Ausgabe 
7.11.1872
 
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das katholische Vereins- und Versammlungswesen unserer Zeit bezeichnete. Er warnte vor den Bauernvereinen und allen nicht von ihm appro⸗ birten katholischen Vereinen, und bezeichnete diese Vereine als die Schuld der traurigen Zustände und des Mißtrauens gegen die Regierung und die königlichen Beamten. Auch im Dome zu Passau hat der Bischof am Allerheiligenfeste in sehr heftiger Predigt wider das katholische Ver⸗ einsunwesen gesprochen, und dasPassauer Tag⸗ latt machte darauf aufmerksam, daß nach dem angelegentlichen, schon im Jahr 1858 der neunten Generalversammlung der katholischen Vereine in Salzburg ausgesprochenen Wunsche des Papstes keine Katholikenvereine bestehen sollen, außer unter der Leitung des eigenen geistlichen Oberhirten.

Metz. Am 30. October fand hier das Er⸗ satzgeschäft für den Stadtkreis Metz statt. Unter den etwa 50 Militärpflichtigen, welche sich einge⸗ funden hatten, wurden nur drei zur Einstellung tauglich befunden.

2 21 in Folge des Ausbruches des Krieges unvollendet gebliebene Eisenbahn von Metz nach Verdun ist nunmehr bis zur deutschen Grenzstation Amanvillers betriebsfähig hergestellt, und es fahren einstweilen täglich drei Züge, um einen Theil des zu den Fortsbauten nöthigen Baumaterials aus den dortigen Steinbrüchen herabzuschaffen.

Ausland.

Oesterreich. Auch in Wien ist dieser Tage ein Cbolerafall vorgekommen. f

Pest. Nach dem letzten Ausweis über die Cholera waren vom 1. bis 2. November in Ofen 47 neue Krankheits- und 13 Todesfälle, in der Ofener Garnison 11 Krankheits- und 7 Todes- fälle, und in Pest zusammen 12 Krankheits- und 2 Todesfälle.

Schweiz. Der Bischof von Basel hat den altkatholischen Pfarrer Gschwind in Starrkirch (Solothurn), den Verfasser mehrerer liberalen und altkatholischen Schriften, abberufen, suspendirt und excommunicirt. Die Regierung von Solothurn wird dem Vernehmen nach die staatlichen Ober⸗ hoheitsrechte wahren und gegen den Bischof ein- schreiten. Geeignete Beschlüsse sollen bereits ge- faßt sein. Neuere Nachrichten melden weiter, daß die Regierung die von dem Bischofe verfügte Ab⸗ setzung des Pfarrers Gschwind für ungültig erklärt. Die Bevölkerung brachte dem Pfarrer Ovationen.

Frankreich. Graf Arnim hat, nach einer Mittheilung desSiecle, dem Grafen v. Saint Vallier, diplomatischem Bevollmächtigten Frank. reichs bei der deutschen Occupations Armee, bei

seiner Durchreise in Nancy erklärt, daß Deutsch⸗

land die Pässe seinerseits abschaffen wolle, wenn Frankreich der Abschaffung für Elsaß⸗Lothringen zustimme.

Folgendes wäre nach den ausgegebenen Actenstücken der Bestand des französischen Heeres für das Jahr 1873: Gesammteffectiv: 454,170 Mann und zwar: Infanterie 282,044, Capalerie 60,044, Artillerie 51,308, Genie 9000, Train

8000, Gendarmerie 29,170, Diverse Truppen

14,604.

Der Tagesbefehl des General Ducrot wird, wie wenigstens derAvenir national versichert, von der Regierung entschieden mißbilligt. Die⸗ selbe wirft dem General vor, eine Sprache geführt zu haben, welche die Unterhandlungen, die Herr Thiers demnächst wegen einer schleunigeren Räu- mung des Landesgebiets mit Deutschland einzu⸗ leiten gedenkt, in bedauerlicher Weise erschweren könnte. Die Unvorsichtigkeit des Generals sei um so weniger zu entschuldigen, als gerade sein persönliches Verhältniß zu den Deutschen, die ihm, obgleich ohne Zweifel mit Unrecht(2), einen Wortbruch vorwerfen, ihm eine größere Zurück- haltung hätte zur Pflicht machen sollen. Der Avenir verlangt, daß dem heißblütigen General öffentlich ein Verweis durch dasJournal ofsi; ciel ertheilt werde. Inzwischen hat der Kriegs minister Cissey den Feldzug gegen die Bonapar⸗ tisten in der Armee eröffnet, und zwar durch einen strengen Befehl, nach welchem die Gendarmen an ihren Waffenröcken ꝛc. nicht mehr den kaiserlichen Adler tragen dürfen. a

Dasselbe Blatt meldet, daß man seit einigen Tagen in Paris ein Circular verbreitet behufs Veranstaltung einer Nationalsubscription, deren Ertrag für Errichtung eines Denkmals zu Ehren Thiers bestimmt werden soll. Die Namen der Unterzeichner werden in einen Band eingeschrieben werden, der Thiers verehrt werden wird. Der Avenir spricht sich mit größter Entrüstung über diese Idee aus.

Gegenüber der Meldung desGaulois, daß der deutsche Botschafter, Graf Arnim, bei dem Präsidenten der Republik im Auftrage seines Souveräns über den Tagesbefehl des Generals Ducrot Beschwerde geführt habe, kann dieFranz. Corresp. auf das Bestimmteste versichern, daß Graf Arnim in den Unterredungen, welche er mit Thiers und dem Minister des Aeußeren gehabt, über das erwähnte Schriftstück kein Wort verloren.

Das JournalBien public bezeichnet unter den der Nationalversammlung vorzulegenden Gesetzentwürfen zur Regelung der Verfassungsfrage die Vorlagen in Betreff der Ernennung Thiers zum Präsidenten der Republik auf vier Jahre,

sowie über die interimistische webe, e

diejenigen, welche der Versammlung unmi nach ihrem Wie derzusammentritt unterbreitet wür Sodann würde das Budget berathen. Dasselbe Journal erklärt, die Nachricht, Graf Arnim habe wegen des Tagesbefehls General Ducrot's Vor⸗ stellungen gemacht, als unbegründet mit dem Hinzu fügen, die Angelegenheit werde jedenfalls im Ministerrathe discutirt werden, da die Regierung nicht gewillt sei, daß ein Tages befehl einen über seine Bedeutung hinausgehenden beklagens werthen Eindruck mache. 9

der Absicht der Regierung liege, im Laufe d Woche an Deutschland 200 Millionen auf Kriegsentschädigung und vor Jahresschluß d Rest der drei ersten Milliarden zu zahlen. Außer⸗ dem seien zur Zahlung der vierten Milliarde im Staatsschatze 600 Millionen disponibel. DasXIX. Sidele, Organ Edmond About's enthält aus Epernay folgende Cor spondenz, die das Höchste an Gemeinheit leist dessen sich dieses Blatt noch rühmen darf: Räumung der Stadt Epernay ist eine vollen Thatsache. Von den Preußen bleibt nichts m übrig, als das Andenken ihrer Quälereien. Ihr fri zeitiger Abzug ist Typhusfällen zu danken, die unserer Stadt aufgetreten sind, und wir wolle hoffen, daß sie die Keime der Epidemie mit sich fortgetragen haben. Nur verhüte Gott, daß sie sie unseren unglücklichen Brüdern mittheilen, deren Lasten sie jetzt vermehren werden! 0

Aus Rheinhessen. Von dem Verwaltungsrathe der Hess. Ludwigsbahn und der Direction der Pfälzischen Bahnen ist die Strecke Monsheim Marnheim am 23. Oct. l. J. dem Betriebe für Personen und Güter übergeben worden. ö

Kassel. 3. d. zwischen Warburg und Liebenau stattgehabtes Eisen⸗

bahnunglück erfährt man folgende Einzelheiten: Kaum

hatte der betreffende Personenzug die Station Warburg verlassen und in schnellem Laufe den sog. Diemelsdamm erreicht, als die Locomotive aus einer zur Stunde noch

nicht aufgeklärten Ursache entgleiste und mit Tender, Pack-

wagen und fast sämmtlichen Personenwagen nur zwei Wagen Ater Classe blieben im Geleise den Abhang hinunterstürzte. Der Locomotivführer ist von kochendem Wasser und glühenden Kohlen gänzlich verbrannt und be⸗ reits verschieden; der Heizer lebt noch, wird jedoch seinen Wunden jedenfalls erliegen. Der Zugführer ist am Arm und am Kopfe stark verletzt, desgleichen haben die Schaff ner und meisten Bremser schwere Verletzungen davonge⸗ tragen. Von den Passagieren sind vier getödtet ung wohl vierzig mehr oder minder erheblich verletzt worden. Unter den Todten befindet sich ein Rekrut, der gräßlich verstümmelt unter den Wagentrümmern hervorgezogen wurde. Die Maschine und die meisten Wagen sind gänz⸗ lich i die letzteren bilden nur noch einen Trümmer⸗ haufen. 10

Allerlei über Versicherungswesen. (Schluß.)

Um dem Publikum einige Fingerzeige über die] Gesichtspunkte zu bieten, haben wir nach dem von

für die Beurtheilung der Gesellschaften maßgebenden] der Berliner Börsenzeitung mit vielem Fleiß ge Rangordnung deutscher Feuer Versicherungs⸗Gesellschaften.

sammelten Materiale eine Zusammenstellung auge,

fertigt, die wir ohne jede Bemerkung folgen lassen:

1 ö II. Nach der Kapitalreserve. III. Nach der Versicherungssumme.] IV. Nach der Prämien⸗Einnahme. I. Nach dem Grundkapital. ach(18700 0 ch 18 9 0 0(8709 0 1 Magdeburger 8,750,000 Gulden.] Colonia 2,131,675 Gulden. Magdeburger 5,403,291, 700 Gulden[Magdeburger 11,401,066 Gulden Providentia 8,000,000 Magdeburger 1,095,538 Aachen und 2004.982,450 Aachen u. Münch. 3,090,845 Deutscher Phönix 5,500,000 Leipziger Nee,, nee,, PColonia 2,069,120 Aachen u. München. 5,250,000(Elberfelder 765,509 Colonia 1,36 1,778,344 Leipziger 1,811,983 Colonia 5,250,000[dDeutscher Phönix 550,000 Schlesische 1,073, 718,187 Elberfelder 1,782,970 Schlesische 5,250,000 Stettiner 529,75 D. Phönix 1, 016,53 1,555 Deutscher Phönix 1,522,607 Stettiner 5,250,000 BBerlinische 173,222(Elberfelder 972,378,568 Schlesische 1,472,793 Thuringia 5,250,000 Schlesische 48,300 FJeeipziger 829,340,225 Stettiner 1,214,959 Berlinische 3,500,000 Providentia 9,003 Stettiner 794,588,964 Thuringia 1,156,848 Elberfelder 3,500,000(Gladbacher U Thuringia 529,971,060 Deutsche 660,188 Gladbacher 3,500,000 fEssener 2,802(Gladbacher 379,822,700 BBerlinische 542,311! Westdeutsche 3,500,000 Thuringia 0 Haben[Oldenburger 379,676,636[Oldenburger 521,832 Leipziger 1,750,000 Adler 0 Verlust Providentia 337,900,775 PProvidentia 516,562 Preußische 1,750,000 Deutsche 0 am BBerlinische 295,563,308 Adler 445,665% Deutsche 1,750,000* KPreußische 0 ö Grund- Deutsche 243,738,539 Gladbacher 429,725 Adler 1,750,000[Oldenburger 0 kapital. Essener 212,330,685 Essener 329,170 Oldenburger 1,400,000*] Die Kapitalteserve der Aachen und Adler 210,669,403 Preußische 229,623 Betreiben neben der Feuerversicherung Münchener Gesellschasft konnten wir nichiPreußische 124,263,265 0 auch andere Versicherungsbranchen. erfahren. f 1 9 9 einen Theil des Grund k pftals verlocen.

1 DieAgence Havas bestätigt, daß es in

Ueber ein schon erwähntes, am Abend des 1