Ausgabe 
8.10.1872
 
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lichkeit außer den bekannten noch: ein Gesetz über das disciplinarische Verhältniß der Geistlichen, ein solches über die Vorbildung derselben und ein Gesetz über den Austritt aus der Kirche.

Dem Staatsministerium ist eine Denk schrift katholischer Staatsbürger zugegangen, in der dasselbe gebeten wird, auf Maßnahmen be dacht zu sein, durch welche einerseits der Bestand und die Rechte derjenigen Religion und Kirche, welche bisher unter dem Namen der katholischen verstanden worden ist, gewahrt, andererseits die von Seiten derNeuen katbolischen Religion und Kirche drohenden Gefahren abgewehrt werden. Die Petenten bitten insbesondere um Entscheidung der Fragen im Wege der Gesetzgebung: ob die der bisherigen kathoischen Kirche zugestandenen Rechte nach ihrer totalen Umwandlung noch serner von ihr in Anspruch genommen werden können? Ob es zulässig sein kann, daß die neue katholische Lehre der Jugend eingeprägt, und daß der neuen katholischen Kirche die Heranbildung der Volks- lehrer überlassen bleibe? ꝛc.

Halle. Der am 1. Oct. dahier abgehaltene evangelische Kirchentag hat drei, von Pro- fesser Schlottmann beantragte, auf die Alt⸗ katholiken bezügliche Thesen mit großer Majorität angenommen. Dieselben lauten:Wir bezeugen unsere brüderliche Theilnahme den Katholiken welche durch das Gewissen gezwungen, offen der Macht des Ultramontantsmus und der Unfeblbarkeit ent⸗ gegentreten. Wir wünschen, daß sie in dem Kampf gegen den Unglauben und Aberglauben einen guten Kampf kämpfen und das Feld behalten. Wir be⸗ grüßen mit Freuden die Hoffnung ihrer allmäh · lichen Verständigung mit der evangelischen Kirche, indem wir voraussetzen, daß sie jetzt unsere vor 300 Jahren geschebene Auflehnung gegen das Papstthum als berechtigt anerkennen und über die Streitpunkte des Glaubens anders urtheilen als zuvor. Endlich freuen wir uns dessen, daß die Aufhebung des Jesuitenordens unter vielen Gliedern der katholischen Kirche Beifall gefunden, und er· warten, daß die Altkatholiken fortfahren werden, die unheilvollen Wirkungen des Jesuitenordens aufzudecken und ihm entgegenzuwirken.

Paderborn. Bei dem hiesigen Bischose hat dieser Tage eine Hauesuchung nach den früher schon erwähnten Zuschriften sächsischer Pastoren stattgefunden, durch welche diese dem Bischofe Vorschläge in Bezug auf den Uebertritt zur katho- lischen Kirche gemacht haben sollen. Die Haus- suchung und Beschlagnabme der betreffenden Briefe erfolgte, nachdem der Bischof die freiwillige Heraus gabe derselben verweigert hatte.

Stuttgart. Nach demDeutschen Volks- blatt, Organ des Bischofs Hefele, wurde in Fulda eine Denkschrift an die deutschen Regie rungen beschlessen. Dieselbe dürfte dieser Tage an die Cabinette abgegangen sein; die Etikette gestattet erst später ihre Veröffentlichung durch die Tagesblätter.

Straßburg Nach derStraßb. Ztg. sind bis zum 2. Oct. 5 600 Elsässer in die hier garnisonirenden Regimenter eingetreten und wird man annehmen können, daß sich diese Zahl bis zu Ende des Anmeldetermins, Anfang November,

Frankreich. Paris. Officibs dementirt wird: 1) daß Gambetta aus Anlaß seiner Rede von Grenoble einen Brief an Thiers geschrieben habe; 2) daß es, wie diePatrie gemeldet hatte, in der Absicht der Regierung liege, den Bot schasterposten beim heil. Stuhl aus Sparsamkeits⸗ rücksichten einzustellen; 3) daß neue Unterhandlungen in Sachen der Räumung eröffnet worden wären, und daß Deutschland die ihm für die letzte Milliarde angebotenen Garantien bereits angenommen habe.

Nach Informationen, welche derAgence Havas zugehen, sind alle Gerüchte über Ver tagung der noch ausständigen Einzahlungen auf die neue Anleihe vollständig unbegründet.

Ein Decret des Präsidenten der Republik vom 1. Oct. verordnet die Verlegung der medi einischen Facultät und Pharmaceutenschule von Straßburg nach Nancy, wogegen die in der letzten Stadt bisher bestandene Medicin- und Pharmacie- Schule aufgelöst wird.

Alle großen Pariser Blätter werden eine

Subscription zu Gunsten der in Paris ange- kommenen elsässisch-lothringischen Auswanderer eröffnen.

Wie die officiösen Blätter melden, sind die Baracken für die deutschen Truppen bis zum 15. d. bestimmt fertig, so daß dann die Räumung der beiden Departements Marne und Haute⸗ Marne ihren Anfang nehmen kann.

Die gerichtliche Untersuchung wegen der Vorfälle in Nantes hat herausgestellt, daß die clericalen Blätter die Sache furchtbar übertrieben haben, und daß gerade die Pilger zuerst gewalt thätig auftraten.

Großbritannien. London. Einer Mel, dung derTimes aus Paris zufolge hat der russische General Timascheff bei einem Thiers ab gestalteten Besuche diesem den unbehaglichen Eindruck nicht vorenthalten, welchen die jüngst hervorge

tretene aggressive Haltung der französischen radi⸗

kalen Parteien hervorrufen mußte. Die seitherige sympatbische Stellung der anderen Mächte zur französischen Regierung werde sich nothwendig ändern, wenn Frankreich wieder der Mittelpunkt europäischer Agitationen werde.

Spanien. In dem 7 Meilen von Madrid gelegenen berühmten Kloster des heiligen Laurentius, gewöhnlich el Escoral genannt, hat ein ausge brochener Brand großen Schaden angerichtet, man schlägt denselben auf drei Millionen Realen an.

Die dort befindlichen kostbaren Gemälde, sowie

die sehr werthvolle Bibliothek, welche 24,000, nach Anderen 130,000 Bände und über 4000 meist arabische Manuseripte enthält, wurden gerettet.

§ Friedberg. Aeußerem Vernehmen nach ist dem Großh. Kreisassessor Haas dahier die Stelle eines Directors der Fürstl. Reutkammer zu Braunfels angeboten worden, welche derselve jedoch, wie vor mehreren Jahren eine gleiche Stelle in Gräflich. Meuburg-Meerholz'schen Diensten, ausgeschlagen hat.

N. Friedberg. Außerordentlich zahlreich war am Sonntag Nachmitlag unsete Obst-Ausstellung besucht. Fortwährend kamen und gingen die Besuchenden. Alle spraspen sich beifällig, anerkennend über die sehr gelungene Ausstellung aus. Gegen 4 Uhr ergriff der Vorsitzende der Ausstellungs-Commission, Herr Kreisassessor Haas, das Wort, um die Preisvertheilung einzuleiten. Die vor

wohl noch bis zu Tausend erhöhen wird. Wer

rie nöthige Bildung hatte, trat als Einjäbrig⸗

und, wem diese mangelte, als Dreijäbrig- Frei- williger ein, da ihm dadurch der Vortheil wurde, sich sein Regiment wählen zu dürfen. Zahlkeiche Beitritte von Söhnen wohlhabender Eltern hat besonders das hier garnisonirende Ulanenregiment; auch der Artillerie ist es übrigens kaum möglich, alle Freiwilligen unterzubringen.

Ausland.

Dester teich. In der Plenarsitzung der österreichischen Delegation hob Andrassy hervor, daß hinter dem Friedensvordergrund sich nicht auch foridauernder Friedenshintergrund zeige. Die Beziehungen zu den meisten Staaten seien die besten. Zur Realisirung des defensiven Friedens programms müsse jedoch das Nothwendige gewährt werden, um den Frieden durch eigene Kralt sicher zu stellen. Gegen jede andere Auslegung müsse er entschieden Verwahrung einlegen.

ber wogende, nun aber lauschende Menge vernahm von dem Herrn Redner etwa Folgendes: In Anbetracht, daß der Obstbau in der Wetterau noch sehr im Argen liege und nur sehr wenige Landwirthe sich die Vortheile derselben zu Nutze machten, habe das Friedberger landwirthschaftliche Ceasino im vorigen Winfer beschlossen, eine Obst⸗Ausstellung zu vetanlessen, um damit Aufmunterung und Anerken gung für die Obstcultur zu gewähren. Man habe, sagte der Redner weiter, andere Producte der Landwirtschaft, ins besondere die für Wien gesammelten Gegenstände der Aus⸗ stellung angereiht, damit die Ausstellung ein umfangreiches und mannigfalugeres Bild der Landwirthschaft aus mache. Nach Ausbringung eines Hochs auf die Landwuthschaft, der allgemeinen Nährmutter, wurde die Preisverthellung vorgenommen und zwar in Ueber reichung von Prämien und Diplomen. Preisrichter waren: a) Für Obst: Hof⸗ Gärtner Welle zu Assenheim, Beigeordncter Stein⸗ häuser dahier, O conom Otto Hill zu Fauerbach und Bürgermeister Reitz zu Södelz b) Für Bodenproducte: die Lehrer Nückert, Lang, Weinel, Wahl und Oeconom Hill. Gelopreise, zusammen 80 fl., erhielten: a) Für Obst: Lehrer Rückert zu Redheim, Baumwärter Bender zu Södel, Lehrer Lang und Weinel dahier, Lehrer Aubel in Nieder- Weisel, Siadt Friedberg, Gebrüder Schultyers zu Steinfurth, Pachter Alles

b) Für Obstbäume: Lehrer Lang und Weinel, sowiek

Pachter Alles zu Bönstadt, Schudt zu Görbelheimer Mühle, Lehrer Nückert zu Rodbeim, Bürgermeister⸗ Reitz zu Södel, Bürgermeister Schneider zu Ostheim, Oeconom Kammer zu Gambach, Bürgermeister Grö⸗ ninger zu Ockstadt, Jacob Diener, Nicolaus Weid⸗ mann II. Johann Müller III. und Lebrer Epple daselbst. Ehrendiplome ohne Prämien wurden überreicht jür: Konrad und Müller Bopp zu Reichelsheim, Gräfl. Gulsverwaltung zu Münzenberg, Lehrer Söllner zu Fauerbach, Beigeordneter Steinhäuser, Gökus, MN. Jung, H. Engel, Börsensckretär Faatz, Seminar⸗ lehrer Wahl, Advocat Trapp II. Messerschmied Schäfer und Jean Huber zu Friedberg, Lehrer Epple zu Ockstadt, Gebrüder Schultheis zu Steinfurth. Gewissermaßen als Abschluß der hier kurz geschilderten Ausstellungsfeier prach Herr Haas seine Anerkennung über die vorlreff⸗ lichen Leistungen der Comitemitglieder S upp und Werner aus. Wer die Ausstellung besuchte, der weiß, was hier gemeint ist, nämlich: die allerliebsten Arrangements, Gruppirungen und Decorationen, sowie die dargestellten originellen Einfälle. Die Kürbisuhr des Herrn Werner, welchewirklich und richtig gebt und zwar in Folge einer

süßen Last, indem Zuckerrüben die Stelle der Gewichts,

steine vertreten, findet viele und oft so sehr bezauberte Verehrer, daß sie, in ächter Liebbaberweise, fast die ganze übrige Welt und zunächst die Ausstellung vergessen. Das Grasherbarium des Schullehrerseminars und die Wachs⸗ Obstsammlung der Ackerbauschule fordern, ihrem Zwecke der Belehrung entsprechend, zu näherer Betrachtung und wiederholtem Besuche vielseilig auf. Später werden wir ein Verzeichniß der Aussteller und der gusgestellten Pro⸗ ducte liefern.

Friedberg. Der Vorbereitungscursus zum ein⸗ jährigen Militärdienst, welcher in diesem Sommer in Friedberg eingerichtet war, ic von Erfolg gewesen, die hier Vorbereiteten haben das Examen gut bestanden und darum die Berechtigung zum einjährigen Dienst erhalten. An dem Unterrichte in Geometrie, Rechnen, Französisch, Englisch, Geographie, Geschichte und im Deuischen haben auch andere junge Leute, auch Auswärtige, blos voll⸗ ständigerer Ausbildung wegen, mit größtem Nutzen theil⸗ genommen. Gerade die Fächer, welche im Einjährigen⸗ Examen geprüft werden, sind auch für gewerbliche, lechnische und kaufmännische Ausbildung so sehr nothwendig. So chen, welche durch die Bahn zum Unterrichte hierher gekommen, 5 gleich andere Schulen Besuchenden die Fahriaxe ermäßigt.

Homburg. Die jüngste Generalversammlung der Actionäre der Spielbank nahm einen ganz eigenthümlichen und unerwarteten Verlauf. Der den Vorsitz führende Spielpächter Blanc erklärte nämlich, den von ihm selbst eingebrachten Antrag, wegen Rückerstautung der bis jetzt an den Kurfond gezahlten Gelder einen Prozeß zu erheben, fallen lassen zu wollen und ließ sodann seinen weiteren An⸗ mag, die Kurhaus-Direction zum Verkauf der entbehrlichen Mobilien und Immobilien an die Stadt Homburg zu ermächtigen, von seinen eigenen Leuten verwerfen und weiter den Beschluß fassen, über die Frage der Prozeß! erhebung gegen den Fiscus wegen Erstattung der von der Spielbank zum Bau der Homburg Frankfurter Bahn zugesteuerten 800 000 fl. gleichfalls vorerst noch keine Enischeidung zu treffen, sondern vielmehr dies Alles bis

versammlung zu vertagen und in der Schwebe zu lassen. Frankfurt. Bis zur Mute der vorigen Woche

wurden bereils über 30000 Malter Aepfel durch die

Landthore eingeführt und zu Acpfelwein eingekeltext.

Darmstadt. Ein hiesiger Reichstelegraphen- Beamter, gegen welchen eine Untersuchung wegen Unterschlagung eingeleitet war, bat sich derselben durch die Flucht ent zogen. Durch die Beharrlichkeit und Frechheit, mit welcher die Unterschlagungen fortgesetzt wurden, gelang es dem Betreffenden bei einem monatlichen Gehalte von nut 46 Thalern nicht allein ein behäbiges Leben zu führen (er verkehrte fortwährend in den ersten Holels) sondern sich auch binnen wenigen Jahren ein Vermögen von ewa 10,00) fl. zu erwerben, das er in verschiedenen zins ragenden Staats- und Eisenbahnpapieren anlegte, un mit welchen er vor wenigen Tagen das Weite suchte.

Frankenthal. Hier haben sich in letzter Zeit, wie diePf. Post meldel, zwei Christen mit issraclitischen Mäd hen verlobt, ohne daß letztere einen Riligionswechsel beabsichtigen. 5

In Biebrich waren am 1. d. M. die mittelrbeinischen Reallehrer zu ihrer 8. Jahresversammlung zusammen. Nach dem Anhören zweier Vorträge, gehalten von Pr. Stein aus Gießen und Westhofen in Biebrich, vereinigte sich die Versammlung zu einem fröhlichen Mahle. Als Ort zur nächsten Versammlung wurde Diez gewählt.

Wiesbaden. Der kürzlich ernannte slädtische Kur⸗ commessär, Hr. F. Heyl, hat dieser Tage ein Encular

erlassen, in welchem er die rheinischen Kur und Badeorte auffordert, jitzt schon Maßregeln zu treffen, um den voraussichtlich außergewöhnlichen Fremdenzufluß, welchen die nächsijäbrige Wiener Weltausstellung namentlich aus Amerika und England herbeiführen wird, über den Rhein und dies daran gelegenen Badeorte zu leiten. Er empfiebit hierfür die Einführung von Rundreisebilleten, Extrazüge nach Ankunft der amerikanischen oder englischen Schiffe, Veranstaltung von besonderen Vergnügungen in den Badeorten, für welche die mil Rundreisebilleten Ver⸗ sebenen kein Euuse zu entrichten härten, und Insertionen und Reclamen, die sich jedoch nicht auf die einzelnen Badeorte, sondern auf die Empfehlung des Reisewegs

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zu Bönstabt, Bürgermeiser Stoll zu Nieber⸗Wöllladtz Seminaxlehter Wahl dabier; c) Für Boden producten?

zur nächsten, am 3. Januar 1873 abzuhaltenden General?