Betreffend: Den im Monat Oktober l. J. vorzunehmenden Wlesengang.
Friedberg den 24. September 1871.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Im Monat Oktober muß nach den Bestimmungen der Wiesen— den Wiesenvorständen unter Zuziehung der Feldschützen und Wiesenwärter vorgenommen werden. Wir beauftragen Sie daher, dieselben hierzu aufzufordern und die über den Wiesengang aufzunehmenden Protokolle bis zum 10. Novem⸗
Polizeiordnung der Wiesengang von
ber l. J. längstens vorzulegen.
In diesem Protokolle haben die Wiesenvorstände, was denselben
noch besonders zu eröffnen ist, hauptsächlich zunehmen:
Ihnen getroffen die Entfernung
die Unterhaltung
folgende Punkte aus⸗ und 29 der Wie
1) Ob die Anerdnungen, welche sie bei dem im Monat März l. J 3) Verbesserungsvor
vorgenommenen Wiesengang getroffen haben, befolgt worden sind
und welche nicht.
2) Welche Anordnungen von den Wiesenvorständen zur Beseitigung der bei dem diesmaligen Wiesengang vorgefundenen Mängel von
namentlich solche vom 7. Oktober
Betreffend: Die Unterhaltung der Hecken an öffentlichen Fahr- und Fußwegen und der Garten-
einfriedigungen.
Wir empfehlen den Wiesenvorständen hierbei besonders ihr Augenmerk auf die Reinigung der Wiesen von Gestrüpp, Gesträuch, Moos,
worden sind oder vorgeschlagen werden.
der Herbstzeitlosen, des Erdauswurfs aus den
Be- oder Entwässerungsgräben, die Verebnung der Maulwurfs⸗ hügel und dergl.
(Art. 24 der Wiesenpolizeiordnung) und auf der Ent, und Bewässerungsgräben(Art. 28 senpolizeiordnung) zu richten und hierbei nach
den bestehenden Bestimmungen zu verfahren.
schläge in Bezug auf größere Wiesenfluren, „zu deren Ausführung das Wiesenculturgesetz 1830 Anwendung finden muß.
Man erwartet, daß die Wiesenvorstände hiernach genau verfahren,
Trapp.
Friedberg den 26. September 1871.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Wir machen die Wahrnehmung, daß in den meisten Gemeinden des Kreises die Bestimmungen des Reglements vom 29. Juni 1865, abgedruckt in Nr. 52 des Intelligenzblattes von 1865, nicht beachtet werden, finden uns deßhalb veranlaßt, Ihnen aufzutragen, diese Be— stimmungen in Ihren Gemeinden öffentlich bekannt machen und deren Nichtbeachtung zur Anzeige bringen zu lassen.
Für Ausführung derselbden noch in diesem Jahre werden Sie angemessene Termine festsetzen.
e
ö Deutsches Reich.
Berlin. Der Reichskanzler ist am 22. d. nach seinen Besitzungen im Herzogthum Lauenburg abgereist. Wie verlautet, wird Legationsrath Bucher demselben dorthin folgen.
— Zur Zeitungs ⸗Steuerfrage schreibt das „Fremdenblatt“:„Die anwesenden Mitglieder der Fortschrittspartei haben sich bei einer jüngst Statt gehabten Versammlung geeinigt, beim Zusammen- tritt des legislativen Körpers entschieden für Auf hebung des Zeitungsstempels vorzugehen. Es wurde mitgetheilt, daß der Herr Finanz ⸗Minister nicht gegen dieses Vorhaben sich erklären werde.“
— Nach dem Flottengründungsplan soll der Marineverwaltung im Jahre 1872 eine Summe von 8,000,000 Thlrn. überwiesen werden. Hier— von werden etwa 2,250,000 Thaler auf Schiffs- bauten und Armirungen und 430,000 Thaler für das Torpedowesen als einmalige Ausgaben ver— wendet werden. In Bezug auf die Errichtung einer Torpedo- Abtheilung erfährt die„C. St.“, daß dieselbe aus einem Capitain zur See als Commandeur, 2 Capitain-Lieutenants, 7 Lieute- nants, 5 Deckofficieren, 30 Matrosen-Unteroffi⸗ cieren, 200 Matrosen, 2 Lazarethgehülfen und 2 Büchsenmachern bestehen wird. Zur Herstellung von Fahrzeugen für den Torpedodienst sollen etwa 200,000 Thlr. verwendet werden.
— Die Nachricht, daß der Reichstag zum Donnerstag den 19. Oct. zusammenberufen wird, scheint sich zu bestätigen. Ju gut unterrichteten Kreisen ist man wenigstens, wie die„W. Ztg.“ schreibt, der Meinung, daß die Einberufung nicht früher erfolgen wird.
— Seit dem 1. Sept. d. J., dem Tage, an welchem die südstaatlichen Mitglieder des Gerichts- hofes in ihr Amt eingeführt wurden, nennt sich das frühere Bundes⸗Oberhandelsgericht in seinen Urtheilen ꝛc. Reichs Oberbandelsgericht.
— Der„National- Ztg.“ zufolge wurde die Note des Grafen Arnim, betreffend die Mißhand— lungen Deutscher in Lyon, von Hrn. v. Rémusat sofort nach seiner Rückkehr beantwortet. Der französische Minister erkennt vollständig die Ge⸗ rechtigteit der erhobenen Beschwerden an und ver— spricht im Namen der Regierung, es werde Alles geschehen, um dem Skandal in Lyon ein Ende zu machen und den Deutschen Schutz zu verschaffen.
— Ein früher in Paris sich aufhaltender und
bei Ausbruch des Krieges von den Franzosen
unter die Fremdenlegion in Afrika eingestellter junger Mann aus der Pfalz(Steinbach), der vor Kurzem endlich von dort nach Hause entlassen worden, hat in Neunkirchen, wie man der„Elb. Ztg.“ von da mittheilt, die Anzeige gemacht, daß sich in Afrita noch eine Menge(?) deutscher Soldaten(in Kasematten) befinde, darunter meh- rere aus der Neunkirchener Gegend, z. B. Wiebels⸗ kirchen, Welles weiler ꝛc., welche sämmtlich in den Verlustlisten als vermißt aufgeführt sind. Diese
batten ihn inständig gebeten, bei den Behörden in Deutschland hiervon Anzeige zu machen, indem denselben in Afrika nie gestattet worden sei, irgend eine Nachricht von ihrem Dasein in ihre Heimath gelangen zu lassen.— Man darf sicher erwarten, daß diese Mittheilung Anlaß zu ernsten Recherchen der deutschen Reichsregierung sein werde. Kassel. Der lang ersehnte Rückmarsch der 22. Division, der das 83. Infanterie-Regiment und das 14. Husaren⸗Regiment angehören, ist er⸗ folgt und hielt dieselbe am 25. d. ihren festlichen Einzug in unsere geschmückte Stadt. Das 83. In- fanterie-Regiment hat mehr als 30 Schlachten und Gefechte ruhmvoll bestanden und wesentlich zum Siege des deutschen Heeres beigetragen, hat aber auch sehr bedeutende Verluste erlitten. Der Kronprinz Friedrich Wilhelm, welcher seit einiger Zeit mit Familie zu Wilhelmshöhe Aufenthalt ge— nommen hat, betheiligte sich mit seinem ältesten Sohne am Einzuge. 5 Wiesbaden. Unter dem beispiellosen Jubel einer unabsehbaren Volksmenge fand am 25. d. Mittags 1 Uhr der Einzug der hiesigen Artillerie- Abtheilung statt. Als der Tapfersten Einer ward namentlich der mit dem eisernen Kreuz 1. Classe decorirte und bei Orleans schwerverwundete Haupt— mann Reichert allenthalben ausgezeichnet und mit einem goldenen Lorbeerkranz geschmückt. München, 24. September. Zu dem heute in der Nikolaikirche von den Altkatholiken abge— haltenen Gottesdienste, bei welchem Dr. Michelis die Messe las, hatten sich viele Delegirte, sowie eine große Menge anderer Andächltigen eingefunden. Nach der Messe wurden Gebete für Abwendung der der Kirche drohenden Gefahr und für die ver⸗ storbenen Altkatholiken, namentlich für Professor Zenger, gesprochen. Die Feier ging in höchst würdiger, erhebender und ruhiger Weise vor sich. — 24. Sept. In der heuligen letzten öffent— lichen Versammlung der Altkatholiken sprachen
Reinkens, Stumpff, Tangermann und Michelis.“
Wegen vorgerückter Zeit konnte die Verlesung des Programms der Altkatholiken nicht mehr erfolgen. Professor von Schulte gab nach einem Hoch auf Döllinger den Vorsitz an Oberstaatsanwalt Wolff zurück. Dieser schloß die Versammlung mit einem Hoch auf König Ludwig. Während der Ver— handlungen waren zahlreiche Zustimmungs- und Glückwunschtelegramme eingegangen.
wälder aus Breslau, welcher Studien halber die hiesige Universität frequentirte, ist vom Erzbischof
von München suspendirt worden, weil er den
Congreß der Altkatholiken besucht hatte.— Wie man veraimmt, hat Pfarrvicar Pöppl an der St. Nikolai-Kirche, in der Prof. Dr. Friedrich eine katholische Trauung vorgenommen hat, heute eine Trauerfahne heraushängen lassen und neuerdings gegen die Benützung der Kirche Einsprache erhoben.
Straßburg. Am 23. d. sollte, wie die
— Ein junger tüchtiger Theologe, Dr. Hirsch⸗
„Straßb. Ztg.“ meldet, die Quittung über die sämmtlichen hier geleisteten Abschlagszahlungen von der französischen Kriegscontribution ausgestellt werden. Im Ganzen sind hier eingezahlt worden 125 Millionen vor dem 10. Juli in sranzösischen Banknoten und 947 Millionen in Wechseln und Geld vom 10. Juli bis zum 23. Septb. Die letztere Summe setzt sich in folgender Art zusammen: Wechsel 722,349,855 Frs. 92 C.; verschiedene Banknoten 6,794,343 Frs. 38 C.; französisches Gold 109,001,502 Frs. 85 C.; französische Fünffrankenstücke 63,016,695 Frs.; deutsches Geld 45,823,460 Frs. 14 C.
Ausland. Frankreich. Paris. Dem„Siecle“ zu⸗ folge wird die ständige Commisston der National- versammlung am 25. d. in Versailles zusammen⸗ treten. Alle Journale melden, daß die Regierung die demnächstige Zahlung der vierten halben Mlliarde der Kriegscontribution vorbereite. Der„Moniteur“ bemerkt diesbezüglich: Wenn die Operation ge— lingt, so wird die Räumung der sechs Departe—
ments nicht auf sich warten lassen und das Berliner Cabinet sich in die Nothwendigkeit versetzt sehen, uns andere Concessionen anzubieten, falls es darauf beharrte, Zollbestimmungen zu Gunsten der el⸗
sässisch-lothringischen Manufactur⸗Erzeugnisse zu
fordern.
— Der„Siecle“ schreibt:„Das genaue Ver- zeichniß unserer Verluste während des Krieges von 1870/1 ist beendigt. 89,000 unserer Soldaten sind auf den Schlachtfeldern geblieben oder in Folge ihrer Wunden in den Lazarethen unterlegen. Von diesen 89,000 Soldaten sind 26,000 bei Forbach, Reichshofen, Cony, Gravelotte, Saint⸗ Privat und in den rings um Metz vom 1. Sept. bis zum 27. Octb. gelieferten Kämpfen gefallen; ungefähr 10,000 sind in Sedan unterlegen. Die Belagerung von Paris hat uns nicht weniger als 17,000 Mann gekostet. Die Verluste der Loire- Armee unter dem Commando der Generale d' Aurelles de Paladines und Chanzy belaufen sich auf 22,000 Mann; unter Bourbaki sind 7000 ge⸗ fallen; die Nordarmee hat 3500 und die A mee Garibaldi's 1600 Mann verloren. Die Belage- rungen von Straßburg, Toul, Bitsch, Dieden⸗ hofen, Montmédy, Verdun, Pfalzburg, Mozieres und Belfort haben Frankreich mehr als 2000 seiner Söhne gekostet. Was die Zahl der Ver- wundeten betrifft, so kennt man dieselbe noch nicht genau, aber man darf vermuthen, daß sie die Zahl der Todten bei weitem übersteigt.“
— Wie die„Constitution“ hört, wollen die Abgeordneten der Linken sich bei Herrn Thiers für Henri Rochefort verwenden und auch an die Begnadigungscommission ein Collectivgesuch zu Gunsten ihres ehemaligen Collegen richten.
— Bhyzzüglich der Note des Grafen Arnim behauptet das„Journal de Lion“, daß die ange—
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