Deutsches Reich. Darmstadt Das Großherzogliche Regie- rungsblatt Nr. 34 enthält:
I. Bekanntmachung Großberzoglichen Ministeriums des Innern, die Ausführung des Friedensvertrags zwischen dem Deuischen Reich und Frankreich vom 10. Mai 1871 bete.
II. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Befreiung des zu landwirthschaftlichen und gewerblichen Zwecken bessimmten Salzes von der Salzabgabe betr.
III. Bekanntmachung Greßberzoglichen Kreisamts Alzey, den Ausschlag des Gehaltes des Großherzoglichen Rabbinen zu Alzey pro 1872 betreffend.
Iv. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglich Hessischen Ludewigs⸗Universität zu Gießen im Winterhalbjahr 1872/73 gehalten und am 24. Nov. ihren Anfang nehmen werden.
V. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. Seine Königliche Hobeit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 21. Mai dem Präsidenten der Handeldkammer zu Darmstadt, Franz Weber, die Er⸗ laubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von S. M. dem Deutschen Kaiser und König von Preußen verliehenen Kronen⸗Ordens 3. Kl. am Erinnerungsbande, am 4. Juli dem Dr. Wilbelm Hermann Carl Freiherrn von Erlanger zu Nieder-Ingelheim, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von S. M. dem Könige von Portugal verliehenen Comthurkreuzes des Christus Ordens, am 7. Juli dem Friedrich Schön zu Worms, die Eclaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von S. M. dem Könige von Württemberg ver⸗ liehenen Olga Ordens, dem Oberkriegsrath i. P. Niepoth, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von S. M. dem Deuischen Kaiser und König von Preußen verliehenen Ritterkreuzes 3. Kl. des Kronen-Ordens, dem Oberstabsarzt i. P. Weyand, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von S. M. dem Könige von Würtlemberg verliebenen Olgaordens und am 19. Juli 1872 dem Großb. Medicinalrath Dr. v. Hesse und dem Hof⸗ zahnarzt Julius Budde die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihnen von S. M. dem Könige von Sachsen verliehenen Erinnerungskreuzes für die Jahre 1870—71 zu eribeilen.
VI. Am 18. Juli wurde dem Ludwig Carl Krieg⸗ baum aus Darmstadt das Patent als Geometer der ersten Klasse für den Kreis Darmstadt ertbeilt.
VII. Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog baben allergnädigst geruht: am 13. Juni die Steuerpfaudmeister bei der nunmehr aufgelbsten Ober— einnehmtrei Bensheim, Carl Wilhelm Beisenherz und Wilhelm Keller, in gleicher Diensteigenschaft in die Ober— einnehmerei Darmstadt und resp. Groß Umstadt, den Steuerpfandmeister bei der nunmehr aufgelösten Oberein⸗ nebmerei Nidda, Heinrich Becker, in gleicher Diensteigen⸗ schaft in die Obereinnehmerei Romrod und am 2. Juli den Steuerpfandmeister bei der nunmehr aufgelösten Obereinnehmerei Nidda, Caspar Scharmann in gleicher Diensteigenschaft in die Obereinnehmerei Gi ßen zu ver⸗ setzen; dem Gefan enwärter an dem Hafiloknle zu Wörr⸗ stadt, Carl Tempel, die Stelle eines Aufsehers in dem Arresthause Alzeyß, am 7. dem Schulamisaspiranten Wilhelm Schmidt aus Friedberg die evang. Schulstelle zu Wettsaasen, im Kreise Güünberg, zu übertragen und den Felowebel Heinrich Vonhof im 1. Großh. Juf.⸗ (Leibgarde⸗Reg.) zum Schloßverwalter der Schloßver⸗ waltung Braunshardt, den Staatsprocurator an dem Bezirksgerichte Mainz, Geh. Justizraih Dr. Julius Her⸗ mann Schalck zum General- Staatsprocurator an dem Obergerichte der Provinz Rhe inhessen und den Bezirks⸗ gerichtsrath und Untersuchungsrichter bei dem Bezirksge⸗ richte Mainz, Ludwig Schön, zum Staatsprocurator an dem Bezirksgerichte Mainz zu ernennen. Am 19. Juli der Schulamtsaspirantin Christina Thomas aus Mainz die Stelle einer Lehrerin an der kath. Stadischule zu Mainz, am 21. Juli dem Schullehrer zu Grein, im Kr. Heppenheim, Heinr. Klingel, die evang. Schulstelle zu Hopfgarten, im Kr. Alsfeld und dem Schulamtsaspiranten Carl Hof aus Burg⸗Gemünden, im Kr. Alsfeld, die vierte evang. Schulstelle zu Nidda, im Kr. Nidda, zu übertragen; am 23. Juli die Bauaufseher-Aspiranten Joh. Heinrich Hofmann aus Freien⸗Scen, Johannes Müllec aus Alzey Joh. Adam Walther aus Hüttenthal, Georg Michael Willenbücher aus Erbach und Friedrich Maus aus Gerns⸗ heim zu Bauaufsehern zu ernennen.
VIII. Costaktecerthellung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruhr: am 30. Juni der Weinhandlung J. B. Feigel in Bensheim den Charat⸗ ter als Hoflieferantin zu ertheilen.
IX. Concurtenzeröffnungen. Erledigt sind: die zweite kath. Schulstelle zu Dieburg im Ke Dieburg, mit einem jährlichen Gehalt von 550 fl. 35 ½ kr.; die zweite evang. Schulstelle zu Leihgestern, im Kr. Gußen, mit einem jährlichen Gehalt von 300 fl; die evang. Pfarrstelle zu Nieder⸗Moos, im Dekanate Luterbach, mit einem Gehalte von 1333 fl. 33 kt.; den sämmilichen Riedesel Freiherrn zu Eisenbach steht das Präsentalionsre 91 zu dieser Steile zu.
Friedberg. Von zuverlässiger Seite wird uns die Mittheilung gemacht, daß der hessischen Ludewigsbahn⸗Gesellschaft von den betheiligten Regierungen die Concession zu Vorarbeiten für die Bahn von Friedberg nach Hanau er— theilt worden ist.
* Friedberg. In der am 7. d. dahier abge— haltenen Decanatssynode des Decanats Friedberg wurde die Wahl von drei Geistlichen vorgenommen,
von welchen der Großherzog den Decan ernennen wird. Diese Wahl fiel auf die Herren: Decan Buchhold von Ossenheim, Prof. Dr. Köhler von Friedberg und Pfarrer Decker von Hochweisel.
Gießen. Nach der im Regierungsblatte er- schienenen Bekanntmachung wegen der Vorlesungen, welche auf der Landesuniversität Gießen im Winter⸗ balbjahre 1872/73 gehalten werden, nehmen die⸗ selben am 24. Nov. ihren Anfang. Die Imma⸗ trikulation beginnt am 28. October.
Mainz. Der„Wes.⸗Ztg.“ schreibt man: Die neuliche Anwesenheit des Generals v. Kamecke hierselbst hat, sicherem Vernehmen nach, die An- gelegenheit der Festungserweiterung zum Austrage gebracht. Zunächst vier neue, weit hinaus vor⸗ geschobene Forts sind es, deren Errichtung jetzt feststeht: eines auf dem„Hechtsheimer Berge“, rheinaufwärts, eines auf dem„Leniaberge“, rhein⸗ abwärts, einem beliebten Ausflugspunkte, eines auf der Höhe zwischen Mosbach(bei Biebrich) und Wiesbaden und eines bei Hochheim, alle 1 bis 1½ Stunden von der Stadt entfernt. Dazu kommt dann noch das zur Sicherung der neu- projectirten festen Rheinbrücke innerhalb Mainz zu erbauende Werk. Mit diesen Werken wird dann allerdings der Abschluß noch nicht erreicht sein und namentlich zwischen den beiden erstgenannten Forts wird mindestens noch ein drittes erforderlich sein, um die Verbindung herzustellen.
Berlin. Der Kaiser hat durch eine Cabinets⸗ ordre neuesten Datums nachfolgende Ersparniß⸗ maßregeln im Militäretat für das Jahr 1872/73 genehmigt. Die Anrechnung der Einjährig⸗Frei⸗ willigen auf die Etatestärke bis zu 5 Mann per Compagnie bei der Infanterie, der Jäger, der Festungs-Artillerie, der Pioniere, dem Eisenbahn- Bataillon und dem Train, sowie bis zu 3 Mann bei jeder Fuß- und reitenden Batterie wird wieder eingeführt; im Gleichen die Vacanz von 10 Rekruten per Train- Bataillon. Beide Maßregeln sollen auch noch für den nächstjährigen Einstellungstermin, den 1. October 1873, Platz greifen. Ferner sollen aufrecht erhalten bleiben: das schon früher be⸗ stimmte Manquement von 64 Mann bei jedem
Jäger-Bataillon der Linie neben der bestehenden Vacanz von 44 Mann, um welche Zahl der Etat
pro 1872 gegen den pro 1871 erhöht worden ist, so daß die gedachten Jäger-Bataillone die bis⸗ herige Kopfstärke von 466 Mann behalten. Ebenso bleiben aufrecht erhalten das Wintermanquement von 3 Mann per Escadron, von 2 Mann per reitende Batterie und von 3 Mann per Festungs⸗ Artillerie ⸗Compagnie. 915 Kriegsmigisterium be⸗ merkt hierbei, daß wegen Aufhebung vorbezeichneter Ersparnißmaßregeln seiner Zeit besondere Ver- fügung ergehen wird.
— Nach einer Meldung der„Karlsr. Ztg.“ wird die Regierung des Deutschen Reichs ihre Repräsentanten im Ausland anweisen, bei sich dar⸗ bietender Gelegenheit den betreffenden Cabinetten gegenüber den eminent und ausschließlich fried⸗ lichen Charakter der Drei Kaiser⸗ Begegnung zu betonen. Ob Oesterreich und Rußland ihre Ver⸗ treter mit analogen Weisungen versehen, ist dem Gewährsmann des genannten Blattes nicht bekannt.
In Würzburg geht, wie die„N. Würzb. Ztg.“ mittheilt, das Gerücht, daß der Prior des Reuererklosters mit verschiedenen Tausend Gulden das Weite gesucht habe.
Karlsruhe. Dem„Schw. M.“ zufolge wird die Regierung den Ständen im kommenden Jahre einen Gesetzentwurf wegen Einführung eines obligatorischen Fortbildungs⸗ Unterrichts vorlegen.
Straßburg. Am Jahrestage der Schlacht bei Wörth fand in Anwesenheit des Herrn Ober- präsidenten v. Möller und des Herrn Präfekten des Niederrheins, v. Ernsthausen, die feierliche Grundsteinlegung der protestantischen Friedenskirche zu Fröschweiler und die Einsegnung mehrerer neuen Denkmale statt.
Ausland. Oesterreich. Ueber einen Mortara⸗Fall in Troppau berichtet die„N. Fr. Presse“ unterm 2. August: Die israelitischen Handelsleute Moses
besitzen einen 13½ jährigen Sohn Heinrich, welcher
in einem Weiß waarengeschäft prakticirte. Kürz
kam der Knabe nicht in das Geschäft, und d
auch nicht in das Elternhaus zurückkehrte, wur le Recherchen nach ihm angestellt. Da ergab ic nun, daß der Jüngling auf Veranlassung elle Priesters in eine katholische Familie gegeben wur um dort bis zu seiner Taufe ein Aspl zu finden, Die Mutter des Knaben hat sich in einem scht
energischen Briefe an den erwähnten Katechelen
um Herausgabe ihres Sohnes gewendet und e denkt die nöthigen Schritte bei Gericht zu thin, wenn der Knabe nicht sofort zurückkehrt. Millu weile soll derselbe indeß seinen Eltern zurüchse, geben worden sein.
— Das Urtheil im Prozeß des Paters Gabrel gegen die„Linzer Tagespost“ lautet dahin, uuß der angeklagte Redacteur wegen Vergehens gegn die Sicherheit der Ehre nichtschuldig, dagegn schuldig der Uebertretung der pflichtgemäßen Oh.
sorge sei und es wird derselbe zu einer Geldstrafe
im Betrage von 20 Gulden zum Besten des Liner
Armenfonds und zum Ersatz der Kosten des Sttaf⸗ verfahrens verurtheilt. Eine Freisprechung dis
Paters Gabriel von den ihm zur Last gelegun
unsittlichen Zumuthungen wird man in diesen Ausspruch des Gesetzes nicht zu erkennen vermögan, Anna Dunzinger siedelte nach Wien über, da man Attentate auf ihr Leben in Linz befürchtete. Wien. Es erhält sich das Gerücht, diß zwischen dem Kaiser von Oesterreich und den
deutschen Kronprinzen die Lage der früheren hau⸗
nover'schen Königsfamilie Gegenstand des Gl
spräches war. Von welcher Seite dieselbe angereg
worden, darüber fehlen vorläufig alle Anhaltspunk k.
Frankreich. Paris. Das„Journal off. ziel“ veröffentlicht folgende Kundmachung an de Uaterzeichner der National- Anleihe:„Die be deutende und minutiöse Arbeit, welche die Repn⸗ tition erheischt, wird es erst in einigen Tagen möglich machen, die mathematisch und streng ge naue Ziffer der auf jede Zeichnung anzuwendenden verhältnißmäßigen Reduction zu veröffentlichen. G kann indeß schon jetzt mit Bestimmtheit erklal
werden, daß der proportionelle Theil nicht ung
7½ pCt. und nicht über 8 pCt. betragen wird.“
— Der„Bien public“ bespricht die Die Kaiser⸗Zusammenkunft und sagt: dieselbe trag wesentlich einen friedlichen Charakter und liefen einen neuen Beweis für das allgemeine Frieden bedürfniß; Frankreich brauche sich in keiner Weis zu beunruhigen, da bei den drei Regierungen gegenwärtig für uns die besten Gesin nungen herrschen. Wir wollen Niemanden beunruhigen und Niemand denkt daran, uns zu beunruhigen. Mehr als alle anderen Mächte hat Frankreich a Friedensbedürfniß, und wir müssen mit Befriedi⸗ gung jeden diplomatischen Schritt oder Act he grüßen, welcher dazu dienen kann, den Frieden zu befestigen.
— Wie berichtet wird, bat das Ariillenil,
Comite sich für Abschaffung der Mitrailleusen ausgesprochen.
— Die republikanische Linke veröffentlicht en Manifest beim Abschied der Kammer. Das Dorul⸗ ment zeichnet sich durch Mäßigung und dur politischen Sinn aus. Die Unterslützung der Rh. gierung wird an mehreren Stellen besonders warn betont und dem„großen Bürger“ Thiers die hun
sondere Ehre zugeschrieben, die französische Reyn;
blik definitiv begründet zu haben. Die her vol ragenden Mitglieder der äußersten Linken haben das Manifest nicht mitunterzeichnet.
Versailles. Thiers ist mit seiner Famil, zwei Ordonnanz ⸗Offizieren und zwei Secretärns nach Trouoille abgereist.
Italien. Rom. Zwischen der französischin Gesandtschaft beim Vatican und der Curie wind seit einiger Zeit eine gewisse Spannung bemerfl. Thiers soll nämlich in den Besitz von Schrifs⸗ stücken gelangt sein, die darthun, daß man in Vatican mit der legitimistischen Partei Frankreias⸗ offen zu Gunsten des Grafen Chambord gegen die Republik Thiers conspirire; Thiers fühlte sich, nach diesen Angaben, besonders durch die Corr spondenz eines dem Papste sehr nahe stehenden Cardinals tief verletzt, eine Correspondenz, da
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