Joseph Lolive ist in der That geständig und gibt auf Zureden des Präsidenten noch vier Personen, die an der Execution Theil genommen häkten und bisher den Verfolgungen der Justiz enigangen wären, mit Namen an. Der Regierungscommissär bat die Vertreter der Presse, diese Namen nicht zu veröffentlichen. Lolive ward zum Tode ver⸗ urtheilt.— Nach dem„Soir“ hatte die„Dana“, welche am 3. Mai nach Neu ⸗Caladonien abge⸗ gangen ist, 250 zur Deportation Verurtheilte an Bord, worunter die Communemitglieder Assi und Régere. Die Einschiffung ging mit der größten Ruhe von Statten, die nur hie und da durch den aus den Reihen der Gefangenen erschallenden Ruf:„Es lebe die Commune!“ unterbrochen wurde.
Versailles, 29. Mai. Nationalversamm- lung. Fortsetzung der Berathung des Militär- dienstpflichtgesetzes. Unter den heute gehörten Rednern befindet sich auch Bischof Dupanloup. Derselbe will nicht gegen den obligatorischen Militärdienst sprechen, er bedauert aber, daß es dazu komme, indem er sagt, ein Soldatenvolk müsse endlich dem Verhängniß verfallen, ein bar⸗ barisches Volk zu werden. Um eine Armee ber⸗ zustellen, müsse man nicht Frankreich vernichten. Dupanloup kritisirt zwei Artikel des Gesetzes, welche darauf hinzielten, die classischen, religiösen und wissenschaftlichen Studien zu untergraben. Seine Rede wurde von der Rechten sehr applau⸗ dirt. Die Generaldiscussion ist damit geschlossen.
Großbritannien. London.„Reuter's Bureau“ meldet aus Newyork vom 28. Mai: 4 Dampfer und 40 Segelschiffe, welche sich zum Robbensischfang an der Küste von Labrador be⸗ fanden, sind mit ihrer vollständigen Bemannung durchschnittlich 90 Mann per Schiff, untergegangen.
— Newyorker Telegrammen der„Times“ und des„Daily Telegraph“ zufolge hätte Amerika den von England als wünschenswerth bezeichneten Abänderungen des Zusatz- Artikels zum Vertrage von Washbington nicht beistimmen zu können er⸗ klärt und habe die amerikanische Fassung als die allein convenirende bezeichnet.
Spanien. St. Sebastian. Nachdem dem Marschall Serrano in Bilboa von den Carlisten Anerbietungen, sich zu ergeben, zugegangen waren, erklärte er sich geneigt, ihnen den Indulto(Ver⸗ zeihung) zu bewilligen, wenn sie an verabredeten Orten ihre Waffen niederlegten. Diese Förmlich⸗ keit wurde richtig erfüllt? alle Insurgenten von Bis capa sind nunmehr entwaffnet.
Madrid. Mehrere Journale melden, daß verschiedene Deputirte der republikanischen Partei beauftragt seien, den Antrag auf Versetzung des Ministeriums Sagasta in den Anklagestand zu stellen und zu unterstützen.
Frankfurt. Ein Fall von Menschenraub ist aus dem benachbarten Offenbach zu vermelden. Zigeuner leckten das 10jährige Töchterchen eines daselbst domicilirten Oeco⸗ nomen an sich und hatten sich bereits mit dem Kinde bis nach Biber begeben, als es demselben gelang, sich heimlich zu entfernen. Es war dem Mäcdchen für den Fall eines Fluchtwersuchs mit sofortigem Tode gedroht worden. Wie die„Fr. 3.“ vernimmt, befinden sich die Urheber eines so verabscheuungswürdigen Frevels hinter sicherem Schloß und Riegel.§. 285 des Strafgesetzbuchs bebroht dergleichen Vergehen mit Zuchthausstrafe,
Karlsruhe. Der Rhein war am 28. d. Nachts so stark gestiegen, daß der Damm oberhalb Maxau und damit bieses selbst, sowie die Eisenbahnbrücke ernstlich be⸗
droht erschienen. Von Rastatt wurde eine Compagnie Pioniere an Ort und Stelle geschickt, und auch von hier wurde Mittags Militär dahin gesendet. Man glaubt, den Damm halten zu können, da seit dem 28. Morgens 10 Uhr kein weiteres Steigen des Wassers beobachtet wurde und nach einer heute Morgen aus Basel einge⸗ kroffenen Depesche dort der Rhein um mehrere Fuß ge⸗ sunken ist. Die Eisenbahnbrücke in Maxau wird nicht mehr befahren, sondern die Reisenden steigen aus und gehen zu Fuß über dieselbe. Oberhalb Maxau bei Daxlanden ist ber Rheindamm durchbrochen.
Köln. Am 12. Mai trafen in Köln die 22 erober⸗ ten französischen Kanonen im Gewichte von 500 Centnern ein, welche Kaiser Wilhelm zu einer neuen Glocke für den Kölner Dom geschenkt hat. Die Glocke wird enorme Dimensionen haben, nämlich am sogenannten Schlagringe — dem unteren Rande— einen Durchmesser von etwa 13 Fuß und dem verhältnißmäßig entsprechend eine Höhe von 17 Fuß leinschließlich der Krone). In diesen Ab⸗ messungen wird sie von allen Glocken Europas, die ge⸗ läutet werden, die größte und schwerste sein, denn die berühmte Glocke in Moskau und jene in Peking sind zwar größer, werden aber nicht geläutet, sondern es wird mit einem Klöpsel darauf geschlagen. Der Guß der künftigen „Kaiserglocke“, welche unverweilt erfolgen soll, und wofür bereits eine Cocurrenz ausgeschrieben ist, muß, weil sowohl wegen der Dimensionen als wegen eines Gewichtes von 50,000 Pfund ein Transport von außerbalb her überaus schwierig, wenn nicht ganz unthunlich sein würde, inner⸗ halb der Stadt Köln vorgenommen werden. Von den zwei bisherigen Hauptglocken des Kölner Domes, beide gegossen um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts, und sonach die ältesten von allen ibren berühmten Schwestern in Europa, wiegt die kleinere 12.000 Pfund, die größere 22,400 Pfund. Das Gewicht der Kaiserglocke(50,000 Pfund) wird demnach die große Domglocke um mehr als das Doppelte übertreffen. Die große Glocke in Wien wird zu 35,954 Pfund, jene in Olmütz zu 36,000, die Haupiglocke in der Peterskirche zu Rom zu 38,000, die von Notredame in Paris zu 34,000, die Glocke des West⸗ minister Palastes zu 32 340 und die oft genannte große Glocke in Erfurt zu 27,936 Pfund angegeben. Der Metallwerth der für den Kölner Dom geschenkten Kanonen wird auf 25,000 Thaler angeschlagen.
Ueber eine in Neuburg a. D. vorgefallene Gym⸗ nasiasten⸗Revolte wird von dort berichtet: Es war am Pfingsimontag Abends; die oberen Classen des Gymnasiume kehrten von einem Ausfluge in ihr Seminar zurück. Die erhitzten Kopfe fanden beim Abendessen in der angeblich schlecht zubereiteten Speise und in einigen insullirenden Aeußerungen der Haushälterin Grund zur Opposition. Die Speisen nabmen den Weg durchs Fenster. Das Einschreiten des Seminardirectors, der zugleich Rector der Anstalt ist, wurde nicht beachtet, und als derselbe sein Recht geltend machen wollte und die Lärmenden in eiwas derben Worten zur Ruhe wies, kam es zu Thätlichkeiten. Die Schüler des Gymnasiums drangen in die Küche, zertrümmerten die Kochgeschirre und verletzten einige Küchenbedienstete. Der Director versammelte die männliche Bedienung um sich, und erst dieser gelang es, die erregten Köpfe zur Ruhe zu bringen. Mehrere Gymnasiasten sind verletzt, darunter einer bedenklich. Der Director und ein Seminar⸗ präfect erbielten einen Wurf an den Kopf. Der an diesen Tagen zusammenberufene Lehrerrath hat bereits sieben entlassen. Die Conferenzen dauern noch fort; weitere Demissionen stehen in Aussicht. Die Schulen bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Man sieht der Ankunft eines Regierungs⸗Commissärs enigegen.
Berlin. Prinz Humbert wird nach italientscher Sitte der Krogprinzessin von Deutschland am Tauftage ihres Kindes ein Geschenk überreichen. Das Geschenk besteht in einem vollständigen Schmuck aus Gold, Perlen und Rubinen, der in einer Kiste röwsischen Styls eingeschlossen ist. Diese selbst ist aus vergoldeter Bronce und feinster Mosaik in Imitation jener der besten Zeiten, wie z. B. der capitolinischen Masken, zusammengesetzt; das Ganze wurde nach einer der elegantesten Zeichnungen des Herzogs von Sermoneta ausgeführt.
Wien. Die Belheiligung Deutschlands an der Welt ausstellung nimmt, wie die bisherigen Anmeldungen beweisen, solche Dimenfionen an, daß selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen werden. Obgleich dem deutschen Reiche ein doppelt so großer Raum reservirt worden, als dasselbe in Paris inne hatte, ist die deutsche Reichscom⸗
mission schon jetzt zur Ueberzeugung gelangt, daß dieser Raum unzulänglich sei und derselbe mehrmal so groß sein müßte, als der Pariser, um den Anspfüchen der
deuischen Industriellen zu genügen. Die deutsche Reichs⸗ commission hat sich veranlaßt gesehen, zur ing Wie Angelegenheit eine außerordenliche Sitzung abzuhalten. In derselben wurde beschlossen, zwei Mitglieder der Com⸗ mission, die Herren Ravenns und Fink, nach Wien zu delegiren, um an Ort und Stelle mit dem Generalbirector der Ausstellung die erforderliche Rücksprache 2 Speciell in Süddeutschland wächst die Zahl der An⸗ meldungen mit jedem Tage.
London. Das englische Hosjournal berichtet über ein merkwürdiges Ständchen, das der Königin Victoria am Morgen ihres am 24. ds. stattgesundenen Geburtstages auf Schloß Balmoral gebracht wurde. Der Chor bestand aus 100 schottischen Dudelsackpfeifern.
Ulanen sich während des jüngsten Krieges auf die Schul⸗ tern geladen haben, muß auch der Weinkeller des argen⸗ tinischen Gesandten Dalcarce mitgezählt werben. Es ist wüklich traurig zu lesen, wie Se. argenzinische Excellen in dem Jahresberichte an die Regierung von Buenos⸗ Ayres den 3500 Flaschen Wein rührende Stoßseufzer nachschickt, welche die unarligen Ulanen in dem Weinkeller
„, Unter den vielen Sünden, welche die dee Shhl.
seines Landhauses in Brundy„hinter die Binde“ gegossen
haben, und wie Fürst Bismarck dem diplomatischen Collegen jedwede Entschädigung verweigert habe, weil der Krieg das einmal so mit sich bringe.
D. Frankfurt a. M., 30. Mai 1872. Da gestern schon die Ultimo⸗Liquidation so ziemlich beendigt war und auch die auswärtigen Börsen festere Stimmung bekundeten, enwickelte sich heute auf speculativem Gebiete ein nicht unbeträchtlicher Verkehr in Mediokäufen und waren es vorzugsweise Staatsbahnactien, für welche größere Kauf⸗ lust vorhanden war, trotz der abermaligen enormen Min⸗ dereinnahme von 196,000 fl. Bei 369½ per comptant und 370½ per medio wurden bedeutende Summen an diesem Effect umgesetzt, was später allerdings nachließ. Doch behaupteten sich obige Course ziemlich fest. Credit, acttien waren heute weniger beliebt und stagnirten bei 348, während dagegen Lombarden mehr Beachtung fanden und bei 210½ zahlreich gekauft wurden. Nationalbank⸗ actien verkehrten bei guter Frage und notirten 870. Andere Bankpapiere kränkelten an Verkaufslust, namentlich auswärtige Institute. Nur Provinzialdisconto hielt sich sehr hoch und war vielsach gesucht. Deutsche Vereinsbank bei billigerem Preise mehrfach aus dem Markt genommen. Frankfurter Wechslerbank offeritt. Dagegen erholten sich heute österreich. Bahnpapiere wieder elwas und wurden junge Staatsbahn, Elisabeth, Franz-Joseph und Voral⸗ berger gerne gekauft. Von deutschen Linien waren hess. Ludwigsbahn, Oberhessen und alte bayr. Ost gefragt und eine Kleinigkeit höher. Von Prioritäten ging Einiges in Alföld und neuen Lombarden bei guten Coursen um. Ungar. Oftbahn⸗Prioritäten offerirt, ohne Nehmer zu finden, was bei den Vorkommnissen bei dieser Bahn ganz erklät⸗ lich ist. Süddeutsche Staaispapiere kamen im Tauschver⸗ kehr hie und da vor. Lebhaften Verkehrs erfreute sich österreich. Silberrente, welche bis 64/6 bezahlt wurde. Von ungar. E. B. Anleihe ging Einiges um. Loose waren heuie etwas matter, mit Ausnahme der österreich. 60r., welche andauernd gesucht bleiben. Auch Braun⸗ schweiger hie und da gefragt. Auf amerikanischem Gebiet machte eine Wasbingtoner Depesche wegen der Alabama⸗ frage einigen unangenehmen Eindruck, doch verkehrten Sir. und Sör. wie auch 82. Staatenbonds bei festen Coursen, während für Bahnen nur selten Käufer, wobl aber genug Verkäufer zu finden sind.
Schlußwort.
Laut vorliegender amtlicher Besoldungsnote ist mit der ersten Stelle an hiesiger Stadtschule eine Be⸗ soldung von 596 fl. 40 kr. einschließlich der zum Kammer⸗ preise berechneten 14 Malter Korn verbunden. Will man den jetzigen Preis dieser Fruchtgattung in Berechnung ziehen, so wird sich freilich die Besoldung gegenwärtig auf 650 fl. erhöhen. Die Gehalte der anderen Lehrer sind 575 fl., 575 fl., 525 fl., 500 fl., 475 fl. und 475 fl. Die Angabe unseres lächerlich persönlich und schließlich flüchtig gewordenen Gegners, nach weicher bie Besoldungen 475 bis über 700 fl. betragen, ist sonach der Wahr- heit nicht entsprechend.
Gtassaamen-Versteigerung.
1449 Montag den 3. Juni, Vormittags 10 Uhr, kommt in dem Wirthschaftsokal von Kar! Hermes dahier die diesjährige Graosaamen⸗Eindte aus den Freiherrlich von Franckenstein'schen Waldungen zur öffentlichen Ver⸗ steigerung. Ockfladt den 25. Mai 1872.
Der Freiherrlich von Franckenstein'sche Oberförster
Rumpf.
Kirschen⸗Versteigerung. 1495 Die Kirschen an den Bäumen auf der Straße Nieder Wöllstadt— Hanau und Ildenfladt- Reichelsheim sollen Mittwoch den 5. Juni l. 3., Morgens 10 Uhr, auf dem Chausseehaus del Ilbenstadt an den Melst⸗ bietenden versteigert werden. Itledberg den 31. Mai 1872. Otoßherzogliches Kreisbauamt Friedberg. B. W. K. Schnitzel, Bauaccessist.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Vertilgung der Raupennesfer.
1498 Durch die nun eingetretene trockene Witterung zeigen sich in verschledenen Diftrleten der hiesigen Ge— markung Raupennester und das Entfernen derselben ist abermals dringend nöthig. Wir machen deß halb die hiesigen Grundbefitzer nochmals darauf aufmerksam, innerhalb drei Tagen von ihten Bäumen, Hecken ꝛe. dle noch vorhandenen Raupennefser zu entfernen, wid⸗ rigenfalls die Säͤumigen ohne alle Nachsicht zur Anzeige gebracht und nach dem Strafgesetzbuche des deutschen Reichs§. 268 beflraft werden. Friedberg den 29. Mai 1872. Großherzogliche Bürgermeisteret Friedberg. No uc ar.
Sommer- Pantoffel in großer Auswahl und bester Qualtät bet H. Diehl, Usagasse.
749
Bekanntmachung.
1497 Montag den 3. Juni d. J., Vormittags 11 Uhr, wird in hlesigem Rathhause das Mähen des Grases zu Heu und Machen drsselben, sowie das Nachhausefabren von mehreren flädtischen Wiesen an den Wenigffor⸗ dernden in Accord gegeben. Friedberg den 30. Mai 1872. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. F ouc ar.
Bekanntmachung.
1478 Nächften Montag den 3. Juni, Vormittags 11 Uhr, wird auf biesigem Rathbause ein abgängiges gemeln⸗ heitliches Faselschwein meistotetend verffeigert. Bad⸗Naubeim am 29. Mal 1872. J Großherzogliche n Bad⸗Nauheim. ch u t.
(ü. 4220.) Spezialarzt Dr. Kirchhoffer Kappel(Schwein) besitzt sichere Miitel gegen liches Bettnässen, Pollnetsonen, Impotenz.
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Die unserem commiss offen.— wünschen
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Ita!


