Ausgabe 
26.10.1871
 
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worden. Redner gibt bezüglich der bisherigen Verwendung der Kriegsentschädigung eine ein- gehende Uebersicht. Die französische Regierung habe die ersten anderthalb Milliarden thatsächlich bezahlt, eine vollständige Abrechnung hierüber sei bisher nicht erfolgt. Ueber etwaige Vorlagen wegen Verwendung dieser Gelder könne er sich augenblicklich nicht auslassen. Von einer Anlage des Invalidenfonds von 240 Millionen Thalern in Speculationspapieren sei keine Rede. Bei der nun folgenden zweiten Berathung des Gesetzes,

betreffend die Controle des Etats von 1871, be⸗

antragt Benda folgende Resolution: Der Reichs kanzler sei aufzufordern, dafür Sorge zu tragen, daß dem Reichstage in der nächsten Sesston ein, Gesetzentwurf über Errichtung eines Rechnungs- hofes für das deutsche Reich vorgelegt werde, Hagen stellt ein Amendement, betreffend bestimmte Vorschriften über die Art der Rechnungslegung Seitens des Rechnungshofes. Benda und Lasker erklären sich gegen das Amendement Hagen als selbstverständlich überflüssig. Nach längerer De⸗ batte, in welcher sich auch Staatsminister Delbrück gegen das Amendement Hagen ausspricht, wird der einzige Paragraph des Gesetzentwurfes ange- nommen, der Antrag Hagen abgelehnt.

24. October. Reichstag. Auf die Inter- pellation Richter's, betreffend die Zurückhaltung von Reservisten, erwidert der Kriegsminister: die meisten von den Interpellanten hervorgehobenen Mißstände seien bereits erledigt. Von 31,000 noch unter der Fahne zurückgehaltenen Reservisten würden 8130 mit der Rückkehr der 11. und 24. Division entlassen. Durch Reduction der in Frankreich zurückbleibenden Bataillone kämen 4824 zur Entlassung. Nach Ablauf der Uebungszeit in Elsaß-Lothringen würden 2700, durch Nachschub von Rekruten 5506 frei, mithin im Ganzen zwei Drittheile der obigen Summe. Bezüglich der Cavallerie sei aus technischen Gründen allerdings nöthig, sogenannte Remontereiter einzubehalten, wovon einzelne bis Mitte nächsten Sommers bei den Regimentern bleiben müßten. Den einjährig Freiwilligen sei durch kaiserliche Entschließung jede mögliche Erleichterung gewährt. Hierauf wird die Wahl des Abg. Los(Düsseldorf) für ungültig, das Mandat des Prof. Biedermann als nicht er⸗ loschen erklärt. Sodann wird das Gesetz betr. die Zurückzahlung der 5proc. Anleihe vom 21. Juli 1870 in zweiter Berathung angenommen. Nächste Sitzung morgen. Der Reichstag genehmigte außer⸗ dem das Post⸗ und Posttaxgesetz in erster und zweiter Lesung.

Der Kaiser hat dem Berliner Comite zur Unterstützung der Hülfsbedürftigen von Chicago 1000 Thlr. zugehen lassen.

Das Armeeverordnungsblatt veröffentlicht eine Verordnung des Kriegsministers vom 16 d., wonach die Bestimmung des Artikels 3 der zwischen dem norddeutschen Bunde und Würtemberg ab⸗ geschlossenen Militärconvention dahin abgeändert wurde, daß das würtembergische Armeecorps als 13. Corps dem Reichsheere eingereiht wird.

Wie verlautet, hat der erste, die Münz⸗ reform betreffende Entwurf im Schooße des Bundesraths vielfache Anfechtungen erlitten und es soll jetzt der sächsische Bevollmächtigte, Herr v. Nostiz⸗Wallwitz, mit der Ausarbeitung eines andern Entwürfs betraut worden sein.

Nachdem als Folge der neuesten Conven⸗ tionen mit Frankreich wiederum 3 Divisionen unseret Occupationsarmee den Rückmarsch nach Deutschland antreten können, verbleiben jetzt nur die 4. Division(Pommern), die 6. Division (Brandenburg), die 19. Diviston(Hannover) und die 2. Bagerische Diviston noch als Be satzungstruppen auf französischem Gebiet, und zwar in den Departements Vosges, Haute Marne, Marne, Ardennes, Meuse, Meurthe und Moselle.

Nach den Ausstellungen des Reichshaus haltsetats für das Jahr 1872 haben an Matrikular⸗ beiträgen einzuzahlen: Preußen 18,189,114 Thlr., Lauenburg 38,297 Thlr., Bayern 972,714 Thlr., Sachsen 1,862,075 Thlr., Würtemberg 350,999 Thlr., Baden 280,194 Thlr., Hessen 304,455 Thlr., Mecklenburg Schwerin 439,783 Thlr., Sachsen⸗

Weimar 128,153 Thaler, Mecklenburg ⸗Strelitz 77,329 Thlr., Oldenburg 186,971 Thlr., Braun⸗ schweig 214,494 Thaler, Sachsen- Meiningen 81,727 Thlr., Sachsen⸗ Altenburg 67,094 Thlr., Anhalt 82,325 Thlr., Schwarzburg⸗Sonders⸗ hausen 30,418 Thaler, Schwarzburg⸗Rudolstadt 34,122 Thlr., Waldeck 26,717 Thlr., Reuß älterer Linie 20,816 Thlr., Reuß jüngerer Linie 39,851 Thlr., Schaumburg-Lippe 14,586 Thlr., Lippe 55,065 Thlr., Lübeck 20,199 Thlr., Bremen 68,699 Thlr., Hamburg 189,618 Thlr., zusammen 23,775,755 Thaler. Diese Summe der Matri⸗ kulareinzahlungen erhöht sich eventuell noch um den von den Postüberschüssen an Sachsen-Coburg⸗ Gotha herauszuzahlenden Betrag. Die Verschie denheit der von den einzelnen Bundesstaaten baar zu entrichtenden Matrikularbeiträge hat ihren Er⸗ klärungsgrund in anderweiten Leistungs⸗ und Er⸗ tragsabrechnungen.

DieKreuzztg. bestätigt, daß das Unter⸗

richtsgesetz im Cultusministerium von Neuem be⸗ arbeitet werde, doch sei die Vorlage desselben auf dem nächsten Landtage noch unwahrscheinlich.

Der großh. hessische Major Weyland, der Major Thelo vom ehemaligen badischen Armee⸗ corps und der General-Verwaltungs⸗Director im bayerischen Kriegsministerium, v. Feinaigle, sind als Bevollmächtigte bei der Commission für Vor schläge zu Grundsätzen bei Vertheilung der Kriegs- entschädigungsgelder hierher commandirt worden und eingetroffen.

München. Ein in Simbach, an der öster⸗ reichischen Grenze, stattgefundene Versammlung von Altkatholiken war sehr zahlreich aus Bayern und Oestecreich besucht. Professor Huber, dem das Ehrenpräsidium übertragen war, besprach die Unwahrheit des neuen Dogmas und geißelte das Verhalten der deutschen Bischöfe. Professor Friedrich begründete das vom Mänchener Congresse ange⸗ nommene Programm. Landgerichtsassessor Flurl verlas das Statut betreffs der Bildung von Local vereinen und forderte zum Eintritt in den Local⸗ verein auf.

Karlsruhe. DieKarlsr. Ztg. theilt amtlich mit, daß der Großherzog die Einziehung sämmtlicher badischen Gesandtschaften mit Aus- nahme der Gesandtschaft in Berlin, verfügt hat.

Dresden. Nach eingetroffenen Nachrichten hat die sächsische 24. Division von Berlin aus den Befehl erhalten, sich vom 15. d. M. an zum Rückmarsch bereit zu halten.

Ausland.

Frankreich. Paris. DasJournal officiel enthält in seinem amtlichen Theil ein Decret des Präsidenten der Republik, welches den Finanzminister Pouyer⸗Quertier zum Großoffizier der Ehrenlegion ernennt,in Anbetracht des außerordentlichen Dienstes, welchen derselbe soeben dem Staate geleistet, indem er mit Erfolg in Berlin die wichtige finanzielle Unterhandlung zu Ende führte, welche uns die vorzeitige Befreiung eines Theiles unseres Gebietes verschafft hat.

DasJournal officiel widerspricht in lebhafter Weise den bonapartistischen Journalen, welche behaupten, daß Thiers sich seine Bezüge in Gold auszahlen lasse, um von dem Goldagio Nutzen zu ziehen.

DasJournal de Paris enthält folgen- den amtlichen Status über die Vertheilung der deutschen Occupationstruppen in den sechs letzten Departements, welche noch ferner besetzt gehalten bleiben. Ardennen 9875 Mann, 2031 Pferde; Marne 13,362 M., 1917 Pf.; Meuse 5074 M., 501 Pf.; Meurthe 9281 M., 4266 Pf.; Vogesen 5737 M., 1174 Pf.; Haute Marne 1908 M., 130 Pf.; Belfort 4694 M., 318 Pf. Wie dieLiberté wissen will, sei die Commission, welche mit der Uatersuchung über die Capitula⸗ tionen betraut ist, im Besitz von so gravirenden Aussagen und Beweisstücken gegen den Marschall Bazaine, daß dieser, durchdrungen von dem be sonderen Ernst seiner Lage, den Entschluß gefaßt habe, nicht vor seinen Richtern zu etscheinen.

Französische Zeitungen welden: Es steht

Gastein sich zu energischem Vorgehen gegen die Internationale verpflichteten, daß aber andererseits Italien, welches zum Beitritt aufgefordert wurde, diesen ablehnte unter dem Vorwande, daß die italienischen Agitatoren, wie Mazzini, nichts mit der Internationale gemein haben und sich in di⸗ recter Opposition gegen diese befinden. 5

DasJournal officiel bringt an der Spitze folgende Note:In Folge der Aus- wechselung der Ratificationen der durch den Finanz- minister verhandelten Uebereinkunft hat die deutsch Armee von Berlin aus Weisung erhalten, die Räumung der 6 Departements, Aisne, Aube, Cote d'or, Haute Saone, Doubs und Jura, vor zunehmen.

Der Kriegsminister hat durch eine General- ordre vom 21. Okt. verfügt: Trotz wiederholter Weisungen fährt eine große Anzahl von Offizieren fort, Broschüren erscheinen zu lassen und in Zeitungen zu schreiben. Der Minister constatirt sogar mit Bedauern, daß die Mehrzahl dieser Veröffent⸗ lichungen sich lediglich auf persönliche Fragen beziehen. Da es darauf ankommt, um jeden Preis Ordnung in diese Akte der Indisciplin zu bringen, so beschließt der Kriegsminister, daß in Zukunft jeder Soldat, welches auch immer sein Grad sein möge, der sich durch die Presse derartige Ver⸗ öffentlichungen erlauben sollte, ohne dafür die vorgängige Erlaubniß erhalten zu haben, mit 30 Tagen strengen Arrestes bestraft werden wird. Im Rückfalle wird er sofort zur Disposition ge⸗ stellt und sein Rang ihm entzogen werden.

Dijon ist seit Donnerstag vollständig von der deutschen Armee geräumt, Lons le Saulnier laut Depesche am 22. Okt. i

Versailles. Die große Mehrzahl der bis jetzt bekannt gewordenen Präsidenten der General- räthe gehört, wie dieAgence Havas meldet, der regierungsfreundlichen Richtung an.

Belgien. Brüssel. Man schreibt der Indépendance aus Versailles, es würden bereits Unterhandlungen wegen völliger Räumung Frank⸗ reichs Seitens der deutschen Occupation geführt. Von den wegen Theilnabme an dem Auf⸗ stande der Communlsten in Paris verhafteten Belgiern sind wie derMoniteur mittheilt, 133 in Freiheit gesetzt worden, 183 befinden sich noch in Haft. 5

Großbritannien. London. DieTimes veröffentlicht Mittheilungen über die Unterredung eines ihrer Mitarbeiter mit dem Kaiser Napoleon, denen zufolge der Kaiser erklärt habe, er glaube nicht an eine bonapartistische Verschwörung, weil Frankreich sich von seinem Unglück ruhig erholen müsse und das gegenwärtige Provisorium keine Regierungsform ausschließe; auch könne kein Kammerbeschluß, sondern nur ein regelrechtes Ple.

nehmen. Den Ossizieren, weiche sich, als durch ihr Wort gebunden, an ihn gewandt hätten, habe er das Verbleiben im Dienste ihres Landes gestattet. Italien. Rom. Laut einem Privattele gramm von hier an dieBerl. Börs. Ztg. werden die Arbeiten im Sitzungssaale des Parla- mentsgebäudes unter starker militärischer Bewachung fortgesetzt, weil unter dem Sitzungssaale pulver gefüllte Fäßchen vorgefunden wurden. Türkei. Konstantinopel. In Folge der Gerüchte, die Regierung beabsichtige das Ein⸗ kommen der Moscheegüter für die Bedürfnisse des Staates zu verwenden, herrschte große Bewegung an der Börse.

Die Cholera ist trotz der ungünstigen feuchten Witterung im Abnehmen begriffen.

DieMalta⸗Times schreibt:Während man von einer Eisenbahn direct nach Indien spricht, um die Reise von London nach Calcutta in fünf Tagen zurückzulegen, hat der Vicekönig von Aegypten thatsächlich auf seinem Terri torium ein ähnliches Riesenwerk begonnen, näm⸗ lich die Eisenbahn-Verbindung von Ober- und Unter Aegypten. Am Endpunkt aller alten und modernen Civilisation legt auf Befehl des Vice königs eine Armee englischer Ingenieure und Ar-

jetzt fest, daß Deutschland und Oesterreich in

beiter den Schienenweg nicht nur bis zu den Grenzen von Nubien, sondern bis in das Herz

biscit ihm das von der Nation übertragene Mandat

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