Ausgabe 
3.8.1872
 
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dort Nachtquartier nehmen und Tags darauf über Passau nach Wels und Salzburg reisen, wo die Ankunft um 5 Uhr erfolgt. Der Kaiser will, so schreibt man demN. C., das strengste Incog; nito gehalten wissen und hat, für diesmal eine

persönliche Begegnung mit unserem König in Be⸗

rücksichtigung der in dieselbe Zeit fallenden Feier des Jubiläums der Universität München nicht in Aus sicht genommen.

Der König hat anläßlich des Jubiläums der Universität aus der Cabinetscasse ein Stipendium von 10,000 Gulden für Studirende der Geschichte oder zum Zwecke einer wissenschaftlichen Reise ge stiftet. Dem Rector der Universität, Professor v. Döllinger, ist das Großkomthurkreuz des Kronen- Ordens, dem Prorector Giesebrecht der Titel eines Geheimraths, den Professoren Prandl, Roth, Brinz, Helferich und Hecker der Kronenorden, den Pro- fessoren Schmid, Voit, Müller und Radekofer der Michaelsorden verliehen worden.

Bezüglich der Ende dieser Woche erfolgenden Durchreise des deutschen Kaisers durch Bayern hat der König bestimmt, daß der General v. d. Tann den Kaiser an der Landesgrenze zu empfangen und durch Bayern zu geleiten habe. Für den übrigens nur einstündigen Aufenthalt des Kaisers im Bahnhofe zu Nürnberg ließ der König dem Kaiser ein Diner und für den Aufenthalt in Regensburg, wenn Nachtlager stattfindet, k. Hof equipagen anbieten. Der Kaiser hat indessen nur das angebotene Mahl im Bahnhöfe zu Nürn- berg angenommen, dagegen das Souper und die Hofequipagen für Regensburg, sowie den Empfang an der Landesgrenze und die Begleitung durch General Freiherrn v. d. Tann dankend abgelehnt.

Wie in biesigen militärischen Kreisen ver lautet, wird der Kronprinz des deutschen Reichs im Monat August in Ingolstadt nicht allein die Festung inspiciren, sondern auch eine Truppen Inspection vornehmen und werden hiezu nament lich mehrere Batterien Artillerie und das erste Kürasster⸗Regiment vorher nach Ingolstadt be ordert werden.

31. Juli. Die Feier des 400 jährigen Bestebens der hiesigen Hochschule hat heute mit dem feierlichen Empfange der Abgeordneten be gonnen. Minister Lutz, von den Ministern v. Pfretzschner und v. Pfeufer umgeben, überbrachte im Auftrage des Königs dessen Glückwunsch und verkündete die bereits mitgetheilte Stipendienstiftung und die gleichfalls gemeldeten Ordensverleihungen. Rector v. Döllinger dankte Namens der Universität. Es folgten die Begrüßungsreden. Bürgermeister Erhardt sprach Namens der Residenzstadt, Sybel für die deutschen, Max Müller für die außer- deutschen Universttäten, Ernst Curtius für die gelehrten Gesellschaften, Herrwanger für die Mit- telschulen, Student Krauß für die Studenten- schaften.

Straßburg. Nachdem schon vor einiger Zeit das Jesuitengesetz in Elsaß Lothringen einge führt worden ist, ist nunmehr auch das Reichs strafgesetzbuch wegen des Mißbrauchs der Kanzel zur Gefährdung des öffentlichen Friedens auf das Reichsland ausgedehnt worden.

Metz. Es kehren nicht nur viele Lothringer Soldaten, welche für Deutschland optirt haben, in ihre Heimath zurück, sondern auch viele Nicht- soldaten, d. h. viele von den jungen Leuten, welche, um sich der Militärpflicht zu entziehen, nach Frankreich gegangen waren.

Am Dienstag Nachmittag sind am Fort Queulen die Militär⸗Baracken abgebrannt. Ein Individuum, welches der Brandstiftung verdächtig erschien, wurde sofort eingezogen. Untersuchung ist eingeleitet.

Wie dieZeitg. für Lothr. aus sicherer Quelle erfahren hat, wird Prinz Friedrich Karl als Inspector der III. Armee-Abtheilung bei Ge legenheit der diesjährigen Herbsimanöver der in Elsaß Lothringen garnisonirenden Truppen eine Inspicirung derselben vornehmen. Dem Vernehmen nach dürfte derselbe Ende August und Anfang September in Elsaß-Lothringen verweilen.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Die Initiative zur Begegnung des Kaisers Franz Joseph mit dem Zaren in Berlin schreibt man dem Kaiser Wilhelm allein zu. Letzterer hat auch, derKalrsr. Ztg. zufolge, für sich und den Kronprinzen den be⸗ stimmten Wunsch ausgesprochen, in Salzburg oder Gastein den Grafen Andrassy in der Begleitung seines kaiserlichen Herrn zu finden.

Linz. Am 29. Juli begann vor dem Schwur gericht dahier die öffentliche Verhandlung des Ver leumdungs⸗Processes, welchen der Carmelitermönch Pater Gabriel Gady gegen den Redacteur der Linzer Tagespost angestrengt hat. Letzterer hatte bekanntlich in verschiedenen Artikeln den Pater Gabriel bezichtigt, den Beichtstuhl zur Verführung der Anna Dunzinger mißbraucht zu haben. Pater Gabriel erklärt das als schmähliche Verläumdung. Da Anna Dunzinger wegen Geistesstörung eine Zeit lang im Irrenhaus war, verzögerte sich die Schlußverhandlung des Processes vom April d. J. bis jetzt. Die Zeit wurde von beiden Seiten benützt, um alle nur erdenklichen Zeugen und Zeug nisse zu ihren Gunsten herbeizuschaffen. Nach einem Telegramm derN. Fr. Pr. hatte in der Nacht vom 28. auf 29. Juli ein durch klerikale Wühlereien fanatisirter Haufe von Weibern und Männern ein Attentat auf Anna Dunzinger ver sucht; die Tumultuanten, die sich vor ihrem Hause gesammelt hatten, wurden aber von der Sicher heits wache zerstreut, bevor sie an der Dunzinger sich vergreifen konnten.

Schweiz. Bern. In der Sitzung des Bundesraths machte das politische Departement Mittheilung von der von ihm betreffs der projec⸗ tirten Gründung eines Bisthums in Genf ge troffenen Gegenmaßregeln, welche die Genehmigung des Bundesraths fanden.

Frankreich. Paris. Wie diePatric erfährt, werden bis zur Räumung der Marne und Haute Marne die am 1. d. M. begonnenen Manöver der deutschen Truppen an den zuvor bezeichneten Orten und zwar bis zum 25. Sept. fortdauern. Im October werden dann in dem Departement Meurthe- et- Moselle große Herbst manöver stattfinden.

Die Zeichnungen auf die neue Anleihe er geben, wie endgültig sestgestellt ist, 43 Milliarden Frs.

DasEvdnement bringt folgende Ueber sicht über die französische Schuld: Schuld der Regierung vor dem Kriege 7660 Mill., Anlehen (1870, 1871) 3090 Mill., der Ostbahngesellschaft schuldige Entschädigung 325 Mill., der Bank von Frankreich schuldig 1550 Mill., der Stadt Paris schuldig 200 Mill., schwebende Schuld 705 Mill., Unterhalt der deutschen Truppen, Entschädigung für die besetzten Departements, Unkosten der Emmission der Anleihe u. s. w. 2450 Mill., Summa: 15,980 Millionen. Nach der Anleihe von 3500 Mill. wird die Schuld von Frankreich 19,480 Millionen betragen.

Versailles, 30. Juli. Nattonalversamm⸗ lung. Finanzminister Goulard legt einen Gesetz · entwurf vor, betreffend die Monopolisirung des Handels mit Zündhölzern. Die Versammlung be⸗ schließt Dringlichkeit und sonstige Berathung. Der Finanzminister macht sodann die Mittheilung, daß das Resultat der Subscription auf die neue An⸗ leihe die Summe von 41 ½ Milliarden ergebe, die Resultate einiger Zeichnungsstellen, welche noch nicht bekannt seien, ungerechnet, und fügt hinzu: Das Vertrauen der europäischen Capitalisten ruhe auf der Redlichkeit, der Loyalität und unvergleich- lichen Zahlungsfähigkeit Frankreichs. Die harte Lehre, welch letzteres erhalten habe, sei nicht ein Zeichen seines Falles, sondern habe zur Buße seiner Fehler gedient. Angesichts eines solchen Ereignisses fühle er das Bedürfniß zum Danke gegen Gott, welcher in einer Ernte voll Ueberfluß das kostbarste Gnaden- pfand ertheilt habe. Das Verdienst der Wieder- Erhebung Frankreichs gebühre der conservativen Republik, welcher das In- und Ausland ein Zeichen des unumwundensten Vertrauens gegeben habe. Trotz unserer Irrthümer und Unglücksfälle zweifelt die Welt nicht an uns, nicht an der von der Vorsehung uns vorbehaltenen Bestimmung.

Zweifeln wir nicht an uns selbst! Seien einig, weise, geduldig! 1 Spanien. Madrid. Folgendes sind d letzten Nachrichten desTiempo vom 25. Ju 1 0 über den Aufstand: Der General en chef befan e sich in Vich. Die Bande von Miret sah sich g 1 nöthigt, sich in mehrere Abtheilungen aufzulöstz 0 in Folge einer energischen Verfolgung von Seilg ine e der Truppen. Die Bande des Cabecilla Gu 0 0

drang in Municay ein, und nachdem sie sich den Alkalden und seines Secretärs bemächtigt hall 11 richtete sie ihren Marsch gegen Canoves. Au in he 27. Abends zogen von Casas de Claret Tristauß ft und andere Cabecillas mit 45 Führern aus un 90

wendeten sich nach Matamargui im Distriete vo! 55 Pinos. Die Bedienstleten der Eisenbahn von Sarragossa, die als Geißeln fortgeführt wurden. werden im Dorfe Artes festgehalten. Kür g wurde bei San Pedro de Ercada die 300 Ma

starke Bande des Cabecilla Huguet durch den 10 Obersten Font geschlagen und zur Flucht gezwungen

Portugal. Lissabon. Die Stadt it n Folge von Gerüchten über eine Verschwörung und end strenge Maßregeln der Regierung beunruhigt. e

Italien. Rom. Ueber die bevorstehenden 115 Verhandlungen des von dem General der Jesusten the Pater Beckx, einberufenen Jesuiten-Consistoriumm ue erfährt man, daß man unter Anderem darübm Fon

berathen werde, ob und in welcher Weise din eh Namen und Ordenskleidung der aus Deutschlaug 13 vertriebenen Jesuiten zu ändern seien, und auf i den welche Art und Weise es möglich gemacht werden Ih, könne, diese Jesuiten in andere dort gedulden Ff Orden eintreten zu lassen. ue

Amerika. New⸗Nork Eine Feuersbrunfl in Hunters Point zerstörte 40,000 Faß Petroleum und 10 mit Petroleum geladene Schiffe.

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Gießen. Obwohl das hiesige Publikum vor vagr⸗ bundirenden Betrügern schon oft genug gewarnt worden ist, gelang es vor einigen Tagen dem oft bestraften Hot stappler Wilhelm Ewald von Darmstadt doch, unter Vols zeigung einer falschen Bettelschrift, bei hiesigen wohlhabeis den Leuten für eine angeblich hier krank liegende gun A m nicht existirende Witlwe D... sehr ansehnliche Gaben elt, einzusammeln. Der Betrüger, der das Gefängniß zu 00 U0 Kassel kaum verlassen hatte, wurde hier mit 3 Tagen Me Haft bestraft. Sehen die Einwohner nicht bald ein, daß hte es absolut nöthig ist, die arbeitsfähigen aber arbeitsscheuem goche bettelnden Strolche abzuweisen? Aale u

Frankfurt. Der Taunusclub wird Sonntag den a n 4. August seine Hauptversammlung im Feldberghause abs hen K halten, um seinen Mitgliedern den Jahresbericht milzue det iheilen, die Neuwahl des Vorstandes vorzunehmen und or haf die Einweihung des neuen Feldberghauses, sowie die Els Nat werbung eines passenden Clublokals zu besprechen. 00

Frankfurt. Nächsten Sonntag begehen dieVer⸗ n bündeten Franksurter Männer-Gesang-Vereine in dem Garten desCass Concordia in Bockenheim ein Sommers 00 fest. Das Piogramm besteht aus Gesammt- Chören det verbündeten Männer-Gesang⸗Vereine, Vorträgen der eins zelnen Gesangvereine, Militärmusik und Illumination de 800 ganzen Gartens.*

Darmstadt. Ueber 250 Turnlehrer aus alle Staaten Deutschlands, aus der Schweiz und Oesterrelh. sehin sind hier eingetroffen, um an der Turulehrerversammlungz nat

Theil zu nehmen, welche am 30. und 31. Juli bier abs gehalten wird. Am Dienstag Vormittag erfolgte die. führung verschiedener Klassen der Realschule, des Gym bebe nasiums und der höheren Töchterschule. Die prachtvoll ausgeführten Ordnungs- und Gerätheübungen, welche sich 9 hui der allgemeinsten Anerkennung und lauten Beifalls zn mn erfreuen batten, gaben Zeugniß dafür, daß die Herren Lorey, Marx und Völsing durch unermüdliches Weile n 0 schafsen im Spieß'schen Geiste dem Turnen in Darmssaltt n ne eine wahre Pflanzslätte zu schaffen wußten. Besondere d e Anerkennung haiten sich die gracißsen Ordnungsübungell 0 0 der Mädchen unter der Leitung der Herrn Marx zu ein, freuen. Als das höchst beifällig aufgenommene Turnem beendigt war, zogen die Turnlebrer unter Vorantritt von g Schulkindern und des Turnvereins auf den schönen Fries Pag hof, um dort der Enthüllung der Broncebüste Spieß bels zuwohnen. Die Herren Lorey, der Vorstand der Darm n siädier Turnlebrerschaft, und Dr. Euler, der Vorsitzende der deutschen Turnlehrerschaft, hielten die Festreden. 5 Darmstadt. Auf Veranstaltung des Vereins für. sir literarische und musikalische Abendunterhaltung dahitk e h findet am 4. August, Nachmittags 4 Uhr, in dem herne schaftlich n Orangeriegebäude zu Bessungen als Vorfeser u des 2. September eine Feier zur Erinnerung an den! 0 Sieg bei Weißenburg statt. Die Festrede wird von Prof. Onken, Docent der Geschichte an der Universstlt i Gießen, gehalten werden. Die Instrumentalmusik(Ouver 4h. D ture zu Tannhäuser und Oberon und Kriegsmarsch au! führ, Athalia) wird von der rübmlichst bekannten Capelle de! M

Großherzoglichen Leibgarde-Regiments unter ihrem Capell⸗ ug meister Adam, und die Männerchöre werden von einem! e

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