München. Die bayerische Feldarmee hat in diesem Feldzuge bisher an todten und verwundeten Offizieren einen Gesammtverlust von 720 Offizieren gehabt; von diesen sind auf dem Schlachtfelde todt geblieben 159, an den Wunden später gestorben 102. Von den übrigen Verwandeten ist ein Theil schon wieder in Activität, ein Theil in sicherer Wiedergenesung begriffen, wenn auch natürlich von letzteren nicht alle mehr diensttauglich werden; sterben werden voraussichtlich nur noch wenige derselben an ihren Wunden. Die meisten Verluste hatten die In- fanterie- Regimenter und Jäger- Bataillone; es blieben von diesen 148 Offiziere todt auf dem Schlachtfelde und wurden 519 verwundet.
Stuttgart. Der„Staatsanzeiger“ vom 24. d. meldet, daß der König nach Versailles abgereist, um das Hauptquartier des deutschen Kaisers und die württembergischen Truppen zu besuchen.
Karlsruhe. Dem Vernehmen nach beab— sichtigt der Großherzog, unmkttelbar nach dem Pariser Einzuge und der Unterzeichnung der Friedenspräliminarien hierher zurückkehren. Der Kaiser stattet auf der Rückreise nach Berlin dem Badischen Hofe einen Besuch ab. Der König von Bayern wird zur Begrüßung des Kaisers alsdann bier erwartet.
Oesterreich. Wien. Die amtliche„Wiener Zeitung“ meldet: Der Kaiser hat den Gesandten des Norddeutschen Bundes, v. Schweinitz, am 21. d. in besonderer Audienz empfangen und aus dessen Handen ein Schreiben des Königs von Preußen entgegengenommen, in welchem dieser für sich und seine Nachfolger die Annahme der ihm von den Fürsten und den freien Städten übertragenen Kaiserwürde des deutschen Reiches bekannt gibt.
— Das Herrenhaus ist nach kurzer Debatte dem Beschlusse des Abgeordnetenhauses beigetreten, wonach das Ministerium nur einen Monat die Steuern forterheben darf.
Frankreich. Paris. Reuters Telegramm meldet: Die Nachricht, die in Bezug auf General Ducrot veröffentlicht worden ist, war unrichtig. Dem Vernehmen nach hat in Deutschland eine Untersuchung stattgesunden, welche ihn von dem ibm zur Last gelegten Vergeben vollständig frei— spricht und die Wahrbeit seiner Angaben durchaus bestätigt. Ter General ist nach Bordeaux gegangen, um seinen Sitz in der Versammlung einzunehmen.
— Der„Frangais“ meldet:„Thiers ist tief bekümmert über die Forderungen Biemarck's.“— Das„Pays“ sagt:„Unterwerfen wir uns, ohne zu verzweifeln, dem Verhängnisse des Augenblicks. Die Schande liegt nur in dem Provisorium Fraukreichs.“— Alle Journale sehen den Einzug der Deutschen in Paris als ausgemacht an.
— Laut Nachrichten aus Versailles wird ein Theil der preußischen Truppen auf dem Rückmarsche nach Deutschland durch Paris Durchzug halten. Dem Vernehmen nach bekämpft Thiers fortwährend lebhaft diesen Plan, indem er die großen Ge— fahren geltend macht, welche daraus entspringen könnten, sowie die schwere Verantwortung, welche die preußischen Behördes treffe, wenn sie auf diesem so bedenklichen Vorhaben, trotz aller Warnungen, bestehen wollten. Der„Frangais“ berichtet, daß am Montoge im Quartier Latin ein rother Maueranschlag zum letzten Kampfe eingeladen habe, sofern die Preußen in Paris einzögen; auch seien neue Orsinische Bomben entdeckt worden.
— Dem„Rappel“ zufolge dürften Thiers und die Commissionsmitglieder am 25. d. nach Bordeaux abreisen. Sonntag würden die Prä— liminarien der Nationalversammlung vorgelegt werden. Man hofft, daß dieselbe ihre Zustimmung im Laufe der Sitzung sofert ertheilen werde, so daß eine neuerliche Berläugerung des Waffenstill⸗ standes nicht nöthig sein würde. Im Allgemeinen betrachtet man das Zustandekommen des Friedens als vollkommen gesichert.
Bordeaux, 25. Febr., 12 Uhr 15 Min. Die Ruhe ist durchaus ungestört, trotzdem über die Friedensbedingungen(Abtretung von Elsaß und Lothringen und bie Zahlung von zwei Milliarden) von den Journalen, mit Ausnahme
des„Moniteur“ und der„Liberté“ in nachstehender Form Meldung geschah:„Morgen wird in aller Stille die Nationalversammlung den Friedens- vertrag ratificiren. Es handelt sich dabei nicht um einen Frieden, in den man willigt, sondern um einen Frieden, dem man sich unterwirft, über den Frankreich bei Gefahr neuer Katastrophen und eines ebenso sicheren als schmählichen Todes sich nicht trösten darf, um einen Frieden, für den Rache zu nehmen es sich vorbereiten muß.“
— 25. Febr. Die„France“ versichert, daß die Präliminarfen heute unterzeichnet werden. Sie enthalten die Abtretung von Elsaß und eines kleinen Theiles von Lothringen, die Schleifung von Metz und die Zahlung von 2½ͤ Milliarden Thaler. Der Waffenstillstand ist bis zum 1. März verlängert worden. Thiers und Favre werden morgen ankommen. Eine Sitzung wird unmittelbar oder für Montag an— beraumt werden. 24 Stunden werden zu den Berathungen über die Ratification des Friedens- vertrags hinreichen. Wahrscheinlich wird die Majorität für die Annahme sein.
— Die Städte des Südens unterzeichnen Petitionen an die Nationalversammlung um dauernde Verlegung ihres Sitzes außerhalb Paris.
Bordeaux. Der„Moniteur“ bestätigt die Nachricht, daß der Papst die französische Regierung anerkannt hat.— Thiers hat Dufaure zum Prä⸗ sidenten des Ministerconseils ernannt.
— Menotti und Ricciotti Garibaldi, sowie die meisten Garibaldinischen Offiziere haben ihre Demissiou eingereicht. Die Erzennung von Pen— hot zum Chef der Vogesenarmee wirs bestätigt.
— Das„Journal de Magon“ schreibt, daß der Commandant der Vogesenarmee Penhost die Auflösung der Garibaldianer und die Entlassung der Freicorps angeordnet hat.
— Die„Libecté“ meldet: Der Papst hat die neue Regierung in einer auf telegraphischem Wege eingelaufenen Erklärung anerkannt.
— Nach einem schon vom 19. d. datirten Telegramm aus Bordeaux wäre das Programm Thiers folgendes:„Unverzüglich Frieden zu schließen, Frankreich von der deutschen Armee zu säubern, die französische Armee zurückzubringen, die Landpolizei zu reorganisiren, um die Marau— deure zu unterdrücken, die selbst in den von den Deutschen octupirten Departements fast eben so viel Schaden anrichten als der Feind, und den Weg für eine schleunige Wiedereinsetzung der Dynastie Orleans, wie die Wiederherstellurg der Chartre von 1830 als Grundsatz des Landes, zu bahnen. Letztere beiden Projekte sollen durch die Sanction eines Plebiscits bestätigt werden. Herr Thiers begünstigte stets die Unterhaltung eines starken stehenden Heeres. Da Frankreich die Un- kosten einer radicalen Reorganisation seiner regu— lären Streitkräfte gegenwärtig nicht bestreiten kann, wird die kaiserliche Armee, wenn zurück— gebracht, nicht aufgelöst und reorganisirt, sondern unter das Commando des Generals Cbangarnier, der wie man glaubt, den Plänen des Herrn Thiers ergeben ist, gestellt werden. Es greist der Glaube um sich, daß die deutschen Bedingungen, wie dieselben auch sein mögen, ohne vieles Murren angenommen werden dürften.“
— Dem„Journal de Bordeaux“ zufolge wird Marschall Bazaine nach der Unterzeichnung des Friedens in Bordeaux erwartet, um Rechen— schaft abzulegen.
— Der Minister des Innern hat den Prä— fecten mitgetheilt, daß die Verhandlungen mit Preußen eifrig fortgesetzt würden; es sei jedoch bis jetzt keine Mittheilung über den Character dieser Verhandlungen aus Paris der Regierung in Bordeaux zugegangen.— Die Regierung ist nunmehr von allen Mächten, ausgenommen von Griechenland, anerkannt worden; die Anerkennung von Seiten Griechenlands wird in Kurzem erwartet.
Großbritannien London. Eine Depesche der„Daily News“ aus Paris vom 23. d. meldet: Thiers und Collegen reisen heute nach Bordeaux ab und bringen morgen im Parlament das Re- sultat der Friedensverhandlungen zur Berathung. Sie kehren am Sonnabend nach Paris zurück.
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WN
— Die Königin empfing den Botschafter des g
norddeulschen Bundes, Grafen Bernstorff, in be⸗ sonderer Audienz und nahm aus dessen Händen ein neues Beglaubigungsschreiben als Botschafter des deutschen Kaisers entgegen. Die Königin empfing ferner den französischen Botschafter, Herzog v. Broglie.
— Ein Pariser Telegramm der„Daily News“ vom 24. Febr. meldet:„Die Deutschen beabsichtigen außer dem Einmarsch in Paris auch die Besetzung der Champs Elhysées.“ Louis Blanc will demnächst in der Nationalversammlung den An- trag stellen, Napoleon in Anklagezustand zu ver— setzen. Victor Hugo, Rochefort und 150 Deputirte der Linken unterstützen diesen Antrag.
— Der„Standard“ berichtet telegraphisch aus Versailles vom 23. Febr.:„Der Friedens- tractat ist in Thiers Händen. Derselbe verlangte nur die Hauptbedingungen kennen zu lernen. Die untergeordneteren Fragen werden morgen arrangirt. Die Hauptpunkte sind: Frankreich zahlt eine Entschädigung von 320 Millionen Pfund Sterling; es tritt Elsaß und Deutsch— Lothringen einschließlich Metz an Deutschland ab. Ueber letzteren Punkt erhob sich eine starke Contro— verse zwischen Bismarck und Thiers. Die Grenz- linie schließt die Stadt Nancy ein. Das Weitere darüber wird morgen verhandelt. Alles Kriegs- material verbleibt bei den Deutschen; der Einzug in Paris unterbleibt trotz des Kaisers Andringen. Bismarck setzte dies durch. Der Kaiser reist Montag ab. Das Friedensinstrument soll nur die Unterschriften von Thitrs und Bismarck tragen.“ — Die„Tinies“ sind der Ansicht, daß Thiers die Ab'retung von Elsaß und Lothringen, ein- schließlich Belfort und Metz., sowie eine Kriegs- enischädigung von 320 Millionen Pfund bewilligen muß. Das Blatt befürchtet allerdings, daß die Nationalversammlung diese Bedingungen nicht ratificiren wird.
Spanien. Madrid. Nach einem Tele- gramm der„Berliner Börsen Zeitung“ soll die neulich gemeldete Verhaftung des Minister- Prä⸗ sidenten Marschall Serrano wegen des Ver— dachts, daß derselbe an der Ermordung Prim's betheiligt gewesen, erfolgt sein.
An die Wähler!
Der nahe bevorstehende Tag, welcher alle deutschen Wähler zusammenfuhren wird, um die von unseren Heeren auf den Gefilden Frankreichs blutig erkämpfte Einigung der deutschen Stämme und Wiederbegründung des deutschen Kaiserreichs durch die Wahlen zum ersten deutschen Reichstage zu besiegeln, erscheint vorzugsweise geeignet, der Fürsorge für Die⸗ jenigen zu gedenken, weiche in jenem Kampfe Gesundheit und Leben eingesetzt haben und noch jetzt an Wunden oder Krankheit darniederliegen.
Auf Anregung des deutschen Centralcomités sollen deßhalb am Wahltage(3. Maͤrz d. J.) in allen Wahllokalen des deutschen Reichs, und insbesondere— mit Genehmigung der höchsten Staatsbehörde— auch im Großherzogthum
Hessen, Sammelbüchsen mit der Aufschrift:
Dann der Wähler an die deut- schen Krieger
aufgestellt und der Ertrag fuͤr die pflege der Verwundeten und Kranken verwendet werden.
Wir brauchen wohl klein Wort weiter hin. zuzufügen. Wo wir zum erstenwal im neuen deutschen Reich unsere politische Pflicht als Waäbler üben, wollen wir auch unsere Pflicht tes Dankes erfüllen, jeder nach Vermögen, aber alle freudig und in dem Bewußtsein, daß Alles, was wir auch thun, hinter dem zurück⸗ bleibt, was unsere kämpfenden Brüder dem Vaterland dargebracht haben.
Darmstadt, 15. Februar 1871.
Der Vorstand des Huͤlfsvereins im Großher⸗
zogthum Hessen für die Krankenpflege und Unterstutzung der Soldaten im Felde. Der Vorsitzende: Der Schriftführer:
A. Weber. A. Buchner.
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