frankfurier Vieh⸗ markt besuchen wollie und einige Hundert Gulden Geld bei sich führte, an der al ten Hütte(Offenbach-Bürgeler Grenze) von drei Burschen angehallen und unter den Worten:„das Geld oder wir werfen dich in den Main“
bedroht, auch seine Kuh festgehalten, durch einen zufällig
von Offenbach kommenden Mann die Thäter aber verjagt. Zehn Minuten später wurde ein anderer des Wegs kom⸗ mender Handelsmann von Dietesheim mit Steinwürfen verfolg.l. Den umsichugen und eifrigen Bemühungen unserer Polizei ist es gelungen, die Thäter— diei hier beschäftigie Arbeiler— zu ermitteln; sie wurden unzer der Anschuldigung der versuchten Expressung verhaftet und an Großh. Landgericht zur weiteten Untersuchung über⸗ liefert und werden hoffentlich ihrer verdienten Strafe nicht enigeben.
Darmstadt. Am 30. und 31. Juii d. J. wird dahier die vierte deutsche Turnlehrerversammluna abgehalten.. mals für Adolph Spieß statt.
A. C. Darmstadt, 0. Juli. Unter den wärmsten Sympathien des intelligenten Theils der hiesigen Ein⸗ wobnerschaft nahm die zweite Generalversamm⸗ bung der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung heute Abend in unfern Mauern ihren Anfang. Nachdem um 5 Uhr Abends in dem Hotel „Darmfädter Hof“ eine Besprechung der Mitglieder des Cenitalausschusses stattgefunden, in welcher innere Ange⸗ legenheiten der Gesellschaft erledigt wurden, schloß sich an diese sogleich um 7 Uhr die Vorversammling. Es wurde in dieser jedoch lediglich die Reihenfolge der bereits ge · druckt miigetheilten Tagesordnung fesigestellt und deschlossen, gleich dem Berichte des Ausschusses die wichtige Verhand⸗ lung über die Fortbildungsschulen folgen zu lassen, die Derathung der Statuien dagegen ans Ende derselben zu stellen. Dann ging die Versammlung, welche im Garten des Darmsiädter Hofs tagte, in ein gemüthliches Zu · sammensein der Teilnehmer über, in weichem sich theils alte Freunde und Bekannte wieder begrüßten, theils neue persönliche Beziehungen angeknüpft wurden zwischen Män⸗ nern, die sich schon vorher durch ein gemeinschaflliches Bestreden verbunden gefühlt halten. Unter den bereits Eingeiroffenen wurden demerkt: Schulze ⸗Delitzsch, Franz Dunker, Franz Wirib, Dr. jur. C. Gareis(Würzburg), Lehrer Linke(Grünhof bei Steitin), Professor Schmid⸗ Schwarzenderg(Erlangen), Hans Behringer(Ludwige⸗ hafen), Dahms(Vertreter des Vereins der angestellten Compioiristen und Schreiber von Hamburg), Dr. W. Blum (Heidelderg), Professor Jürgen Bona Meyer(Bonn), Projessor Onken(Gießen), Dr. Ernst(Siegen), Lehrer Pösche(Rummels durg bei Berlin), die Reichstagsmit⸗ glieder Derndurg, Martin und C. J. Hoffmann, eine Anzahl Abgeordnete der hessischen 2. Kammer und Mit⸗ glieder des Stadiraths. Von Herrn Löwe ⸗Calbe aus Berlin, der erwartet worden, ging leider ein Telegramm ein, daß er plötzlich durch einen Krankheisfall am Er⸗ scheinen verhindert worden. In Verhinderung des Bürger⸗ meisters Fuchs hatie Herr Hofgerichtsadvocat und Mit⸗ glied des Stadtraths Ohly im Namen der Stabt die Begrüßung der eingetroffenen Fesigäste übernommen und iheilte ein Schreiben des Bürgermeisters mit, welches mit dem Wunsche schloß, daß die Bestrebungen der Vereinigten zum Segen und Heile des großen Vaterlands gereichen möchten. a
Worms. Im September d. J. wird eine Gewer be⸗ und In dufrie⸗Ausstellung dahier eröffnet werden, wilche die Erzeugnisse aller bier thätigen Gewerbe und Industrien in schöner Form zur Anschauung bringen wird. Damit verbinde sich eine Verloosung werthvoller und solider Gegenstände jener Ausstellung und wird bei dem Ankauf derselben vorzugsweise auf deren Solidität und Schönheit geachtet werden. Bei der Ausgabe von 20,000 Loosen, das Stück zu 1 fl., sollen nicht weniger als 14,000 fl. auf den Ankauf der Gewinne verwendel werden und keiner derselben unter dem Preise von 5 fl. stehen. Die Verloosung wird gegen Ende der Ausstellung, vom 1. October d. J. ab, unter strenger amtlicher Controle auf dem Stadthause dahier vorgenommen und werden die Gewinnnummern dann öffentlich bekannt gemacht werden. Den Vertrieb der Loose, wofür Gr. Ministerium des Innern die hohe Genehmigung ertheilt hat, übernahm Hr. Carl Gauls in Darmstadi für die Provinzen Starken⸗
das dritte Turnfest des Bezirks Hessen stalt. Ueberall steht mau Vorbereitungen lreffen, um dem Feste auch eine
burg und Oberhessen, Hr. P. Bertges& Cie. dahier für Rheinhessen. Wer Worms, seine große Industrie, seine
Gleichzeinig findet die Enthüllung des Denk.
83 D 5
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