Rechnet man von dieser Summe 284,600 Thaler Mehrausgaben ab, so verbleibt noch ein Mehrbetrag von ca. 5,200,000 Thaler, und hierzu kreten 567,400 Thaler Ertrag der Abstempelung der ausländischen Inhaberpapiere, müssen aber 451,300 Thaler für das Reichstags ⸗ gebäude und 10,000 Thaler fär das Hermanns denkmal abgerechnet werden, so daß der Ueberschuß in Wirklichkeit sich auf ca. 5,214,100 Thaler stellt. Die Ausgaben für den Krieg mit Frank- reich stellen sich, so weit sie 1871 zur definitiven Verausgabung gelangt sind, auf 231,091,334 Thlr. Die Etatsüberschreitungen haben im Jahre 1871 den Betrag von 1,146,321 Thaler erreicht.
Fulda. Von dem Reichskanzler ist ein Ant⸗ wortschreiben auf die ihm von mehreren liberalen Bürgern biesiger Stadt übersandte Zustimmungs⸗ adresse dahier eingetroffen, in welchem betont wird, „daß Fulda, die Hüterin des Grabes des Apostels der Deuischen, vor allen Städten dazu berufen sei, Zeugniß dafür abzulegen, daß Deutschland die Testamentsvollstrecker jenes großen Blutzeugen, des h. Bonfacius, nicht außerhalb seiner Grenzen suchen dürfe.“ Der Fürst dankt für das ihm ge⸗ schenkte Vertrauen, welches er stets zu rechtfertigen bestrebt sein werde.
Straßburg, 1. Mai. Unter außerordentlich großer Betbeiligung wurde heute die Eröffnungs⸗ feier der Universität vorgenommen. Ee waren 26 Universitäten vertreten. Nach einer Ouvertüre „Zur Weihe des Hausts“ hielt der Oberpräsident v. Möller folgende Ansprache:„Der Kaiser solgte den Traditionen seines Hauses und den Wünschen seines deutschen Volkes, als er bald nach den großen Ereignissen der Jahre 1870— 71 zur Wiedererneuerung der hiesigen Universität schritt als einer schönen Morgengabe, einer Pflanzstätte nationaler Eigenheiten, die, wie sie vordem das geistige Leben im Elsaß genährt und die Ge⸗ meinschaft mit Deutschland fortgesetzt hat, so jetzt wieder das Geistesleben des elsässischen Volkes neu befruchten soll.“ Hierauf verlas er die Stiftungs⸗ Urkunde und folgendes Telegramm vom Kron prinzen: Möge die neue Universität das Werk des Friedens in Frieden vollenden! Rector Bruch dankte in warmen Worten dem Kaiser, dem Reichs- kanzler, dem Oberpräsidenten Hrn. 9. Roggenbach, dem Maire und der Stadt und verlas dann eint Begrüßungsadresse des Präsidiums des deulschen Reichstags. Nach Absingung des Chors:„Die Himmel erzählen“ zc. hielt Professor Springer die Festrede. Derselbe sprach über die Bedeutung deutscher Wissenschaft. Waitz(Göttingen) brachte Grüße Namens deutscher Universitäten. Tomaschek (Wien) grüßte im Namen österreichischer, Wyß im Namen schweizerischer Universttäten. Nachdem Bruch hierfür gedanet, schloß die Feierlichkeit mit der Jubel⸗Ouvertüre von Weker.
— Beim Festdiner toastirte der Gouverntur der Festung, Härtmann, auf den Kaiser, der Oberpräsident v. Möller auf die Universität, Präsi⸗ dent Braun(Bayern) auf Fürst Bismarck, Rector Bruch auf Roggenbach, dieser auf das Reichsland. Graf Türkheim Beaumartin antwortete in sehr deulschgesinnter Rede, Professor Renaud brachte den letz ten offiziellen Toast auf Straßburg aus. Den offiziellen folgten mehrere nicht offizielle Toaste. An den Kaiser und Fürst Bismarck wurden Tele⸗ gramme gerichtet. Das Fest verlief in sehr würdiger Weise. Seitens des elsässischen Publikums fand eine achtungs volle Betheiligung statt. Die Be⸗ leuchtung des Münsters war eine sehr gelungene.
— Oberpräsident v. Möller hat ein Stipen⸗ dium von 10,000 Fre. für elsässische Studirende gestistet. ö
— In rer Taverne Alsacienne fand am Abend det 1. Mai eine große Schlägerei statt. Ein⸗ tretende Studenten wurden von Straßburgern aus gepfiffen und mißhandelt. Ulanen ergriffen für die Studenten Partei und bieben ein. Ein Sttaßburger wurde starl verwundet und halbtodt weggetragen.
Postverwaltung.
Ausland.
Frankreich. Paris. Das„Journal offi⸗ ciel“ meldet die Ernennungen Bourgoing's zum
Gesandten beim Papste und Hareourt's zum Ge⸗ sandten in London.— Graf v. Arnim hatte eine lange Unterredung mit Thiers, in welcher er die befriedigendsten Versicherungen über die guten Ge⸗ sinnungen Deutschlands gegen Frankreich gab.
— Ueber das Abbrennen der Baracken der dtutschen Truppen bei Raon l' Etape erfährt man folgende Einzelheiten: Am 18. April gegen 10 Uhr Abends wurde die Sturmglocke geläutet. Eine der Baracken brannte. Plötzlich hörte man Ge— schrei. Eine Trompete ertönte, man eilte herbei. Hundert Meter von der ersten Baracke entfernt begann eine zweite zu brennen; man machte neue Anstrengungen, aber vergeblich. Von diesem Augen- blicke an fehlte es übrigens an Wasser. Die Röhren, welche die Baracken mit Wasser versehen, waren abgeschnitten worden. Muthlosigkeit be⸗ mächtigte sich Aller, und man begnügte sich, die Stadt gegen das Feuer zu schützen. Eine Stunde später waren alle Baracken, welche dem Staate 150,000 Fres. gekostet haben, ein Aschenhausen. Die deutsche Behörde ließ am 26. April eine Bekanntmachung anschlagen, in welcher sie eine Belohnung von 300 Francs auf Entdeckung des Brandstifters ausgesetzt. Da ferner die Wahr- scheinlichkeit vorliegt, daß die Röhren, welche die Baracken mit Wasser versehen, böswillig durch; schnitten waren, so ist eine weitere Belohnung von 200 Frances auf Entdeckung des in dieser Hin⸗ sicht Schuldigen ausgeschrieben.
Versailles, 30. April. Nationalversamm⸗ lung. Scheurer-⸗Kestner fragte bezäglich der Option der Minderjährigen Elsaß Lothringens und der daselbst domicilirten Franzosen, ob es nicht mög⸗ lich sein würde, mit Deutschland neue Unterhand⸗ lungen anzuknüpfen, um diese Punkte aufzuklären. Oer Minister des Auswärtigen, Graf Remusat, erwiderte, daß die Frage mit Reserve behandelt werden müsse. Die Regierung, deren Gesinnung und Meinung in der Angelegenheit bekannt seien, werde alle Anstrengungen machen, um die den Rechten der Betheiligten günstige Auslegung zur Geltung zu bringen.
Großbritannien. London. Im Unter- hause theilte Gladstone mit, General Schenck habe dem Lord Granville die Anzeige gemacht, daß die Antwort des Staatssecretärs Fish eingetroffen sei. Ueber den Inhalt derselben erfährt das„Echo“: Die Antwort erörtere die indirecten Ansprüche in sehr ausführlicher, freundschaftlicher Weise; be⸗ tonend, daß dieselben in der Prozeßschrift nur deshalb aufgeführt seien, um eine Lösung dieser Frage herbeizuführen. vorangegangenen Depeschen bewiesen, daß Amerika die indirecten Ansprüche keineswegs blos wegen des Schadenersatzes, sondern um überhaupt eine Lösung sämmtlicher Streitfragen zu erzielen, vor⸗ gebracht habe.
— Die„Times“ betrachtet als gewiß, daß England und Amerika über die Principien eines Arrangements einig sind, aber nicht über die Ab ⸗ fassung der Uebereinkunft. Die Principicn seien die letzthin aus Philadelphia gemeldeten.
Amerika. Washington. Wie Nach⸗ richten von hier besagen, hat der Gesandte der Union in Madrid seine Demission erhalten. Der Posten wird nicht eher wieder besetzt, als bis Spanien bezüglich der auf Cuba in Gefangen⸗ schaft gehaltenen Unionsbürter befriedigende Schritte gethan hat.
Gießen. Von dem vor längerer Zeit in einem Coupe der Weservahn aufgefundenen Erschossenen ist bis jetzt keine Spur der Herkunft ꝛc. gefunden worden.
Frankfurt. Am kommenden Sonntag findet im zooplastischen Museum, Bockenheimer Lanostraße, der ersie Sechs kieuzertag statt. Derselbe wird von j tt ab N85 ersten Sonntag eines jeden Monats wiederholt werden. 5
Fran'furt. Während des Gewitters, welches in der Nacht zum Dienstag mehr als zwei Stunden hindurch über Stadt und Umgegend toble, hat der Bliß in Preunges⸗ heim in einem Bäckerhaus eingeschlagen, jedoch ohne zu zünden. Der Strahl schlug ein Loch in das Dach, so wie in die Decke des darunterliegenden Zimmers, fuhr dann über das Bett hin, in welchem ein Ehepaar schlief, erfaßte die Uhr, rollie die Ketten derselben zu einer geschmolzenen Masse zusammen, sprang auf den Ofen über, beschädigte diesen, schlug den Herd in der Küche entzwei und fuhr endlich, ein Gesach mitreißend, wieder zum Haus hinaus.
Die Prozeßschrift und die z
In dem Flecken Niederbrechen(Nassau) sind am
15 April 200 Gebäude, zwei Straßen umfassend, abge⸗ rannt. a Nastatt. Am 29. April wurden hier die ersten Kirschen auf den Markt gebracht und verkauft, was wir der Seltenheit wegen zu bemerken nicht unterlassen wollen. München. Kürzlich machte Fräulein Anna See⸗ thaler aus Augsburg vor der medicinischen Facultät der Universität Erlangen eine zahnärztliche Prüsung, ein Vorkommniß, das in ganz Deutschland noch nicht seines Gleichen gefunden bal. Die Professoren wendeten in
diesem Examen, das sich über Theoretisches und Praktisches 9
verbreitete und mündlich und schrifttich gehalten wurde,
den strengsten Maßstab an, und doch war der Erfolg der
Prüfung für das Fräulein ein böchst erfreulicher; sie bestand dieselbe mit einer glänzenden Note.
In Paris, Orleans und den Wäldern an der Loire werden die Bewohner seit einigen Tagen durch unzählige
schwarze Fliegen von einer Gattung belästigt, wie man
sie dort bisher nur äuß'rst selten, in solchen Mengen aber noch nie gesehen. Die Bevölkerung bringt diese Erscheinun mit den Kämpfen der letzten Jahre in Verbindung, glaub daß die Fliegen aus den Leichen der Gefallenen entstanden und hat ihnen den Namen Todtenfliegen(Mouches de mort) gegeben.
London. Ueber den Erdssoß, welcher die Stadt An rtochien in Kleinasien zerslörte, berichtet man der „Times“: Am 3. April gegen 8 Uhr Morgens, als die Bazare überfüllt waren, legte ein Erdstoß, der 40 Sekunden anhielt und von Osten nach Westen zog, 4 der Haupt⸗ bazare in Trümmer. Eine griechische Kirche fiel in Stücke und begrub 300 Andächtige unter ibren Ruinen. Ein ähnliches Schicksal erlitt eine griechische Schule mit 50 In⸗ sassen. Das sogenannte Paulsthor, eine schöne römische Ruine am östlichen Eingange der Stadt, steht jetzt nicht mehr. Die aus Aleppo abgesandten Truppen haben bereits 1600 Leichen aus den Ruinen gezogen.“ Ueber 500 Zer⸗ schlagene und Verwundete liegen beinahe hülflos unter Zelten oder auf dem blanken Erdboden, denn die Regie⸗ rung hat bis jetzt nur sehr geringes zur Hülfeleistung gethan. Eist 4 Tage rach dem tragischen Ereignisse von Antiochien begaben sich die Truppen des 1. Regiments Infanterie und 2 Schwadronen Cavallerie mit 2 Aerzten (sage zwei Aerzten) nach der Stadt der Scleuciden. Die Ausgrabungen der Leichen dauert noch immer fort, da nicht genug Hände da sind die unglücklichen Verschütteten ans Tageslicht zu sördern. Dieses noihwendige Werk wird dazu noch durch den Fanatismus der Einwohner verzögerl, da jede Religionsgemeinde um die Tod ten ihres eigenen Glaubens kämpft, statt zu erlauben, daß sämmt⸗ liche Todten von den moslemilischen Soldaten beerdigt werden. Der Leichengeruch ist fürchterlich, und Pestilenz wird, wie man fürchtet, bei der ungewöhulich raschen Verwesung todter Körper unter einer syrischen Sonne nicht ausbleiben.
D. Frankfurt a. M., 2. Mat 1872. Während gestern die Frühlingssiimmung der Bötse nicht bis zum Schluß anhielt, sondern, wie gemeldet, wesentlich alterirt wurde, wußte sie sich heute wieder mebr zu befestigen und namentlich für Speculationspapiere bekundete sich deutlich Kauflust, so daß Staatsbahn trotz der neuerlichen be⸗ deutenden Mindereinnahme von 89,000 fl. doch lebhaft zum gestrigen Nachcourse verkehrte und bis 385¾ be⸗ ablt wurde. Auch Creditactien stark im Umsatz und bis 352½ gehandelt, trotz matterer Notirungen aus Berlin, Nationalbank stiller und Lombarden gleichfalls, da die Dividende doch nicht recht befriedigt. Die an der gestrigen Abendbörse eingetretene Reprise für österreich. Renten mußte heute in Folge vermindeter Nachfrage wieder ziem⸗ lich schwinden, doch hielt sich Silberrente auf 64. Von anderen Staatepapieren waren 4½% Wü nemberger wieder sehr gesucht. Auch Russen, ältere wie neue, viel⸗ fach in Umsatz. Für Banken machte sich heute eher Nach⸗ frage geltend als gestern und besserten sich Darmstädter um 11½ fl. und Meiainger gewannen gleichfalls. Brüsselet Bank ibeilweise gesucht, ebenso Rheinische Creditbank. Hiesige Banken sest und ca. 10% besser. Dagegen bietet das Bahngebiet heute der Berichlerstaulung keinen Stoff,
da Niemand Lust zum Verkaufen hat, wenn er nicht durch
besondere Umstände dazu gebrängt wird; nur alte bayr. Osibahn offerirt und bei ca. 148 abgenommen. Für Voralberger und Galizier wurde eine Kleinigkeit mehr bezahlt. In Prioritäten war ruhiger Verkehr und wurden Alfölder Prioritäten heuie vor andern begehrt. Von Loosen nur Kö en⸗Mindener und öster reich. 60r lebhafter und die kleineren Sorten. Madrider angeboten ohne Abnehmer. 6
Verloosungen.
Ziehung der bayerischen aprot. Prämien“, Anleihe. Ne. 121 064 70 000 fl., Nr. 36 443 28,000 fl., Nr. 113-498 10,500 fl., Nr. 12 405 2800 fl., Nr. 110,958 127,555, 57,117 und 110 960 je 1500 fl. 11
Wien, I. Mai. Bi der beuligen Gewinnziebung der 1860er Loose gewannen: Serie 19536 Nr. 19 300.000 fl., Serie 1517 Nr. 3 50,000 fl., Serie 5426 Nr. 20 25 000 fl., Serie 16985 Nr. 13. und Serie 134⁴⁸
Mepskuchen!
105 stets frisch von der Müble bel Wilh. Fertsch.
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1255
daß me
wie bel 1 0
Ausen


