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Darmstadt. Der König von Würtemberg hat für Verdienste im Sanitätswesen während des Krieges von 1870/71 nachverzeichneten Großher; zoglichen Staatsangehörigen den Olga⸗Orden zu verleihen geruht: Den Herren J. B. Dörr, Leonhard Heyl, Cornelius Wilbelm Heyl, Ober⸗ lieutenant Jaide, Friedrich Schön, Oberstabs arzt Dr. Wevland, sämmtlich in Worms, Fräulein Adelbeid Becker in Bessungen, Frau Bogen, geb. Jungblut, in Worms, Frau Bürger- meister Brück daselbst, Fräulein Gertrud Cursch⸗ mann in Alzey, Frau Dr. Kroll in Oppenheim, Fräulein Helene Lohr in Dilgesheim, Frau Wil“ helmine Rasor in Worms, Frau Elise Wolf, geb. Möllinger, in Pfeddersheim. 5
— Der Cassationsbof verhandelte am 1. d. über die bekannte Blum'sche Angelegenheit. Dr. Hans Blum war, wie berichtet, als Redacteur der in Leipzig erscheinenden„Grenzboten“ wegen Beleidigung der Herren v. Dalwigk und geh. Staatsrath Frank in erster Instanz zu 200 Thlr. Geldbuße verurtheilt, von dem hiesigen Hofgericht aber wegen mangelnder Competenz der hessischen Gerichte freigesprochen worden. Die Oberstaatsanwaltschaft erhob hierauf das Rechtsmittel der Nichtigkeitsbeschwerde, dem der böchste Gerichtshof auch beipflichtete und das freisprechende Erkenntniß nach längerer Berathung aufhob, die materielle Entscheidung aber unter Feststellung als zu Recht bestehender Wahrheit, daß die Competenz der angerufenen hessischen Ge— richte begründet sei, an das Hofgericht zurückwies.
— Den Ständen sind Vorlagen des Ministeriums in Betreff der Verschmelzung der Gemeinde-Umlagen zweiter und dritter Classe, sowie Betheiligung der Ausmärker bei Aufstellung der Gemeindevoran- schläge gemacht worden.
— Das Programm der Generalversammlung des Vereins für Volksbildung ist Fol⸗ gendes: Am 6. Nachmittags Sitzung des Central Comites, Abends 7 Uhr Vorversammlung und Begrüßung der Gäste im„Darmstädter Hof“. Am 7. Vormittags 9 Uhr Beginn der General— Versammlung in der Freimaurerloge, Nachmittags 5 Uhr Festessen in der„Traube“. Am 8. Fort⸗ setzung der Verhandlungen, gemeinschaftlicher Spa— ziergang.— Für den 9. ist ein gemeinschaftlicher Ausflug in die Bergstraße projectirt.
* Bad⸗ Nauheim. Garteninspector H. Sies mayer in Beckenbeim wurde bei Gelegenheit der Eröffnung der Rosen⸗-Ausstellung dahier von S. K. Hoheit dem Großberzog, welcher der Eröffnung in Person beiwohnte, in Berücksichtigung seiner langjährigen und verdienstvollen Administration der Kur- Anlagen daselbst zum großherzoglich⸗ hessischen Hofgarten- Ingenieur ernannt.
Gießen. Am Montag fand dahier die von etwa 500 bis 600 Mitgliedern besuchte General- versammlung des hessischen Landeslehrergereins statt. Dei Verein zählt 1458 Mitglieder und hatte im letzten Jahre 250 fl. Reinertrag.
Berlin. Mit den von hiesigen Blättern in den letzten Tagen gebrachten Angaben über den abge— schlossenen und beiderseits unterzeichneten deutsch⸗ französischen Vertrag bezüglich Zahlung der drei Milliarden und Räumung des französischen Gebiets stimmen die in der„Indep. belge“ enthaltenen detaillirten Mittbeilungen im Wesentlichen überein. Nach denselben besteht der Vertrag aus neun Ar— tikeln. Der erste bestimmt, daß eine halbe Mil liarde innerhalb 2 Monaten nach stattgehabter Ratificirung bezahlt sein muß. Die zweite halbe Milliarde ist bis zum 1. Februar 1873, die nächste Milliarde ist bis zum 1. März 1874 und endlich die letzte Milliarde bis zum 1. März 1875 zu entrichten. Frankreich hat also eine Verlängerung des Endtermines für Zahlung seiner Kriegscontri bution von einem Jahre zugestanden erhalten. Es ist der französischen Regierung ferner gestattet, die oben angegebenen Termine zu anticipiren, also vor Ablauf derselben Zahlung zu leisten; ebenso kann die Regierung Theilzahlungen von im Minimum 100 Millionen machen. Weitere Artikel des Ver⸗ tragsentwurfs beziehen sich auf die Spezialitäten der Zahlung sowie auf die Art und Weise, in welcher die Evacuirung stattfinden soll. Dit Departements Marne und Haute Marne werden
vierzehn Tage nach Zahlung der ersten halben Milliarde, Ardennen und Vogesen vierzehn Tage nach Zahlung der zweiten Milliarde geräumt werden; die Evacuirung der letzten zwei Departements (Meurthe und Meuse), sowie der Feste Belfort findet eist statt, nachdem die letzte Milliarde nebst
sämmtlichen Zinsen entrichtet sein wird. Nach
Zahlung von 2 Milliarden ist es Frankreich an⸗ heimgestellt, finanzielle Garantien zu gewähren, welche es der deutschen Regierung frei steht als Ersatz für die territoriale Garantie zu acceptiren. Die Verzinsung mit 5 pCt. hört im Verhältniß zu den geleisteten Zahlungen auf. Der Artikel 6 des Vertrages gab Anlaß zu längeren Verhand- lungen. Derselbe bezieht sich auf den Unterhalt und die Stärke der Occupationsarmee. Nach diesem Artikel behält Deutschland das Recht sämmtliche 50,000 Mann, welche jetzt in Frankreich stehen, bis zur Zahlung der letzten Milliarde dort zu be ⸗ lassen Wie indeß der hier citirte Coxxespondent der„Indep. belge“ wissen will, habe der deutsche Botschafter erklärt, daß seine Regierung sehr wahr— scheinlich die Occupationsarmee nach und nach verringern werde. Die im Verhältniß zu den ge— leisteten Zahlungen geräumten Departements bleiben solange neutral bis das gesammte französische Ge⸗ biet von den deutschen Truppen verlassen sein wird; Frankreich wird in denselben weder Befestigungs⸗ arbeiten vornehmen, noch andere Truppen, als die zur Erhaltung der Ordnung unbedingt nöthigen Garnisonen halten können. Sollte Frankreich seinen Verpflichtungen nicht pünktlich nachkommen, so hat die deutsche Regierung das Recht, die geräumten Departements auf's neue zu besetzen.
— Vor einigen Tagen ist, wie der„Spen. Zeitung“ mitgetheilt wird, die Ordre zur Aug mentation der Artillerie unterzeichnet worden, und zwar derart, daß künftig jedes Armeecorps zwei Artillerie⸗Regimenter haben wird. Dadurch dürfte eine Gleichstellung unserer Artilleriestärke mit der französischen erzielt werden.
— Es wird bestätigt, daß der Generalpost⸗ director Stephan bei seiner jüngsten Anwesenheit in Moekau für das Zustandekommen eines euro päischen Postcongresss unter Einführung eines Welt⸗Portos thätig gewesen ist. Seine Be- mühungen sollen Aussicht auf Erfolg haben. Man versichert, daß die Schwierigkeiten, welche wegen des noch bestehenden internen russischen Portos erhoben wurden, nicht beträchtlich genug seien, um das großartige Project zu schädigen.
— Wie der„Ostpr. Zeitung“ von mehreren durchreisenden Russen leider unzweifelhaft mitge— theilt wird, ist in den benachbarten russischen Grenzdistricten bereits wieder die Cholera aus- gebrochen.
— Ueber die Sitzung des Bundesrathes vom 28. Juni meldet die„Magd. Zeitung“, daß der Antrag des Justiz-Ausschusses wegen Ausführung des Jtsuitengesetzes mit dem Zusatz angenommen wurde,„daß die bestehenden Ordensniederlassungen binnen sechs Monaten aufgehoben werden müssen.“
Dortmund. Die„Westphälische Zeitung“ meldet: Der Strike der Bergleute im Dortmunder Kreise ist als beendigt anzusehen. In einer Ver— sammlung der Bergarbeiter ist fast einstimmig be⸗ schlossen worden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Das An- und Einfahren soll von den Arbeit— gebern bei der Schichtdauer mit eingerechnet werden. Auf der Zeche„Westphalia“ sind von 320, auf „Tremonia“ von 290 je 280 Mann zur Morgen- schicht angefahren. Die Ruhe wurde nirgends gestört.
Bad⸗ Homburg. Das Bureau des deutschen Reichstages hat auf die mit über tausend Unter⸗ schriften bedeckte Petition von hier in Betreff der Spielbank folgende Antwort ertheilt:„Berlin, 19. Juni 1872. Der deutsche Reichstag hat in der Plenarsitzung vom heutigen Tage, auf Grund des von der Petitions-Commission abgegebenen Votums, den Beschluß gefaßt, über die von Ew. Wohlgeboren und Genossen d. d. Hom⸗ burg v. d. Höhe, 17. Mai, eingereichte Petition, „die Aufhebung der öffentlichen Spielbanken und Gewährung einer Entschädigung für die in Folge des deutsch⸗französischen Krieges erlittenen Verluste betreffend“, in eine weitere Erörterung nicht ein-
zutreten, weil, darin kein genügender Grund zu
einer Abänderung der betreffenden Reichsgesetz. gebung enthalten ist. Dies wird Ew. Wohlge⸗ boren zur Kenntnißnahme unter Rücksendung der bezeichneten Petition und Bezugnahme auf die Bestimmung des§. 26 der diesseitigen Geschäfts, ordnung milgetheilt, wonach nur diejenigen Petitionen zur weiteren Erörterung im Reichstage gelangen, bei welchen auf solche Erörterung entweder von
der Commission oder von 15 Mitgliedern des Reichstags angetragen wird. Die übrigen Herren Mitunterzeichnete wollen Sie hiervon gesälligst in
Kenntniß setzen. Happe, Geh. Kanzleirath, Bureau⸗ Director des Deutschen Reichs.“
Metz. Im hiesigen Stadthause fand eine Vorversammlung von Delegirten aus 15 Com- munen des Landkreises Metz statt, um die Maß regeln zu berathen, Derjenigen zu nehmen sind, die durch die Blokade von Metz ihre Ernten verloren haben.
Ausland. Schweiz. Bern. Der Nationalrathepräf⸗ dent Brunner ist in Folge eines Fehltritts auf der Treppe seiner Wohnung aus dem dritten
Stockwerk herabgestürzt und liegt in einem be⸗
wußtlosen, sehr beunruhigenden Zustande darnieder.
— In schweizerischen Blättern liest man fol⸗ gende seltsame Mittheilung aus Brigels. Vom Canton Glarus aus geleitete ein Führer einen fremden stattlichen Herrn, welcher deutsch sprach und Professor in Leipzig sein soll, über den Kistenpaß nach Brigels im bündnerischen Ober— lande. Auf der Höhe des Berges sagte der Fremde mehr als dreißigmal:„Ich will sterben.“ Der Führer hörte plötzlich einen Schuß, und als er sich umwendete, sah er den Fremden als Leiche im Schnee liegen. Er hatte sich mit einer Pistole erschossen. Die Leiche wurde nach Brigels ge— bracht. Man fand bei der Leiche über 50 Zwanzig⸗ Franesstücke, verschiedene Fernrohre und Brillen. Neueren Nachrichten zufolge nannte sich der Fremde im Bade Stachelberg Lindgren, Privatdocent der Rechte an der Universität Leipzig.
Frankreich. Paris. Das„Journal Offi⸗ ciel“ promulgirt das Gesetz, betreffend die Steuer auf das Einkommen der beweglichen Werthe.
Versailles. Man erwartete, daß der Mi⸗ nister des Aeußern, Graf Remusat, in der Sitzung der Nationalversammlung vom 1. d. den Vertrag mit Deutschland bekannt geben werde. Die Details des Vertrages sind von der„Indep. belge“ im Allgemeinen richtig angegeben. Der Finanzminister, Hr. v. Goulard., wird die Anleihevorlage einbringen.
— 1. Juli. Nationalversammlung. Der Mi⸗ nister des Auswärtigen, Remusat, theilt den Ver⸗ trag mit Deutschland mit und sagt: Die Räumung unseres Gebiets hängt nur noch von dem Erfolg der bevorstehenden Anleihe ab, welcher bei der Lebenskraft unseres Credits und der Rückkehr unseres Wohlstandes, zusammenfallend mit dem Frieden Europas und dem Vertrauen, von welchem Europa der Regierung der Republik zahlreiche Beweise gab, nicht zweifelhaft ist. Der Minister verlangt, die Versammlung möge die Vorlage für dringlich eiklären. Dieselbe beschließzt die Dringlichkeit und verweist die Vorlage an die Bureaux, welche darüber berathen werden.
Spanien. Madrid. Das Dekret, be⸗ treffend die Auflösung der Cortes, ist veröffentlicht worden. Der Termin der Neuwahlen ist auf den 24. August, der Zusammentritt der aus diesen hervorgegangenen Cortes auf den 15. September festgesetzt.
Bad⸗Homburg. Am 26. Juni Abends hat sich ein junger Mann aus Bruchenbrücken dicht vor der Stadt auf die Schienen gelegt und sich überfahren lassen. Der Unglückliche, der zur unzweifelhaften Bekundung seinet selbstmörderischen Absicht eine Anzahl kleiner Steine in Form eines Kreuzes neben sich aufs Banquet gelegt, lebte noch und hatte sogar, trotz furchtbarer Verstümmelung, Bewußtsein und Sprache nicht verloren. Am 27. Jun verstarb er im Krankenhause. Nach dem„Taunusboten“ stand er hier in Diensten und soll in Untersuchung ge⸗ kommen sein, was denn den Versuch des Selbstmords veranlaßt haben möge.
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