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von 28 Milliarden. Man glaubt, daß die Zeich; nungen die Höhe von 29 bis 30 Milliarden er- reichen werden.
— Dupont, Mitglied der Commune, ein ehe- maliger Beamter des Crédit foncier, war nach Bewältigung des Aufstandes schon glücklich nach England entkommen, wagte sich aber kurz darauf nach Paris zurück, wurde erkannt, verhaftet und erschien vor dem fünften Kriegsgerichte von Ver- sailles. Er gestand unverhohlen und nicht ohne Würde seine Theilnahme an den Gewaltacten der Commune und am Barrikadenkampfe ein und wurde zum Tode verurtb'ilt.
Versailles. 29. Juli. Die Gesammtsumme ver bisher bekannten Subscriptionen beträgt un— gefähr vier Milliarden, aber beträchtlichere Sub⸗ scriptionen werden heute heute noch erwartet. In England und mehreren deutschen Städten hat gestern keine Subscription stattgefunden. Ein ein⸗ ziges Berliner Bankhaus zeichnete gestern 500 Mil-
lionen. In Bordeaux wurden 200 Millionen gezeichnet.(Siebe Paris.) Italien. Rom. Der Papst ernannte
7 italienische und 11 ausländische Bischöfe.— Die Municipalwahlen in den meisten Städten des Südens und der römischen Provinz sind liberal ausgefallen.
— Dem Vernehmen nach sleht die Veröffent- lichung einer Encpclica bevor, wori« die katho⸗ lischen Armenier im Orient von der Kirche für getrennt erklärt und mit der großen Excommuni⸗ cation belegt werden.
Rußland. Petersburg. Neueren Diepo⸗ sitionen zufolge wird Kaiser Alexander mit größerem Gefolge am 6. September in Berlin eintreffen.
e Friedberg. Die Zeitungen berichten von starken Gewiltern und Wolkenbrüchen, welche am letzten Sonntage, 28. Juli, an vielen Punkten des Continents stattsanden. Ueber Paris entlud sich Tags zuvor ein so gewaltiger Wolkenbruch, daß ein Berichterstatter der Köln. Ztg.“ behauptet, es seien ihm noch niemals solche Wasser güsse dort vorgekommen. Viele Straßen, Keller und tief⸗ liegende Punkie standen mehrere Fuß hoch unter Wasser. In Württemberg fanden am 28. d. heftige Gewitter, theils mit Hagelschlag, statt; so am östlichen Abhang des Schwarzwaldes, in Sulz, Rotiweil, Winnenden, Mezingen, Tetinang(wo nach dem„Württemb. Staatsanzeiger“ der vierte Theil der Hopfenpflanzungen zerstört ward); in Straßburg war eine ähnliche Katastrophe, nach der „Str. Zig.“ von heftigem Sturm begleitet, und mit mehrfachem Einschlagen des Blitzes. Desgleichen liegen Meldungen über schwere Wetterschaden aus Würzburg und dem oberen Mainthale voc. Abends gegen 5 Uhr war in Bebra und Eisenach ein Gewitter.
Offenbach. Das am 28. d. Mittags über unsere Gemarkung gezogene Gewitter war so stark, wie wir solches seit langer Zeit nicht gehabt haben. Wenn wir auch den Alles erquickenden Regen sehnlichst herbeiwünschten, so hätten wir doch den damit verbunden gewesenen Hagel- schlag, welcher in der Größe von Taubeneiern Eisstücke brachte, gerne entbehrt. Zum Glück soll der dadurch im Felb entstandene Schaden nicht sedr bedeutend sein, da⸗ gegen sollen die Vögel viel gelitten haben. Ein Fechen⸗ heimer Mann las unter einem großen Baum allein 30 verschiedene todte Vögel auf. In der Stadt wurden viele Scheiben zertrümmert, auch hie und da Bäume entwurzelt, Gartenzänne umgeweht und dergl. mehr.
Darmstadt. Der sechste Turnlehrertag, welcher gegenwärtig hier abgehalten wird, findet eine zahlreiche Betheiligung. Es sind ungefähr 160 Turnlehrer hier anwesend.
Schlüchtern. Beim Durchfahren des Berlin Frank furter Nachtschnellzuges durch die Station Flieden gerieth derselbe in Folge falscher Weichenstellung in ein Neben⸗ geleise, wo zwei Güterwagen standen. Beide Wagen wurden zertrümmert, die Maschine selbst bedeutend verletzt. Der Umsicht des Locomotivführers, welcher sofort Gegendampf gab und so die im vollen Laufe befindliche Maschine an⸗ halten konnte, ist es allein zu verdanken, daß nicht der ganze Zug verunglückte. Die Passagiere haben ihm denn auch ibre Dankbarkeit alsbald durch ein namhaftes Geld⸗ geschenk bezeigt.
Mainz. Allen Warnungen zum Trotz haben einige junge Burschen in Mombach es abermals versucht, eine auf dem großen Sand gefundene, nicht explodirte Granate aufzubohren, um das darin enthaltene Pulver(12— 18 Loth) zu bekommen. Wie es immer bei solcher Gelegen⸗ heit geschieht, entzündete sich die Ladung hierbei, das Ge⸗ schoß platzte, schlug dem Einen die sämmtlichen Zehen vom einen Fuß, verletzte ihn am andern Bein und ver⸗ wundeie einen Andern am Arm.
Aus Rheinhessen. In der Umgegend von Gunters⸗ blum hat ein am 28. d. stattgehabter Wolkenbruch, mit Hagel verbunden, nicht unbeträchtlichen Schaden ange⸗ richtet. In der Nähe von Guntersblum mußte ein Röbein⸗ damm durchstochen werden, um den großen Wassermassen. welche die Felder überschwemmten, einen raschen Abfluß in den Rhein, dessen Wasserstand eben nicht sehr hoch ist, zu ermöglichen. Leider sind durch das Unwetter auch viele Erntehoffnungen, die in diesem Jahre ganz besonders günstig, vernichtet worden..
Worms. Die in diesem Jahre zum ersten Male zu vergebenden vier Stipendien der Wormser Luther-Denkmal⸗ Stiftung von je 500 fl. wurden in der Sitzung der Ver⸗ waltungs⸗Commission am 25. d. M. unter zehn Bewerbern auf Grund ihrer Eingaben und vorgelegten Prüfungs- zeugnisse zuerkannt: 1) dem Heren Paul Tschackert, Cand. der Theologie aus Freystadt in der preuß. Provinz Schlesien; 2) dem Herrn Wilhelm Herrmann, Cand. der Theologie aus Melkow in der preuß. Provinz Sachsen; 3) dem Herrn Julius Kaftan, Cand. der Theologie aus Loyt in der preuß. Provinz Schleswig⸗Holstein und 4) dem Herrn Georg Vogel, Cand. der Theologie aus Nauheim bei Groß-Gerau im Großherzogthum Hessen.
Bei Eschborn wurden auf dem Felde am Samstag zwei Mädchen(Schwestern) von 19 und 20 Jahren vom Sonnenstich getödtet.
Wiesbaden. Der Kutscherstrike hat durch das Seitens der Polizeidirection mit einem Herrn Salomon aus Berlin getroffene Uebereinkommen sein Ende erreicht. Die meisten der hiesigen Kutscher fahren jetzt in Salo⸗ mon's Namen und zwar gegen eine Abgabe an den Unter⸗ nehmer von 5 Sgr. per Tag und Zweispänner, und 3 Sgr. vom Einspänner.
Wiesbaden. Der Kutscher- Strike hat abermals eine andere Wendung genommen. Diejenigen Kulscher, welche am Samstag für Herrn Salomon gefahren haben, sind von diesem Verbältniß wieder zurückgetreten. Da der neue Concessionär bis jetzt nicht im Stande war, eigene Wagen zu beschaffen, so ist man heute wieder auf dem Standpunkt von vor acht Tagen angelangt. Die Kulscher sollen unterdessen sich bereit erklärt haben nach Maßgabe des neuen Reglements die Fahrten wieber auf⸗ zunehmen.
Eingesandt.
Wie wir hören, wird Herr Hohl von der hiesigen Theatergesellschaft demnächst in unserer Stadt sein fünfzig⸗ jähriges Jubiläum als Schauspieler feiern und bei dieser Gelegenheit dem Publikum durch Aufführung einiger hübschen Lustspiele einen genußreichen Abend zu verschaffen suchen. Herr Hohl, welcher sich sowohl durch seine liebenswürdige Bescheidenheit als auch durch seine tüchtigen
Leistungen viele Freunde in unserer Stadt erworben wünschen wir für diesen Abend ein recht volles Haus un können bei dieser Gelegenheit nicht umhin unser Bebauer darüber auszusprechen, daß die Direction dem Publikum so wenig Gelegenheit gibt, die in ihrer Art treff
Leistungen des Herrn Hohl(komische Alte und Characten rollen) näher kennen zu lernen. l
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Dem Unternehmungsgeiste eines Privatmannes ver dankt das Bad Nauheim in der diesjährigen Saiso
ein Theater, und zwar eine ganz nett eingerichtete Somme, 0 bühne mit etwa Hundert Logensitzen und geräumige! 0 Parterreplätzen. Die Vorstellungen dieser Thealergesellschaß 1 beg
finden zu Friedberg und Bad⸗Nauheim abwechselnd siall Wir haben dadurch schon manchen angenehmen Abend en lebt; möchte daher das Publikum den Fleiß und bi Opfer des Directors mit gutem Besuche lohnen, zum jetz. Alles vollständig eingerichtet und fertig dasteht, wa— zum Anfang noch nicht sein konnte, da man jedenfalls er 90 sehen mußte, wie zahlreich das Publikum vertreten sein würde. Wir wollen später über einzelne Leistungen in 1 00 the 0
nähere Details eingehen, vorläufig haben wir von din vorzüglichsten Kräften zu erwähnen: die Frau Jung un) Herrn Jung, Fräulein Pestalozzy, Herrn Directot Grünwald. Herrn Wachendorff, Herrn Köckert, auch dessen Frau möchten wir gerne erwähnen, wenn dieselbe ruhiger und zurüch halterender zu souffliren sich bemühte, auch alle anden
Miispielenden sind mitunter sehr wacker und aufmerksam 105
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D. Frankfurt a. M., 30. Juli. Die französisch Anleihe 10— 12fach überzeichnet! Was werden da d Franzosen wieder den Mund voll nehmen und rufen. „Seht ihrs, ihr Völker? Wir sind eben doch die grand“ nation! Seht ihr, wie man sich um die Ehre reißt, unser Gläubiger zu sein? Der Credit Frankreichs ist mit Rech groß, so groß jedoch, als es nach dem Subscriptions resultat scheint, ist er denn doch nicht. Bleiben wir ba den Zeichnungen am hiesigen Platz, die über 4 Milliarden betragen, wovon der größte Theil auf das Haus Jacil) n J. H. Stern entfällt, während die Zeichnungen bei Rolsß schild relativ verschwindend klein sein sollen. Nicht en vierte Theil wurde von Solchen gezeichnet, die wirklsth ihr Geld in französischen Renten anlegen wollen; alle Andere wurde von Speculanten subscribirt, die, wenn u einen Betrag von 1000 Francs Rente erhalten wollen mindestens 15000 Frs. zeichneten, und daß nur, um dam die erhaltenen 1000 Frs. mit wenn auch noch so kleinem Profit sofort wieder zu verkaufen. Und so wie hier wu es auch anderwärts. Die 3 Milliarden Anleihe ist fi Herrn Thiers gesichert, das ist allerdings richtig, aber disß sogenannte Ueberzeichnung, dieser„Andrang des Kaffß tals“, ist Fiktion und wir möchten die langen Gesicheg lese sehen, wenn es Alsons I. einfallen würde, den gam e Betrag der Anleihe den Deutschen allein zu überlassen Doch mundus vult decipi, ergo! Subscriptionsresullaß wurden heute in großen Summen zu 2 Frs. 20 Ct. ge handelt. Im Uebrigen war die Börse heute bei gu Laune und bewegte sich wieder einmal mit Behagen im Sonnenschein einer Hausse, welche für Creditactien vin Wien her importirt wurde, so daß sie dieselbe bis zu 300 bezahlte. Staaisbahn und Lombarden freilich muß im Winkel sitzen bleiben und konnten an der Avang ihrer Spieloenossen nicht Theil nehmen. Ueberhauß wollen östreich. Bahnwerthe in letzter Zeit nicht mehr rech ziehen. Die guten Ernten in Deulschland und Frankreitz haben den Exportaussichten den Boden genommen uf östreich. Babnactien führen nun an der Vörse ein still be schauliches Leben, Deulsche Bahnen dagegen finden wieben mehr Gnabe beim Publikum und waren auch heute wieben im Umsatz. Recht belebt war heute der Verkehr in Bank actien und waren namentlich Darmstädter Provinzial Disconto und Deuische Vereinsbank gesucht. Oesterreicß Deuische Effectenbank beliebt. In Prioritäten ging einige Mehreres zu guten Kursen um und von Staatspapierun behaupteten östreich. Renten ihre gestern errungene Preis aufbesserung. Von Sorten Napoleons höher. Gold füt Ultimo 5½— 60%. 4
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e ae b.
Bekanntmachung. 2027 Philipp Pfeifer V. Eheleute von Wohnbach wollen ihr Vermögen an ihre Kinder abtreten. Es ergeht an Diejenigen, welche Forderungen an dieselben zu bilden glauben, die Aufforderung, solche den 15. Augufl d. J., Vormittags 9 Uhr, an unterzeichneter Gerichtsstelle an⸗ zumelden und zu begründen, als sonst die Vertheilung des Vermögens bestätigt werden würde.
Hungen den 17. Juli 1872. Großherzogliches Landgericht Hungen. Cellarius. Pilger. ̃
Oeffentliche Aufforderung.
Betreffend: Den Nachlaß des Gottfried Mörler von Ockstadt. 2090 Forderungen und Ansprüche aller Art an den rubricirten Nachlaß find binnen 14 Tagen bei Meldung der Nichtt erücksichtigung dahter anzumelden. Zriedberg den 24. Juli 1872. Großherzogliches Landgericht Friedberg. In Beurl. Großh. Landrichters: Zimmermann, Landgerichts ⸗Assessor.
Hoseuträger
Bekanntmachung.
2029 Johann Jacob Geibel II. und Konrad Haub III., als Bevollmächtigte des Konrad Müller II. unt seiner großjährigen Kinder, Ludwig, Chrtstian, Phtlipp. Anna Elisabetha und Anna Margaretha Müller, sowte Jacob Nicolat als Vormund der minderfährigen Juliane Müller, sämmtlich von Nieder⸗Weisel, beab⸗ sichtigen die im Grundbuch der Gemarkung Nleder⸗ Weisel den Konrad Müller II. Eheleuten zuge⸗ schriebenen viegenschaften:
Fl. I. Nr. 511. 1598 Fl. II. Nr. 1308. Fl. V. Fl. VII. Nr. 26. 558. Fl. IX. Nr. 803.
Fl. X. Nr. 937. 1398. Fl. XI. Nr. 43. 237.
617. Fl. XII. Nr. 303. Fl. XV. Nr. 704. 705. zu verkaufen, vermögen aber das Eigenthum urkundlich nicht nachzuweisen. Es werden deßhalb Alle, welche Eigenthums- oder sonstige Ansprüche an diese Immobilien bilden zu können glauben, aufgefordert, solche binnen
vier Wochen
bet dem unterzeichneten Gericht geltend zu machen, als sonst die Kaufbriefe bestätigt und Eintrag in das Mutatlons-Verzeichniß verfügt werden wird.
Butzbach den 21. Juli 1872.
Großherzogliches Landgericht Butzbach. Nee F
(3 billigst bei K. Friedrich neben der Poft.
Landgerichts ⸗Asseossor.
Oeffentliche Aufforderung.
In Sachen der Dorothea Göring geb. Rühling von Lich, Klägerin
gegen
Christian Göring, ihren Ebemau
von Friedberg, dermalen unbekannt wo!
abwesend, Beklagten, Ehescheidung ben.
2089 Zur Erklärung auf die in der Rubrik gäher ba
zeichnete, auf böswilliges Verlassen gestützte Klage, wi!
Beklagter auf 9
Donnerstag den 17. Oktober l. J., ö
Vormittags 9 Uhr, 12
unter dem Rechtsnachtheil der Annahme des Zuge flän
nisses des Klaginhalts und Ausschlusses mit Einrede geladen. Einsicht der Klage ist dem Beklagten gestatiill 10
Weiter in dieser Sache zu erlassende Verfügungen 10
werden im Gerichtslokal angeschlagen. Tn,
Friedberg den 23. Juli 1872.
Großberzogliches Landgericht Frledberg. Retz, mmermann, 1 Landrichter. Landgerichts- Assessor. anz g
Erbsen,
180 2042 bester Qualität, bei M. D. Loeb.


