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6. d. von hier nach Dresden abgehen, von wo der Kronprinz sich direkt nach Italien, die Kron⸗
prinzessin dagegen nach Schwalbach zum Gebrauch
einer Kur begeben wird.
— Dem Reichstage sind jetzt der seinem In⸗ halt nach bereits bekannte Gesetzentwurf wegen Einführung der Gewerbeordnung in Bayern, der Zusatz⸗ Antrag zum Postvertrage mit Rußland, sowie die allgemeinen Rechnungen über den Haus- halt des Norddeutschen Bundes für das zweite Semester des Jahres 1867 und für das Jahr 1868 mit den Bemerkungen des Rechnungshofes zugegangen.
Danzig. Der Congreß der deutschen Volks⸗ wirthe wird, wie die„Danz. Zeitung“ mittheilt, nach dem Beschluß der ständigen Deputation in den Tagen vom 26. bis 29. August in Danzig stattfinden.
Wiesbaden. Die in hiesiger Stadt seit einigen Tagen in Circulation gesetzte Petition um Belassung des Spiels auf noch zwei Jahre findet, obgleich wahrscheinlich von Actionären provocirt, deren Zahl eine verhältnißmäßig geringe unter der Bürgerschaft ist, sehr zahlreiche Unterschriften. Man bezweifelt, daß die Petition irgend welchen Erfolg hat.
— Der des Vergehens gegen den Kanzelstraf⸗ paragraphen angeklagte Pfarrer Jost zu Ellar wurde von dem Limburger Gericht zu dreiwöchent licher Festungsstrafe verurtheilt.
Stuttgart. Dem„Staatsanzeiger“ wird aus Berlin geschrieben: Die Zeitungsnachricht, daß die Rede des Ministers von Mittnacht eine telegraphische Aeußerung des Reichskanzlers hervor ⸗ gerufen habe, beruht, wie aus zuverlässiger Quelle versichert werden kann, auf reiner Erfindung.
Karlsruhe. Nach der„Kalrsr. Ztg.“ sind bereits 51 Beitrittserklärungen zur Neubildung der hiesigen altkatholischen Gemeinde erfolgt und steht weiterer Beitritt zu erwarten.
Ausland.
Schweiz. Bern. Zwischen der Schweiz und Nordamerika wurde eine Nachtrags⸗ Convention zum bereits bestehenden Postvertrag, betreffend die directen Briefsendungen via Bremen und Ham- burg abgeschlossen.
Holland. Haag. Staatsminister Thorbecke ist am 5. d. Abends 9 Uhr gestorben.
Frankreich. Paris. Der Marschall Vaillant ist am 4. d. gestorben.
Versailles, 4. Juni. Die Nationalver⸗ sammlung berieth über Art. 37 des Militärge setzes, durch welches die Dauer des Dienstes auf 5 Jahre festgesetzt wird. Fatey und Keller suchten nachzuweisen, daß eine dreijährige Dienstzeit ge⸗ nügend sei.
— 5. Juni. Nationalversammlung. Grévy wurde mit 459 von 476 Stimmen zum Präst⸗ denten wiedergewählt. Ebenso fand die Wieder⸗ wahl der seitherigen Vieepräsidenten und Secretäre statt. Die Weiterberathung des Ktiegsdienstge— setzes wurde vertagt.
— Die Bureaux der Nationalversammlung vollzogen die Wahl der Commission für das Budget pro 1873. Ungefähr zwei Drittel derselben sind Freihändler. 10
Belgien. Brüssel. Die„Association libe— rale“ hat beschlossen, die 13 Brüsseler Deputirten wiederzuwählen. Hierdurch haben die Klerikalen jede Aussicht verloren, in der Hauptstadt ihre Cundidaten durchzusetzen(s. unten).— Man er⸗ wartet die Niederkunft der Königin in der zweiten Hälfte des Juli.
— Die katholische Partei hat für die Brüsseler Wahlen, gegenüber der Liste der liberalen Partei, ihre Candidaten festgestellt.— Bei Eröffnung der Session wird die Regierung ein Armee-Reorgani⸗ sationsproject auf der Basis der allgemeinen Mili⸗ tärpflicht einbringen.
— Alle dreizehn liberalen ehemaligen Depu⸗ tirten sind wieder als Candidaten erwählt.
Großbritannien. London.„Reuter's Bureau“ meldet aus Washington vom 5. d.: Es wird versichert, daß Fish und Granville überein⸗
kamen, das Genfer Tribunal zu vertagen, bis . 3 f
Reichenbach betheiligten.
zwischen beiden Regierungen Erklärungen über die Amendements des Senates zum Zusatzartikel auf dem Postwege ausgetauscht sind.
Italien. Rom. Der Correspondent der
„Pall Mall Gazette“ schreibt: Die Nachricht be⸗
stätigt sich, daß Cardinal Hohenlohe nicht mehr hierher zurückkehrt. Fürst Bismarck wußte sehr wohl, als er ihn vorschlug, daß der Papst ihn nicht als Botschafter empfangen werde. Man sagt, der Papst werde von Deutschland, da es eine protestantische Macht ist, keinen diplomatischen Agenten von höherem Range, als einen bevoll⸗ mächtigten Minister, empfangen. Es ist daher möglich, daß Kaiser Wilhelm eine neue abschlägige Antwort erhält.
Amerika. Washington. Beide Häuser des Congresses genehmigten den neuen Zolltarif.
Asien. Jspahan. Einem in London am 1. Juni eingegangenen offiziellen Telegramm von hier zufolge wüthet die Hungersnoth in Persien schlimmer als je. Brod ist nicht zu haben.
Friedberg. Unser Sommer⸗Theater betreffend, können wir Ihnen melden, daß Herr D. Grünewald mit seiner zahlreichen Gesellschaft bereits in hiesiger Stadt eingetroffen ist. Leider fehlt es an einem geeigneten Lokale. So gerne man im Sommer das Freie sucht, scheint es doch nicht gerathen zu sein, so ganz von den Witterungsverhältnissen abzuhängen, zumal in gegenwärtiger Zeit. Es wäre wünschenswerth, wenn die Sache sich rasch zu Gunsten der anwesenden Künstler entscheiden würde, an einer zahlreichen Betheiligung würde es hier sicher nicht fehlen.
Dorheim. Samstag den 1. Juni, Nachmittags 2 Uhr üverraschten der Gemeinderath und Schulvorstand zu Dorheim den ersten Lehrer G. Walther daselbst in seiner Wohnung. Veranlassung war die 25jährige un⸗ unterbrochene Amtstbäligkeit des genannten Lehrers an der Schule zu Dorheim. Die Erstgenannten sprachen in ihrem Namen und im Namen der Kreis-Schulcommission ihre Glückwünsche aus und überreichten einen Beschluß des Gemeinderalhs, wonach Herrn Lehter Walther eine Remuneration von 60 fl. verwilligt wurde, welchem Be⸗ schlusse Großherzogliches Kreisamt und Großherzogliche Ober-Studien-Direction mit Bereitwilligkeit ihre Ge⸗ nehmigung ertheilt hatten.
B. Darmstadt den 5. Juni. Gestern und heute tagte hier die achte Versammlung der südwest⸗ deutschen Conferenz für innere Mission, zu der sich aus Hessen, Baden, Würtemberg, der Pfalz und Preußen etwa 100 Theilnehmer eingefunden hatten. Die öffent⸗ lichen Versammlungen wurden gestern Abend durch einen Goltesdienst in der Stadikapelle eröffnet, bei dem Stadt⸗ pfarrer Lauxmann von Heilbronn und Pfarrer Himb von Frücht als Redner auftraten. Nachdem heute in der Frühe eine Specialconferenz des neugegründeten hessischen Vereins für Bücherverbreitung vorausgegangen war, begann um ½10 Uhr, ebenfalls in der Stadtkapelle, die eigent⸗ liche Conferenz, eröffnet durch Gesang und ein durch Con⸗ sistorialrach v. Bahder gesprochenes Gebet, worauf Pfarrer Dr. Müblhäußer von Wilferdingen als Vor⸗ sitzender des geschäftsführenden Ausschusses den Jahres⸗ bericht erstattete. Hieran schloß sich an der Hand von der Versammlung mitgetheilten Thesen ein Vortrag des Pre— digers Walter von Karlsruhe über die Ueberwin⸗ dung des Socialis mus, der Veranlassung zu einer längeren Discussion gab, an der sich besonders Pfarrer Schuster in Karlsruhe, Professor Dr. Köllner von Gießen, Prediger Oldenberz aus Berlin, Pastor Quistorp aus Ducherow, Pfarrer Schlosser aus Um 2 Uhr wurde die an interessansen Momenten reiche Versammlung geschlossen, der nur vor Seiten der Frauenwelt eine noch größere Theilnahme zu wünschen gewesen wäre.
Michelstadt. Abermals ein Raub mit Mord⸗ versuch. Ein junger Mensch, der die Kaufmannschaft dahier erlernt, wohnt in Rehbach(eine Stunde von hier) und geht des Morgens früh hierher, des Abends zurück. Am 3. Juni früh wurde er von drei Personen, die er aber nicht näher bezeichnen kann, von hinten überfallen, mit mehreren Schlägen(neun Zähne wurden ihm einge⸗ schlagen und mit einem Messer erhielt er Stiche) be⸗ sinnungslos auf einen Haufen Steine geworfen und während einer der Räuber ihn zu erwürgen suchte, nahm ihm ein anderer 14 fl. aus der Tasche. Das war in der Nähe eines der drei Rehbacher Seen. Zum Glücke kam gleich nach der That ein Mann vorbei und sah einen menschlichen Körper im Wasser. Er ging hinzu und es gelang ihm, den Beraubten herauszuziehen. Ohne Zweifel hatten ihn die Räuber im Zustand der Besinnungslosigkeit hineingeworfen. Es gelang, den Unglücklichen wieder ins Leben zurückzurufen.
Wurzburg. In Folge des starken Regens, welcher seit dem 4. d. Abends 7 Uhr zwölf Szunden lang fori⸗ während andauerte, ist der Main schon um einen halben Fuß gestiegen. Aus Bam berg kam heute eine telegraphische Depesche, welche ein Steigen des Flusses um 11 Fuß an⸗ zeigte. Die Anwohner des Mains sind deßhalb heute Abend lebhaft mit dem Ausräumen ihrer Wohnungen be⸗ schäftigt. Man erwartet, nach früheren Erfahrungen, bie Donnerstag Abend ein Steigen um ungefähr 8 Fuß.
Mühlhausen. Daß den nach Frankreich aus wan⸗ dernden Elsässern und Lothringern dort keine Kränze gewunden werden, davon zeugt die tägliche Rück⸗ lehr solcher Auswanderer. So kamen am vergangenen Samstag auf einmal gewiß gegen 200 Persone Ul für die französische Nationalität optirt hatten, und mit der frohen Hoffnung nach Frankreich gegangen waren, von ihren vermeintlichen Landsleuten, den Franzosen, mit offenen Armen empfangen und in den Himmel gehoben zu werden, hierher zurück, die meisten aus Lyon und Nancy. Wie sehr sahen sie sich enttäuscht und ihre schönen Hoffnungen zu Wasser geworden, als sie zu ihren früheren Spitznamen„tetes carrées“ und„Schwob“ auch noch das Wort„Prussiens“ hören mußten! Vergeblich nach Arbeit verlangend, mußten sie, wohl oder übel, da die paar Franken, die sie aus dem Verkauf ihrer geringen Habe gelöst hatten, zur Neige gingen, an die Rückreise denken.
Aus der Schweiz und aus Oberitalien kommen Nachrichten über gewaltige Ueberschwemmungen. Der Tessin und die Adda sind ungeheuer angeschwollen und haben große Zerstörungen angerichtet. Der Lage Maggiore ist gestiegen und die anliegenden Orte stehen theilweise unter Wasser. In Arona ist die Eisenbahn überschwemmt und außer Dienst, ebenso die Telegraphenleitung. Am Comersee folgen sich die fürchterlichsten Gewitterstürme. Zwischen Mailand und Venedig ist die Eisenbahn durch Dammbrüche unterbrochen, auf dem Simplon haben die Gebirgswässer ebenfalls die Straße zerstört. Im Jura haben die Gewässer ganze Häuser weggerissen.
Literari sches.
Das Juni⸗Heft der„Musikalischen Welt“(vierteljähr⸗ lich 54 kr.) enthält: Ausgabe A. Clavierstücke. Clemens Schultze, Schlummerlied.— F. X. Chwatal, Liebesblicke. Salon⸗Tyrolienne.— D. Krug, Treue Liebe. Poetischer Gedanke.— L. Rebbeling, Salut d' Amour.— Karl Oberthür, Wär' ich bei Dir. Romanze.— Henry Throm, Souvenir de Bade. Valse élégante.— Musikalische Rund⸗ schau.— Ausgabe B und C. Lieder für hohe resp. tiefe Stimme. Gustav Hölzel, Eine Nacht.— Graben-Hoffmann, Sterne mit den goldenen Füßchen.— C. E. Partzsch, Dir reich' ich die Rose.— Karl Matys, Auf den Bergen möcht' ich leben-— A. Blumenstengel, Nur einmal möcht' ich dir noch sagen.— F. Gustav Jansen, Ungarisches Volkslied.— C. Kuntze, Die beste Kur.— Musikalische Rundschau.
Zur Raupenvertilgung.
Man hat Proben mit dem in voriger Nummer dieses Blattes empfohlenen Blech- Cylinder zur Vertilgung der Raupennester angestellt und ge— funden: 1) daß sich ein dicker Docht von Baum wolle besser eignet als ein Wergdocht, indem Letzterer leicht kohlt.— 2) daß das Geschäft bei trockner Witterung und Windstille vorgenommen einen überraschend schnellen Erfolg liefert, während bei feuchter Witterung die Nester nicht schnell ge⸗ nug brennen und bei Wind die Fackel gern aus⸗ geht. Wer sich im Kleinen von der guten Wirkung überzeugen will, halte nur einfach ein groß brennen des Petroleumlicht unter ein Raupennest, was in einem Hausgarten ja ganz ohne viel Umständ geschehen kann.
D. Frankfurt a. M., 6. Juni 1872. Entgegen
der gestern Mittag noch vorherrschenden Geschäftsunlust
entwickelte sich gestern Abend im Privatverkehr wieder große Lebhaftigkeit, besonders in Arbitrage⸗Effecten, welche die Kurse um ca. 2 fl. in die Höhe lancirten. Heute Mittag indeß hatte diese Lebhaftigkeit bereits wieder nach⸗ gelassen, dafür aber einer festen Haltung Platz gemacht, so daß selbst die neue Mindereinnahme der Staatsbahn von 180,000 fl. den Kurs dieses Effects nicht herunter⸗ zudrücken vermochte, welches für Privatcapitalisten bei 371⅝% aus dem Markt genommen wurde. Creditactien verkehrten bei wenig Animo, hielten sich aber sehr fest bei 352½, da man sich von der bevorstehenden Emission der „Internationalen“ durch die Creditanstalt weitere Preis- erhöhung des Effects verspricht. Am lebhaftesten entwickelte sich das Geschäft in Lombarden, die bis 216 bezahlt und in großen Posten umgesetzt wurden, Oestreich. National- bank fest bei 378. Von östreich. Bahnen wurden bei gutem Geschäft besser bezahlt; Junge Staatsbahn, Nordwest, Elbthal, Galtzier, böhmische West und Elisabeth. Auch
Rudolph waren noch begehrt. Von dtutschen Linien ist
wenig zu sagen, alte bayr. Ostbahn war offerirt. Priori
täten erfreuen sich anhaltend guten Verkehrs bei suecesive
anziehenden Preisen. In Banken ist fortwährend Ge⸗ schäftsstille zu verzeichnen, obwohl sich die Preise relativ fest halten. Sehr gesucht waren heute östreich. 60r Loose, die in großen Beträgen umgesetzt und bis 94½ bezahlt wurden. Ferner waren Köln-Mindener und Ungarn be liebt. Amerikanische 8 Ur. Staatenbonds waren heute etwas billiger zu haben. 82r. und Sör. fest. Von Prioriläten Oregon⸗California wieder besser, ebenso Central-Pacifie,
Flaschen⸗Etiquette
pr. 100 Stück 24 kr. bis zu 2 fl. 48 kr., bet
Bindernagel& Schimpff.


