Ausgabe 
28.10.1871
 
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1. Januar bis 15. Febr. k. J. frei.

Die ver- ziersrange anzuempfehlen; im ganzen Lande gehe

bleibenden und eingetauschten alten Postmarken die öffentliche Stimmung sehr stark nach dieser

sollen von den Ober-Postdirectionen durch Feuer Richtung hin.

Der Rückmarsch der deutschen

vernichtet werden.

Frankfurt. Besatzungstruppen aus den betreffenden franzö⸗ sischen Departements beginnt am 28. d. M. und wird schon am 3. Nov. vollständig beendet sein.

Mit der Main⸗Weserbahn werden in dem bemerkten

Zeitraum die 11. Division(Schlesier) in drei Zügen täglich von hier aus in die Heimath befördert; Fahrplanveränderungen treten nicht ein, auch leidet der regelmäßige Güterverkehr keine Unterbrechung.

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Wiesbaden. Der Kronprinz und die Kron⸗

prinzessin des deutschen Reiches sind am 26. Nach- mittags hier eingetroffen und von einer großen Volksmenge mit Hochrufen begrüßt worden. Hamburg. Ein Beweis von der Rührigkeit der social⸗demokratischen Partei ist das Erscheinen eines neuen, die Interessen dieser Partei vertre- tenden Wochenblattesder Volksfreund, dessen erste Nummer dahier ausgegeben wurde. Die Social Demokraten verfügen nun im deutschen Reiche über neun Zeitungen, von denen fünf täglich erscheinen, drei einmal und eine zweimal wöchentlich. München. Der König hat den wegen Desertion vor dem Feinde zum Tode verurtheilten Unterlieute- nant Freihrn. v. Waldenfels zu 15jähriger, auf einer Festung zu erstehenden Zuchthausstrafe begnadigt. Obwohl von den Commandos der Truppen- Ahtheilungen die Recherchen nach den im letzten Kriege vermißten bayerischen Soldaten eifrigst ge pflogen werden, wurde doch bis jetzt ein Resultat nicht erzielt. Auch 15 bayerische Fuhrleute, welche der Armee Zufuhren brachten, werden sammt ihren Pferden und Wagen vermißt, ohne daß bis jetzt wieder eine Spur von ihnen aufzufinden gewesen wäre. Straßburg. In Folge einer Verfügung des Reichskanzlers und Kriegsministers ist für das Reichsland eine interimistische Prüfungscommissiyn für die Einjährig⸗ Freiwilligen eingesetzt. Die erste Prüfung findet am 29. November statt.

Ausland.

Oesterreich. Wien. Die Blätter melden übereinstimmend, daß die innere Krisis zu Gunsten der Reichsminister entschieden wurde und die Demission des Cabinets Hohenwart bevorsteht. Die Wiener Blätter vom 26. d. melden übereinstimmend, daß Graf Hohenwart Namens des eisleithanischen Ministeriums die Demission eingereicht und der Kaiser dieselbe angenommen habe. v. Schmerling soll mit Neubildung des Cabinets beauftragt sein.

Frankreich. Paris. DerMoniteur schreibtnAngesichts der gegenwärtigen Geldkrise haben die nachstehenden Ziffern einiges Interesse. Die deutsche Regierung hat von Paris direct 109 Millionen in Gold erhalten; von London, auf welchem Platz ihr Tratten im Betrage von 722,350,000 Fr. überwiesen worden waren, be⸗ zog sich nahezu 500 Millionen in Gold. Deutsch land hat mithin mehr denn 600 Millionen Gold in seinem Besitz, welche dem Verkehr zurückgegeben werden, sobald das neue Münzgesetz votirt ist, welches Hr. v. Bismarck dem Votum des Reichs- tags unterbreitet hat. DerNalional be- richtet Folgendes:Der Empfang, der dem Prinzen Napoleon in Ajaccio zu Theil geworden, war überaus kalt; kaum daß 200 bis 250 Personen von seiner Ankunft Notiz genommen haben. Es fand keine Art von Kundgebung statt. Nach einer neueren Nachricht derEtoile belge hätte Prinz Napoleon Corsica bereits wieder verlassen und sich nach Livorno eingeschifft, nachdem Gavini's Project,

die Präsidentenwahl im Generalrath von Col sica

ver der Gutheißung der Wahlen vorzunehmen, gescheitert ist.

Versailles. Die Räumung der sechs De⸗ partements wird Ende dieses Monats beendigt sein. Die Zahl der bis jetzt aus der Haft ent, lassenen Communalisten übersteigt bereits 10,000.

Dem Pariser Correspondenten desDaily Telegraph zufolge hätte das sranzösische Mini- sterium beschlossen, beim Zusammentritie der Kam mer eine allgemeine Amnestie für sämmt⸗ liche communistische Gefangenen unter dem Ossi⸗

Auch verlaute, daß keine Hinrich tungen stattfinden sollen.

Großbritannien. London. DieMor- ning Post bezeichnet das Gerücht, wonach der Krankheit der Königin halber eine Regentschaft eingesetzt werden soll, für durchaus unbegründet.

Spanien. Madrid. Bei der in den Cortes fortgesetzten Discussion über die Internationale betonte der Minister des Innern neuerdings, daß die Regierung die genannte Gesellschaft als außer dem Gesetze stehend betrachte.

r Friedberg.[Germanisches Museum.] Die hiesige Stadikirche befand sich bislang im Besitze eines aus dem Jahre 1639 stammenden Reg als, eines kleinen orgel- oder vielmehr äolinenartigem musikalischen Instru⸗ ments von höchst einfacher Construction. Dasselbe stand unbenutzt und ungesehen in der Sakristei und ging seinem gänzlichen Verfall mit Sicherheit entgegen. Dies auf der einen Seite erkennend, und auf der andern Seite er wägend, daß das Alterthum, das hier nutzlos zu Grunde ging, in den kunstgeschichtlichen Sammlungen des Ger manischen Museunis in Nürnberg wohl eine Lücke aus füllen, jedenfalls am rechten Orte sein werde, beschloß der Ev. Kirchenvorstand, es genannter Nationalanstalt zu überweisen, wozu auch Gr. Oberconsistorium nach ge⸗ pflogenen Unterhandlungen die Genehmigung ertheilte. Nachdem nun die dankenswerthe Gabe in Nürnberg an- gekommen war, hat der Vorstand des Germ. Museums seine Erkenntlichkeit für dieselbe dadurch vewiesen, daß er den Mitgliedern des Ev. Kirchenvorstandes dahier eine immerwährende Karte zum unentgeltlichen Besuche der Sammlungen des Museums ausfertigte. Dieselbe ist bereits am 12. Oct. d. J. dem Herrn Vorsitzenden des Kirchenvorstandes vom hiesigen Pflgamt des Germanischen Museums zugestellt worden. Möchten in Nachahmung des patriotischen Verhaltens des Kuchenvorstandes auch Andere in Stadt und Land etwaige Allerthümer, welche vielleicht für sie selbst von keinem oder nur geringem Werihe sind, für die Kenntniß der deutschen Vorzeit aber Bedeutung haben können, dem Germanischen Museum zukommen lassen!

Vilbel. Kürzlich ertrank in der Nidda ein zehn jähriges Mädchen, welches zum Begießen von auf der Bleiche liegender Wäsche Wisser schöpfte. Nach dreistün⸗ digem Suchen wurde die Leiche an der Eisenbahnbrücke bei Vilbel gefunden.

Darmstadt. Nach einer Mittheilung derH. V. sind in den letzten 110 Jahren 133 Theater diessens und jenseits des Oceans abgebrannt.

Darmstadt. Die Leiche des belm Theaterbrande verunglückten Beleuchtungsgebülfen Mietz wurde auf einer zum Bübnenraum führenden Treppe unter einer mehrere Zoll dicken Schultschichie aufgefunden. Nach der ganzen Lage der Leiche zu urtheilen, fand er den Erstickungstod. Die Taschenuhr des Verunglückten war auf 6 Uhr stehen geblieben. Ein anderer Arbeiter Namens Kunitsch ist nur dadurch dem Tode entgangen, daß er sich auf das Dach der Südfront rettete und von da herab, von den Flammen bedroht, mit seltener Geistesgegenwart an dem Blitzableiter herunterstieg.

Mainz. Wie bicsige Blätter melden, hielten sich in Castel seit längerer Zeu zwei französische Agenten auf, welche zur Entwendung von dorten aufgespeicherten Chasse pols Veranlassung gegeben haben sollen. Wie verlaulet, hätte man am Samsiag vier Kisten, die mit solchen Ge wehren verpackt waren, in dem Augenblick angehalten, als sie auf's Dampfboot gebracht werden solltien. Es sind in Folge dessen Verhaftungen vorgenommen worden; die zwei Franzosen, wie man sagt pensionirte Miluärbe⸗ amten, haben sich jedoch aus dem Staube gemacht. Die Zul der entwendeten Chass pots wird auf mehrere Tau⸗ send geschätzt. Der Aufkauf von Schlachtvieh für Flank⸗ reich nimmt immer größere Dimensionen an. Die fran zösischen Handelsleute erscheinen selbst wieder am Rhein; eine einzige hieside Firma hat für Paris allein Lieferung für über 1000 Schafe und ebensoviel Schweine per Woche übernommen, so daß dieser Handel regelmäßige Exlra güterzüge erfordert.

Aschaffenburg. Seit einigen Tagen wird ein nach Frankfurt fahrender Gepäckconducteur der bayerischen Staatsbahn vermißt und mit ihm ein Kisichen mit einem declarirten Werthe von 4500 fl. Wie sich jetzt herausge sullt, hat der Aufgeber des Kistchens in Würzburg nur einen Theil der Summe dec'arirt, indem dieselbe 11,000 fl bettägt, so daß ihn wegen Ersparung der wenigen Post spesen ein empfindlicher Verlust trifft. Von dem Conducteur und seinem Gelde hat man bis jetzt keine Spur entoecke.

Landwirthschaftliches.

Mitgetheilt von der höheren landw. Lehranstalt in Worms.

Man denke daran. Wiewohl die in diesem Jabre gewonnenen Fultermengen im Ganzen genommen lecht groß sind, so wird doch die Winterfülterung Seitens des Viehhalter viel Aufmecklamkeit ersordern, namenilich da wo sie vorzugeweise auf die Verabreichung von Heu basirt. Dassalbe ist nämlich, nach einer benächtlichen Zahl von Heu⸗Untersuchungen, die in jüngster Zeit im Laboratorium der landwirihschaftlichen Lehraustalt in Worms ausgeführt wurden, in diesem Jahre an Qualität so gering, wie es

seit einer geraumen Reihe von Jahren nicht mehere be⸗

obachtet wurbe. Ganz abgesehen von dem bei der Heu⸗ werbung durch andauernden Regen stark ausgelaugten Dörrfutter, ist auch das unter dem Einflusse guter Wit⸗ terung bereitete Heu außergewöhnlich reich an Holzjasern, außergewöhnlich arm dagegen an fl ischbildenden S. 155 und besitzt sehr geringe Mengen an Mineralsubstanz. Es ist daher nothwendig, die Heurationen gegen den allge⸗ meinen Gebrauch zu verstärken oder durch verstärkte Zu⸗ fuhr von Kleie das Fehlende bei Innehaltung der üblichen Heurationen zu ergänzen. Ganz unerläßlich erscheint es, daß sich die Landwirthe jetzt absolut an einen geregelten Zusatz von Futteiknochenmehl, etwa ein Eßlöffel voll pro Tag und Stück gewöhnen, wenn nicht die bedauerlichen Erscheinungen der Rackseuche, wie sie sich jetzt schon hin und wieder zeigt, gefährliche Ausdehnung annehmen soll.

Milchverdichtung. In New Polk hat Blachtford eine Fabrik zur Verdichtung der Milch angelegt, in welcher folgendes Verfahren beobachtet wird: Zu 112 Pfund Milch werden 28 Pfund weißer Zucker und etwa 1 Thee⸗ löffel voll doppelt kohlensaures Natron beigemischt. Man gießt die gesüßte Milch in emaillirte Pfannen und bünstet sie in einem durch Dampf erhitzten Marienbad vom Wasser ab. In uagefähr 3 Stunden gehen Milch und Zucker in einen breiartigen Zustand über. Durch bestän⸗ diges Rübren und Wärmen wird die Milch in ein Pul⸗ ver von Rahmfarbe verwandelt. Darauf setzt man sie zur Abkühlung der Luft aus, wiegt sie in Pfunde ab und bringt sie vermitielst einer Presse von 2040 Cir. Druck in Tafelformen, die so groß wie ein kleiner Ziegel sind, in welcher Gestalt und mit Staniol überzogen, dieselben in den Handel kommen.

Literari sches.

E. Eine sebr ehrenvolle Aufgabe bat sich das Illustrirte Hessische Gedenkbuch von Dr. Wilhelm Bender(am Gymnasium in Worms) gestellt. In schwungvoller, oftmals eigreifender Sprache schil dert es die Großtbalen unserer Söhne und Brüder in dem Feld⸗ zug von 187071. Durch den echt deuischen Geist, den das Ganze beherrscht und durch den sittlichen Ernst, der aus demselben spricht, ist es so recht geeignet ein gediegenes Volksbuch zu werden. Von großem Werth sind die aus Welzbacher's Anstalt hervorgegangenen Spezialkarten der Schlachtfelder von Metz, von Parfs und zu den zahlreichen Kämpfen an der Loire, wo unsere Division so oftmals siegte. Die außerordentlich ähnlichen, mit großer Kunst ausgeführten Stahlstichportratts unseres allverehrten Lan⸗ desvaters und obersten Kriegsherrn, S. K. H. des Groß⸗ herzons, des tapferen Commandeurs der Großberzoglichen Diviston, S. G. H. des Prinzen Ludwig und Ihrer K. H. der Prinzessin Alice, welche sich durch ihre Güte und Aufopferung in den Herzen der armen Verwundeten ein unvergängliches Denkmal gesetz bat, gereichen dem Werk zur größten Zierde. In keiner Schul- und Privatbiblio⸗ thek unseres Großberzogthums sollte es fehlen, um so weniger als die hübsch illustrirten Lieferungen nach und nach bezogen werden können. Kurz vor Weihnachten soll die letzte Lieferung erscheinen und gleichzeitig eine feine Einbanddecke mit Gol druck ausgegeben werden, damit dieses schöne und gediegene Weik noch eine Zierde des Weihnachtstisches bilden kann. Ein großes Prämienbild bringt den Ehrentag unserer DivisionDie Sehlacht bei Gravelotte mit den Portraitfiguren der Prin⸗ zen Ludwig und Wilhelm von Hessen, des Generals von Wittich und des Obersten von Lyncker zur Darstellung. In einer der ersten deuischen Lithogr. Anstalten mit großer Sorgfalt ausgeführt, wird es durch seine feine, wahrheils⸗ getreue Darstellung eine Zierde jedes Familienz mmers bilden. Für die Abonnenten des Werkes ist es zu der geringen Nachzahlung von 36 kr. zu beziehen, für Nicht⸗ abonnenten kostet es 2 Rihlr. oder fl. 3. 36 ke. Eine vesondere Erwähnung verdient die feine Ausgabe, welche die Holzschnittillustrationen auf chamois, die Stahlstiche auf chinesischem Papier enihält. Der billige Preis von 36 kr. per Lieferung macht Jedem die An⸗ schaffung dieses patriolischen Prachtwerkes möglich. Möge es allseitig die günstige Aufnahme finden, die es verdient und die es in der Risidenz bis in die hoͤchsten Kretse be reits gefunden hat. Dies ist unser berzlicher Wunsch!

Verloosungen. Freiburger 15 Frs. Loose. Scrienziehung vom 16. October. Nr. 613 982 1037 1162 1565 1935 2108 2126 2378 2719 2834 2910 3252 3588 3679 3819 3822 3890 3893 39 19 4239 4362 4424 4576 4849

4962 509 5102 532) 5097 6231 6304 6532 6851

7006 7137 7155 7308 7324 7433 7698 7709.

Germanisches Museum.

Nach beendigtem Kriege und hoffentlich dauernd hergestelltem Frieden müssendie Künste des Frie- dens wieder in ihre Rechte treten. Darum geben auch wir auf's Neue bekannt, daß wir fortwährend bereit sind, Alterthümer jeder Art, nämlich Hand schriften, Bücher, Bilder, Geschirre, Waffen, Möbelllücke, Gypsab drücke, Münzen, Schmuck⸗ sachen dgl. für die wissenschaftlichen Sammlungen der in der Ueberschrift genannten nationalen An- stalt dankbar bzw. gegen Erstattung des wirklichen Werthes in Empfang zu nehmen. a

Friedberg, 25. October 1871.

Das Pflegamt des Germanischen Museums.

Dr. Matthias.

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