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in 17 of und zertrümmerte einen Geisenstall. Der da⸗ durch virursachte Lärm bestimmte eine Anzahl im Hause befindlichet Personen, sich alsbald zu entfernen. Kaum batten sie jedoch die Straße erreicht, als zwei Häuser, von denen eines wegen Baufälligkeit nicht bewohnt war, während das andete 32 Bewobner hatte, in sich zusammen⸗ stürzten und alles, was sich darinnen befand, unter ihrem Schutte begruben. Aus der Nachbarschaft und der nahen Kaserne eilte sofort Hülfe herbei, auch die Fruerwach, Arbeiter der Herren Helzmann und Ziem kamen zur Stelle und schritten sofort spstematisch zum Hinwegräumen der Trümmer. Zunächst kam ein Mann in nacktem Zu- fande unversehrt bheraus gekrochen. Dann fließ man als bald auf theils schwer verletzte, theils todte Menschen. Bis 11½ Ubr batte man 12 Todte und 5 Verwundeie (darunter etwa 6. Kinder) ausgegraben. Einige Kinder waren unversehrt; von 3 Geschwistern waren zwei todt; eines, ein kleines Bübchen, wohl erhalten zu ebenso ein Mädchen von 12 Jahren. An einer Stelle fand man die Leiche einer Frau mit zerschmettertem Schädel und eingedrückter Brust, während dicht daueben ihr Kind ganz heil war. Die Reitungsarbeiten werden eifrig sortgesetzt, da noch etwa 17 Menschen vermißt werden, von denen man noch einige lebend zu finden hofft; es werden näm⸗ lich im Keller des Hauses Hülferufe vernommen. Da ein Nachstürzen der Nebenhäuser befürchtet ist, so wurden dieselben mit Kelten verbunden und sofort erfolgte der Abbruch derselben.— Nachschrift. Das eine der beiden eingeffürzten Häuser(und zwar das bewohnte) war nos nicht in das Eigenthum der Stadt übergesangen, sondern gehörte noch dem Schubmacher Schäfer, und es waren demselben vor wenigen Wochen 8000 fl. von der Behörde vergeblich geboten worden.— 2 Uhr Nachmittag. Die Arbeiten an der Unglücksstätte werden eifeigst sortge⸗ setzt, opne bis jetzt eine weitere Leiche gefunden zu baben. Todt sind sieben Kinder, zwei Frauen und diei Männer. Das Jammern aus den unteren Räumen bört man seit einer Stunde nicht mehr.
— Bis zum Abend des 1. März wurden auf der Un⸗ glücksstätie in der Judengasse im Ganzen 31 Personen aufgefunden. Davon waren 12 todt, 11 verwundet und 8 unverletzt. Ein Mann wurde noch ßebend zwischen Gebälk em Leben gefunden. Fast alle Geretteten ver⸗ langten zuerst nach Wasser. Dle hiesigen Hospitäler haben sich in die Aufnahme der Vewundeten getbeilt, deren Ver⸗ letzungen glücklicherweise durchgängig leichter Natur sind. Die Os dachlosen sind einstweilen zum Theil von der Be⸗ börde untergebracht. 25 Betten wurden in den Baracken des Vaconius'schen Gartens aufgestellt. Die Nachgrabungen auf den Schutthaufen wurden heute Abend dei Fackel de⸗ leuchtung noch bis 10 Ubr fortgesetzt, alsdann aber sistitt, da die Arbeiter wegen der Gefahr eines Einsturzes des Nach barbaufts zu bedenklich waren.
— Em Morgen des 2. März zwischen 9 und 10 Uhr vörte man aus den Trümmern in der Judengasse erneute Hüllferufe. Mit doppelten Kräften wurde die Arbeit gefördert und endlich die Frau des Hausbesitzers Schäfer lebendig und unverletzt aus dem Keller bervor—
gezogen. Die e war die 27 Stunden hindurch dis zum Obertörper in Schut und Schlamm vergraben, Kopf und Schultern waten frei geblieben; sie war voll⸗ ständig bei Bewußtstin und konnte mit ihren Töchtern sprechen. Auch sie verlangte dringend nach Wasser. Man hüllte sie in warme Decken ein und verbrachte. sie-sofort in das Bürgerbospiiel. Einer der Gelödteten, der Frau eines entlassenen Gasarbeltlers und Mutter von 5 Kin⸗ dern, war auf besondere Verwendung eines hiesigen An⸗ walis die Aufenthaltserlaubniß(sie war in ihr Heimaths⸗ dorf gewiesen) noch länger ertheilt worden. Ste hatte dies am Donnerstag erfahren und kam des Abends ge— lröstet nach Haufe. Andern Morgens ward sie mit 4 ihrer Kinder als Leiche hervorgezogen. Wie man uns miitheilt, wird von den Bewohnern des Hauses Niemand vermißt. Die Namen der- Umgekommenen sind: 1) Konrad Knauff, Kohlenträger,)) Chr. Knauff, Todtengräber, 3) dessen Kind, 4) Frau Berge, 5—8) deren 4 Kinder, 9) Frau Mahler, 10) deren Kind, 11) Commis Rosen⸗ hal und 12) Kreß(Kind).
Darmstadt. Profissor Semper hat bereits Ent— würfe für den Neubau des hiesigen Theaters vorgelegt, welche eine Erweiterung auf der Nordseite und zwei seit⸗ liche Anbauten bedingen würden. Am letztvergangenen Donnerstag hatte der berühmte Architekt Audienz bei dem Großherzog, um demselben nähere Erläuterungen zu seinen Plänen zu geben.
Von der Bergstraße. In Weinheim ist, wie ver— schiedene Blätter melden, ein schweres Verbrechen entdeckt worden. Es lebt nämlich eine alte Jüdin aus Worms mii ihrer Tochter schon lange Jahre dort, die ihre regel⸗ mäßige Unterstützung von ihren Verwandten bezog. Die Tochter, ungefähr 26 Jahre alt, früher ein sehr hübsches Mädchen, wurde schon mehrere Jahre von ihrer Mutter in einer Kammer geheim gehalten, bis der Polizei davon Anzeige gemacht wurde. Man fand sie in nacktem Zu- ftande von Koth umgeben auf einem verfaulten Strob— liger ohne Decke. Sie konnte weder gehen noch sprechen und wurde zur Pflege ins Hospital verbracht.
In Landshut ist ein beklagenswerthes Opfer stan⸗ zösischen Nationalhasses vor einigen Tagen dei seinen dort lebenden Angehörigen eingetroffen, nämlich der frühere Soldat beim königl. Leibregiment, Johann Weinmaier. Derselbe machte bis zum 2. December 1870, wo er vor Orleans zwei Verwundungen erhielt, alle Schlachten des glorreichen ersten Armeecorps mit und trat nach abge⸗ schlossenem Frieden, nachdem seine Wunden vollständig geheilt waren, wohlbehalten den Heimmarsch an. Am 3. August kam er mit seiner Abtheilung nach Saarburg in's Standquartier, woselbst er sich am 7. August Abends badete. Kaum war er aus dem Flüßchen heraus und wollte sich wieder in seine Kleidung werfen, als zwei Bauern mit dem Rufe auf ihn zugestürzt kamen:„das ist ein bayerischer— todt muß er werden der Hund!“ und ibn überwältigten. Als er auf dem Boden lag, zog einer der Schufte sein Messer und schnitt dem Unglück⸗ lichen die Kehle durch. Weit und breit war kein Mensch zu erblicken. Beide Strolche schleppten nun den Sol⸗
daten, welchen sie in Folge der gräßlichen Verwundung 5 tobt hielten, in ein Gebüsch, woselbst er, ohne einen aut von sich geben zu können, zwei Tage in seinem Blule liegen blieb. Nach dieser Zeit entdeckte ihn ein alter Bauer, welcher sofort in Saarburg Anzeige machte. Darauf wurde der Unglückliche in's Spital verbracht, wo es einigen braunschweigischen Aerzten gelang, das Wun⸗ derwerk seiner Rettung und Heilung zu vollbringen. Der Bedauernswerthe hätte indeß den Tod vorgezogen, da er nunmehr nur aus einem in ben Hals eingesetzten silbernen Rohr Athem schöpfen kann. Von Saarburg wurde der Kranke nach München geschafft, woselbst im Müller'schen Spital seine Hetlung vollendet wurde. Das arme Opfer verabscheuungswürdiger Bestialität macht einen erschüttern⸗ den Eindruck. Abgesehen von den Beschwerden beim Athemschöpfsen, wodurch ihm jede etwas anstrengende Bewegung untersagt ist, kann der Arme keinen Laut von sich geben, kann Speisen nur im fast flüssigen Zustand zu sich nehmen, und bedarf einer unausgesetzten sorg⸗ samen Pflege. Zu alledem noch ist der Unglückliche ohne alles Vermögen und nur auf die magere Pension von monatlich 20 fl. angewiesen, mit welcher er seilne Pflege und seinen ganzen Unterhalt bestreiten oll. f
Köln. In unserer Nähe ist eine Dynamit⸗ und Lithofracteur Fabrik(von Max v. Förster) gegründet, welche nach den zuverlässigsten Mittheilungen einen Stoff fabricirt, der nicht nur die 5— fache Kraft des Pulvers besitzt und sicher explodirt, sondern auch gefahrlos zu hand⸗ haben, transportiren und aufzubewahren ist—
Verloosungen.
Karlsrube, 29. Febr. Bei der beuligen Ziehung der badischen 35 fl.⸗Loose wurden folgende Serten gezogen: 625 5502 4145 3684 6527 4875 5720 4411 3614 662 7819 1152 6356 5421 4838 6557 5386 7853 2327 3513 38703 3290 2659 2198 385 5328 6441 3744 5228 2123 5220 6323 5432 5214 4227 7841 304 3909 4825 7266 3478 1805 5297 976 428 630 1118 7492 4529 5542 1368 3425 3655 4093 7555 7656 354 742 2134 7158 137 4970 1140 6524 4129 4322 6348 684 3005 5966 2280 6565 1897 689 174 2995 5035 5063 6620 4273.
München, 1. März. Bei der heute statigefundenen Serienziebung der bapertschen 100 fl.⸗Loese vom Jahre 1866 wurden folgende Serien gezogen: Serien Nr. 3177 1548 826 729 2422 1143 169 2344 2073 1858 1451 1243 1014 376 2853 587 686 461 2556 361 2456 1327 3135 1710 9412121 1530 249 1202 2220 1554 2721 203 810 267 1609 3096 1996 1565 1186 2552 2270 901 368 185 143 3157.
Meininger 7 fl.⸗Loose. Ziebung am 1. März. Serie 217 930 1339 3031 2986 3042 3113 3364 3516 3610 5008 5224 5434 5507 5713 6334 7303 7701
Wien, 1. März. Bei der heutigen Zlebung der 186 4er Loose fielen der Hauptgewinn von 200000 fl. auf Serie 3742 Nr. 89; 56.000 fl. auf Serie 2423 Nr. 45; 15,000 fl. auf Serie. 1614 Nr. 30; 10.000 fl. auf Serie 2828 Nr. 35. Es wurden ferner folgende Serien
gezogen: 443 689 1094 3683.
Holz⸗Versteigerung.
582 Donnerstag den 7. Marz wird in den Fresberrlich v. Franckenstein'schen Walddistrikten„Magazin“ und „Rabenness⸗ nachverzeichnetes Durchsorstungs holy ver⸗ steigert⸗ N 524 Raummeler Bucten⸗Prügelbolz. 5 5 ichen ·* 23 5 A open⸗ 4 16400 Wellen Buchen⸗Reisholz, 375„ Eichen⸗ 67 1575„ Aspen⸗ und Nadel⸗Reisholz, 9 Eichen ⸗ Stangen mit 0,54 Cubikmeter Inhalt, 57 Nadelholz⸗Stangen mit 0.64„* Zusammenkunft Morgens 9 Uhr im Distrikt Magazin zu nächst dem Viehtrieb. Ockstadt den 28. Februar 1872. Der Freiherrlich pon Franckenstein'sche Obersörster
Bekanntma ch 0 611 Freitag den 8. März, Vormittags 9 Uhr, werden auf hlesiger Ratbsftube folgende, zum Nachlasse des Poltzeidieners Philipp Günther dahter gehörende Immobilien: Flur. Nr. Ruth. 1. 305.— Hofraithe im Ort, VIII. 368. 37% Acker über der Wehrbach, erbvertheilungshalber verfteigert. Zauerbach b. Fr. den 28. Februar 1872. Großherzogliches Ortsgericht Fauerbach b. Fr. DPelfri. Arbeits- Versteigerung. 646 Freitag den 8. d. M., Vormittags 10 Ubr, soll auf dem Bͤrgermeisterei⸗Bureau zu Ober-Florfladt eine gußeiserne Wasserpumpe und zufällige Zimmer- und Maurerarbeit an den Wentgstnehmenven in Accord ge— geben werden. Ober⸗Florstadt am 3. März 1872. Großherzogliche Bürgermelsteret Ober- Florstadt.
Eine Scheuer
steht auf den Abbruch zu verkaufen bel
J. H. Gemmecker.
636 Nieder⸗Hlor fad.
N 129 toi* Holz⸗Versteigerung. 647 Montag den 11. März soll in den Förflich Solms Lichischen Walddiftrikten„Langberg“,„Häuser⸗ berg und„Westphälisch Eck“ nachverzeichnetes Holz
versteigert werden: Scheltbolz. Prügelholz. Stockholz. Reisbolz.
Raum meter. Wellen.
Buchen⸗ 138 120 105 2900
Eichen⸗— 20 18 470
Nadelhol!⸗— 18 42 2420 Ferner:
67 Eichen⸗Stämme von 17—51 Centimeter Durch messer und 4— 12 Meter Länge mit 35,27 Cub ikmeter,
92 Fichten⸗ und Kiefern⸗Stämme von 15—37 Centt⸗ meter Durchmesser und 4— 20 Meter Länge mit 35,83 Cubikmeter,
1753 Nadel- Stangen ven 3—14 Centimeter Durch⸗ messer und 4— 15 Meter Länge mit 76,62 Cubik— meter Inhalt, darunter etwa 800 Bohnen— flangen.
Zusammenkunft Morgens präcis 9 Uhr auf dem
Mühlweg im Langberg am Mühlsachser Feld.
Lich am 3. Marz 1872.
Der Fürstliche Oberförster Wimme nauer.
Bekanntmachung. 631 Donnerstag den 7. d. M., des Vormittags 10 Ubr, soll ein der Gemeinde gebötender Faselochs, welcher zum Schlachten sich elgnet, öffentlich in biesigem Rath; hause versfeigert werden. 8 Dorheim den 2. März 1872. Großherzogliche Bürgermetsterel Dorbeim. Re u ß.
Bekannt mach une 633 Die heute in hiesigem Stadtwalde, Distrtkt Sumpf und Raut, abgebaltene Holzversteigerung ift genehmigt worden. Dies wund mit dem Anfügen andurch ver— offentlicht, daß die Abfuhrtage auf Montag, Mitwoch und Freitag von 7 bis 12 Übr Mittags begimmt find
alt= U 5 Holz-Versteigerung. 628 Montag den 11. März, Vormittags 10 Uhr an⸗ fangend, werden in dem Michelbacher Gemeindewald
folgende Dolzsortimente öffentlich versteigert, als: Distritt Leimenkaut. 5 Fichten⸗Stämme von 0,65 Festmeler, 60 desgleichen Stangen J. Klasse, 132*** 7 Distrikt Etchen⸗- und Bucher bard!. 61 Eichen⸗Stämme von 87 Festmeter, 127 Raummeter Eichen⸗Klafterhoh, 94 5 Erdsflöͤcke, 1950 Eichen- Wellen. Anfang Distrikt Leimenkaut. Michelbach(Amt Usingen) den 29. Februar 1872. Der Bürgermester F
Jagd- Verpachtung. 632 Die der Gemeinde dahier in hiefiger Gemarkung zu flebende Jagd, ausübdar auf circa 4000 hessischen Morgen, wird Mittwoch den 13. d. M., des Nach⸗ mittags 1 Uhr, auf biesigem Rathbause verpachtet.
Nieder⸗Wönlstadt den 2. März 1872. Großherzogliche Nn Nieder⸗Wöllstadt
1584.
Holz-Versteigerung. 640 Freitag den 8. März, Vormittags 10 Ubr, sollen in dem Privatwald Eichberg neben dem Frauenwald oderhald Nieder Mörlen 4375 Stück ODurchforstungs⸗ wellen durch den Unterzeichneten verstelgert werden. Zahlungstermin 1. September 1872. Nieder- Mörlen den 2. März 1872. Für den Vorstand: Großberzogticher Bürgermetster Md d o.
Faselochs- Versteigerung.
644 Mittwoch den 13. März d. J., Mittags 12 Ubr, soll auf dem Bürecgu dee Unterzeichneten ein der Ge— meinde zustebender schwerer Faseloches an den Meist⸗
und das Holz bis zum 1. k. M. abgefahren sein muß.] bietenden gegen Baarzahlung versleigert werden.
Bad Nauheim am 1. März 1872. Großherzogliche Bürgermeisteren Bad-Raubeim. Schutt.
Nleder⸗Mörlen den 2. Marz 1872 Großherzogliche Bürgermeisteret Nieder⸗Mörlen. Mö d s.


